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Krimi-Vote: Wie fanden Sie den Altenpflege-"Tatort"?
Maor Waisburd/ SWR

Not, Stolz und Gewalt im Pflege-Milieu: Der Stuttgart-"Tatort" war ein aufwühlendes, virtuoses Krimi-Drama. Oder sind Sie anderer Meinung?

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wolfgang.reinhard 20.05.2019, 08:35
1. Ein Versuch

in 90 Minuten das komplexe Thema Altenpflege im Umfeld der gesetzlich eng geregelten und damit einfach überprüfbaren Vorgaben und Vorschriften darzustellen und das Spannungsfeld zum Pflegepersonal mit seinen Vorstellungen von Patientennähe auszuloten, um das Ganze dann in einen "spannenden" Ermittlungsfall für zwei voreingenomme, besserwissende und verweifelt belastendes Material suchende Ermittler zu pressen, ist grandios gescheitert.
Es kann einem Angst und Bange werden, in eine solche Untersuchungsmühle zu geraten, an deren Ende unbedingt ein Ergebnis stehen muss: egal wie.

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biesi61 20.05.2019, 08:42
2. Ein starker Film über die Probleme in der Pflege!

Unglaubwürdig nur, dass sich irgendwo in Deutschland eine - in der Regel ja stark überlastete - Ermittlungsbehörde bei derart magerem Anfangsverdacht so tief in den Fall verbeißen würde.

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Hexavalentes Chrom 20.05.2019, 08:49
3. 10/10

Dreifaltigkeit des Todes: Ein Mord, ein Selbstmord, ein Unfall. Anne und Godzilla überragend. Montage überragend. Man kann der Ankündigung nur zustimmen 10/10.

Was für ein Zwischenreich: Die Frau zwischen Vater und Sohn. Präsent in vollkommener Absenz. Nackt am Pflegebett. Auch das ist Leben. Wirklich phantastisch.

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quidquidagis1 20.05.2019, 08:50
4. Vor allem..

..glänzte dieser Tatort durch eine hervorragende Frau Schubert als Anne!Grandios wir sie das spielte!

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Larosen 20.05.2019, 08:50
5. Ein Tatort der anderen Art

Ich fand es sehr bemerkenswert, dass im Tatort jemand für einen Mord gesteht, der eigentlich ohne die Beteilig einer zweiten Person geschah und ein Unfall war nur um den eigenen Stolz angeblich damit zu behalten.
Das Thema ist Brand aktuell und man kann sich gut in die Pflegerin versetzen, die einen sehr anstrengenden Sohn hat.

Definitiv 10/10.
Der Regisseur sollte vielleicht auch in Saarbrücken anfangen, die könnten es brauchen. ;)

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piton 20.05.2019, 08:56
6. Ein grandioser Werbefilm für Pflegeberufe und Polizei

Pflegedienst zwischen Erotikdienszleistung und Mord sowie eine Polizei die mit rechtsstaatlich fragwürdigen Methoden ein Erfolgserlebnis herbeiermitteln muss. Haben die nichts besseres zu tun? Etwas mehr Realitätssinn täte gut. So etwas brauche ich nicht im Tatort

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Global88 20.05.2019, 08:57
7. Ganz gut,

gelungen. Erschreckend ausweglos, Fakten , was die Pflege betrifft, erschreckend das Menschliche.
Unrealistisch bei einem derart mangelhaften Anfangsverdacht so tief einzusteigen. Die Pflegerin war klasse dargestellt und sehr glaubwürdig. Habe mich zum wiederholten mal gefragt, aus welchem Grund diese Leistungsträger unserer Gesellschaft einfach nicht entsprechend entlohnt werden.

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krautrockfreak 20.05.2019, 09:03
8. Wieder ein Tatort, bei dem man am Ende ratlos da sitzt und sich nicht

klar ist, was denn da nun ablief. Die Frau gesteht einen Mord, den sie aber augenscheinlich nicht begangen hat?
Wie auch immer, den weiblichen Pflegekräften hat man damit sicher einen Bärendienst erwiesen. Ich will nicht wissen, wie viele Frauen im Pflegedienst sich heute blöde Kommentare oder gar eindeutige Angebote gefallen lassen müssen. Man hatte ja den Eindruck, dass das irgendwie zum Job dazu gehören könnte, derartige "Dienstleistungen" anbieten zu müssen...

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Aberlour A ' Bunadh 20.05.2019, 09:07
9. Guter Tatort - 8 von 10 Punkten

Eine alleinerziehende Pflegekraft, die etwa 1500 Euro netto verdient, kommt immer wieder in die finanzielle Bredouille, weil sie den aufwendigen Lebensstil ihres Sohnes finanzieren muss, der nicht standesgemäß in eine Schule geht, die von Schülern besucht wird, die in "Hanglage" wohnen. Sie selbst, hyperkorrekt, die sich im Beruf nie etwas zu Schulden hat kommen lassen wird durch notgeile Männer auf dem Krankenbett in Versuchung gebracht, sich zu prostituieren. Das ist die Basis, die dem Stuttgarter Tatort als Ausgangspunkt für die Exkursionen in die menschliche Psyche während langer Verhörsequenzen dient. Der Clou: die Frau nimmt zum Schluss noch einen Mord auf ihre Kappe, den sie gar nicht begangen hat. Die Tatsache, dass sie sich als Wichsvorlage für die pflegebedürftigen Männer herabgewürdigt hat, kann sie weder für sich selbst, noch gar für die Außenwelt akzeptieren. Um "sauber" zu bleiben, für sich und die Außenwelt, kommt ihr die Rolle des "Todesengels" gelegen, der alte, kranke Männer von ihrem Leiden befreit hat. So muss man den Tatortmachern ein Kompliment machen, dass sie aus diesem Stoff, vor dem heiklen Hintergrund Pflegenotstand, ein insgesamt stimmiges, psychologisch tiefgründiges Kammerspiel gemacht haben. 8 von 10 Punkten. Da sich die beiden Kommissare frühzeitig auf die Krankenpflegerin als Täterin festgelegt haben, ließ natürlich im Spannungsbogen Abnutzungserscheinungen aufkommen. Spätestens nach der Hälfte war klar: hier kann kein anderer Mörder mehr aus dem Hut gezaubert werden. Allerdings ließ der Tatort bei mir irgendwie unterschwellig, wahrscheinlich von den Machern gar nicht intendiert, eine gewisse Abneigung gegen Pflegeberufe durchschimmern. Seltsam.

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