Forum: Kultur
Kommentar zur Höhlenrettung: Die Kosten der Menschlichkeit
Bergwacht Bayern

Der Höhlenforscher Johann Westhauser ist wieder an der Erdoberfläche - aber die Debatte geht weiter: Muss die Gemeinschaft für die horrenden Kosten der Rettung aufkommen? Und warum steigt einer überhaupt so tief in die Erde?

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frank.lfr 20.06.2014, 07:18
10. Was gesagt werden musste

Danke, Herr Kuzmany - wie sehr ich Ihnen zustimme. Auch ich habe die Debatten mit einer Mischung aus Unglauben, Verärgerung und zunehmendem Ekel verfolgt, die unsere kleingeistigen Zeitgenossen in dieser Sache hier bei SPON geführt haben. Dachte darüber nach, dass ich hoffentlich mal nicht, wenn ich Hilfe benötige, an einen dieser Leute gerate. Nun könnte man darüber lächeln und sagen: Spatzenhirne, lasst sie reden. Allerdings frage ich mich schon, ob diese Debatte und der Mix ihrer Protagonisten ein Spiegelbild unserer gesellschaftlichen Realität sind und wie groß der Teil jener ist, die derart kleinkariert durch den Alltag laufen. Nimmt man das Diskussionsgeschehen bei SPON zum Maßstab, kann einem schon Himmelangst und bange werden...

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WRM58 20.06.2014, 07:21
11. Wofür finanzieren wir denn Hilfs- und Rettungsorganisationen?

Die Fragen "Wer zahlt das jetzt" oder "Warum steigt der auch in so eine tiefe Höhle" erscheinen mir sehr kurz gedacht und populistisch.

Der Verunglückte war Forscher, die Gesellschaft will Forschung (auch Forschung, die in Eigeninitiative erfolgt statt institutionell), und relevante Forschung geht an die Grenzen. Wissen ist nie billig erkauft, sondern stets hart erarbeitet. Das gilt selbst für Alltägliches, z. B. die VDE-Richtlinien und andere Normen, die den Umgang mit Technik in Haushalt und Verkehr sicher machen: Diese Normen sind mit Blut geschrieben - dem Blut der Menschen, die ohne Chance auf rechtzeitige Rettung in eine gefährliche Situation gerieten, an eine Grenze stießen.

Solche Situationen sind grundsätzlich zu erwarten, und prinzipiell kann jeder in Gefahr oder Not kommen, als Einzelner oder als Teil einer ganzen Gruppe - bis hin zur Bevölkerung ganzer Landstriche (Flut, Umweltkatastrophe ...). "Die Gesellschaft" hat darum Hilfs- und Rettungsorganisationen aufgebaut und finanziert diese. Bei wichtigen Infrastrukturentscheidungen (wie z. B. Straßen- und Brückenbau) werden die Belange der Rettungs- und Hilfsorganisationen mit berücksichtigt, was häufig Zusatzkosten bedingt.

An all dem lässt sich ablesen, dass es einen gesellschaftlichen Konsens gibt: Notfälle können passieren, und wir helfen dann.

Dafür geben wir viel Geld aus, Steuergelder, Versicherungsbeiträge, Mitgliedsbeiträge in Berufsverbänden (oft Pflicht) und Rettungsorganisationen (meist freiwillig). Und jeder, der auf der Autobahn mit seinem Wagen liegenbleibt, erwartet erst mal Unterstützung von den Hilfsdiensten, auch wen er selbst gar kein Mitglied ist.

Langer Rede kurzer Sinn: Wer in Not gerät, hat Anspruch auf Hilfe und in aller Regel seinen Beitrag dazu selbst bereits geleistet und wird ihn auch in Zukunft leisten – über Steuern (Mehrwertsteuer nicht vergessen) und Versicherungsbeiträge, etc.

Wer sich leichtsinnig und fahrlässig in Gefahr begibt und darum Hilfe braucht, oder wer die Hilfs- und Rettungskräfte ohne Not bemüht, der wird in aller Regel sowieso zur Kasse gebeten, das ist gängige Praxis.

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angularm 20.06.2014, 07:32
12. Wie bitte?

Es werden in unserem Land Millionen für die unsinnigsten Formen der Unterhaltung ausgegeben (durchaus auch vom Staat). Aber diese Aktion soll Geldverschwendung gewesen sein?

Solidarität liegt in unserer Natur, und hier ging es darum einen Einzelnen aus einer schwierigen Lage zu befreien. Er brauchte ganz besonders die Unterstützung unserer (reichen) Gemeinschaft und er konnte darauf zählen. Dafür ist unser Staat auch da.

Und die ewigen Besserwisser und Erbsenzähler, die am liebsten alles Risiko aus unseren Leben verbannen wollen, sollen bei sich selbst anfangen und in ihren Betten liegen bleiben. Damit tun sie allen einen Gefallen.

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Lebostein 20.06.2014, 07:52
13. Was wären wir ohne die Freiwilligen?

