Forum: Kultur
Kritik, Hetze und Hass: Wie ist es möglich, durch ein Megaphon zu flüstern?

Stets versucht unsere Kolumnistin, Antworten auf das zu geben, was in unserer Gesellschaft zwischen Männern und Frauen, zwischen Oben und Unten geschieht. Heute hat sie nur Fragen.

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perfectusvoncordoba 21.06.2016, 11:31
1. Gute Journalisten erkennt man...

„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört"

Hanns Joachim Friedrichs (* 15. März 1927 in Hamm; † 28. März 1995 in Hamburg) war lange Jahre Moderator der ARD-Nachrichtensendung Tagesthemen. Nach dem Volontariat bei der Berliner Tagezeitung Telegraf ging er 1949 nach London und wurde bei der BBC als Nachrichtenredakteur angestellt. 1955 zurück in Deutschland arbeitete er zunächst als Korrespondent und Reporter für den NWDR und war ab 1964 beim ZDF angestellt. 1969 übernahm er die Moderation der Nachrichtensendung heute und wurde 1973 Sportchef des Senders. Die ARD verpflichtete ihn zwischen 1985 und 1991 als Moderator für die Tagesthemen.

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geando 21.06.2016, 11:35
2. Sind das echte Fragen, Frau Stokowski?

Nein, es sind keine echten Fragen. Es sind Suggestivfragen- es geht nicht um eine Antwort, diese wird in der Form der Fragestellung bereits vorweggenommen. Es handelt sich also nicht um das Bedürfnis, die Meinung des imaginären Gegenüber zu erfahren, sondern ebenfalls um Meinungsäusserung. Da die Fragen (und deren implizierten Antworten) auch voll auf der Linie des Interessensbereiches und der Denkmuster der Autorin liegen, handelt es sich unterm Strich also wieder um einen ganz normalen Kommentar.

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matty-b 21.06.2016, 11:43
3. Gegenfrage

Ist es nicht gerade unser intuitives Wissen darum, dass keine Ihrer Fragen mit einem einfachen, verallgemeinernden Satz zu beantworten ist, das dazu führt, dass jeder jetzt noch schnell überall seinen eigenen einfachen, verallgemeinernden Satz loswerden muss - in reiner Panik, die Komplexität der Fragen könnte irgendwann nicht mehr beherrschbar sein?

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TLB 21.06.2016, 11:45
4.

Wie ist es möglich, in einer Zeit, in der wir täglich mit Verbrechen konfrontiert sind, die aus Hass entstanden sind, Zustände zu kritisieren, ohne selbst des Hasses verdächtigt zu werden?

Ja
Ja
Ja, ja, ja
Ja, ja
Ist das sinnvoll?
Ja
Ja
Vielleicht ist das, was wie Hass klingt, Hass? Das heißt, es entsteht nicht vor dem Tippen. Müsste man aber im Einzelfall betrachten
Ja
Ja
Kommt auf den Empfänger an
Nein
Nein
Ja
Nicht immer, aber häufig.
Nein
Weil das Konzept einen realen Vorgang beschreibt
Nein
Ja, wird aber oft ideologisch überlagert
Nein
Nein
Ja
Sorry – Gegenfrage: Kann man alle respektiern?

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gott777 21.06.2016, 11:51
5. Fragezeichen

Sehe ich als einziger nur Fragezeichen? Bin ich der Einzige, dem die intellektuellen Fähigkeiten fehlen, den Hintergrund dieses Textes zu verstehen? Soll ich im Büro mich mit einer Erkältung krankschreiben lassen oder gelte ich dann als faul?

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archi47 21.06.2016, 11:52
6. viele Fragen

sind rhetorischer Art. Sie wollen nicht wirklich eine Antwort. Die Fragen des Lebens, die uns und alle Mitgeschöpfe beschäftigen sollte, zu beantworten verlangt Tiefgründigkeit. Da sind Normen und Regeln zu hinterfragen, die uns über Tausende von Jahren geprägt haben, oft sind sie auch zu bestätigen, mache anzupassen, wenige abzulehnen.
Wer in der Diktion des (All-)Wissenden an dieses herantritt, wirde der Aufgabe nicht gerecht, denn sie ist immens - und jeder Mensch ist ein Unikat.
Natürlich gibt es Menschen, die sich einer Norm unterwerfen, in Religionen, in Gemeinschaften und in der gesellschaftlichen Anpasseung. Aber es gibt auch die anderen und die sind genauso zu achten, wie die aktuellen Gesetze und Regeln.

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ben_hurtig 21.06.2016, 11:56
7.

