Forum: Kultur
Kriegsende 8. Mai 1945: Es waren die Deutschen, nicht die Nazis
DPA/ WDR

Helmut Schmidt sagt, dass er kein Nazi war, und die Republik atmet auf. Dabei führt der Altkanzler nur vor, wie sich mancher aus der Tätergeneration doch noch retten will.

Seite 2 von 46
Bueckstueck 08.05.2015, 18:04
10. Richtig, Herr Diez

Musste wirklich mal so klar gesagt sein.

Bei Helmut Schmidt hoffe ich ja, dass es sein Alter ist, dass da jetzt so durchschlägt und ihn derlei Unsinn reden lässt. Das denke ich mir jedenfalls schon seit einiger Zeit wenn er sich zu verschiedenen Themen ähnlich abstrus äussert.

Ob seine Meinung vor 10, 20 oder 40 Jahren eine andere war? Ich weiss es nicht. Ich hoffe es aber.

Beitrag melden
Bueckstueck 08.05.2015, 18:06
11.

Zitat von cromwelluk
einem wirklich, dem vielleicht letzten, " großen " deutschen Politiker und Zeitzeugen Helmut Schmidt ein solches " Zeugnis " zu geben. Man mag Helmut Schmidt manches vorwerfen, zurecht in der falschen Partei gewesen zu sein, aber Helmut Schmidt war ein preussischer Steuermann und Diener seines Staates. Er war Realist, siehe Nato Doppelbeschluss, und er war kein Fundamentalist in Sachfragen. Aber, auch seinem Charakter geschuldet, es wird ihn nicht sonderlich beeeindrucken was ein kleiner, finsterer Schreiberling zu Tage bringt. Für Visionen und schlechte Kritiken hatte dieser Mann ohnehin nichts übrig, keine Zeit !
Ja, so funktioniert Geschichtsrevisionismus. Man wiegt die guten Taten gegen die weniger guten Taten oder Gedanken auf und löscht letztere aus dem Gedächtnis - weil er halt ein grosser Mann der Politik ist.

Nein, das lassen wir nicht so einfach geschehen.

Beitrag melden
abszu 08.05.2015, 18:08
12. Diese Erwartungshaltung...

...des Herrn Diez find ich interessant: Da sind also Menschen, die Kinder/Teens waren bei der Machtergreifung, die in den darauf folgenden Jahren auf allen verfügbaren Kanälen die Propaganda der Nazis eingetrichtert bekamen - aber laut Herrn Diez hätte diese Menschen selbstverständlich pünktlich zum 18. Geburtstag nicht nur erkennen müssen, das alles, was sie vorher lernten/lasen/hörten, falsch ist, sondern obendrein selbstverständlich sofort unter Einsatz ihres eigenen Lebens Widerstand dagegen leisten müssen.

Sorry, Herr Diez, so funktionieren Menschen nicht.

Beitrag melden
schubladensprenger 08.05.2015, 18:10
13. Generation des erhobenen Zeigefingers

Natürlich! Alle Ostdeutschen waren Stalinisten, alle weißen Südafrikaner Rassisten usw.. Ich finde es Bezeichnend das diese Diskussion in einer Generation geführt wird die keinerlei Verbindung und damit meisten auch kein Einfühlungsvermögen in die damalige Zeit hat.
Ich, selber auch dieser Generation angehörend, höre, wenn es um Nazi-Deutschland geht, lieber den Worten des Helmut Schmidt als irgendeinem dahergelaufenen Jungspund zu. Wer weiß was man in 70 Jahren über unsere Generation sagt. Wer denkt das so etwas nicht wieder passieren kann ist naiv und vielleicht sind nächstes mal wir daran beteiligt. Also nicht immer nur nach Schuldigen suchen, sondern vielmehr Augen aufhalten, damit solches oder auch kleineres Unrecht nicht wieder passiert.

Beitrag melden
Gerd@Bundestag.de 08.05.2015, 18:14
14. Gähn!

Und noch mal eine spitzfindige aber ganz genaue Auseinandersetzung der Schuldfrage ein für alle mal geklärt von der ersten oder zweiten Nachkriegsgeneration. Vielen Dank! Und wo genau liegt jetzt der Unterschied, ob es nun die Schuld derer ist, die die Verbrechen aktiv vorangetrieben haben (Nazis) und denen, die es zugelassen haben, dass sie geschehen konnten (Deutsche)?

Nur eines sollten sich die obersten Moralisten der schreibenden Zunft nicht zu Eigen machen: Die Kausalität ausser Acht zu lassen.
Wenn Herr Dietz also die moralisch Integität Schmidts in Frage stellt, weil dieser nichts von Bergen Belsen, Ausschwitz usw. wusste, dann möchte ich gerade von so einer arrogant hohen Warte auch die Belege sehen die untermaueren, dass Schmidt in der betreffenden Zeit Kenntnis von Konzentrationslagern und Judenverfolgung gehabt hat. Wird dies nicht belegt nehme ich das mal freundlicher Weise als ihre Vermutung an, oder ist es doch einfach nur so ein Gefühl, oder mußte vielleicht diese Unterstellung hinein, damit das Kalkül der Empörung aufgeht?
Diese Belege sind Sie, Herr Dietz, uns schuldig geblieben. Statt dessen argumentieren Sie aus dem sicheren Wissen der 70 jährigen Aufarbeitung und setzen dieses Wissen offensichtlich als Grundwissen eines jeden Deutschen in der Nazi Diktatur gleich.
Weil das für Sie offensichtlich kausal völlig zweifelsfrei ist, nehmen Sie sich naürlich das Recht heraus jeden Einwand als Lüge oder Revisionismus zu bezeichen.



Sorry - aber überheblicher geht es nicht mehr!

