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Kriegsende 8. Mai 1945: Es waren die Deutschen, nicht die Nazis
DPA/ WDR

Helmut Schmidt sagt, dass er kein Nazi war, und die Republik atmet auf. Dabei führt der Altkanzler nur vor, wie sich mancher aus der Tätergeneration doch noch retten will.

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pepe83 09.05.2015, 00:04
120. Tätergeneration

Allein dieser Begriff zeugt schon von mangelnder Fähigkeit oder mangelndem Willen zu differierter Reflexion. Den begangenen Verbrechen im Deutschland des 20. Jahrhunderts wird man durch solche Pauschalisierung nicht gerecht. Im Gegenteil relativiert diese Wortwahl die Schuld der Täter in gefährlicher Weise. Man sollte der Versuchung widerstehen, die Aufarbeitung der damaligen Verbrechen durch solche vereinfachte Betrachtungen abzukürzen.

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stefan.albrecht@virgilio. 09.05.2015, 00:06
121. Erstaunlich erfahren

Ich bin immer wieder erstaunt darüber,wie Leute wie Herr Diez vom Schreibtisch aus über Leute wie Herrn Schmidt urteilen, ohne überhaupt die geringste Ahnung davon zu haben, dass es während des dritten Reiches weder Internet noch sehr wertvolle Sendungen von Guido Knopp gegeben hat, über die sich Leute wie er und auch ich das Wissen über die Naziherrschaft erarbeiten konnten. Es kann nämlich durchaus sein,dass man wirklich nichts vom KZ mitkriegt, das laut Herrn Diez "in der Nähe" war, was auch immer das heissen soll. Wenn man gerade von der Ostfront zurück kommt hat man vielleicht andere Gedanken als sich auf Journalistische Nachforschungen zu begeben.
Leute wie Herr Diez wissen immer alles besser ohne einen blassen Schimmer davon zu haben, wie das Leben war. Das ist typisch deutsch und macht uns weltweit beliebt. Letztendlich war es genau dieses von oben herab blicken, was uns ins dritte Reich getrieben hat.
Leute wie Herr Diez sollten lieber mit anstatt über Schmidt sprechen oder schreiben.
Sie können einiges lernen und verhindern, erneut in Schande wie im dritten Reich abzugleiten.

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carterutm 09.05.2015, 00:06
122. Verehrter Herr Diez,

glauben Sie wirklich, mit diesem Artikel irgendeinen Beitrag zur Aufarbeitung unserer Geschichte geleistet zu haben? Sie ersetzen eine blödsinnige These - nur die Nazis waren schuld - durch eine andere - die damaligen Deutschen waren schuld. Schuld ist individuell und damit 70 Jahre später nur schwer festzustellen. Dass einige lügen, wenn sie behaupten, nichts gewusst zu haben, bedeutet nicht, dass das für alle anderen auch gilt. Und die Kenntnis von der Existenz von "Lagern" bedeutet nicht die Kenntnis von der Existenz von Vernichtungslagen wie Auschwitz, Sobibor und Treblinka, die nicht zufällig außerhalb Deutschlands betrieben wurden. Diese Lager waren geheime Reichssache, die dort tätigen SS- Leute wurden ausdrücklich zur Geheimhaltung verpflichtet. Und das aus einem vorrangigen Grund: den Oberarschgeigen wie Himmler war wichtig, dass die Juden nicht erfuhren, was dort passiert, denn anderenfalls hätten sie sich nicht so einfach dorthin deportieren und ermorden lassen. Die Zeugen im derzeit laufenden Auschwitz - Verfahren haben unisono erklärt, sie hätten geglaubt, sie würden zur Zwangsarbeit geschickt. Dass die hoch zivilisierten Deutschen einen Massenmord begehen würden, schien ihnen unvorstellbar. Auch die Bedeutung der Selektion verstanden sie erst hinterher, als andere Gefangene ihnen zu verstehen gaben, das ihre Angehörigen längst tot waren. Unter diesen Umständen zu behaupten, jeder Deutsche sei über alles im Bilde gewesen, ist bequem, aber Unfug. Übrigens gibt es heute Historiker, die die Vorgänge von damals anhand von Dokumenten akribisch, außerhalb der Wissenschaft allerdings weitgehend unbemerkt, intensiv analysiert haben. Es wäre ein echter Beitrag, diese zu Wort kommen zu lassen, statt den braunen Nebel mit einem Kübel Besserwisserei vertreiben zu wollen.

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analyse 09.05.2015, 00:09
123. Was für ein guter,edler Mensch,dieser Georg Diez !

