Forum: Kultur
Kunstzerstörung durch Stümperei: Wisch und weg
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Die Welt schmunzelt über eine Rentnerin, die ein Jesus-Fresko auffrischen wollte - und es dabei völlig verunstaltete. Die über 80-Jährige ist mit ihrem Unglück nicht allein. Stümper oder Unwissende haben schon öfter Kunst zerstört. Manchmal vernichten sie dabei Millionenwerte.

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meinmein 23.08.2012, 18:09
1.

Gottseidank passiert sowas nicht mehr so häufig, da die Menschen durch solche Vorfälle sensibilisiert wurden.

"Ist das Kunst oder kann das weg?" hat sich in diesen Fällen als Standardfrage bewährt.

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ellereller 23.08.2012, 18:12
2. Vergleichbar?

Zitat von sysop
2004 führte die laienhafte Übermalung eines Altarbilds aus der Zeit vor dem Dreißgjährigen Krieg zu einem vergleichbaren Fiasko. Nicht in Spanien, sondern in Sachsen-Anhalt.
Schätze der Schaden dürfte bei einem Altarbild von vor 1618 deutlich größer gewesen sein als bei einem Fresko von ca. 1890, dessen Qualität mit mittelmäßig noch gnädig bewertet ist

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brandmeister 23.08.2012, 18:40
3. nicht ersetzbar

Zitat von ellereller
Schätze der Schaden dürfte bei einem Altarbild von vor 1618 deutlich größer gewesen sein als bei einem Fresko von ca. 1890, dessen Qualität mit mittelmäßig noch gnädig bewertet ist
Aufgrund der Einmaligkeit, ist der Verlust jedes Kunstwerks bedauerlich. Unabhängig vom "Marktwert", da dieser sehr stark von den jeweiligen Moden abhängig ist. Auch über die Qualität eines Kunstwerks zu urteilen ist immer subjektiv.

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snickerman 23.08.2012, 18:45
4. Unschön

Der schlimmste Kunstfrevel in Europa der letzten Zeit war die Vernichtung unschätzbarer Werte der Malerei durch die Mutter des seit Jahren tätigen Diebes. Der hatte Dutzende Museen heimgesucht. Als er verhaftet wurde, warf seine Mutter, wohl um ihn zu schützen, jahrhundertealte Gemälde und andere Schätze einfach weg.

Stéphane Breitwieser

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MarioDeMonti 23.08.2012, 19:21
5. Kunst für die Ewigkeit?

Zitat von sysop
Die Welt schmunzelt über eine Rentnerin, die ein Jesus-Fresko auffrischen wollte - und es dabei völlig verunstaltete. Die über 80-Jährige ist mit ihrem Unglück nicht allein. Stümper oder Unwissende haben schon öfter Kunst zerstört. Manchmal vernichten sie dabei Millionenwerte.
Das aktuelle Beispiel ist ein typischer Fall von 'Gut gemeint ist nicht gut gemacht'.

In Zusammenhang mit dem Artikel stellen sich mir zwei Fragen.

1.
Wie lange hält sich eigentlich Kunst?

Gerade bei Kunstwerken, die organische Materialien enthalten, kommt es ja unweigerlich zum Verfall. Restauratoren können den Prozeß zwar verzögern, aber nicht stoppen. Oder sie müssen kontinuierlich Teile des Kunstwerks komplett erneuern, wie z.B. beim Kölner Dom.
Ich gebe zu, bei manchen Kunstwerken tut es mir in der Seele weh, wie sie aufgrund schlechter Materialien mehr und mehr dahinschwinden, aber können wir das alles aufhalten?
Und wer trifft die Auswahl, was würdig ist, gerettet zu werden?
Wurden nicht einmal ein paar von Vincent van Goghs Ölgemälden als Isolierung unter die Dachpfannen geschoben?

2.
Macht es bei Aktionskunst eigentlich Sinn, Teile der verwendeten Materialien aufzubewahren?

Manchmal ist ja der Weg das Ziel und der Schöpfungsakt ist vom größeren künstlerischen Wert als das Endergebnis. Was bringt es, z.B. ein Stück Schlauch aufzubewahren, das einmal ein Teil von Joseph Beuys 'Honigpumpe am Arbeitsplatz' war? Das ist ein sentimentales Erinnerungsstück, eine Reliquie, aber kein Kunstwerk.

