Forum: Kultur
Keine Krise beim Kino?

Der Kampf geht weiter: Die Berlinale 2011 präsentiert sich erneut als Politforum. Vom Apo-Drama über Paramilitär-Thriller bis zur Transgender-Hymne ist alles dabei. Wird es große Filmkunst geben? Bleibt trotz sinkender Zuschauerzahlen in Deutschland dem Kino die Krise erspart?

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dextermorgan 10.02.2011, 18:49
1. Großes „B“ an der Spree!

Das Panorama überzeugt dieses Jahr leider nur mit seinen Dokumentarfilmen.
Meine Favoriten hier sind:
-„How Are You“ Doku über die Künstler Michael Elmgreen und Ingar Dragset
-„Khodorkovsky“ über den ehemaligen Öl-Oligarchen und Putin Gegner Chodorkowski
-„Mondo Lux- Die Bilderwelten des Werner Schroeter“

Das Beste, wie auch in den letzten Jahren ist die Berlinale Sektion „Generation“.
Mit ihrer großartigen Auswahl an „kplus“- und „14plus“-Filmen bildet sie immer den Lichtstreif an dem Festivalhorizont der Berlinale.
Alle guten Filme hier zu nennen, würde den Rahmen sprengen. Hier nur ein paar Goodies:
-„Red Dog“ aus Australien (14plus)
-„The Dynamiter“ aus den USA(14plus)
-„West is West“aus UK (14plus)
-„On the Ice“, Coming of Age Drama aus Alaska (14plus)

-„Jorgen +Anne=Sant“(kplus)
-„De sterkste Man van Nederland“ (kplus)
-„Mabul“, Jugend-Autisten-Drama aus Israel(kplus)
-„ Knerten Gifter Seg“ (kplus)

Den absoluten Tiefpunkt dieser Sektion markiert, wen wundert‘s, der Deutsche“ Bauer sucht Mann“- Beitrag „Stadt, Land, Fluss“!

Nicht nur für die alten Cineasten unter uns sondern auch für die jungen Cineasten die wirkliche Filmkunst neu entdecken wollen bietet die Retrospektive, die diesmal Ingmar Bergmann gewidmet ist, den einen oder anderen Leckerbissen.
Unbedingt mal wieder auf der großen Leinwand sehen:
-„The Seventh Seal“
.“Wild Strawberries“
Da der erste Goldene Bär schon feststeht, er geht dieses Jahr an den grade 80 Jahre gewordenen Schauspieler Armin Müller Stahl, wird dieser auch mit einer Hommage geehrt.

Dort kann man dann nochmal so schöne Filme sehen wie „SHINE“, Costa-Gavras „Music Box“ und Berry Levinsons „AVALON“, Jim Jarmuschs „Night on Earth und als besonderer Leckerbissen der Film Lola von Rainer Werner Fassbinder!

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dextermorgan 10.02.2011, 18:50
2. Großes „B“ an der Spree!(1)

