Forum: Kultur
Komponieren mit künstlicher Intelligenz: Zukunftsmusik
Chris McKay/ Getty Images

Kann künstliche Intelligenz im Pop mehr als Komponiersklave und Playlisten-Generator sein? Musikerin Holly Herndon programmierte ihre eigene KI - und zeigt, wie Mensch und Maschine kreativer zusammenarbeiten können.

Seite 1 von 4
phffm 16.05.2019, 15:09
1. Lieber Andreas Borcholte,

nach dem ersten Höreindruck ist das eher langweilige, jedenfalls formal wenig innovative Musik, die alles andere als revolutionär und atemberaubend klingt. Das "Elektronik-Duo" Autechre hat in den letzten 5-6 Jahren eine völlig neue, eigene musikalische Ästhetik entwickelt, die auf KI, Algorithmen, freien Variationen und dem Zusammenspiel von Zufall, KI-Entscheidungen und improvisiertem menschlichen Musizieren beruht. Ihr 8-stündiges Opus Magnum, NTS Sessions 1-4, wurde vom Rolling Stone zur wichtigsten Avantgarde-Veröffentlichung des letzten Jahres gewählt. Ihre Musik klingt und formiert sich wie nichts, das in der Musikgeschichte zuvor entstanden ist. Sie haben diese Entwicklung und dieses Werk mit keiner Zeile bedacht, nicht als Rezension in "Abgehört" und schon gar nicht als wohlwollender, Aufmerksamkeit schaffender Artikel im Kulturteil von SPON. Kann es sein, dass der wesentliche Unterschied zwischen Holly Herndon und Autechre darin liegt, dass es sich bei ersterer um eine Frau mit bunten Haaren Ende 39 handelt, die erst vor kurzer Zeit Bekanntheit erlangte, während es sich bei Autechre um zwei weiße, langweilige Männer um die 50 handelt, die schon 30 Jahre lang zusammen machen? Finden Sie denn, dass das angemessene Kriterien sind, um über qualitativ über Musik zu schreiben? Sollten sich die beiden vielleicht Avatare zulegen, sagen wir mal: 20-jährige transsexuelle People of Colour, die aus dem brasilianischen Ghetto stammen und die OP-Geräusche ihrer Geschlechtsumwandlung als Samples benutzen, damit ihre bahnbrechende Musik im Feuilleton noch wahrgenommen wird?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
dark_racoon 16.05.2019, 15:16
2. Selbstverständlich

werden KI's in einiger Zeit die Musik machen. Ich bezweifle jedoch, dass der Umschwung von Kleinentwicklern wie im Artikel ausgehen wird. Vielmehr werden die großen Firmen wie Alphabet den Fortschritt voranbringen. Den Versuch die Nachahmung der menschlichen Stimme zu schaffen, verstehe ich nicht da diese sehr komplex ist und noch einige Jahre brauchen wird. Viel schneller werden jedoch Instrumente und Synthesizer von KIs übernommen werden, da hier bereits realistische Klang-Plattformen bestehen: Es muss der KI nur beigebracht werden, die Noten richtig anzuordnen, Dynamik zu entwickeln und mit anderen Instrumenten harmonisch zu kombinieren. Daten gibt es dazu genüge.

Die Vorteile einer KI im Musikmarkt sind immens, da eine riesige Masse an erstklassiger Musik in geringer Zeit produziert werden kann. Die Nachteile sind möglicherweise der Verlust des gemeinsamen Hörens (es wird jetzt schon immer schwieriger, ohne Internet Menschen zu finden, die den persönlichen Musikgeschmack teilen, einfach weil das Angebot sehr groß ist und jeder seine perfekte Nische finden kann) (auch wenn es gemeinsames Hören immer geben wird, da ein Großteil der Musik sich durch seine Bekanntheit verkauft). Sowie eine mögliche Monopolstellung der KI Herrsteller.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
gatsue 16.05.2019, 15:47
3. Enttäuschend

