Forum: Kultur
Linke Politik: Auf der Suche
Julia Schärdel/ Edition Nautilus

Rechte Ressentiments als Folge eines kaputten Wirtschaftssystems: Die Autorin Julia Fritzsche plädiert in ihrem Buch für eine linke Lebens- und Arbeitswelt, die sich an gesellschaftlichen Werten statt Profit orientiert.

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joernthein 25.03.2019, 21:35
50. @ anonlegion #28

Herzlichen Dank für Ihren Beitrag. Sie sprechen mir, der es nicht so explizit formulieren kann, aus der Seele. Was könnte es für ein reflektiertes Forum sein, wenn die Beiträge mehr Nachdenklichkeit hätten und weniger emotionale Kurzschlüsse wären. .... obwohl, nach Ihrem Beitrag wird es deutlich interessanter ...

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Aberlour A ' Bunadh 26.03.2019, 19:01
51. Das eine bringt Geld und das andere kostet Geld?

Zitat von holger.heinreich
Wieso werden soziale Berufe wohl anders bezahlt als Berufe der Industrie? Das eine bringt Geld und das andere kostet Geld. Industrieberufe schaffen Wohlstand und die Mittel, die die Gesellschaft benötig um zu existieren. Die Pflegeberufe kosten Geld, sie existieren, weil jemand das nötige Geld verdient. Die, die das Geld verdienen um die ganzen sozialen Ideale unserer Gesellschaft zu finanzieren, sind die, die wichtig sind. Der Elektroniker und der Ingenieur sind wichtiger für die Gesellschaft als die Sozialarbeiterin oder die Pflegekraft. Denn ohne die beiden Herren gäbe es nicht einmall die Möglichkeit den Staat zu bezahlen. Und was soll der Unsinn mit 4*4 Stunden. Die Dame willl die Leute also zwingen Dinge zu tun und ignoriert, daß Dinge, die getan werden um den Wohlstand für die Gesellschaft zu erarbeiten, mehr als 4 Stunden am Tag brauchen und die Wachzeit soll in bester diktatorischer Tradition gemäß Plan erfolgen, Stalin, Lenin und Marx wären so stolz. Der arme Techniker am Teststand braucht nun eimal für seine Tests und Fehlersuche seine 8h pro Tag, wenn er seine Arbeit erledigen möchte, um Produkt auf dem Markt zu bringen, die Arbeit und Einkommen für die Belegschaft einer Firma sichern. Dem Programmierer und dem Mechatroniker am Fließband geht es auch nicht anders. Beide brauchen mehr als 4 Stunden für ihre Arbeit. Die Dame ignoriert natürlich auch, welche Folgen das für das Exportnation hat, wenn die Arbeit auf einmal doppelt so lang dauert und Konkurrenz nicht schläft. Gewinnmaximierung bedeutet, daß man mit möglichst wenig Aufwand maximalen Gewinn erzielt. Dieses Denken hat die westliche Marktwirtschaft erfolgreicher und umweltfreundlicher werden lassen als die Planwirtschaft. Gewinnmaximierung heißt auch sparsam mit Rohstoffen und anderen Produktionsmitteln umzugehen. Geringe Kosten sind der einfachste Weg, Gewinn zu machen. Aber in der linken Parallelwelt ist das natürlich nicht so. Die Arbeitsteilung ist das Mittel der Wahl, sie schafft geringere Kosten und höhere Qualität. Aber Links hält das ja für ein Märchen. Arbeitsteilung gab es in einem gewissen Umfang schon immer, Handwerker spezialisierten sich selbst im Mittelalter, ein Waffenschmied fertigte andere Dinge als ein Hufschmied.
Ich habe selten so einen Unfug gelesen. Der Automobilwerker am Montageband sitzt heut auf einem Bürodrehstuhl, hat einen Akkuschrauber in der Hand und wartet bei einer 35-Stunde-Woche und weniger darauf, dass sich das Montageband über ihm bewegt, um seinen ewig gleichen Handgriff zu machen. Dass er dafür sehr gut entlohnt wird, hat nur einen einzigen Grund: den traditionell hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrad in der Metallindustrie.

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hellerim 01.04.2019, 20:36
52. Große Weisheit ...

Zitat von pepe83
Die Linke Erzählung suggeriert, dass unser Wirtschaftssystem kaputt sei. Sie ignoriert dabei, dass es in Deutschland nie einen größeren Wohlstand gab als heute. Die Linke Erzählung suggeriert, dass nur die Reichen davon profitieren. Sie ignoriert dabei, dass die Umverteilung und der Sozialstaat nie größer war, als heute. Die linke Erzählung suggeriert, dass Rechte den öffentlichen Diskurs bestimmen. Sie ignoriert dabei, dass Medien, Politik und Zivilgesellschaft fast ausschließlich linke Positionen vertreten. Am Ende bleibt nur Alarmismus von dieser linken Erzählung über.
... spricht nicht aus Ihrem Beitrag. Ignorieren heißt nicht wissen, und Ihre Behauptung, das linke Wesenheiten (Erzählung, Medien, Politik, Zivilgesellschaft) ignorieren, was Sie als vermeintliche Wahrheiten anbringen, soll also ihrerseits suggerieren, dass Sie den Durchblick haben. Tut mir leid, den haben Sie offenbar nicht, und es braucht niemand aus der linken Ecke zu kommen, um die Realität ganz anders wahrzunehmen als Sie. Was Sie als Alarmismus diffamieren, beschreibt oft genug nur Zustände, unter denen real existierende Menschen leiden, denen Ihre Einteilung in links und rechts völlig piepe sein dürfte. Junge Leute, die mit viel weniger Vertrauen in die Zukunft blicken können als die vor 40 Jahren - wenn das Ihr Wohlstandsparadies ist, dann geht es Ihnen wohl gut genug, um sich leisten können, die Mauern um sich herum so hoch zu ziehen, dass Sie von alledem nichts mitbekommen müssen. Heilige Ignoranz aber auch!

