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Kunstevent "DAU": In Berlin darf keine Mauer gebaut werden
DPA

Vier Wochen lang sollte ein Gebäudekomplex mitten in Berlin mit einer Betonmauer abgeriegelt werden, um dahinter ein diktatorisches System erlebbar zu machen. Doch nun muss das Mega-Kunstprojekt abgesagt werden.

catcargerry 21.09.2018, 08:44
1. Ist ja selten

Da hat einmal die Vernunft gesiegt, und das auch noch in Berlin. So wichtig es ist, die Erinnerung an den bisher und hoffentlich letzten deutschen Terrorstaat präsent zu halten, so kontraproduktiv ist es gerade unter dem Gesichtspunkt der Freiheit, die bekanntlich dort aufhört, wo die des anderen anfängt, dass sich hier ein Kunstschaffender im Sinne Beuys', die Leute mit einer egomanischen und daher überdimensionalen Verkehrsbehinderung zu traktieren. Der Herr kann ja irgendwo in Brandenburg ein Gulag aufbauen. Aber da ist er ja keinem im Weg, ein unverzeihliches Killer-Manko für "'Kunst' im öffentlichen Raum".

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chaiselongue 21.09.2018, 10:02
2. Seltsam

Das einzige Killer-Manko, das ich kenne ist die Beschränkheit von Menschen, die Kunst oder der Sinnhaftigkeit von Kunst beurteilen. Verkehrsprobleme? Ah, ja dann gehen die natürlich vor.

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catcargerry 21.09.2018, 10:47
3. Wer nicht jubelt, ist beschränkt?

Zitat von chaiselongue
Das einzige Killer-Manko, das ich kenne ist die Beschränkheit von Menschen, die Kunst oder der Sinnhaftigkeit von Kunst beurteilen. Verkehrsprobleme? Ah, ja dann gehen die natürlich vor.
Ich erlaube mir eine Meinung zu den Profilierungsprojekten von Kunstmarkt-Teilnehmern, Sie können eine andere haben. Es ist mir auch egal, ob Blutlappen, Schweinehälften oder Bondage-Puppen von Nitsch, Muehl oder Jones oder ähnliches Zeug irgendwo hängen oder stehen. Ich nehme die Adelung dieser Stücke durch Experten als Kunst und ihre systemimmanenten Argumente dazu zur Kenntnis, will das Zeug aber trotzdem nicht im Weg stehen haben. Ich habe viel Sympathie für Isländer, bin aber trotzdem auf Distanz zu ihrem traditionellen Weihnachtsrochen. Übrigens habe ich in meinem vorherigen Post leider das wichtige Wort "erdreistet" vergessen.

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konterspieler 21.09.2018, 23:03
4. "Kunst oder Nicht-Kunst ...?" ...

ist hier gar nicht die Frage!
Denn Kunst bedarf einer Übersetzung in eine Dimension der sichtbaren Welt, die nicht simple Abbildung historischer Faktizität darstellt, sondern eine eigene Form bildet, die in sinnliche Reflektion der sichtbaren Welt übergeht, welche eine "Bewusstseinserweiterung" (J. Beuys) hervorbringen kann. Kunst ist also Entgegensetzung gegen die gesellschaftliche Realität und NICHT deren Fortsetzung mit anderen Mitteln.
Daraus wird auch nicht dann Kunst, wenn man dies "Kunst" tauft, sondern einfach nur Scharlatanerie. Und nichts anderes ist dieses "DAU"-Projekt, das auf billige Effektmacherei spekuliert. Es ist ein Mediengag, ein "Event" eben und nichts sonst.
Im übrigen wird "Kunst im öffentlichen Raum" vertreten und vermittelt durch die Künstler in Person, die sie produzieren. Sie haben eine Bringschuld gegenüber der Öffentlichkeit, ihr Kunstwerk durch ihre Persönlichkeit zu vertreten und zu vermitteln und nicht unerkannt und unsichtbar zu bleiben.
Nur so wird Kunst nachvollziehbar, auch wenn es eine Provokation ist. Josef Beuys hat das geradezu vorgelebt und Christo und Jeanne Claude haben 20 Jahre für ihren Verhüllten Reichstag öffentlich argumentiert, gekämpft und versucht zu überzeugen. So war dann auch das Ergebnis: überzeugende, grosse Kunst eben. Davon sind die Urheber des DAU-Projektes weit entfernt: ihre Idee mit einem "Event" schnelle Aufmerksamkeit zu erregen, ist dagegen das Gegenteil von Kunst, ein Gag eben. Niemand braucht - angesichts der realen Geschichte der Berliner Mauer - einen derart banalen Gag! Und es ist eine ziemliche Unverschämtheit dafür einen "Kunst"-Anspruch zu reklamieren.

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