Die Höreindrücke waren enttäuschend. Alles scheint willkürlich, gemacht, aufgesetzt, nicht verifizierbar. Ich war enttäuscht. Beeindruckender fand ich da die Hyperion Sinfonie No.1, in Gänze komponiert von einer KI.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ronald1952 16.05.2019, 15:51
4. Um Musik

zu Komponieren braucht es vor allen Dingen Kreativität und kein Algorithmus wird jemals so viel Kreativität aufbringen um damit Musik zu Komponieren. Denn Musik Komponieren heißt auch in erster Linie Fühlen Musikgefühle haben. Was soll den KI noch so alles Übernehmen vielleicht das Kinder bekommen oder noch besser das Zeugen und Bekommen dann endlich geht der Mensch in seiner Bestimmung auf,die Frage ist nur in welcher?
schönen Tag noch,

Beitrag melden Antworten / Zitieren
totalausfall 16.05.2019, 16:04
5. Wenig Sinn.

Erkenne ehrlich gesagt wenig Sinn in dem, was Frau Herndon sagt.

"Musiker würden nur dann Gefahr laufen, von KIs verdrängt zu werden, wenn sie ohnehin nur immergleiche Schemata abarbeiteten."

Also die Daseinsberechtigung für Musiker ist die Kreativität und nur wer die nicht hat, steht in Konkurrenz mit der KI und wird verdrängt. Was ist denn dann die Daseinsberechtigung der KI ? Mache ich hier den logischen Schluss, lautet die Antwort : na billig Musik in Schemata machen.

"Aber Algorithmen sind ja nicht neutral, sie stammen aus unserer Gesellschaft, sie tragen unsere Ethik, unsere Werte und Normen in sich." Statt sich also abzuspalten oder sich in eine ignorante Servicementalität zu flüchten, fordert Herndon dazu auf, von einer nichthumanen Intelligenz zu lernen, um die Probleme und Konflikte der Welt zu lösen."

Mit Verlaub, da "wink ich auch mal ab".
Entweder ist die KI in unserer Norm und Ethik "gefangen" und pseudo KI, ODER wir können von ihr _lernen (im Sinne von lernen, nicht irgendwas schnell ausrechnen).
Genau das setzt aber voraus, dass die KI auch KI ist - und unsere Denkmuster, Norm und Ethik "verlassen" kann.
So zu tun, als wäre das eine ohne das andere möglich, ist gelogen oder naiv!

Wer vom Supercomputer träumt der uns die Welt erklärt und den Planeten rettet, kann die Bedenken über eine übermächtige KI nicht mit einem uralt-Spruch a la "macht ja nur das was wir ihm sagen" kontern!


Achso:
Und die Musik ist scheiße. Träumt ihr mal schön weiter von KI Musik, ich höre mir derweil eins von Beethovens Klavierkonzerten an.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Die linke Kobra 16.05.2019, 16:04
6. Natürlich kann KD die heutige Musik ersetzen

auf solche geniale Stücke wie "My Baby Baby balla balla" und"da da da", werden wir natürlich verzichten müssen. Interessant wird es, wenn KD dann PC einbaut, dann gibt's auch "Jack the Ripper" von Casey Jones and the Govenors nicht mehr. Das werden traurige Zeiten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Maschet 16.05.2019, 16:07
7. Projektionsfläche

Besonders interessant finde ich die Aufmachung des Ganzen... die Musikerin sieht immer so bisschen roboterhaft und abwesend aus... ich finde, das sagt viel darüber aus, was im Moment in die Arbeit mit Algorithmen hineinprojiziert wird. Man muss sich wirklich nur mal die Bilder anschauen - als wäre das Grauen über die Musikerin gekommen und hätte alles vollkommen "entmenschlicht" - zombihaft glotzt sie in die Kamera :)
Und es ist natürlich sofort die Rede von: "Kann die KI in Kunst und Musik mehr sein als (...) ein Sklave (...) - sollte man dieser neuen Evolutionsstufe nicht auf Augenhöhe begegnen und lernen, mit ihr zusammenzuarbeiten?" Mann, mann, geht es auch ne Stufe kleiner...
Würde in KI nicht das Wort "Intellgenz" stecken (also quasi etwas anthropoides) würde vermutlich wesentlich weniger Bohei gemacht werden... Die Musikerin selbst äußert sich ja auch etwas sachlicher: "Ich betrachte "Proto" als Recherche-basiertes Kunstprojekt, dessen Output Popmusik ist." Gut gesagt!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
xtreamer 16.05.2019, 16:18
8. Durch den Fleischwolf...

