Forum: Kultur
Kommentar zur Höhlenrettung: Die Kosten der Menschlichkeit
Bergwacht Bayern

Der Höhlenforscher Johann Westhauser ist wieder an der Erdoberfläche - aber die Debatte geht weiter: Muss die Gemeinschaft für die horrenden Kosten der Rettung aufkommen? Und warum steigt einer überhaupt so tief in die Erde?

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rennflosse 20.06.2014, 09:29
40. Die Rettung hat Vorrang

Zitat von sysop
Der Höhlenforscher Johann Westhauser ist wieder an der Erdoberfläche - aber die Debatte geht weiter: Muss die Gemeinschaft für die horrenden Kosten der Rettung aufkommen? Und warum steigt einer überhaupt so tief in die Erde?
Die Rettung hat Vorrang, alles andere kommt später. Und da sollte ein recht einfaches Prinzip herrschen:

Nehmen wir an, ich würde bei einem Spaziergang im Wald in Knöchel brechen und müßte von der Feuerwehr gerettet werden. Wer zahlt die Rechnung? Ich oder ggf. meine Krankenkasse?
Was wäre anders wenn die Bergwacht mich von einem Gipfel retten müßte außer der Höhe der Kosten wegen des ggf. Hubschraubereinsatzes?
Und nun: Die Höhle. Vielleicht gab es einen Auftraggeber oder es war nur die eigene Berufung, die den Forscher dort hinunter treib. Reines Vergnügen wird es nicht gewesen sein, das spielt aber auch keine Rolle.

Immer kommt ein Teil der Allgemeinheit in Gestalt einer Unfallversicherung, einer speziellen Risiko - Versicherung; vielleicht auch der Krankenkasse auf, wenn etwas schief geht. Und das ist auch richtig so.

Beim Fehlen einer Risiko-Absicherung kann der Betroffene schon mal auf den Kosten sitzen bleiben. Oder wenn die Versicherung eine Möglichkeit sieht, die Leistungen zu verweigern. Es gibt nicht wenige Rechtsstreitigkeiten darüber.

Die Retter dürfen das aber nicht zum Maßstab des Handelns machen. Die Rettung hat Vorrang. Über Geld reden wir später.

Bei der Bergwacht ist die Rettung ja deren Existenzzweck. Ohne die Wahrnehmung dieser Aufgabe würde es sie gar nicht geben.

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moe.dahool 20.06.2014, 09:33
41. Kein schwarz und weiß

Ich gehöre zu denjenigen, die ihm eine gewisse finanzielle Mitverantwortlich zu sprechen. Denke ich deswegen, dass man ihn nicht hätte retten sollen? Eindeutig Nein. Auch die pathetische Begründung vom Spiegel, er sei "im Aufträge der Menschheit" (die Wichtig- bzw. Notwendigkeit konnte SpOn auch nicht wirklich erläutern, es klingt aber eindrucksvoll) unterwegs, kann mich nicht davon überzeugen, dass ich auch zukünftig die möglichen Kollateralkosten von derlei Selbstverwirklichungsabenteuer soll. Vor allem trägt die Gemeinschaft ohnehin schon hohe Kosten, jegliche medizinische Nachversorgung trage u.a. ich (gerne) mit.
Trotz allem sehe ich keinen Hinderungsgrund dafür, dass er sich in gewissem Maße beteiligt. Die Vollkaskomentalität, sowohl von einigen Foristen, aber auch von der Redaktion, kann ich nicht teilen.

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thsherlok 20.06.2014, 09:35
42.

Zitat von Dr.krsnktzk
Wieso hat man bei einem solchen Unterfangen keine Versicherung?
Woher wissen Sie das dort keine extra Versicherung bestand?
Ich glaube auch die wenigsten Hobbybergtouristen die mit Sandalen und in kurzer Hose unterwegs sind habe eine Extra Bergrettungsversicherung abgeschlossen.
Auch eine eigene Versicherung für 'leichtsinniges Verhalten bei Hausarbeiten' gibt es meines Wissens nicht.

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Baumsäge 20.06.2014, 09:38
43. optional

Zitat von sysop
Der Höhlenforscher Johann Westhauser ist wieder an der Erdoberfläche - aber die Debatte geht weiter: Muss die Gemeinschaft für die horrenden Kosten der Rettung aufkommen? Und warum steigt einer überhaupt so tief in die Erde?
Es muss natürlich auch gefragt werden, ob die Kosten nicht künstlich hochgetrieben werden, weil sie ja eh übernommen werden. Ich unterstelle keine Geschäftemacherei, nur eben auch ein überzogenes Sicherheitsdenken der Retter selbst. Eventuell reicht ja die Hälfte der beteiligten Personen.

Der zweite Punkt ist der, dass es durchaus bedenkenswert sein könnte, dass Personen, die sich besonderen Unwägbarkeiten aussetzen, eine zusätzliche Versicherungsprämie zu zahlen hätten, die dann solche Kosten auffängt. Ich denke an Freizeitaktivitäten wie Bergsteigen inkl. Freeclimbing, Höhlenforschung und eben alle diese supercoolmodernen Fun- und Extrtemsportarten in denen Leute sich und der Welt beweisen müssen, dass sie ganz besonders toll sind und den "Kick" brauchen. Sozusagen eine Strafprämie.

Forschung insgesamt muss aber sein. Alles nur nach Geld zu bewerten wäre natürlich auch kompletter Blödsinn.

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burgundy2 20.06.2014, 09:40
44.

