Forum: Kultur
Kunstfreiheit: Solidarität mit einer Wand
DPA/ASH Berlin/David von Becker

Da läuft etwas falsch: Der demokratische Vorgang um ein Gedicht an einer Hochschule führt zu Faschismusvorwürfen, während im Fall der Gewaltvorwürfe gegen Dieter Wedel der große Aufstand ausbleibt.

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aus-berlin 01.02.2018, 08:38
120. Phantasie

Zitat von twa123
Lyrik ist (sollte) mehr sein als die Aneinanderreihung von schönen Worten. Nehmen wir an, hinter dem Gedicht stand ein persönliches Erleben, ein Tag mit der Liebsten im Park, was dann in diese Zeilen mündete, die zunächst ganz persönlich gemeint waren. Später landeten sie in einem Gedichtband oder an der Wand.. Aber wenn man halt den Kontext ausblendet...dann geht das Theater der Befindlichkeiten los.
In dem Gedicht geht es um Frauen, die durch die Aneinanderreihung mit Allen und Blumen zu Objekten werden, Da ist mit bester Phantasie keine "Liebste im Park" zu finden. Dem gegenüber steht dann der eine individuelle subjektive Betrachter. Wie schon oft gesagt, das ist alles nicht so schlimm und muss nicht verboten sein. Wenn einem das aber nicht mehr gefällt muss man damit nicht mehr seine Wand gestalten. Ein Satz besteht aus Subjekt-Prädikat-Objekt und nicht nur aus Objekten. Der Betrachter (S) betrachtet (P) Frauen (O). Wenn es eine Frau wäre oder seine Geliebte sähe das ganze schon wieder anders aus. Aber da steht halt "Frauen".

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aus-berlin 01.02.2018, 08:46
121. Kunst oder Denkmal

Zitat von medium07
... Es handelt sich auch nicht um eine bloße "Wandgestaltung", sondern um eine Inschrift (Einschreibung), also um ein schützenswertes Kulturdenkmal, zumal im vorliegenden Fall im Rahmen einer ausdrücklichen Ehrung. ...
Können Sie mir das mit dem Kulturdenkmal bitte genauer erklären? In welchem Gesetz oder Verordnung ist das geregelt? Für mich war bisher immer das Gedicht selber das Kunstwerk. Und die Gestaltung der Wand mit diesem Gedicht nur eine Wandgestaltung. Wer ist denn dann der Künstler von diesem Kulturdenkmal? Der Dichter, der das Gedicht vor über 50 Jahren geschrieben hat oder die Malerfirma, die das an die Wand gepinselt hat? Wir hatten früher so ein Kandinsky Poster an der Wand hängen, jetzt nicht mehr. Hab ich was falsch gemacht? Hätte ich das nicht abhängen dürfen? Bin ich jetzt ein Schuft?

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JustFunKiro 01.02.2018, 09:07
122. Und die Kommentare...

... bestätigen die Aussage der Kolummne. Zumindest die ersten. Also mal ganz ehrlich: "Gedichte übermalen ist wie Bücher verbrennen, was auch von einer demokratisch gewählten Regierung veranlasst wurde" --- es fällt mir schwer etwas Richtiges in diesem Satz zu finden. Hitler selbst wurde nicht gewählt, sondern von Hindenburg ernannt, das hat nichts Demokratisches, und das Ermächtigungsgesetz wurde auch sicher nicht demokratisch abgestimmt --- sonst hätten sich mehr Abgeordnete dagegen ausgesprochen als nur die SPD. Zu der Zeit war die KPD schon gewaltsam vertrieben worden, der Rest hat aus Angst vor Erschiessungen dagegen gestimmt.
Zudem war das Bücher-Verbrennen eine systematische Aktion, um ALLE Exemplare zu vernichten. Wenn dieses Gedicht NUR auf dieser Wand existiert hätte, DANN wäre dies eine Vernichtung des Gedichts. So aber ist es, als würde ein Museum entscheiden, ein Bild abzuhängen und erst mal nicht mehr zu zeigen. Im Übrigen, ich finde dieses Gedicht ist nicht so unglaublich toll, dass es unbedingt erhalten bleiben müsste.

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