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Kritik an Talkshows: "Eine versteinerte Diskussion"
DPA/ NDR

Helfen Talkshows bei der politischen Meinungsbildung? Oder verstärken sie nur Vorurteile? Oliver Weber hat das Buch "Talkshows hassen" geschrieben - und sagt im Interview, was den Rederunden fehlt.

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FrankDunkel 28.08.2019, 10:56
1.

Hassen kann ich nur etwas, das ich ernst nehme. Wie soll ich also Veranstaltungen hassen, in denen die Moderatoren meist schlecht vorbereitet sind und ihre Fragen von vorbereiteten Karten ablesen, während die geladenen Gäste eh nur ihr Standardprogramm abspulen, gleichgültig wie die Fragen lauten. Solche Talkshows werden heute von vielen Leuten für Politik gehalten. In Wirklichkeit stellen sie die Karikatur von Politik dar und sind daher bestenfalls ärgerlich. Für all die Plasbergs (Ansager und Schnipselmann), Wills, Illners mit ihren Produktionsfirmen sind sie quasi wie eine Lizenz zum Gelddrucken.

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ZuBedenken 28.08.2019, 11:13
2. Lückenfüller

Seit langem schalte ich sofort weiter, wenn ich im Fernsehen auf eine Talkshow stosse. Die immer wieder gleichen Leute geben die ebenso vorhersehbaren wie immer wieder gehörten (in ihrer Zielgruppe) risikolosen Statements ab. aber es füllt Sendezeit und ist vermutlich viel billiger als Alternativen. Dagegen ist es beeindruckend zu sehen, was für interessante Formate der Rundfunk dagegen manchmal an Gesprächen bietet. Interessante Menschen, spannende Themen, gute Fragen. B2 ist nur ein positives Beispiel.

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syracusa 28.08.2019, 11:16
3. mehr Demarchie wagen

Die von Weber vorgeschlagenen Talkshows mit mehr fluider Meinungssetzung finden ihr Pendant in demarchischen Elementen, die in Irland mit großem Erfolg eingeführt wurden. Da werden rein zufällig Bürger ausgelost, die gesellschaftlich relevante Themen ausdiskutieren und dann Regierung und Parlament beratend zur Seite stehen. Ohne dieses demarchische Element wäre es undenkbar gewesen, dass in einem erzkatholischen Staat wie Irland mit größter Zustimmung die Homoesuellen-Ehe eingeführt werden konnte.

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stolte-privat 28.08.2019, 12:09
4. Für mich persönlich...

...habe ich leider feststellen müssen, das sich viele Talkshows, speziell zu den Hauptsendezeiten, immer mehr auf Trinkhallenniveau bewegen. Leider sind extreme Ansichten, prolliges Verhalten und Streitereien bis hin zu Beleidigung und Körperverletzung viel interessanter als sachliche und fundierte Diskussionen. Amerikanische Verhältnisse, über die ich mit einem sauren Grinsen hinwegzappe.

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charlybird 28.08.2019, 12:11
5. Es wäre sicherlich

von großem Interesse und würde so etwas wie einer immer geforderten Demokratie durch Volkes Stimme vielfach den Wind aus den Segeln nehmen, wenn rein zufällig ausgeloste Zuschauer aktuelle Themen diskutieren Könnten.
Aber das würde sich kein Sender der ÖR trauen und letztlich muss so ein Format auch noch durch den Rundfunkrat und durch die politischen Gremien der einzelnen Sender. No Way.
Ich verfolge, so ich kann, gerne politische Talkshows, aber sie sind richtig schlecht geworden und vor allem beliebig. Anne Will, die ich mittlerweile als erschreckend in den Konservatismus abgerutschte Schmalspurmoderatorin empfinde, habe ich am Sonntag abgeschaltet, was ich selten tue, und zwar exakt nachdem Herrn Lindner seine 60er Jahre Ideenagenda monologisieren durfte.

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spon-facebook-1338657918 28.08.2019, 12:12
6. Meinungsmacher in den 80zigern

Der Neoliberalismus ist in den 80zigern über die Talkshows in die Wohnstuben der sog. Mitte gespült worden. Christiansen hat da viel für getan. Bis heute werden Themen und Fragestellungen immer wieder so gesetzt dass man Rechts der Mitte für das Land am besten fährt. Das Ergebnis haben wir jetzt. Eine kleine Gruppe ist steinreich und der Rest kann dank des "Trickle Down Effects" überleben. Nach der reinen Lehre Friedmans.Aber die Fehler der Ideologie bekommen wir in dem Ruck nach Rechts und der Europa und Demokratiefeindlichkeit zu spüren. Diese verfluchten Talkshows in denen Claqueure der Berliner Ortsgruppen der Parteien die Karten für die Live Sendung kauften haben die Stimmung im Land beeinflusst. Viel mehr Bürger müssten in der Sendung zu Wort kommen als ständig die Politprominenz, von der man weiß was kommt.

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realist4 28.08.2019, 12:25
7. Schau ich nie

Ich schaue seit Jahren keine Talkshows an, denn ich fühle mich überhaupt nicht repräsentiert. Es sind immer die gleichen Leute welche den wirklich kritischen Fragen ausweichen und oft genug auch noch alle durcheinander reden. Völlig überflüssig und schlecht moderiert.

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ayee 28.08.2019, 12:28
8. Was Talkshows fehlt? Die Diskussion!

Was bei Anne Will und Co. läuft, sind abwechselnde, vorhersehbare Monologe. Wundern muss man sich darüber nicht. Politikern geht es nicht darum, eine Diskussion mit einem Kompromiss zu führen, sondern um die Darstellung und Verteidigung ihrer Position. Zudem sind sie i.d.R. nicht besonders gut informiert und damit völlig ungeeignet für eine sinnvolle Diskussion. Wer ein Thema von mehreren informierten und diskussionsbereiten Menschen beleuchtet sehen will, der sollte z.B. den Presseclub schauen. Dort sitzen Journalisten, die was von dem verstehen, was sie sagen, die auch mal zuhören können und argumentieren können. In den klassischen politischen Talkshows gibt es davon nichts, weshalb sie nicht mehr Tiefgang haben, als Wahlkampfveranstaltungen.

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DietrichHorstmann 28.08.2019, 12:31
9. Strukturelle Trennung von Information und Talk

ARD und ZDF haben die politisch aktuelle ausführlichere politische Information in Phoenix ausgelagert. Die Talkshows bedienen Meinungen und Starkultbedürfnisse. Tagesschau und Tagesthemen sowie heute mixen Info und Meinung in so kurzen Formen, daß sie ihrem Informationsauftrag nicht gerecht werden können. Diese Struktur wird durch Satire, Comedy oder Kabaret konterkarierend ergänzt. Was die einen mühsam aufbauen , reißen die anderen mit mehr oder weniger Sachorientierung aufbauschend, emotionalisierend ab. Da Emotionen nachhaltiger wirken, hat sich gerade durch die öffentlich-rechtlichen Medien eine Verwirrung ausgebreitet, die such in pauschalem Politikerbashing und Demokratieverdrossenheit ausdrückt. In den sozialen Medien toben sich diese Emotionen dann aus. Opium des Volkes und für das Volk durch Privatisierung weiter Teile der Angebote.

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