Die Musik klingt, als hätte man Dead Can Dance und Laurie Anderson durch den Fleischwolf gedreht. Mir sind dann doch die Originale lieber.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kajoter 16.05.2019, 16:27
9. Verzweifelte Suche nach der Nische

Zum ersten: Wenn ich mir die Audios anhöre, dann kann ich fast alles auf 08/15 Pop-Nummern reduzieren - hier und da mit kleinen, ungewöhnlichen Effekten. Nichts bahnbrechend Neues.
Aber - und das macht den Unterschied aus - sie hat eben eine Nische gefunden, die gerade auf kunstferne Journalisten interessant wirkt: KI.

Es ist häufig reine Realsatire, wie gerade der Journalismus auf die Etiketten anspringt, die sich Musiker, bzw. solche, die sich dafür halten, selbst geben. "Künstler meets KI" - das klingt nach Zukunft, Avantgarde und vitaler Moderne. Und dann noch Intellektuelle und Adorno - der Artikel schreibt sich danach wie von selbst. Dabei - und das sei am Rande bemerkt - hat gerade Adorno zum Teil einen derartigen Unfug über Musik geschrieben, dass er unter Musikern, d.h. akademisch ausgebildeten Musikern, schlichtweg ignoriert wird.

Schlussendlich muss ich an die Worte meines Musiktheorie-Profs denken, der sagte: Ich liebe Musik viel zu sehr, als dass ich sie Computern überlasse.
Warum also dieser Zirkus?
Wahrscheinlich hat diese Musikerin vor lauter Experimentieren nie das so befriedigende und sinnliche Erlebnis genossen, nach wochen- oder monatelangem Üben ein Stlück endlich vernünftig spielen zu können. Wahrscheinlich hat sie nie unter Schweißausbrüchen eine vierstimmige Fuge zu schreiben versucht - oder einen 8-stimmigen Chorsatz oder ein Streichquartett in Sonatenhauptsatzform. Und weil sie das alles nicht gemacht hat - gut, sie bekennt sich ja auch zu Pop, oder war es doch Adorno (?) - kennt sie auch nicht die Möglichkeiten, die die Musik bietet.
Es erinnert mich ein wenig an eine Popsängerin, die an meiner Musikhochschule während der Semesterferien einen Popkurs belegt hatte. Ich saß bei dessen Ende zufälligerweise in der Mensa neben ihr und fragte sie, ob er ihr etwas gebracht hätte. Wahnsinnig viel, lautete die Antwort, nun weiß ich, dass ich keinen Country oder Blues singen kann und wie geil ein 6/8 Takt ist .....
Ich dachte nur an die vielen Subventionen, die in den Kurs geflossen waren.
Oder ich denke an die Geschichte um Holger Czukay, Bassist bei Can und Student bei Stockhausen. Er berichtete später über sein Studium und bekannte, dass er eigentlich nichts gelernt hatte - kein manuelles Handwerk, keine Musiktheorie, nur die unendlichen Weiten des Experimentierens. Und so fühlte er sich danach wie ein Scharlatan, weil er nichts auf seinem Haben-/Können-Konto vorweisen konnte. Für den Job bei Can reichte es allerdings. Und so wie er dort in endlosen, langweiligen Sessions auf einer Harmonie improvisierte, widmet sich die Dame eben der KI. Man muss eben mit Limitationen zu leben lernen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 4