Beitrag melden
sithis 08.05.2015, 18:18
15. Wir sind alle Schuld!

Und auch alle Deutschen werden es in Zukunft sein. Ist das nicht hier die beabsichtigte Stimmungsmache? Wer als junger Mensch unter dem Einfluss einer solchen guten Propaganda steht und dann in einem Staat wie den von Nazi-Deutschland lebt lässt sich schnell von einer Ideologie beeinflussen. Das heißt aber nicht das man dann direkt zum Vollblut-Gestapo-Nazi oder zum Holocaustverantwortlichen wird. In einem Staat wie der von Hitler-Deutschland gab es tatsächlich Nazis aber auch normale Bürger die wenig Auswahl hatten.

Beitrag melden
obsurfer 08.05.2015, 18:20
16. Wenn man so gewisse Zwischentöne hört...

...kann man sich sicherlich sein Teil dazu denken - absolut sicher kann man allerdings nie sein, das wissen die aus dieser Generation nämlich selbst viel zu gut...

So betont (fast verächtlich?) Schmid doch auch immer wieder, dass er nie ein Held war - und auch noch stolz darauf sei... Noch Fragen?

Beitrag melden
chrutchfield 08.05.2015, 18:21
17. Ich will und darf...

... nichts von den Geschehnissen des 3. Reiches verteitigen oder gar gut heissen.

Aber wenn heute junge Menschen in Deutschland das alles besser wissen und darüber urteilen, sollten sie immer daran denken, dass sie auch ihre Eltern und Grosseltern anklagen oder ihnen zumindestens Vorwürfe machen.

Ich habe in der Zeit gelebt und und viele Dinge miterlebt.

Ist denn jeder Soldat, der ein Gewehr abgeschossen hat ein Mörder? Ist jeder Bombenschütze, der aus einem Flugzeug Bomben abgeworfen hat und dadurch mit einem Knopfdruck tausende Menschen getötet hat ein Massenmörder geworden? Und das gilt für alle Kriegsparteien, weltweit.

Ist denn der Bundestag, der Waffenexporten zum Töten von Menschen zugestimmt hat ein Verbrecherclub?

Mord und Totschlag ist von Anbeginn an ein Teil der Geschichte eines jeden Landes. Das ist für mich unbegreiflich!

Aber was haben die Menschen gelernt? Nichts.

Beitrag melden
Velociped 08.05.2015, 18:23
18. reichlich spät

Da war jemand jahrelang Kanzler und wurde anschliessend jahrzehntelang zur moralischen Instanz. Jetzt wo Helmut Schmidt alt und gebrechlich ist und sich nicht mehr wehren kann, wird kritisiert, was auch dem Spiegel schon jahrzehntelang bekannt war.

Nein es waren nicht alle Deutschen sondern die Nazis und diejenigen, die den Nazis geholfen haben. Aber auch wer in der SPD ist, ist Sozialdemokrat - auch wenn er Schmidt oder Schröder heisst und Sozialdemokratie anders definiert als viele andere Sozialdemokraten. Genaus war wer in der NSDAP war auch ein Nazi - unabhängig ob er den Judenhass gut oder entsetzlich fand und auch egal ob er am Holocaust beteiligt war oder nicht.
Helmut Schmidt war in der Partei, die den Holocaust im Programm hatte. Damit hat er nach unserem Verständnis noch kein Verbrechen begangen aber eine moralische Schuld auf sich geladen. Zu Gute halten muss man ihm allerdings dabei, dass er mit 15 Jahren wohl noch nicht die nötige Reife hatte, die Propaganda zu durchschauen.
Nach heutigem Verständnis wäre die NSDAP eine terroristische Vereinigung. Mitglieder wären demnach strafbar auch wenn sie selbst keine Verbrechen begangen hätten.
Allerdings wenden wir diese Massstäbe bei terroristischen Regierungsorganisationen nicht an. Die Stasi-Mitarbeiter sind nicht pauschal für alle Stasi-Verbrechen verurteilt worden und erst recht werden nicht alle CIA-Mitarbeiter für die CIA-Verbrechen belangt.
Daher bleibt nur zu sagen, dass Helmut Schmidt ein Nazi war und dass er moralische Mitschuld trägt. Ihn für dieses "Jugendverbrechen" erst jetzt im hohem wehrlosen Alter zu verurteilen zeugt allerdings mehr von Feigheit als von moralischer Überlegenheit.

Beitrag melden
hartmannulrich 08.05.2015, 18:31
19. Kollektivschuld ist Unsinn

Es geht eben nicht an, jeden persönlich zum Täter zu erklären, der zu einer bestimmten Zeit einer bestimmten ethnischen Gruppe angehörte. Im Gegensatz zur Meinung von Herrn Diez ist es das, was längst geklärt sein sollte - eigentlich seit 1945. Sonst hätten sich die Alliierten ihre Kriegsverbrecherprozesse und Fragebögen sparen können. Und wo will Herr Diez die Grenzen dieses Kollektivs ziehen? Gehören die Österreicher dazu, die Sudetendeutschen? Sind sie weniger schuldig oder mehr? Hier wird Geschichte mit einem Gestus der Empörung aus dem völkischen Blickwinkel betrachtet und ein Konsens reklamiert, den es so nie gegeben hat und hoffentlich auch nicht geben wird. Auf das Stuttgarter Schuldbekenntnis beruft er sich zu Unrecht. Die Kirchenführer, die es unterzeichneten, bezeugten eine "Solidarität der Schuld" für die im Namen des deutschen Volkes begangenen Verbrechen und bekannten ihre eigenen Versäumnisse, aber Pauschalverurteilungen nach Art von Herrn Diez lehnten sie ab.

Beitrag melden
Seite 2 von 46
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!