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Krankheit Depression: Keine Frage des Zusammenreißens
REUTERS

Die teilweise verständnislosen Reaktionen auf den Suizid des Sängers Chester Bennington zeigen einmal mehr, wie viel Unwissen noch immer über das Wesen der Krankheit Depression herumgeistert.

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MotziLLa 25.07.2017, 17:20
10. Ach ja

Danke für diesen Kolumnenbeitrag.
Leider wird er nur wenige, die Depressionen höchstens als eine Art Ausrede für Disziplinlosigkeit betrachten, auch erreichen und ihnen Einsicht vermitteln.
Ignoranz und Verständnislosigkeit wären eigentlich auch ganz gut behandelbar, werden aber oft nicht als Defizit betrachtet. Deshalb sind die Online-Kommentarspalten voll davon.

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spon-facebook-10000332039 25.07.2017, 17:23
11.

Da ich selbst Depressionen hatte kann ich zwar Verständnis für die aufbringen welche keine Ahnung haben wie sich eine Depression anfühlt, aber sich über einen Toten aufzuregen ist wie schon gesagt sinn- und zwecklos. Als ich in meinen Depressiven Phasen war hatte ich selbst auch oft an Suizid gedacht aber in meinem fall wollte ich einfach nicht sterben obwohl es mir damals als einziger Ausweg aus der eigenen Hölle erschien.
Am schwersten ist es wohl Angehörigen und Freunden einen Einblick zu verschaffen wie man sich Fühlt wenn man in seinem eigenen Kopf gefangen ist und dieses Gefängnis in die reale Welt durch Rückzug noch bestärkt.
Es ist schwer jemandem begreifbar zu machen, dass man egal wie sehr man sich zurückzieht oder seine Freunde und Familie vor den Kopf stößt, eigentlich um Hilfe schreien will.
Und noch schwerer ist es für eben jene Personen zu verstehen, dass man zwar weis was man tut aber machtlos gegenüber seiner eigenen Taten ist, denn um es wirklich zu verstehen muss man es durchgemacht haben und das Wünsche ich niemandem.

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Patriot75 25.07.2017, 17:26
12. Ein guter und wichtiger Beitrag!

Danke für diese Klarstellung auf SPON. Mit Leuten zu diskutieren, die glauben Depressionen seien durch "sich zusammenreißen" bewältigen ist ungefähr genauso sinnvoll, wie sich mit Impfgegenern zu unterhalten. Beide Gruppen ignorieren bewiesene wissenschaftliche und durch medizinische Erfahrung erworbene Fakten.

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erichb. 25.07.2017, 17:29
13. Einsamkeits-Krankheit

Depression ist eine einsame Krankheit und es hat m.E. keinen Sinn, sie als Einzelfall exemplarisch kommunizieren zu wollen.
Depressiv kann man werden, man muss es nicht von vornherein sein und es gibt Faktoren, die diese Krankheit auslösen. Diejenigen, die damit umgehen, wissen sehr genau, worum es geht und auch, wie man vorbeugen kann, nur es wird längst nicht so ein Aufwand getrieben wie bei den Anti-Rauchen- oder Aids-Präventions-Kampagnen. Es passt einfach nicht in unseren alltäglichen Sprachgebrauch, von Seele oder Gefühl zu reden und genau da liegt das Dilemma, die gesellschaftliche Dimension der Krankheit.
"Seelenheil" ist ein Wort und Begriff, das von den "Zuständigen" mittlerweile dermaßen vor die Wand gefahren worden ist, dass man erst gar nicht mehr damit anfangen möchte, einen Ersatz zu suchen.
Der Verlust der gesellschaftlich akzeptieren und auch praktizierten Religiosität - wie auch immer - dürfte in dieser weit verbreiteten Krankheit ein Symptom zeigen - seelische Einsamkeit.

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Oliver Berten 25.07.2017, 17:42
14. Vielen Dank!

Ein wirklich kluger, auch notwendiger Kommentar.

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willibaldus 25.07.2017, 17:50
15.

Seit der 4. Klasse hatte ich immer wieder Phasen, in denen mir Gedanken zu Selbstmord kamen. Ich habe mir dann immer etwas gesucht, an dem ich mich festhalten konnte oder eine Perspektive ausgedacht, dass es irgendwann besser wird. Ich hatte einfach niemandem, dem ich vertraut habe und mit dem ich sprechen konnte. Und wenn schon niemand in der Familie da ist, wem dann.
Hat sich tatsächlich später gegeben. Manchmal war da immer noch ein Tag, wo ich nichts sehen wollte und mich im Zimmer zusammengerollt habe. Ist jetzt aber auch schon lange her.

Unter vielen Menschen fühle ich mich unwohl, viele Freunde habe ich nicht. Meist atme ich auf, wenn ich wieder alleine bin. Meine Frau ist OK damit. Ich habe allerdings ein Problem mit ihrer Telefonitis.

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finchen0598 25.07.2017, 17:50
16. Danke

für Ihren Artikel. Als Angehöriger eines an Depression erkrankten Menschen bin ich mit der Materie mehr als vertraut.
Leider ist das Verständnis im Umfeld, auch im familiären, nicht sehr hoch. Man hört sehr oft etwas von zusammen reissen, als ob das möglich wäre.
Trotz Therapie und Medikamente wird es wohl immer gute und schlechte Tage geben. Man kann eigentlich nur den Umgang damit lernen.
Das gilt auch für mich als Angehörigen....

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Sibylle1969 25.07.2017, 17:57
17. Danke

Ich bin gottlob nicht selbst betroffen, aber ein Familienangehöriger. Ich finde es wichtig, nochmal zu erwähnen, dass Depression eine Krankheit ist, die erstens Millionen Menschen in Deutschland betrifft, die zweitens JEDEN treffen kann, die drittens nichts zu tun hat mit zusammenreißen und bei der es viertens extrem wichtig ist, sich medizinische Hilfe zu holen.

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_strike65_ 25.07.2017, 18:00
18. Danke

Für diesen differenzierten Betrag.

Mehr gibt es nicht zu sagen.

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abulafia56 25.07.2017, 18:01
19. heikles thema

als vor einigen Jahren selber Betroffene von der Problematik sehe ich das Thema zwiegespalten.
Mittlerweile lebe ich nach dem Motto #für jedes Problem gibt es eine Lösung!
hätte man mir das jeglicher Phase meiner jahrelangen Depressionen gesagt hätte ich denjenigen zum Teufel gejagt.
Nach -glücklicherweise misslungenen Suiziden bin ich in guter Therapie gelandet.
scheinbar muss man erst ernsthaft Hand an sich legen um ERNST genommen zu werden mit der Erkrankung .
Inmitten der depressiven Phase ist dem Betroffenen alles gleichgültig und egal.
Ein geplanter Suizid ist absolut Ernst gemeint und rückt in den Fokus der Gedanken.

wenn ich hier und heute bin geglückten suiziden höre und lese empfinde ich es als natürlich traurig.

als selbst Betroffene die es einige Male probiert hatte in hochgradig depressiven Phasen empfinde ich aber auch eine gewisse Hochachtung ob der gelungenen durchführung...

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