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Kampf gegen Einsamkeit: Was am Ende zählt

Wer einsam ist, kann anderen Menschen nur mit Fassungslosigkeit und Beklemmung beim Leben zuschauen. Um dem schlimmsten aller Gefühle zu entkommen, hat man nur eine Wahl: Man muss sich auf die freundlichen Kleinigkeiten einlassen.

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wintergreen 04.07.2015, 15:12
50. Frag ich mich auch.

Zitat von jogi1709
geraucht haben mag ? Versucht sie sich als Wiedergeburt von Hedwig Courtz-Mahler ?
Was Frau Berg vor dem endgültigen Kitsch rettet, ist, dass sie sehr persönlich schreibt, weil sie ja doch eine Künstlerin ist. Dieses Menschelnde scheint ihr neuerdings zu gefallen und kommt offenbar gut an. Der Inhalt dieser Kolumne könnte genau so gut aus einem dieser Ratgeberheftchen stammen: vorhersehbares, etwas langweiliges Blabla - sorry, habs nicht zu Ende gelesen.

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rattentier@gmx.de 04.07.2015, 15:22
51. Therapeutisch wertvoll

Interessanter neuer Ansatz mit dem Weltschmerz und den Depressionen umzugehen. Öffentlich darüber schreiben, damit man ein bisschen Verständnis und virtuelle Unterstützung bekommt und nicht mehr alle immer so böse sind. Dann wieder.... Wer solche Probleme wirklich hat und nicht nur ab und an mal nen moralischen, der macht das nicht öffentlich.

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Der Emigrant 04.07.2015, 15:36
52. Eine andere Sichtweise

Demnach hat die Gesellschaft, welche man die gute nennt,
nicht nur den Nachteil, daß sie uns Menschen darbietet,
die wir nicht loben und lieben können, sondern sie läßt auch
nicht zu, daß wir selbst seien, wie es unserer Natur angemessen
ist; vielmehr nötigt sie uns, des Einklanges mit den anderen
wegen, einzuschrumpfen, oder gar uns selbst zu verunstalten.

Geistreiche Reden oder Einfälle gehören nur vor geistreiche
Gesellschaft. In der gewöhnlichen sind sie geradezu verhaßt;
denn um in dieser zu gefallen, ist durchaus notwendig, daß
man platt und borniert sei.

In solcher Gesellschaft müssen wir daher mit schwerer
Selbstverleugnung dreiviertel unserer selbst aufgeben,
um uns den andern zu verähnlichen.

Dafür haben wir dann freilich die andern: aber je mehr
eigenen Wert einer hat, desto mehr wird er finden, daß
hier der Gewinn den Verlust nicht deckt und das Geschäft
zu seinem Nachteil ausschlägt; weil die Leute in der Regel
insolvent sind, d. h. in ihrem Umgang nichts haben, das für
die Langweiligkeit, die Beschwerden und Unannehmlichkeiten
desselben und für die Selbstverleugnung, die er auflegt,
schadlos hielte: demnach ist die allermeiste Gesellschaft so
beschaffen, daß, wer sie gegen die Einsamkeit vertauscht,
einen guten Handel macht.

Schopenhauer

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Rassek 04.07.2015, 15:38
53. Einer..

.der stimmigsten Texte von Ihnen.
Fern des scharfen Schwertes der Ironie.
Danke, daß Sie mein Leben in Worte gefasst haben.
Diese Sehnsucht nach bleibendem Sinn, welcher doch als Sand zwischen den Fingern ins Leere rinnt.
" Wieder eine Nacht" von Hannes Wader, als Drehtürerlebnis.

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dimsche 04.07.2015, 15:43
54. Großartig

Vielen Dank. Genau so ist es. Leider. Allein mir fehlt der Glaube. Manchmal. Dann fühlt es sich genau so an. Nur der gibt mir Zuversicht und Hoffnung und kann diese immer offene Wunde heilen. Heil im Glaube.
Hoffentlich geht diese Rechnung am Ende auf. Die einzige Chance. Sonst ist nichts. Nicht einmal nichts.

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christian.lensing 04.07.2015, 15:52
55. Alter Ego leidet gern

aber wenn man sich mal überlegt, welch ein Zufall und welch eine Glückseligkeit es ist, dass man jeden Tag erleben darf, dann hat Leiden nur eine klitzekleine Statistenrolle im Leben. Man kann sich über unendlich viele Dinge jeden Tag freuen. Man lernt das nur nie. Jedenfalls nicht in unserem Bildungssystem. Da hat Glück nix zu suchen. Da geht es nur um Erfolg. Und das ist leider zum Glücklichsein of kontraproduktiv.