Nun ist es wieder soweit! Alle Jahre wieder putzt sich Berlin zu dem Filmereignis in Deutschland heraus.
Seit Anfang Februar sind am Potsdamer Platz die neuen einfallslosen Plakate der diesjährigen 61. Berlinale zu sehen, die sich wie ein „Testbild bis zum 20.02. in die Gehirne der Passanten einbrennen werden. Für die einen ist es die stilisierte japanische Kriegsflagge, vielleicht wenn man solche in Plakat lange genug anschaut tut sich ein „3D“.Logo auf(??) oder ist es, wenn man sie mit einer Spezialbrille betrachtet ein Träger einer unterschwelligen Botschaft?!
Zu mindestens ist das Plakat genauso Einfallslos wie der diesjährige Wettbewerb!
Am Allerschlimmsten ist allerdings, dass wieder das ewig grienend-tatschende Honigkuchenpferd des deutschen roten Festivalteppichs sein dilettantisches Unwesen treibt: Herr Dieter Kosslick.
Auch dieses Jahr wird er in seinem speziellen „Kosslick-English(ähnlich dem Oettinger-English) als Gastgeber „seine“ Gäste bis in die Intimsphäre betatschen! Wäre er nicht der Festival-Chef könnte man ihn durchaus für einen Stalker halten!
Nach dem letztjährigen Geburtstagsfilmfest, wo im Wettbewerb auch schon nicht die besten Filme des Festivals liefen, bestätigt sich mal wieder die Filmunkenntnis des Herrn Kosslick.
Eröffnet wird die diesjährige Berlinale mit der Neuadaption des Romans durch die „Coen-Brüder“ „The True Grit“ von Charles Portis, dessen Roman den älteren Kinogängern noch unter dem Titel „Der Marshall“ mit John Wayne bekannt sein dürfte.
Zugegeben hierbei handelt es sich um eine hochgradige Besetzung wie Jeff „DUDE“ Bridges, Matt Damon und Josh Brolin. Der Film an sich ist handwerklich gut gemacht und gemessen an den Detaileversessennen „Coen Brüdern“ wie immer atmosphärisch dicht und schörkellos. Man merkt sofort, dass sich die Regisseure Den Film „Der Marshal“ sehr genau angesehen haben und auswendig kennen.
Also durchaus zu empfehlen!
Weitere Filme, die zu sehen sich im Wettbewerb lohnt sind:
Der „Finanz-Crash –Krimi“ „Margin Call“ mit Kevin Spacey, Jeremy Irons und Demi Moore.
„Coriolanus“ Shakespeare-Adaption von und mit Ralph Fiennes, Gerard Butler und Venessa Redgrave.
Der Bela Tarr „The Turin Horse“

Die deutschen Filme, wenn es diese heutzutage mit als Ko-produktionen eigentlich noch gibt, laufen mehrheitlich, wie die Filme der ewigen Dokumentarfilmer Herzog(„Cave of Forgotten Dreams“) und Wenders („Pina“ in 3D) außer Konkurrenz.
Ansonsten sollte man sich für die „Berlinale Specials“ auch etwas Zeit nehmen.

Hier warten die Filme
„The Kings Speech“, mit Colin Firth, Geoffrey Rush, Helena Bonham Carter und 12 Oscar-Nominierungen,
„Toast“, Mit Helena Bonham Carter und Kenn Scott, und als Cineastischer Leckerbissen
„Taxi Driver“ mit Robert De Niro und Jodie Foster auf das Kinopublikum.

Dieses Jahr kommen auch wieder die Kinogänger auf ihre Kosten, die Erstlingsfilme, Experimentalfilme und das Kino der Welt wieder entdecken wollen.
Das Forum und das Panorama bieten hier wieder ein reichhaltiges Füllhorn an Filmen an, die zu gut für den Wettbewerb waren.

Für das Forum empfehle ich:
-„Heaven’s Story“ , japanischer 4 ½ Stünder!!
-„Folge mir“, ein schwarzhumoriger Film aus Österreich
-„Patang(The Kite)“ aus Indien
-„Amnistia(Amnesty“) aus Albanien
- „Viva Riva“ aus dem Kongo!
Für Leute die es Experimental Kino lieben, den seien die Filme des sog. „Forums Expended“ ans Herz gelegt.

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systemfeind 10.02.2011, 20:14
3. "Eisbär" fake remake als intro song

Zitat von sysop
Der Kampf geht weiter: Die Berlinale 2011 präsentiert sich erneut als Politforum. Vom Apo-Drama über Paramilitär-Thriller bis zur Transgender-Hymne ist alles dabei. Wird es große Filmkunst geben? Bleibt trotz sinkender Zuschauerzahlen in Deutschland dem Kino die Krise erspart?
http://www.youtube.com/watch?v=cTuTc_liKS4

zu dumm , es gibt Internet ; die mäßig begabte Musikgruppe zu Beginn der Dummenshow hat doch tatsächlich ein völlig versautes remake von "Eisbär" vorgedudelt . Fremdschäm .