Zitat von perfectusvoncordoba
„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört" Hanns Joachim Friedrichs (* 15. März 1927 in Hamm; † 28. März 1995 in Hamburg) war lange Jahre Moderator der ARD-Nachrichtensendung Tagesthemen. Nach dem Volontariat bei der Berliner Tagezeitung Telegraf ging er 1949 nach London und wurde bei der BBC als Nachrichtenredakteur angestellt. 1955 zurück in Deutschland arbeitete er zunächst als Korrespondent und Reporter für den NWDR und war ab 1964 beim ZDF angestellt. 1969 übernahm er die Moderation der Nachrichtensendung heute und wurde 1973 Sportchef des Senders. Die ARD verpflichtete ihn zwischen 1985 und 1991 als Moderator für die Tagesthemen.
Naja. Bei dem Zitat ging es Friedrichs v.a. darum, wie man Katastrophenmeldungen "objektiv" rüber bringt. Im Verlauf des Interviews geht Friedrich ja auf seine Positionierung bei "politischen" Themen ein.

„SPIEGEL: Trotzdem haben Sie Ihren Moderatoren-Job – in einem überparteilichen Sinne – politisch verstanden. Sogar Ihre Naturfilme „Wunderbare Welt“ bezeichnen Sie als Beiträge zur politischen Bildung der Menschen in diesem Lande. Ist das nicht ein bißchen überzogen?

Friedrichs: Als ich damit anfing, sagten die Kollegen da draußen in Lokstedt: Was, du machst jetzt Tierfilme? Wir haben jetzt die ersten vier Folgen wiederholt, weil ich in dieser Lage keine neuen machen kann. Die hatten genauso hohe Einschaltquoten wie beim erstenmal.

SPIEGEL: Was ist daran politisch?

Friedrichs: Die Sendung hat eine grüne Botschaft: Wenn der Mensch sich weiter so bemüht, dann kriegt er das auch noch kaputt."

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julia_m_78 21.06.2016, 12:00
8.

Es ist nun einmal so, dass alle, die überzeugt für ein bestimmtes, kontroverses, subjektiv berechtigtes Anliegen kämpfen, eigene Äußerungen als „berechtigte Wut“ wahrnehmen, die „wütenden“ Äußerungen von Andersdenkenden aber sehr schnell als Aufforderung zum Hass. Diese Wahrnehmungsverzerrung beziehe ich ausdrücklich auf alle weltanschaulichen Lager, ob Links oder Rechts, feministisch oder Feminismus-kritisch, ökologisch oder wirtschaftsliberal, Brexit-Gegner oder Befürworter. Und damit natürlich auch mich selbst. Was aber, wenn auch hinter der Wut des jeweils anderen ein möglicherweise berechtigtes Anliegen steckt?

Wer diesen Kreislauf gegenseitigen Nichtverstehens und Aufwiegelns durchbrechen möchte, sollte stets auch die eigene Sprache und Äußerungen kritisch reflektieren. Möglicherweise werden auch hier Grenzen verletzt und besteht auch einmal Grund zur Selbstkritik.

Daran fehlt es hier meines Erachten. Die Autorin stellt viele berechtigte Erwägungen an. Das Fazit, auf das ihre Erwägungen hinlenken, ist aber nur, dass sie selbst als Feministin berechtigte Wut äußert, und die Fehlwahrnehmung allein bei denen liegt, die Kritikpunkte äußern.

Nein, niemand muss durch ein Megaphon flüstern. Darum geht es nicht. Niemand muss „jedes Mal einzeln sagen, wen man respektiert, auch wenn es alle sind“. Schon gar nicht würde so eine pauschale Blankobehauptung von konkreten Grenzverletzungen freizeichnen, die als Verweigerung grundlegenden, menschlichen Respekts verstanden werden können.

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kayakclc 21.06.2016, 12:02
9. Antworten auf das zu geben....

"Stets versucht unsere Kolumnistin, Antworten auf das zu geben, was in unserer Gesellschaft zwischen ...."
Komentare sind wichtig, aber Kommentare von Kolumnistien können auch kippten, nämlich dann, wenn die Ideologie die Antworten vorhersehbar diktiert. Dann können Kolumnen schnell etwas belehren wirken. Schon die Vorstellung, dass es um "zwischen Männern und Frauen, zwischen Oben und Unten" geht, wieder einmal um jemand, der die Welt genau unter diese Perspektive sieht, ist oft nicht hilfreich, weil es am Ende kein Journalismus mehr ist, sondern Lobbyarbeit für irgendeine Gruppe. Die Vielschichtigkeit was zwischen unterschiedlichen Menschen geschieht ist viel größer als was zwischen "Männern und Frauen" geschieht. Das gleiche gilt für "oben und unten" Auch hier sind Frage und Abläufe hochgradig komplex. Aber die Reduktion auf Stereotypen scheint für viele eine größer Anziehung zu entwickeln, als sich der Frage, was wirklich dahinter steckt, zu widmen. Wir sind oft Giergetrieben, und fragen, wie wir mit minimalen Aufwand den maximalen Profit erziehlen können. Oben/unter Mann/Frau ist da oft sekundäre. Auf diesem Medienklavier wird zu oft nur gespielt, um eben etwas ganz anderen zu erreichen. Vielleicht gilt das für Journalisten auch, die ja ihre Auflage verkaufen müssen.

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