Forum: Kultur
Kriegsende 8. Mai 1945: Es waren die Deutschen, nicht die Nazis
DPA/ WDR

Helmut Schmidt sagt, dass er kein Nazi war, und die Republik atmet auf. Dabei führt der Altkanzler nur vor, wie sich mancher aus der Tätergeneration doch noch retten will.

Seite 12 von 46
crimsonking24 09.05.2015, 23:38
110. Preußen - Wehrmacht - NSDAP

Ein paar Schlüsselereignisse: Der Tag von Potsdam. Die Wehrmachtsausstellung. Weimar-Buchenwald-Nohra und die Filmdokumente von der KZ-Befreiung. "Wir haben nichts gewusst...." Als sie aus den Baracken kamen, war großes Heulen. 1934 - Dachau. Nach dem 1. Mai, dem Tag der Zerschlagung der Gewerkschaften, angeblich eine Besserungsanstalt für Sozialdemokraten und Kommunisten. Stand in der Presse, von Kiel bis Passau. Der gute Deutsche, der gute Preuße war eben unpolitisch. Politik war schmutzig. Schmidt ging aus Daffke in den Bundestag. Er war kein Nazi im Herzen, aber wie er waren viele willige Instrumente. In Polen, wo der SD gemeinsam mit den SS-Einsatzgruppen die Massenerschiessungen vollzogen, an denen Wehrmachtssoldaten aktiv teilnahmen, sollte viele unpolitische Wehrmachtssoldaten in Preußens Tradition als naive Mittäter erscheinen lassen. Wehrmachtsausstellung. Filmmaterial von diesen Erschiessungen. Schmidt war daran nicht beteiligt, wusste davon auch nichts. Die Narben nimmt er mit ins Grab. Es wächst Gras drüber.

Beitrag melden
kjwussow 09.05.2015, 23:38
111. Die Leute wussten wirklich nichts!

Man sollte den ganzen besserwisserischen und selbstgerechten Linksextremen in diesem Forum vielleicht einmal verdeutlichen, dass es damals eben keine Massenmedien oder das Internet gab. Eine Landwirtschaftshilfe in Ostfriesland oder im Sauerland konnte vermutlich nicht einmal vernünftig hochdeutsch, geschweige denn lesen.

Und auch heute, dass sieht man insbesondere bei humoristischen Straßenumfragen, aber auch in offizielen Umfragen durch Meinungsforschungsinstitute, haben viele Durchschnittsbürger in diesem Land keinerlei Allgemeinbildung und können z.B. ihr Land nicht einmal auf der Karte zeigen.

In diesem Land denken zum Beispiel auch ein Drittel der Einwohner, dass es über 10 Mio. Moslems gibt, obwohl es nur knapp über 4 Mio. sind. 47% der Deutschen kennen die Nationalhymne nicht, und nicht wenige denken, dass der Werbespruch "Come in and find out" einer großen Drogeriekette auf Deutsch "Komm herein und finde wieder heraus" heißt.

Es ist höchst wahrscheinlich, dass über 90% der Deutschen nichts von Auschwitz wussten. Damals lebten ca. 500.000 Juden im Reich, vergleichbar sind es heute 500.000 Italiener. Wenn ich nicht hin oder wieder einen im Fernsehen sehen würde, hätte ich in meinem Leben nie einen Italiener getroffen oder gesehen. Und damals gab es das Massenmedium Fernsehen praktisch gar nicht. Und ein Bauer in Brandenburg hat sich mit solchen Themen deshalb einfach nicht beschäftigt.

Wir dürfen die Geschichtswissenschaften nicht den Ideologen, Linksextremen und Problemfällen überlassen!

Beitrag melden
Reinhold Schramm 09.05.2015, 23:39
112. - ab 1936 war die Mehrheit dafür!