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toskana2 10.02.2011, 23:13
4. große Filmkunst?!

Zitat von sysop
(...) Wird es große Filmkunst geben? (...)
"True Grit" als "große Filmkunst"?!
Eher ne Käsenummer!

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Stefan Herrmann 11.02.2011, 08:32
5. Bevor sich wegen der Berlinale wieder alle überschlagen -

eine kleine Ergänzung:
"Die Internationalen Filmfestspiele Berlin sind seit 2001 Teil der "Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH". Sie werden in diesem Jahr mit 6,5 Millionen Euro aus dem Haushalt des Kulturstaatsministers gefördert.

Mit 250.000 Euro unterstützt der Kulturstaatsminister außerdem in diesem Jahr den Berlinale Talent Campus. Zusätzliche Mittel in Höhe von 300.000 Euro durch die Kulturstiftung des Bundes gibt es auch für den World Cinema Fund."
Es wird ja nur zu gerne unterschlagen, was das Sektglasschwenken der C-Promis den Steuerzahler kostet...

Und nun feiert euch weiter!

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Peter Werner 11.02.2011, 11:39
6.

Immer wenn ich mir das Wettbewerbsprogramm der Berlinale anschaue stelle ich mir die Frage: wer schaut sich diese Filme überhaupt an?
Wenn ich schon die Liste der diesjährigen Wettbewerbsfilme sehe:

http://www.cinema.de/kino/news-und-s...onArticle.html

"A TORINÓI LÓ"; ein Existenzdrama aus Ungarn
"BIZIM BÜYÜK ÇARESIZLIGIMIZ"; ein Dreiecksliebesdrama um zwei Männer und eine Frau in einer WG in Ankara.
"LES CONTES DE LA NUIT"; ein Scherenschnittanimationsfilm
"CORIOLANUS"; ein in die Gegenwart verlegte Shakespeare-Drama
"EL PREMIO"; ein Familiendrama vor dem Hintergrund der argentinischen Militärdiktatur
"THE FORGIVENESS OF BLOOD"; Familiendrama um die Auswirkungen einer Blutfehde in Albanien
"THE FUTURE"; Zwei-Personen-Drama von und mit Performance-Künstlerin July
"JODAEIYE NADER AZ SIMIN"; Eine Iranerin will das Land verlassen, ihr Mann weigert sich, daraufhin reicht sie die Scheidung ein
"MARGIN CALL"; Bankenthriller, der kurz vor der Finanzkrise 2008 spielt.
"ODEM"; Tragikdrama um zwei Frauen und ein entscheidendes Ereignis aus ihrer Vergangenheit.
"SARANGHANDA, SARANGHAJI ANNEUNDA"; Ein Paar verbringt die scheinbar letzten gemeinsamen Tage vor der vereinbarten Trennung in fatalistischer Harmonie miteinander.
"SCHLAFKRANKHEIT"; Familiendrama um einen Entwicklungshelfer in Kamerun, der nach Deutschland zurückkehren soll
"UN MUNDO MISTERIOSO"; Schwarze Liebeskomödie um ein Paar, das eine Trennung auf Zeit beschließt.
"V SUBBOTU"; Tragikomisches Liebesdrama vor dem Hintergrund der Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986
"WER WENN NICHT WIR"; Die Vorgeschichte der RAF, nach dem Buch von Gerd Koenen: "Vesper, Ensslin, Baader - Urszenen des deutschen Terrorismus
"YELLING TO THE SKY"; Coming-of-age-Drama um eine 17-Jährige allein in New York

Sorry; aber dies ist doch in der Mehrzahl einfach nur Müll. Wer schaut sich so etwas freiwillig an? Viele dürften es nicht sein (was auch daran zu sehen ist, dass die Meisten dieser Filme noch nicht einmal einen Kinostart in D bekommen).
Berlin sollte sich einmal ein Beispiel an Cannes nehmen, dort laufen auch Filme für welche sich das Publikum interessiert. In Berlin jedoch scheint dies eher ein Ausschlußkriterium zu sein.
Wer kann beispielsweise etwas mit den Preisträgern der letzten Jahre (ab 2005) anfangen; und wer kennt diese überhaupt? (zu finden hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Goldene...4r#Spielfilme).