Zitat von sysop
Der Höhlenforscher Johann Westhauser ist wieder an der Erdoberfläche - aber die Debatte geht weiter: Muss die Gemeinschaft für die horrenden Kosten der Rettung aufkommen? Und warum steigt einer überhaupt so tief in die Erde?
Keine Ahnung, aber ich gehe davon aus, dass Herr Westhauser mit seiner Höhlenforschung eine Arbeit für die menschliche Gemeinschaft leistet. Zudem ist er Mitglied einer Rettungseinheit und wohl auch entsprechend (wahrscheinlich nicht in der Höhe des Betrages seiner Rettung, aber damit konnte ja auch keiner rechnen) versichert.

Tja, und warum steigt einer so tief in die Erde? Nun ja, warum fliegt die Menschheit so schwachsinnigerweise "ins All" (wenn man diese Flohhüpfer überhaut als Weltraumfahrt charakterisieren möchte)? Es ist eben nunmal so. Wie Hillary schon sagte, als man ihn fragte, warum er den Everest erstieg: "Weil er da ist".

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maggi1947 20.06.2014, 09:40
45. was denn sonst

Jemanden aus Kostengründen nicht zu retten ist unmenschlich und entspricht aber häufig dem heutigen Denken in unserer Gesellschaft. Um derartige Rettungsaktionen zukünftig überflüssig zu machen, wird die Höhle unzugänglich gemacht. Trotzdem wird es immer wieder Unfälle geben, bei denen Menschenleben gefährdet ist und die Rettungskosten enorm hoch sind. Auch dann ist ein Menschenleben wertvoller als jeder Geldbetrag, der für eine Rettung aufgewendet werden muss.

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suplesse 20.06.2014, 09:50
46. Der Punkt ist...

wer sich freiwillig außerordentlichen unkalkulierbaren Gefahren ausliefert, der sollte sich zumindest dagegen versichern, so daß der Gemeinschaft keine Kosten entstehen. Es ist schwer hier ein eine Grenze zu ziehen. Aber wer in dieses "Riesending" kriecht, um seinen Forscherdrang nachzugehen, der sollte das mit vollem Bewußtsein tun und das bedeutet eben auch eine dementsprechende Versicherung abzuschließen. Vielleicht gibt es ja Risikobewertungen bei den Versicherern. Demnach, wenn eine Grenze des Gefahrenanteils überschritten ist, bedeutet das eben selbst versichern. Das könnte man sogar gesetzlich regeln.

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ruhepuls 20.06.2014, 09:51
47. Alternativlos...

Die Rettung war "alternativlos", um mal ein unbeliebtes Wort zu verwenden. Als Menschen können wir bestimmte Entscheidungen einfach nicht treffen, ohne unser eigenes Menschenbild zu verletzen. Dazu gehört es auch, dass wir niemand "hängen" lassen, selbst wenn er "selbst schuld" ist.

Ich wohne in der Nähe einer beliebten "Motorrad-Wochenend-Rennstrecke" (und war früher im Rettungsdienst). Und regelmäßig rasen Motorradfahrer mit überhöhter Geschwindigkeit hier in ihr Unglück. Und dann fahren die Kollegen vom Rettungsdienst raus - und helfen. Auch das kostet die Gemeinschaft Geld. Und hier ist offensichtlich Leichtsinn (und Verstöße gegen die Geschwindigkeitsbegrenzung) die Ursache der Unfälle. Aber sollte man sie auf der Straße liegen lassen?

Vielleicht wäre es ein Ansatz, dass mit bestimmten Hobbys oder Beschäftigungen eine entsprechende Versicherung obligatorisch wird. Beim Modellfliegen ist das inzwischen beispielsweise so, weil es auch hier immer wieder zu Unfällen kommt.

Wir haben heute so viele Möglichkeiten zu helfen, die unseren Vorfahren nicht zur Verfügung standen. Aber das alles muss geleistet - bezahlt - werden. Vielleicht sollten wir die Kosten dafür von vorneherein einplanen und entsprechend versichern? Dann werden besonders unfallträchtige (und daher teure) Betätigungen möglicherweise unattraktiv.

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rennflosse 20.06.2014, 09:52
48. Die Rettung hat Vorrang

Zitat von sysop
Der Höhlenforscher Johann Westhauser ist wieder an der Erdoberfläche - aber die Debatte geht weiter: Muss die Gemeinschaft für die horrenden Kosten der Rettung aufkommen? Und warum steigt einer überhaupt so tief in die Erde?
Die Rettung hat(te) Vorrang. Eine Bergwacht verdankt ihre Existenz der Aufgabe, im Bedarfsfall Menschen zu retten.

Dass für eine Rettung auch kosten anfallen, ist selbstverständlich. Auch die Feuerwehr schreibt nach jedem Einsatz eine Rechnung und diese geht dann an die Krankenkasse oder eine andere zuständige Versicherung (Unfallkasse, private Unfallversicherung, usw.).

Es gibt auch Fälle, wo Betroffene mangels Versicherung die Kosten selbst bezahlen müssen. Hinterher. Es gibt keinen mir bekannten Fall, wo die Kosten aus Steuermitteln endgültig und abschließend beglichen wurden.

Die Rettung aus Kostengründen in Frage zu stellen, ginge gar nicht. Das hat aber auch niemand getan soweit ich die Diskussion verfolgt habe.

Man kann übrigens darüber streiten, ob diese Dinge in solchen Foren überhaupt diskutiert werden sollten. Dass dabei unterschiedliche Meinungen herauskommen, ist doch von vornherein klar.

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kraut55 20.06.2014, 09:52
49. Legitim über die Kosten zu reden

Es ist doch selbstverständlich, dass der Mensch gerettet werden musste. Genauso selbstverständlich sollte eine Diskussion darüber sein, wer die Kosten trägt. Wenn ich mich richtig erinnere, hat Herr Westhauser einen anderen Beruf, betreibt also die "Höhlenforschung" als Hobby. Und da soll die Allgemeinheit die gesamten Kosten tragen?

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