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Newspeak 04.07.2015, 15:53
56. ...

Der Einsame ist allein mit jemandem, den er nicht mag. Sich selber.

Das trifft es schon ganz gut.

Ich stelle mir dabei die Frage, warum sind bestimmte Menschen, die freiwillig die Einsamkeit suchen, oft so zufrieden, bisweilen glücklich? Und da macht die obige Feststellung dann einen Sinn, nämlich weil sie gut mit sich allein auskommen. Ich denke, das kann man lernen, vielleicht gibt es auch ein angeborenes Talent dafür, Introvertierte tun sich da vielleicht leichter. Nur, es will ja niemand lernen, weil überhaupt fast niemand sich mit den existentielleren, nein philosophischen Fragen auseinandersetzen will. Nicht nur "mal gehört haben", nicht nur "wahrnehmen", nein, wirklich mal damit auseinandersetzen. Das ist anstrengend. Das kann wehtun. Dafür müsste man Dinge in Frage stellen, sich selbst in Frage stellen, ALLES in Frage stellen. Das wollen, das können vielleicht auch die meisten Menschen aus diesen Gründen nicht. Es ist aber wie immer, wenn man Dinge verdrängt, sie holen einen ein, sie lassen einen nicht in Ruhe, sie kommen gerade dann hervor, wenn man sie verdrängt zu haben meint. Es geht nicht darum, "zu leben", um der Einsamkeit zu entfliehen, denn das ist meistens doch genau das Leben, das nur der Verdrängung dient, der Ablenkung, möglichst viel Aktionismus und alles ist gut. Nein, es ginge darum, "bewusst" zu leben, überhaupt ein Bewusstsein zu entwickeln, über seine eigene Person. Für Menschen, denen dies gelingt, ist Einsamkeit ein Freund, eine Erholung, eine Möglichkeit, sich genau in diesem Sinne weiter mit sich selbst zu beschäftigen.

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meinungslagerzerfrager 04.07.2015, 15:57
57. Wunderschön ...

und klar wie durch ein Prisma aufgelöst in absoluter Kürze beschrieben, wie sich das Lamento am Lauf des Lebens abreibt.

Freue mich immer, wenn Sie einer Hohepriesterin gleich, zum SPON-Samstagsgottesdienst, mit Ihren manchmal immer wieder besten Predigten daran gemahnen ...

Dem unfassbaren begegnen ... Was wir bewusstes Leben nennen ... neben unserer uns lenkenden Instinkt- und Triebgesteuerten absolut endlichen kurzen tierischen Körperlichkeit.

JA! Es ist die Herausforderung des Lebens ... Unser kleines bewusstes kurzes erwachen, oder sogar etwas wachwerden darin ... Und Herausforderung daran heißt eben nicht unbwedingt, zwischendurch auch mal anständig davon überfordert zu sein ...

Sie beschreiben es oft gnadenlos, aber in Gnade ...
Danke für die Liebe in Ihren Texten !!!

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acdropbox 04.07.2015, 16:25
58. das ganze hat einen Namen..

.. nennt sich klinische Depression. Ich kann jedem, der sich so fühlt, nur raten, sich die Hilfe zu suchen, die er braucht - Depressionen sind eine Krankheit mit einer hohen Sterblichkeitsrate, die unter keinen Umständen (wie leider hier der Fall) romantisiert werden sollte.

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darkview 04.07.2015, 16:26
59. Einsamkeit ist schlimmer, als gestorben zu sein.

Danke für diesen Beitrag. Einsamkeit ist wirklich schlimm, besonders, wenn man es nicht anders kennt, aber die anderen Menschen beobachtet. Es ist oft ein riesiges Paket an Schmerz, das man aus der Ursprungsfamilie mitbringt. 20 Jahre Therapie und es tun sich doch wieder neue Baustellen auf. Von allen lang anhaltenden Gefühlen ist Einsamkeit das für mich schlimmste. Ein Schmerz der kaum vergeht und, wenn er kurzzeitig abwesend sein sollte, die Angst davor nur noch verstärkt. Die Sehnsucht nach dem Tod, und das Wissen, darüber selbst entscheiden zu dürfen, ist das einzige, was das Überleben sichert. Wenn sich die Situation aber langfristig nicht ändert oder man an die falsche Therapie gerät, dann ist der Selbstmord die einzige und logische Lösung. Damit ist kein Liebeskummer gemeint, sondern Bindungsstörungen, deren Ursache im Säuglingsalter anfangen, wenn nicht sogar schon vor der Geburt. Oder lang anhaltende Traumatisierung in der Kindheit und Jugend. Einsamkeit ist schlimmer als der Tod denn Einsamkeit ist der Sterbeprozess der Seele.

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