Forum: Kultur
Kinosensation "Mommy": Ich lebe für sie
Weltkino

In "Mommy" versuchen ein gewalttätiger Teenager und seine überforderte Mutter, sich als Kleinfamilie neu zu erfinden. Xavier Dolan liefert ein Kinoerlebnis voll umwerfender Pop-Momente - einer der Filme des Jahres.

anon_berlin 15.11.2014, 22:40
1. Naja

Ich bewundere die Experimentierfreude des Regisseurs. Ich kann beim 5. Film jedoch für mich sagen, dass ich endlich was neues sehen will von ihm. Immer die gleiche Geschichte im neuen Gewand ist mir zu wenig.-- Das Feuilleton liebt ihn, d.h. im Klartext , dass seine durch kanadisches Steuergeld finanzierten Filme 3-4 Aufführungen auf den "wichtigsten" Filmfestivals haben und danach für relativ wenig Geld in einige Länder verkauft werden.Dort erreichen seine Filme meistens nicht mehr als 20 000 Zuschauer. Die Wettbewerbsfilme in Cannes interessieren mittlerweile seit einigen Jahren nicht wirklich die Weltvertriebe bzw. das Publikum mehr. Hier feiert sich ein kleiner Zirkel mit Hilfe von Steuergeldern selber. In der Vergangenheit war Cannes das Highlight neben den Oscars. Filme, die dort gewannen waren z.B Taxi Driver, Apocalypse Now, Oldboy....aber wer kennt schon die Palmenträger der letzten 3 Jahre? Kinoliebhaber. Winter Sleep, Blue is the warmest Color, Liebe und Tree of Life waren allesamt megaflops an den Kinokassen, was an sich nicht so schlimm ist. Das ist auch Apocalype Now passiert. Jedoch hat Apoclypse Now Jahr für Jahr seine Produktionskosten eingespielt (Die Coppola zum grossen Teil selber gestellt hat). Aber die genannten verschwinden in der Versenkung bzw. landen in der Ecke bei Saturn, wo Spinnen untereinander Revierkämpfe austragen.

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derdesillusionierte 16.11.2014, 09:46
2. Dolan

hat mit J'ai tué ma mère einen der Filme über Coming of Age gemacht,die so stark sind, dass Sie noch lange in Erinnerung bleiben. Ich habe jedoch schon damals seinen Stil nich als unkonventionell oder gar bahnbrechend empfunden, sondern einfach als spielfreudig und etwas überästethisiert, sein Film Heartbeats war Dann meiner Meinung nach ein cineastisches Desaster, eine schon tausendmal gesehene Geschichte, Neu erzählt mit ein paar Spielereien abgerundet.Doch allein wegen dem Erlebnis, was mir J'ai tué ma mère durch seine berauschenden, knalligen Bilder, seine grandiosen Dialoge und seine ehrliche Erzählweise gegeben hat, werde ich mir Mommy angucken.

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MiniMoogMe 16.11.2014, 10:29
3. @anon_berlin

Es tut mir Leid, aber das ist sehr selektive Wahrnemung. Schauen Sie sich doch andere Gewinner der Palme d'Or um die Zeit des Taxi Driver und Apocalypse Now an - wie viele kennen Sie auf Anhieb, wie viele von ihnen waren erfolgreich an der Kinokasse? Padre Padrone, Der Holzschuhbaum, Der Mann aus Eisen, Yol... Letztendlich vergisst man gerne dass Filme wie Taxi Driver damals auch Avantgarde waren, man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen, da Filme wie diese den heute weit verbreiteten Regie- und Erzählstil geprägt haben. Und darum geht es ja. Ein Liebling der Filmemacher muss nicht unbedingt auch Publikumsliebling sein - es reicht schon, wenn er die künftigen Generationen von Filmemachern prägt und ihre Arbeit beeinflusst. Irgendwann bringt dieser Einfluss auch mal einen Kassenkracher hervor.

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Hochbeet 16.11.2014, 16:33
4. Kraft ohne Vater...

Ist doch bemerkenswert mit welcher Obsession Regisseure ihre eigene Kindheit ohne Vaterliebe künstlerisch nutzen (müssen). Und wie oft Filmkritiker unbewusste Motive verkennen.

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anon_berlin 16.11.2014, 17:49
5.

Zitat von MiniMoogMe
Es tut mir Leid, aber das ist sehr selektive Wahrnemung. Schauen Sie sich doch andere Gewinner der Palme d'Or um die Zeit des Taxi Driver und Apocalypse Now an - wie viele kennen Sie auf Anhieb, wie viele von ihnen waren erfolgreich an der Kinokasse? Padre Padrone, Der Holzschuhbaum, Der Mann aus Eisen, Yol... Letztendlich vergisst man gerne dass Filme wie Taxi Driver damals auch Avantgarde waren, man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen, da Filme wie diese den heute weit verbreiteten Regie- und Erzählstil geprägt haben. Und darum geht es ja. Ein Liebling der Filmemacher muss nicht unbedingt auch Publikumsliebling sein - es reicht schon, wenn er die künftigen Generationen von Filmemachern prägt und ihre Arbeit beeinflusst. Irgendwann bringt dieser Einfluss auch mal einen Kassenkracher hervor.
Da gebe ich Ihnen recht. Sicherlich ist mein Gefühl subjektiv. - Ich würde gerne über den Einfluss auf die nächsten Generationen der Fimemacher sprechen. Ich weiss es auch nicht recht. Ich streube mich gerade dagegen alte Pfade als etwas neues innovatives anzunehmen. Wenn ich mir die Entwicklung der Bildpsrache von heute ansehe, weiss ich nicht wirklich ob Cannes da wirklich noch der Impulsgeber ist. Das europäische Kino steckt scheinbar in einer Krise. Es werden die immer gleichen Geschichten in abgewandelter Form erzählt. Die Fimsprache variiert nur noch. Ob nun durch die Kadrage, Jump Cuts oder ähnlichem. Ich möchte aber auch nicht pauschalisieren. Nymphomaniac war zwar sehr direkt. Die Sequenz mit der Polyharmonie war jedoch wirklich beeindruckend. Vielleicht hadere ich auch zu sehr und werde einfach alt. :)

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denislangedoc 16.11.2014, 18:32
6. @naja

In Frankreich haben 563.688 Besucher den Film gesehen.(Stand am 21. Oktober). Wahrscheinlich sind es jetzt über eine Million.

Also ein recht guter Erfolg, weit über ein "kleiner Zirkel".

Und Ich sehe kein Probkem das Kultur mittels Steuergeldern Finanziert wird.

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