Und was er alles weiß! Als wäre er dabeigewesen! Der Schmidt dagegen,, geht einfach an die Ostfront ,während Herr Diez nach seiner Einberufung tapfer gegen Hitler und die Wehrmacht gekämpft hätte ! Nicht,aber auch garnichts Herr Diez, rechtfertigt die grausamen Verbrechen der Nationalsozialisten,sie berechtigen aber auch nicht zu überheblichen Schuldzuweisungen an alle Deutschen!

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kingmartinone 09.05.2015, 00:12
124. Ich bin's nicht, Adolf Hitler ist es gewesen!

Mit diesem Satz haben sich schon die Hauptangeklagten vor den Nürnberger Prozessen versucht von jeder Schuld frei zu machen und jetzt kommt Herr Schmidt daher und behauptet: Wir (die Deutschen) sind´s nicht, die Nazis sind gewesen! Dazu fällt mir nur noch Gustav Heinemann ein: Wer auf andere mit dem ausgestreckten Zeigefinger zeigt, der deutet mit drei Fingern seiner Hand auf sich selbst.

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stefan.albrecht@virgilio. 09.05.2015, 00:15
125. vielen Dank

Zitat von schubladensprenger
Natürlich! Alle Ostdeutschen waren Stalinisten, alle weißen Südafrikaner Rassisten usw.. Ich finde es Bezeichnend das diese Diskussion in einer Generation geführt wird die keinerlei Verbindung und damit meisten auch kein Einfühlungsvermögen in die damalige Zeit hat. Ich, selber auch dieser Generation angehörend, höre, wenn es um Nazi-Deutschland geht, lieber den Worten des Helmut Schmidt als irgendeinem dahergelaufenen Jungspund zu. Wer weiß was man in 70 Jahren über unsere Generation sagt. Wer denkt das so etwas nicht wieder passieren kann ist naiv und vielleicht sind nächstes mal wir daran beteiligt. Also nicht immer nur nach Schuldigen suchen, sondern vielmehr Augen aufhalten, damit solches oder auch kleineres Unrecht nicht wieder passiert.
Besser kann man es nicht zusammenfassen. Vielen Dank fur den Beitrag. Die Arroganz, oder besser, Ignoranz von besserwisserischen Schreiberlingen wie Herrn Diez ist schlicht und einfach unerträglich und auch unlauter.

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mebschmw 09.05.2015, 00:17
126. keine Ahnung, aber eine Meinung

Zitat Artikel: "1933 in die HJ eingetreten, Ostfront, Westfront, 1942 noch fest 'auf dem Boden der nationalsozialistischen Weltanschauung', wie sein Vorgesetzter schrieb - wenn das einen nicht zum Nazi macht..."

Ein Kind mit 15 tritt in eine Jugendorganisation ein, ein Soldat im Krieg muss an die Front und ein Vorgesetzter in einer Diktatur, der eine Phrase in ein Zeugnis schreibt, die er wohl in alle Zeugnisse schrieb, um seinen Kammeraden keinen Ärger zu machen - Diez, Sie haben ein großes Maul! Wie arrogant ist es, diese lächerlichen "Kriterien" aus Ihrer heutigen naiven Sicht heranzuziehen! Sie haben nicht einmal eine winzige Vorstellung von den Lebensumständen in einer Diktatur.

Mag sein, dass es Schmidt nicht einmal Unrecht tut, das kann ich nicht einschätzen. Aber Sie auch nicht! Einen Rufmord 70 Jahre nach Kriegsende (min. 70 Jahre Schmidt als großer Demokrat) loszutreten, wenn man solch untaugliche Kriterien heranzieht, ist BILD-Niveau. Oder das Niveau einer Margot Honnecker. Wählen Sie davon das, was Sie mehr ärgert!

Heute 15-23-Jährige beten den Konsumgott an, werden IS-Kämpfer oder leben im Hotel Mama. Hoffen wir, dass einige von ihnen auch nur einen Bruchteil von dem leisten und positiv bewirken, was Schmidt vorweisen kann. Neben Schmidt sehen viele klein aus, ein Diez auf jeden Fall winzig.

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nesmo 09.05.2015, 00:22
127. Nach 70 Jahren Diskussion

über die "Schuldfrage" jedes Deutschen greift der kleine Artikel natürlich zu kurz. Das Thema ist sehr komplex und bereits zigfach aus allen Richtungen vielfach und umfassend beleuchtet. Alten Männern vorzuwerfen, dass sie ihre Mitschuld als junge Männer beschönigen ist nun keine neue Erkenntnis, auch wenn allzuviel Relativierung nerven mag. Schuld ist eine zu schwierige Kategorie, um sie mit Pauschalbegriffen wie "Nazi" bemessen zu können.

