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Krieg der Worte: Lasst uns nicht mehr von "IS" sprechen
DPA

Wer den Namen "Islamischer Staat" benutzt, verleiht den Terroristen Legitimität. Es ist an der Zeit, dass wir aufhören, die verklärenden Selbstbezeichnungen der Mörder und Hetzer zu gebrauchen.

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zeichenkette 06.12.2015, 13:12
1. Vielleicht

wäre "Islamistischer Staat" die richtige Bezeichnung... Denn ein Staat ist das so oder so, auch wenn er von keinem anderen Staat anerkannt wird. Er hat Gesetze, eine Regierung und Verwaltung und eine Armee, und er kontrolliert sein Gebiet. Und er hat eine Bevölkerung, die ihn (willig oder unwillig) trägt, denn wie sonst sollten 1000 oder weniger Kämpfer jeweils Städte mit 500000 Einwohnern kontrollieren können? Machen wir uns nichts vor, der IS scheint für gar nicht so wenige Leute das kleinere Übel zu sein. Besser Friedhofsruhe als Krieg und besser von fanatischen Moslems beherrscht als von gottlosen Ausländern, scheinen manche zu denken. Das Schlimme am IS ist, dass er der letzte Ausweg in einer ausweglosen Lage zu sein scheint.

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fleischzerleger 06.12.2015, 13:14
2.

Also, einfach die Begrifflichkeit zu ändern, ist etwas kurzgegriffen. Da fallen mir spontan Dinge wie Preisanpassung, negativer Gewinn, Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk oder die allseits beliebten Reformen (Gesundheitsreform) ein - die alle nicht das beinhalten, was sie eigentlich ausdrücken bzw. ich frage mich, was drücken sie überhaupt aus.

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Asamih 06.12.2015, 13:18
3. Berichtigung

--------------------------Zitat Anfang

von ISIL,
dem "Islamischen Staat im Irak und der Levante",
zu ISIS,
dem "Islamischen Staat im Irak und Syrien",

--------------------------Zitat Ende


Da ist ein Fehler unterlaufen, es gab im arabischen Orginal kein ISIL oder ISIS.

Im arabischen Orginal hieß es "dawlatul islamiyyah fil iraq wa sham", dieses "Sham" zum Schluss wurde dann mal in "Levante oder "Syrien" übersetzt.

Es gab also diesen Schritt von ISIL nach ISIS nicht, es ist vielmehr eine unterschiedliche Übersetzung des gleichen Namens.

Die Entwicklungen liefen wie folgt in drei Stufen ab:

1) ISI = Islamischer Staat im Irak

2) ISIS = Islamischer Staat im Irak und Sham (Syrien/Levante)

3) IS = Islamischer Staat

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chr.reinhard 06.12.2015, 13:28
4.

Haben Sie "1984" nicht gelesen?

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licorne 06.12.2015, 13:34
5. Die Sprachregelung

bei Politikern und Journalisten in Frankreich die Bezeichnung Islamischer Staat nicht mehr zu benutzen besteht schon viel länger. Appelle an Spon Journalisten, dem Beispiel zu folgen, werden seit langem ignoriert. Wie der Autor (mal wieder versteckt hinter einem Zitat) die Afd moralisch auf die gleiche Stufe stellt wie Islamisten ist infam.

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fleischzerleger 06.12.2015, 13:40
6.

Zitat von licorne
Wie der Autor (mal wieder versteckt hinter einem Zitat) die Afd moralisch auf die gleiche Stufe stellt wie Islamisten ist infam.
Zumindest in der Demagogie der deutschen Übermutter Petry sind Parallelen zu erkennen.

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Dark Agenda 06.12.2015, 13:54
7. Die Medien hätten damit beginnen müssen

..die arabische Bezeichnung zu verwenden.
Nun ist die stark aufwertende Bezeichnung bereits im allgemeinen Gebrauch.
Dies suggeriert Dummköpfen:

a) die Organisation ist "islamisch"
b) ein legitimer "Staat"

Jetzt mit Da'esch etc. anzufangen verwirrt ihre Leser nur siehe chr.reinhard.
Mit Neusprech hat das nichts zu tun da wir ja den Namen für ein neues Phänomen frei wählen dürfen.
(In 1984 ersetzte der Staat z.B. schlecht durch ungut um die Sprache zu simplifizieren)

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langenscheidt 06.12.2015, 13:59
8. Feindbild im Zonenrandgebiet

Mich wundert nicht, dass freiheitsorientierte Medien und Öffentlichkeit vom "Islamischen Staat" (IS) sprechen, wenn sie Terroristen meinen. Es kommt auf den Mainstream an. Die Terrormiliz "Rote Armee Fraktion" (RAF) wurde namentlich übernommen, weil "Rote Armee" zum Feindbild passte.
Uns Europäern geht es am Hintern vorbei, was im Nahen und Mittleren Osten politisch passiert solange die Machthaber ihren Terror und die davor Flüchtenden nicht nach Europa exportieren bzw. zwingen. So gesehen sind die deutschen Bemühungen, dass die Flüchtlinge in ihrem Herkunftsland bleiben und human leben sollen - und damit ist das erste Flüchtlingsland gemeint, die Türkei - Augenwischerei fürs unaufgeklärte deutsche Volk und fördert den Zustrom von Sympathiesanten und Wählern für die AfD.

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schwarzwaldbauer 06.12.2015, 14:10
9. Nein, nein und nochmals nein.

Zitat von zeichenkette
wäre "Islamistischer Staat" die richtige Bezeichnung... Denn ein Staat ist das so oder so, auch wenn er von keinem anderen Staat anerkannt wird. Er hat Gesetze, eine Regierung und Verwaltung und eine Armee, und er kontrolliert sein Gebiet. Und er hat eine Bevölkerung, die ihn (willig oder unwillig) trägt, denn wie sonst sollten 1000 oder weniger Kämpfer jeweils Städte mit 500000 Einwohnern kontrollieren können? Machen wir uns nichts vor, der IS scheint für gar nicht so wenige Leute das kleinere Übel zu sein. Besser Friedhofsruhe als Krieg und besser von fanatischen Moslems beherrscht als von gottlosen Ausländern, scheinen manche zu denken. Das Schlimme am IS ist, dass er der letzte Ausweg in einer ausweglosen Lage zu sein scheint.
Eine Gruppe marodierender Mörder darf man nicht anerkennen als Staat. Auch wenn es eine große Gruppe ist. Es bleibt eine Bande, die sich diese Anerkennung vielleicht wünscht aber nicht bekommen darf. Diese Mörderbande hat keine Gesetze.
Es sei denn, man betrachtet den Mord als Gesetz bzw. die Kalaschnikow als Gesetzgebung. Bei Menschen mit einigermaßen demokratischer (vielleicht sogar freiheitlicher) Gesinnung ist das aber nicht vorstellbar.

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