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Kino-Kitsch "Australia": Lady Nicole im Nirgendwo

Groß, größer, "Australia"? Regisseur Baz Luhrmann wollte ein Meisterwerk schaffen, ein Epos über sein Heimatland. Entstanden ist ein brachial enttäuschender Genrebastard mit Kidman und Jackman, öder Computeroptik und furchtbarem Drehbuch - ein Aquarium hat mehr Tiefe als dieser Film.

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vincenz72 25.12.2008, 13:35
1. Filmkritik zu Australien

Man kann so einfach, so mühelos.... alles schlecht finden. Es ist immer eine wunderbare Lösung für einen Filmkritiker, der selbst nicht imstande wäre, einen einigermassen unterhaltsamen dreiminütigen Geburtstagsfilm für ein 5 jähriges Kind zu drehen. Die Anstrengung, die hinter jedem Film, besonders aber einem Werk wie " Australia" steht, hat sowenig mit der kleinen, halb gemütlichen, halb frustrierten Lebenswelt eines Filmjournalisten zu tun, der tageintagaus Filme am Laufband sieht, um sie dann von seinem hohen Ross ( auf dem er absurderweise zu sitzen gedenkt) zu beurteilen. Er fällt also ein Urteil und dieses muss hart sein, seine einzige Möglichkeit, irgendein Profil zu gewinnen, ist Schärfe. Ein Lob, Bewunderung oder gar kindliche, naive Freude.....davon hat sich ein Kritiker lange entfernt. Die Kritik zu "Australia" zeigt, wie analytisch, wie nüchtern, wie unfähig zur Romantik, zur Unterhaltung...dieser Kritiker in einem dunklen Kinosaal sitzt, sofort bereit zur Attacke und zur Vernichtung der Arbeit hunderter Menschen über Jahre hinweg. Natürlich ist auch immer eine gehörige Portion Neid im Spiel, klar, das ist menschlich, aber das Selbstbewusstsein, die laute Stimme, die jemand erhebt, um gnadenlose Urteile über Filme zu fällen, hinter deren Kulissen er nie wirklich blicken kann und deren Handwerk er nie wirklich begreifen wird, egal, wieviel Bücher oder Ein Tages Touren er an Filmsets unternimmt, diese seltsam von eigenen Zweifel befreite,, humorlose und harte Art der Kritik....ist einfach erstaunlich dreist und....tragisch.
Die diebische Freude, etwas kaputt und lächerlich machen zu wollen, gepaart mit einer seltsamen Genugtuung, sich wieder mal nicht gut unterhalten zu haben, ist Markenzeichen vieler deutschen Filmkritiker. Das ist auch der Grund, warum diese schwer verkopften, wenig sinnlichen und oftmals humorfreien Nichtserleber grosse Profilierung und elitäre Befriedigung empfinden, wenn sie endlich mal wieder irgendwelche blutleeren, kunstgewerblichen, absichtsvollen und betont langsamen Kunstfilmwerkchen der " Berliner Schule" oder ähnlichem Quatsch angötzen dürfen, wo alle ernst und bedeutungsvoll herumgucken, als Kinder missbraucht wurden und ständig der Wind durch die Büsche weht. Dann kommt das Lieblingswort der Deutschen Pseudointellektuellen zum Einsatz: " Unaufgeregt erzählt", loben sie. Warum eigentlich nicht mal " aufgeregt" erzählt? Oder besser noch: " "Aufregend?"

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barlog 25.12.2008, 15:06
2. .

Zitat von vincenz72
Man kann so einfach, so mühelos.... alles schlecht finden.. . ...
Nicht schlecht, vincenz72 ! Sie sind der Erste hier, bei dem ich mich frage, wer sich wohl hinter diesem Pseudonym verbirgt. Ein Betroffener ?
Zum kritisierten Film muss ich sagen, daß ich ihn nicht gesehen habe, aber grundsätzlich die hier gebotene Form der herablassenden, fast ausschließlich negativen Filmkritik genauso verabscheue.
Vermutlich fühlt man sich in dem muffigen Stübchen, in dem dergleichen in die Tastatur gehämmert wird, sehr modern und mit dem Zeitgeist verbunden, welcher sich allerorten durch Diffamieren und Lustigmachen über nicht perfekte (perfekt angepasste) und darum angreifbare Zeitgenossen auszeichnet.
Der Film "Australia" mag gewiss wie viele Filme der Gegenwart ein gewisser Eintopf sein, zusammengesetzt aus den Zutaten, mit denen man eine möglichst große Zahl von Kinobesuchern erreicht (man beachte allein die immer, immer gleiche Zusammensetzung der Protagonistentruppe), aber so eine Filmproduktion ist - leider - nicht mehr denkbar, ohne die Interessen der Produzenten zu berücksichtigen.
Die heutzutage gewiss keinem Stanley Kubrick mehr viel Geld anvertrauen würden . ...
Also, wie mein Vorredner schon bemerkt hat: Bei aller Kritik - ein bißchen mehr Respekt vor der Arbeit von Hunderten, die jahrelang mit Begeisterung und bestimmt viel Herzblut an so einem Film gearbeitet haben ! Wovon sich ganz bestimmt sehr viele Menschen, die diesen Film sehen werden, anstecken lassen.