Wer sich also über die Entfernung der (ranzig gewordenen) Fettecke aufregt soll mir bitte dieses Zitat von Joseph Beuys samt der angesprochenen Theorie in eigenen Worten erläutern:

"Eine Fettecke ist ja nicht deswegen gemacht, um einen Tisch mit Fett zu beschmieren, sondern eine Fettecke ist deswegen gemacht, um als Fettecke im Gegensatz zu stehen zu anderen Prozessen, die ein solches plastisches, anfälliges Material macht, in Raum und Zeit, also gerade die Sachen mit Fett erheben einen großen Anspruch auf Theorie. Und diese Theorie ist natürlich vielleicht nicht immer da, wenn Menschen im Museum so eine experimentelle Anordnung sehen." (Interview mit dem SWF 1982)

Wem Fettecken gefallen, der sollte, sobald die Ecke ranzig wird, zu Spachtel und frischer Butter greifen und die experimentelle Anordnung erneuern. Oder besser noch, er greift gleich zu buttergelb eingefärbten Silikon. Wenn man es einigermaßen geschickt macht sieht es genau so aus und hält wesentlich länger.

P.S.
Demnächst brennt übrigens wieder der Burning Man.
Kunst kann also auch Zerstörung sein.

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järv 23.08.2012, 19:22
6. Fresko? Horschemal ...

Och komm Spiegel, das kannst du besser.

Nicht jedes Wandgemälde ist ein "Fresco". Wäre es so, hätte man bei Picasso und dem Spanier einfach kärchern können. Na gut, etwas übertrieben ....
Aber Gemälde, welche auf bereits abgebundenen, trockenen ("al secco") Putz aufgetragen werden, blättern nun mal ab. Bei dem spanischen Bild (vor "Restaurierung") deutlich zu sehen.

Nur wenn auf den noch feuchten Putz gemalt wird ("al fresco") verbindet sich Farbe und Putz zu jahrhundertelang beständigem Fresco. Dann braucht es auch nicht nach kaum hundert Jahren einen Restaurator.

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Neinsowas 23.08.2012, 19:42
7. bis ins frühe 19. Jahrhundert...

[und vorher hat es nachweislich keinen PC gegeben, keine Fotographie, kaum eine Technologie, die dem Maler geholfen hätte, die menschlichen Proportionen und Perspektiven zu finden. Es war in seinem Kopf, das Bild, die Wahrnehmung - und das ist das Wunder der Begabung. Es war die Empfindung, die Empathie und die Vorstellung, die diese einzigartigen Kunstwerke entstehen liessen. - Vorbei! Diese Begabung wurde nie wirklich wahrgenommen und spätestens seit Picasso (der es konnte, aber sich davon willentlich-inspirativ entfernte) gilt sie gar nichts mehr. Die Romantik/Klassizissmus liegt hinter uns. -- Es ist schön, wie diese alte Frau ihre Empathie, einbringt, jedoch fehlt ihr offensichtlich die Vorstellung, jedes Gefühl für Räumlichkeit, für Licht und Schatten,...
Wäre sie als Joungster auf dem Markt, hätte sie sicher Chancen...

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Moewi 23.08.2012, 19:43
8.

Zitat von brandmeister
Aufgrund der Einmaligkeit, ist der Verlust jedes Kunstwerks bedauerlich. Unabhängig vom "Marktwert", da dieser sehr stark von den jeweiligen Moden abhängig ist. Auch über die Qualität eines Kunstwerks zu urteilen ist immer subjektiv.
Korrekt. Die Dame hat vermutlich mit viel Herzblut und aus Überzeugung, offensichtlich ohne materialistischen Hintergrund, ein wahrlich einmaliges Kunstwerk (die Zahl der Jesus-Monchichis dürfte begrenzt sein) geschaffen, welches nun wieder zerstört wird, um eine hundert Jahre alte vermutliche Auftragsarbeit wiederherzustellen.

Sehr subjektiv, das Ganze. Vermutlich ist der pekunjäre Wert des Rentnerbildes aufgrund der internationalen Bekanntheit inzwischen weit höher als der des vorher weitgehend unbekannten Originals.

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McMacaber 23.08.2012, 19:47
9.

Zitat von meinmein
"Ist das Kunst oder kann das weg?" hat sich in diesen Fällen als Standardfrage bewährt.

.. damit drück ich mich seit jahren vorm frühlingsputz :-)

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