Nicht zu vergessen: in dieses Festival fließen mehrere Millionen Euro öffentlicher Subventionen.

So, und jetzt feuer frei für die "nur arte und 3sat / Fernseher abgeschafft" Fraktion

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GyrosPita 11.02.2011, 21:34
7.

Zitat von Peter Werner
Immer wenn ich mir das Wettbewerbsprogramm der Berlinale anschaue stelle ich mir die Frage: wer schaut sich diese Filme überhaupt an? Wenn ich schon die Liste der diesjährigen Wettbewerbsfilme sehe: "MARGIN CALL"; Bankenthriller, der kurz vor der Finanzkrise 2008 spielt. --------------------------------------------------- Sorry; aber dies ist doch in der Mehrzahl einfach nur Müll. Wer schaut sich so etwas freiwillig an? Viele dürften es nicht sein (was auch daran zu sehen ist, dass die Meisten dieser Filme noch nicht einmal einen Kinostart in D bekommen).
Also, DEN werde ich mir ansehen (wohl eher auf DVD, da ich nicht glaube das der hier bei uns im Kino läuft), da ich einigermaßen vom Fach bin. Verdiene meine Brötchen mit dem Abwickeln von Terminbörsengeschäften, und "Margin Calls" sind bei uns ein ganz gewöhnlicher Vorgang.

Aber Sie haben Recht, gerade bei solchen Stoffen besteht die Gefahr das Experten fluchend aus dem Kino gehen weil der Regisseur ihrer Meinung nach nur einen oberflächlichen Bohei inszeniert hat, und Nicht-Experten schütteln den Kopf weil sie denken "was sollte das denn, ich hab kein WOrt verstanden"...

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gfh9889d3de 12.02.2011, 11:45
8. Milchjungenrechnung

Zitat von Stefan Herrmann
Sie werden in diesem Jahr mit 6,5 Millionen Euro aus dem Haushalt des Kulturstaatsministers gefördert.
Ja lass sie doch!

Den 600.000 Hartz-VI-Empfängern Berlins könnte ansonsten im Monat um die 80 Cent mehr überwiesen werden, wenn das Fest nicht stattfände.

Sollte der Betrag bundesweit umgelegt werden, verminderte sich der Betrag leider auf ca. 8 Cent pro Monat.

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juerv1 12.02.2011, 17:51
9. .

Zitat von Peter Werner
Sorry; aber dies ist doch in der Mehrzahl einfach nur Müll. Wer schaut sich so etwas freiwillig an? Viele dürften es nicht sein (was auch daran zu sehen ist, dass die Meisten dieser Filme noch nicht einmal einen Kinostart in D bekommen).
Solche Festivals wie die Berlinale sind eine inzestuöse Veranstaltung, wo sich die Branche selbst feiert und furchtbar wichtig nimmt.

Ob die ganzen Filme überhaupt ein Publikum finden, ist da gar nicht mehr wichtig. Wer erinnert sich schon an die Bären-Gewinner der letzten Jahre? Wieviele Leute haben diese Filme im Kino gesehen, wenn sie überhaupt einen Verleih gefunden haben?

Letzten Endes geht es nur darum, die Berlinale-Subventionen zu verpulvern und ein paar Ami-Stars über den roten Teppich laufen zu lassen, damit das Festival "glamourös" aussieht. Die Stars kommen natürlich nur, weil entweder a) ordentlich Kohle rüberwächst oder b) sie eine Werbeplattform für ihre Filme brauchen.

Hauptsache, die Organisatoren dürfen sich bei all dem besonders wichtig vorkommen.

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