Übrigens, Herr Kritiker, "Crocodile Dundee" sei "Dummbatzklamauk"? Hmm, vermutlich würden sie über diesen Film eine noch viel vernichtendere Kritik als über "Australia" schreiben. Oder haben dies schon getan?
Es ist ja auch wirklich nur ein Unterhaltungsfilm mit Slapstickeinlagen, manchmal fast ein bißchen dilletantisch gemacht. Für einen Kritiker höchstens ein Naserümpfen wert, nicht wahr ?
Aber der Film ist mit Herz gemacht und das spürt man. Deswegen erinnern sich heute noch viele Menschen gern an diesen (wirklich etwas abgedrehten) Film.
Und Leute, die das nicht mitkriegen und trotzdem Geld dafür kriegen, ihre subjektiven Betrachtungen über Filme der Öffentlichkeit zur Schau stellen zu dürfen, dürfen meiner Meinung nach getrost ignoriert werden.

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Kunze 25.12.2008, 15:16
3. Filmkritiker

Zitat von vincenz72
Man kann so einfach, so mühelos.... alles schlecht finden. Es ist immer eine wunderbare Lösung für einen Filmkritiker, der selbst nicht imstande wäre, einen einigermassen unterhaltsamen dreiminütigen Geburtstagsfilm für ein 5 jähriges Kind zu drehen. Die Anstrengung, die hinter jedem Film, besonders aber einem Werk wie " Australia" steht, hat sowenig mit der kleinen, halb gemütlichen, halb frustrierten Lebenswelt eines Filmjournalisten zu tun, der tageintagaus Filme am Laufband sieht, um sie dann von seinem hohen Ross ( auf dem er absurderweise zu sitzen gedenkt) zu beurteilen. Er fällt also ein Urteil und dieses muss hart sein, seine einzige Möglichkeit, irgendein Profil zu gewinnen, ist Schärfe. Ein Lob, Bewunderung oder gar kindliche, naive Freude.....davon hat sich ein Kritiker lange entfernt. Die Kritik zu "Australia" zeigt, wie analytisch, wie nüchtern, wie unfähig zur Romantik, zur Unterhaltung...dieser Kritiker in einem dunklen Kinosaal sitzt, sofort bereit zur Attacke und zur Vernichtung der Arbeit hunderter Menschen über Jahre hinweg. Natürlich ist auch immer eine gehörige Portion Neid im Spiel, klar, das ist menschlich, aber das Selbstbewusstsein, die laute Stimme, die jemand erhebt, um gnadenlose Urteile über Filme zu fällen, hinter deren Kulissen er nie wirklich blicken kann und deren Handwerk er nie wirklich begreifen wird, egal, wieviel Bücher oder Ein Tages Touren er an Filmsets unternimmt, diese seltsam von eigenen Zweifel befreite,, humorlose und harte Art der Kritik....ist einfach erstaunlich dreist und....tragisch. Die diebische Freude, etwas kaputt und lächerlich machen zu wollen, gepaart mit einer seltsamen Genugtuung, sich wieder mal nicht gut unterhalten zu haben, ist Markenzeichen vieler deutschen Filmkritiker. Das ist auch der Grund, warum diese schwer verkopften, wenig sinnlichen und oftmals humorfreien Nichtserleber grosse Profilierung und elitäre Befriedigung empfinden, wenn sie endlich mal wieder irgendwelche blutleeren, kunstgewerblichen, absichtsvollen und betont langsamen Kunstfilmwerkchen der " Berliner Schule" oder ähnlichem Quatsch angötzen dürfen, wo alle ernst und bedeutungsvoll herumgucken, als Kinder missbraucht wurden und ständig der Wind durch die Büsche weht. Dann kommt das Lieblingswort der Deutschen Pseudointellektuellen zum Einsatz: " Unaufgeregt erzählt", loben sie. Warum eigentlich nicht mal " aufgeregt" erzählt? Oder besser noch: " "Aufregend?"
Möchte mich der Meinung anschließen.