An all die Meckerer: Schon mal darüber nachgedacht, dass es Abertausende von Freiwilligen Helfern gibt, die zum Beispiel dein Haus löschen oder deine Frau, Mann oder Kinder aus dem verunglücken Auto herausschneiden? Hier geben diese Menschen der Gesellschaft etwas, umgekehrt erwartet man ja auch, dass einem geholfen wird. Anstatt über die Kosten zu schimpfen, lieber mal ein Jahr einen Freiwilligendienst absolvieren oder in die Freiwillige Feuerwehr eintreten....

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herbert_schwakowiak 20.06.2014, 07:54
14.

Ich frag mich bloß, was sind die Ergebnisse dieser Forschungen?
Dass da ein Loch in der Erde ist, war vorher bekannt,
was bringt es was zu wissen wie tief und wie groß es ist?

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spmc-122226439819235 20.06.2014, 07:56
15. Ich denke ,die Diagnose stellt die Rechnung

Der Mann sah mir von "Ferne" nicht nach einem Schädel-Hirn-Trauma aus ,ehr wie eine Gehirnerschütterung und das andere ist Talkschaufutter 1.die Retter 750 Auftritte - ich war dabei - 2. der Herr himself- ich war auch dabei - 3. das Buch zur Rettung ,die klingt immer dumm so etwas abzusondern ,aber die Wirklichkeit wird mich noch überholen.Ich denke die Einspielerlöse sollten an die Allgemeinheit zurück fließen,dies geht juristisch und als Beispiel für später Fälle ,auch einmal durchexerziert werden.

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curieuse 20.06.2014, 08:06
16. Endlich die richtige Rubrik

Kultur - hierher gehört das Thema! Es ist eine Riesenleistung, die die RetterInnen vollbracht haben. Der Mensch ist ein soziales Wesen, ohne gegenseitige Hilfe, Kooperation und Solidarität säßen wir immer noch auf den Bäumen. Ohne Neugier und Wissenwollen übrigens auch. Wenn es in einem so reichen Land nicht möglich wäre, jemanden zu immer noch überschaubaren Kosten zu retten, wären wir dem Untergang unserer Lebensweise einen großen Schritt näher.

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andig_ef 20.06.2014, 08:07
17. vielen Dank

für den Artikel

einen Aspekt möchte ich noch hinzufügen:

an all die die sagen "soll er selbst bezahlen, was steigt der auch da runter"

wer will sich anmaßen zu bestimmen welche Tätigkeiten nun "sinnvoll und dessen Risiken vonder Gemeinschaft zu tragen sind" und welche nicht. jeder von uns kann auch am Wochenende im Schwimmbad ausrutschen, blöd mit dem Kopf aufschlagen und ein halbes Jahr Intensivstation bekommen. was das kostet... wollen wir da auch sagen "hätte ja zu Hause bleiben können". ganz sicher nicht, oder?

man könnte unendlich viele Dinge auflisten wo die unvernünftigen leute dochd ann bitte ihre Behandlung selbst zahlen sollten. Raucher, Trinker, Drogenkonsumenten, Radfahrer (wegen Helm), jegliche Sportler, eigentlich alle Leute die unvernünftigerweise das Bett verlassen.

wer will sich anmaßne zu entscheiden wo die Grenzen wären?

es ist verdammt gut, in welcher Gesellschaft wir leben und dass wir gemeinsam für sowas aufkommen.

wer sich darüber aufregt und das nicht will, kann ja in die USA auswandern und dort für ne Minibehandlung im Krankenhaus dann ein Leben lang verschuldet sein.

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Dr.krsnktzk 20.06.2014, 08:07
18. Versicherung?

Wieso hat man bei einem solchen Unterfangen keine Versicherung? Jeder pauschaltourist der in ein ferneres Land fliegt, fragt sich 'wer holt mich hier raus, wenn mit etwas passiert?' und schließt Reisekranken-, -unfall und Rückholversicherung ab. Bei einer professionell geplanten Expedition müsste das doch auch die erste Frage sein! Auch hier zahlte dann die Solidargemeinschaft, aber das ist ja das Prinzip. Oder versichert solch ein Abendteuer einfach niemand? Dann zahlt die Allgemeinheit. Genauso wie bei Seenot und ähnlichen Unfällen. Dafür sind wir Menschen.

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ferdi111 20.06.2014, 08:10
19. Das ist das Problem..

bis jetzt sind ca. 345 Menschen im Strassenverkehr zu tode gelommen! 345 Menschen inclusive der Familien wurden "zerstört"! Ich finde das pervers! Kann man das vergleichen? Ja - während diese 345 Menschen durch Raser, die in Eile waren umkamen und man endlich entsprechende Gesetze (Temolimit etc...) einführen könnte...hätten viele das Gefühl, das was getan wird. Die Konservativen und die Sozen schützen aber die Täter...mit ihren SUV und ihrem immer "schneller, immer hektischer etc...das ist zum kotzen! Einfach pervers und deshalb hat die Rettung dieses Höhlenforschers zwei Seiten! Auch wenn man es nicht wahrhaben will!

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