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retterdernation 09.05.2015, 00:25
128. Der Oberamts-Direktor...

ein Großonkel von mir - gehörte zu dem Teil der Familie, die ich aus heutiger Sicht missen möchte! Schon Ende der 20er Jahre identifizierte sich dieser Verwandte mit der Nazi-Ideologie und zog von OstPreussen mit seiner Frau, in Familienkreisen auch die "braune Eva" genannt, nach Berlin. Dort machte er mit dem Parteibuch in der Tasche dann Karriere. Mit Logistik und Transport beschäftigte er sich dann im Krieg. Zu dieser Zeit berichtete mir mein Vater, hatte die Familie in Ostpreußen, den Kontakt zu ihrem Angehörigen bereits eingestellt. Da man den ständigen NaziParolen dieses Mannes aus Berlin nur sehr bedingt folgen konnte und wollte. Planung und Transport von Kriegsgütern war also die Beschäftigung dieses Großonkels. Und er wohnte ab 1939 in der Wohnung eines jüdischen Mitbürgers, der ganz schnell das Land verlassen musste, wie er mir grinsend Anfang der 70er Jahre erzählte. Obwohl ich noch sehr jung war - wusste ich - welches unverzeihliches Leid wir den Juden angetan hatten und fragte den ehemaligen OberamtsDirektor, ob er denn nicht gewusst habe, das man viele jüdische Bürger ins KZ gebracht habe und später tötete, er antwortete, dass mit den Konzentrationslagern wäre alles übertrieben von den Siegern. Sicherlich hätte es einige wenige Lager gegeben. Einige tausend Juden wurden auch dahin gebracht. Auch er hätte mal am Rande mit so einem Transport zu tun gehabt, als ein Kollege krank war. Was die Alliierten nach dem Krieg daraus gemacht hätten - wäre reine Propaganda. Bis zu seinem Tod und dem seiner Frau bestritten die Beiden, dass esVergasungsanlagen in den KZ's gab. Diese wurden von den Siegern erst nachträglich eingebaut! Seit diesem Gespräch vor vielen Jahren bin ich ein Feind jeder Art von Nazis ...

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ernstrobert 09.05.2015, 00:26
129. nur schnell das Hemd wenden

Zitat von brendan33
Nur einige entledigen sich dieser Last, indem sie besonders lautstark oder besonders bedeutsam auf andere zeigen, deren Schuld anklagen und sich in diesem Moment natürlich automatisch moralisch völlig unangreifbar machen. Das macht nicht nur Diez so. Auch Augstein, die gesamte Führungselite der Linken und viele Andere wählen diesen einfachen Weg der Flucht nach vorne.
darüber sagt Diez nichts, aber man darf wohl annehmen, dass er sich selbst ausnimmt.
Andere sagen hier richtig, dass die ganze Rechthaberei wenig bringt, weil kaum noch jemand dabei ist, der (ganz weit hinten) noch weiß, wie es wirklich war. Inzwischen überdecken die unzähligen Schichten der 'Vergangenheitsbewältigung' die Vergangenheit, um die es angeblich geht. Alle sollen glauben, dass die Kapitulation als Befreiung empfunden wurde. Das ist wohl grobe Fälschung. Tatsächlich war es eine große Zeit der Wendehälse, es wurde reingewaschen nach Strich und Faden, verheimlicht und gelogen. Die meisten hatten angeblich von nichts gewusst und warfen sich schnell auf die richtige, nun tonangebende Seite. Das ist menschlich nachvollziehbar, aber nicht wahrhaftig.
Mein Vater war nie in der Partei, verachtete die Nazis als Pack, aber hat nach anfänglichem Zögern mitgemacht, beeindruckt von den Erfolgen und anderen, die auch mitgemacht haben. Er hat den Glauben an Deutschland mit dem Glauben an den 'Führer' verwechselt. Ihm war klar, dass Deutschland keine Gnade zu erwarten hatte, nach dem, was passiert war. Sein Cousin war schlauer, in der NSdAP, konnte studieren, wurde Offizier, hat sich aber 45 reingewaschen, indem er sofort (SBZ) zu den Russen übergelaufen ist und dann in die SED eingetreten ist. Wurde schnell ein angesehener Apotheker in der DDR. Niemand hat ihn für seine Kriegsverbrechen belangt, mit denen er noch bis 45 geprahlt hatte. Jetzt war er (nur noch) Sozialist.
Für diese 'Wendigkeit' hat mein Vater ihn verachtet.

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