Was mir aufgefallen ist, es wird sich hier z. T. nicht mal mehr die Mühe gemacht, die Filme selber anzusehen. Man bedient sich stellenweise Artikeln aus anderen Magazinen, wie z.B. dem Time-Magazin, die werden dann nur noch umgeschrieben. Was mir, vor Jahren, bei einer Filmkritik von "Matrix Revolution" aufgefallen ist.
Mehr habe ich eigentlich nicht zu sagen, außer das ich immer wieder selber auf dieses Kommerzblatt stoße und ich so langsam genervt bin, immer wieder die mit "Kraftwörtern" voll gestopften, Artikel zu lesen. Und dass nur um dem einfachen Leser bereits eine Meinung aufzuzwingen zu wollen. Es kann nicht immer alles so schlecht sein. Muss wohl am ausgeprägten Schubladendenken liegen.

Gruß

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Yitzhak 25.12.2008, 15:40
4. Scheinkompetenz zur Schau gestellt

Es ist mehr als nur traurig, Artikel wie solche zu lesen. Destruktivität klingt in jeder Zeile, jegliche Objektivität lässt sich vergebens suchen. Dies darin begründet, dass der Verfasser des Arikels scheinbar wie im Wahn kritisieren will und das Lob wie die Pest fürchtet.
Es ist unbeschreiblich, nein, es ist vielleicht einfach unser Deutschsein, unser sich-mal-nie-freuen-können.

Viel möchte ich nicht sagen, außer mich meinen Vorgängern hier ausnahmslos anschließen und die Hoffnung zu addieren, dass es noch Menschen gibt die an mehr glauben als nur an das unvollkommene.

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MediengruppeTelekommander 25.12.2008, 15:41
5. stimme vorredner 1 und 2 zu

Zitat von barlog
... muss ich sagen, daß ich ihn nicht gesehen habe, aber grundsätzlich die hier gebotene Form der herablassenden, fast ausschließlich negativen Filmkritik genauso verabscheue... en.
Gleiches gilt für mich. Ich blase ins exakt baugleiche Horn wie meine Vorredner. Filmkritiken sind wichtig, aber man sollte mal aufhören, alles aus der rein intelektuellen und extrem-analytischen Sicht zu bewerten. Es gibt nun mal Filme, zu welchen Vorliegender meiner Meinung nach zählt, die sind zur reinen Unterhaltung da und haben keinen politischen oder gesellschaftskritischen Anspruch. Der hochgebildete Kritiker macht es sich zu leicht, einfach einen Verriss zu schreiben.

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Pupskanone 25.12.2008, 15:42
6. Schmarrn!

Hm...wenig stichhaltig die Kommentare bisher. Natürlich gibt es gute und schlechte Filme. Der Aufwand steht in keinem kausalen Verhältnis zur Qualität. Seit wann das denn?! Meines Wissens war z.B. "Waterworld" seinerzeit finanziell, als auch logistisch einer der aufwendigsten Filme. Schon mal von dem gehört... Im übrigen müssen Filmkritiker selber keine Filme machen können. So ein Schmarrn.
Danke für die Kritik, klingt plausibel. Werde mir Film sicher nicht ansehen.

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marchofer 25.12.2008, 17:08
7. so mir ist auch...

gerade mal langweilig ( Weihnachten und so ) und schreib jetzt auch mal ein bisschen meine Meinung ins Web. Ich hab den Film gesehen ( leider ) und hab mir schon vor ein paar Monaten bei dem Trailer gedacht "Auweija". Auf der anderen Seite wusste ich aber auch, dass so ein Film bei der breiten Masse wohl super ankommt ( die gross angelegte Marketingattacke erledigt ja meist dann den Rest ).

Im Allgemeinen kann man dem Kritiker eigentlich zustimmen. Na ja, er hat sich eine Mischung aus Winde-verweht und der endlose Horizont gewuenscht. Ihm intellektuelles Gehabe vorzuwerfen ist bei so einem Ansatz ja wohl lächerlich. Klar sollen Filme auch unterhalten, Kritiker sollen aber auch kritisieren. Und wenn halt ein Film dramaturgisch und erzähl technisch leider daneben gegangen ist, dann hat er noch lange keinen Ritterschlag verdient, nur weil genug Menschen auf so einen Mist stehen.