Spätestens seit Olympia 1936 war das Bürgertum und werktätige Volk dafür. Das Großkapital sowieso.
Solange die Rohstoffe reichten, bis Frühjahr 1944, gab es eine ständige Steigerung der Kriegsproduktion in höchster Fertigungsqualität, und kaum Sabotage. Die werktätige Volksgemeinschaft, die Abteilungsleiter und Betriebsführer, die Werkmeister und Facharbeiter an der Heimatfront, umgeben von Millionen Zwangsarbeitern, - in allen deutschen Städten und Regionen -, aus allen besetzten europäischen Gebieten.
Im besten Wissen und mit ruhigen Gewissen, über bereits Millionen ermordete Kriegsgefangene, die Vertreibung und Inhaftierung von Hunderttausenden jüdischen Deutschen, sie leisteten beste (freiwillige) Qualitätsarbeit, bei der Arbeitsplanung und Produktion, auch von Vernichtungswaffen.
Spätestens seit Stalingrad, Ende 1942, Anfang 1943, wusste Mann/Frau vom verbrecherischen Vernichtungskrieg im Osten. Was sie trotzdem nicht davon abhalten konnte, weiterhin für den antibolschewistischen und antijüdischen Vernichtungskrieg in Europa zu arbeiten.
Da meint wohl der bürgerliche Hitlerjunge und gebildete Offizier, der Wende- und Nachkriegssozialdemokrat, er habe von den Tausenden Betribs-, Arbeits- und Haftlagern, von den vielen Millionen Fremdarbeitern und Arbeitssklaven, auf deutschem Territorium, in der deutschen Landwirtschaft und in den betrieblichen Produktionsstätten, nichts gewusst?
Der Kitt, der auch nach 1945, - in Westdeutschland, wie auch in Ostdeutschland -, die gesamtdeutsche Erwachsenen-Volksgemeinschaft weiterhin zusammenhielt, war der ungebrochene Antibolschewismus und Antikommunismus. Den auch zuvor die Väter und Mütter mit der großdeutschen NS-Führung und der kapitalfaschistischen (deutschen) Großbourgeoisie teilten.

Beitrag melden
gauck 09.05.2015, 23:39
113. Setzt Herr Dietz denn

Zitat von rugall70
Thomas Mann hätte sich diese Sichtweise des Journalisten Dietz ("Es waren DIE Deutschen") übrigens verbeten. Er hatte das Land verlassen. Deutscher blieb er. Ohne ein Nazi zu sein. Über die Nazis sagte er: "Sie haben die unglaubwürdige Kühnheit sich mit Deutschland zu verwechseln. Wo doch vielleicht der Augenblick nicht fern ist, da dem deutschen Volke das Letzte daran gelegen sein wird, nicht mit ihnen verwechselt zu werden." Ist es nicht auch von Dietz eine ungeheure Kühnheit, die Nazis mit den Deutschen gleichzusetzen? (Recht hat er freilich, wenn er betonen möchte, dass die Nazis nicht vom Himmel fielen. Die Nazis waren Deutsche. Und umgekehrt waren viele Deutsche Nazis. Leider nicht nur ein paar. Nein, Millionen! - Das darf man nicht beiseite wischen.)
Werter Forenteilnehmer!

Zugegeben! Meine Meinung zu Thomas Mann ist wohl nicht die beste. Allerdings stimme ich der Aussage zu.

Dennoch stelle ich die Frage, wo denn Herr Dietz im Artikel die Kühnheit besitzt. eine Gleichsetzung von "den Deutschen" mit "den Nazis" herzustellen? Ich kann im Artikelwortlaut hierzu nichts erkennen. Lediglich die - neudeutsch - Headline erweckt diesen Eindruck. Ob Herr Dietz dafür verantwortlich ist? Womöglich ist es hilfreich, sich mehr auf den Artikelwortlaut zu konzentrieren (soll keine Kritik an Ihnen sein).

Denn eigentlich schreibt Herr Dietz nichts anderes als Sie hier geschrieben haben.

Vielleicht liegt es auch daran, dass MAN es sich gerne zu einfach macht. Kollektivschuld da, die Schuld "der Anderen" dort etc.. Es ziemt sich nicht, als Spätgeborener Kritik zu üben, Der Kanzler als Idealfigur auf ein Podest gestellt usw. usf..