Also lasst den Kritiker mal kritisieren.

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dorothyvallens 25.12.2008, 17:10
8. worüber die aufregung?

Im Gegensatz zu der Mehrheit der bisherigen Kommentare finde ich, dass die Kritik zu "Australia" eher ausserordentlich heiter und gelassen ausgefallen ist.

Es ist doch so, dass der Zuschauer allgemein Themen wie "Geburt einer Nation" und ähnlich hochtrabende Drehbuch-Aufgabenstellungen, wie sie offensichtlich noch heute als Budgetrechtfertigung für grosse Projekte herangezogen werden müssen, um Kredit, Filmfonds und Filmförderungen finanziert zu bekommen, einfach über hat. Macht doch mal was anderes, was Neues, was Leichtes, was Lustiges! Was für uns!

Wenn dieses falsche Pathos auch noch bemüht aufgepeppt wird durch angesagte politisch korrekte, aber nicht wirklich ernst gemeinte, angeeignete aber nicht verinnerlichte, keine gesellschaftliche Relevanz entwickelnde kulturelle Diskurse, so ist es doch nur legitim, zu fragen, welche Absichten ausser der des weltweiten Box-Offices sich hinter solchen Filmen verbergen - und diese kritisch zu würdigen. Angesichts der Summen, die nicht nur an Gehältern für "Stars" bewegt werden, sicher eine wichtige Aufgabe.

Der Journalist trägt also seiner Informationspflicht Rechnung, wenn er seine Leser vor Kauf der Kinokarte aufklärt und er Vergleiche zu "Vom Winde verweht" anstellt. Dass er mit seiner Meinung richtig zu liegen scheint, kann jeder unschwer nachvollziehen, wenn er nur den praktischerweise gleich in die Kritik integrierten Trailer anschaut.

Dem Filmkritiker in den Kommentaren zu unterstellen, er müsse selber Filme machen, um mitreden zu können, spiegelt die Haltung der Filmbranche wieder, die die Medien nur zu gerne für ihre Themen instrumentalisieren möchte - und die als Gralshüter vielleicht sogar selbst regeln möchte, wer mitreden darf und wer nicht. Beinahe scheint man beim Lesen einen Ekel nach zu empfinden, der sich aus der Berührung der kulturellen Elite, des Geldadels, mit dem vermeintlichen Plebs, dem "armen" Intellektuellen, speist. Ist das demokratiefeindlich? Gar totalitär? Und spiegelt es möglicherweise eine Geisteshaltung wider, in der der Star alles ist, das durchschnittliche Individuum mit seinen Sorgen und Nöten aber gar keine Daseinsberechtigung hat?

Warum soll denn alles immerzu als "aufregend" bezeichnet werden, wenn es doch langweilig und fad ausgefallen ist? Ärgern sich die Filmemacher vielleicht, dass das Wort eines Kritikers an der richtigen Stelle mehr Gewicht erlangen könnte als ihr "heiliges Gut", als alle von ihnen aufgewendeten Investitionen?

Den Kritiker als frustrierten Neider zu bezeichnen, der angeblich mit seinem pseudointellektuellen Halbwissen und diebischer Freude einen Film "verreisst", ist eine böse Diffamierung und ein persönlicher Angriff, der nicht durch die Qualität des hier vorliegenden Artikels zu rechtfertigen ist.

Man kann sich nur freuen, dass die Entwicklung des Internets und der individuelle Gebrauch der Technik heute kritischere Zuschauer/innen hervor bringt, die von den Medien immer weniger zu manipulieren sind, weil sie immer mehr eigene Inhalte verfassen. Das Fernsehen hat diese Entwicklung noch nicht verwertet, das Kino hat diese Erkenntnis noch nicht verstanden.

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brunopez 25.12.2008, 19:31
9. Kritik daneben

Der Autor des Artikels mag vielleicht sogar Filme. Was er meiner Meinung nach allerdings liebt, sind die eigenen Filmkritiken. Welch wohlige Schauern müssen ihn beim Schreiben seines "Australia" Verisses durchschüttelt haben?
Damit kann ich als Leser aber nichts anfangen.
Wenn ich Filmkritiken lesen möchte, die für das Publikum geschrieben wurden und und mir einen Hinweis darauf geben, ob mir dieser oder jener Film gefallen könnte, werde ich dies weiterhin bei Roger Ebert tun.

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