Hier kann ich eigentlich nur meinen Großvater zitieren:

"Ich war mit schuld!"

Mein Großvater war überzeugter SPD-Anhänger und Gegner der Nationalsozialisten. Dafür wurden ihm sämtliche Zähne ausgeschlagen und er inhaftiert. Sechs Monate vor Kriegsende stellte man ihn vor die Wahl "KZ oder Ostfront" - und was ein KZ ist wusste damals JEDER.

Während seiner Kriegsteilnahme , die eigentlich nur darin bestand, sich zu verteidigen und den Rückzug aus Russland lebend zu überstehen, erschoss er wissentlich - gemeint ist, dass er das Opfer auch sah - einen Russen im Schützengraben, um selbst dort Schutz suchen zu können. Das hat ihn sein Leben lang verfolgt. Es folgten drei Jahre Kriegsgefangenschaft bei den Briten.

Natürlich hätte sich mein Großvater auch hinstellen und behaupten können, er hätte keine Schuld. Tat er aber nicht.

Offensichtlich hatte ein einfacher Handwerker hier wohl mehr Mut als ein Bundeskanzler a.D., den viele hier gerne - m.E. zu Unrecht - auf einen Sockel stellen, sich seiner Verantwortung zu stellen.

Beitrag melden
ghdh 09.05.2015, 23:46
114. Er war' s und viele andere

Helmut Schmidt war Täter und viele andere auch. Und auch als Bundeskanzler war er geprägt von seiner Zeit als Wehrmachtsoffizier. In Mogadischu wählte er keine kluge Verhandlungslösung sondern gab den Befehl zum Stürmen, obwohl er dafür nicht zuständig und sein Einsatzbefehl deshalb rechtswidrig war. Dies führte dann zu der Ermordung von Herrn Schleyer und dem jahrelangen RAF-Terror mit vielen Toten. Helmut, mir graut vor Dir.

Beitrag melden
frank.w 09.05.2015, 23:48
115. Es wäre interessant...

...zu sehen ob die heutigen besserwisserischen Journalisten 1933 sich auch so leicht getan hätten standhaft zu bleiben...

Beitrag melden
sir wilfried 09.05.2015, 23:51
116. Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch

Zitat von brotherandrew
... Sie jetzt genau "wir"? Ist das auch jeder Deutsche, der - sagen wir mal - ab 1933 geboren wurde? Denn die Ältesten von denen war am Kriegsende 12 Jahre alt. Und es wurde versucht, die auch noch im Volkssturm zu verheizen? Wer ist "wir"? Und was ist mit den nichtdeutschen Faschisten z.B. in Italien oder Spanien? Tragen die keine Schuld "an den "Auswüchsen des Faschismus"? Gibt einen "guten" Faschismus ohne "Auswüchse"? Was genau möchten Sie uns denn sagen?
Faschismus ist kein deutsches Phänomen....ursprünglich wurde er von Mussolini in Italien kreiert. In seinen Grundlagen finden wir ihn aber bis heute vielerorts.

Beitrag melden
spon-facebook-1209487699 09.05.2015, 23:51
117.

Tätergeneration? Er war 15 Jahre alt als er in die HJ eintrat, also fast noch ein Kind.
Wer sind Sie, darüber den Stab zu brechen?
Wären Sie damals 15 gewesen, hätten wir heute einen tapferen Widerstandskämpfer mehr in unserer Geschichte.
Heinz Geitner.
Stockholm

Beitrag melden
arthurspilgrims 09.05.2015, 23:56
118. Schuld hat auf sich geladen...

...wer nichts dagegen unterommen hat. Aus!Punkt!Basta! Schmidt und Walser gehören dazu. Wer das nicht hören will, der lese nach über einen gewissen Georg Elser.... Noch Fragen?

Beitrag melden
Watchtower 09.05.2015, 23:59
119. Herr Diez macht es sich einfach...

Man stelle eine bestimmte Generation unter Generalverdacht und das Weltbild stimmt. Das nennt man "schnell mal was hingeschrieben" ohne Tiefgang und Differenzierung.

Beitrag melden
Seite 12 von 46
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!