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hellerim 01.04.2019, 21:04
53. Im Kontext dieses Artikels gibt es schmerzhafte Ungereimtheiten

Nach dem Lesen des Artikels würde ich dem Autoren unterstellen, dass für die Blickrichtung der Buchautorin Sympathien hegt, und das ist ja durchaus in Ordnung. Zum Buch aber finde ich dann, vom Artikel deutlich abgesetzt, bibliographische Angaben, darunter zwei Buttons, die mich mit einem Mausklick zu Thalia oder Amazon, je nach Präferenz, weiterleiten können. Wer zahlt denn nun für die Anzeige? Einer der beiden Konzerne, oder der Buchverlag? Im letzten Fall wäre es ja vielleicht deutlich weniger neo-liberal, wenn man auch Buttons für Websites hätte, die mit den lokalen Buchhändlern zusammenarbeiten - da gibt es schon einige (Websites, meine ich), auf die man mittels Geo-Informationen leicht verlinken könnte. Das würde dazu beitragen, Geld in eine Richtung zu lenken, wo es der lokalen Infrastruktur nützt, statt sie zu erodieren. Wenn ich dann den Weg zu meinem Buchhändler finde, habe ich auch gleich noch etwas Gesundheitsarbeit geleistet, was mich hinwiederum wieder fit macht für die Familienarbeit. ;-)
Es ist diese Gedankenlosigkeit, die massiv dazu beiträgt, dass wir das, was wir für wünschenswert halten, mit unseren eigenen Handlungen untergraben. Könnte Spiegel online hier nicht etwas Verantwortung übernehmen, oder ist er an dieser Stelle auch massiven neoliberalen Zwängen unterworfen?

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hellerim 01.04.2019, 21:38
54. Wie steht es denn mit der Wirtschaftlichkeit?

Zitat von emil7685
Weil ich als "Mittelreicher" schon solidarisch genug bin! Ich gebe zusammengenommen um die 2/3 meines Einkommens an den Staat und an Zwangsversicherungen!! Was wollen die "Benachteiligten" denn noch? Dass mir von 150.000 Euro Einnahmen nach Steuern und anderen Zwangsabgaben nur noch 20.000 bleiben anstatt jetzt um die 50.000? Selbstredend solidarisiere ich mich lieber mit Machern und Leistungsträgern als mit linken Umverteilern.
Sind bei Ihnen 150.000 Euro Gewinn oder Einnahmen? Wenn es sich nicht um Gewinn handelt, dann haben wir hier wieder das berühmte Problem, wenn Äpfel mit Birnen verglichen werden. Wenn es aber Gewinn ist, dann kann ich nur staunen. Warum tun Sie sich das an? 50.000 übrig behalten kann man auch mit weniger, und zwar ganz legal. Wenn Sie verheiratet sind und Ihr Partner nicht arbeitet, dann haben Sie schon mal das Ehegattensplitting. Und wenn nicht, dann sind immer noch Krankenversicherung - max. 8.000 Euro per anno, steuerlich absetzbar, Sozialabgaben, so Sie denn welche zahlen, und Rentenversicherungsbeiträge, die andere übrigens auch bezahlen müssen und die ebenfalls steuerlich absetzbar sind, alles in der Summe gewiss weniger als 25.000 Euro. Soweit ich weiß, liegen unsere Spitzensteuersätze unter 50%, und die gelten ja auch nur für einen Teil des Einkommens, siehe Progression. Was macht Sie dann so arm? Der Geldtransfer in die Karibik? Tut mir Leid, 50.000 Euro für einen Einzelnen zur freien Verfügung, das ist nichts, das einem das Recht zum Jammern gibt. Ein beträchtlicher Anteil unserer Mitbürger muss - und wenn sie sich noch so sehr anstrengen - mit einem Drittel davon oder weniger auskommen und damit auch Kinder großziehen, die dereinst unter anderem für Ihre Rente, aber auch für viele andere Verbindlichkeiten, die wir ihnen hinterlassen, aufkommen müssen.
Wenn Sie finden, dass Sie dafür zuviel schuften müssen, dann geben Sie sich eben mit weniger zufrieden und seien Sie glücklicher.
Leute, die sich für ihren Reichtum zu Tode abrackern (Macher und Leistungsträger), helfen unserem Gemeinwesen nun wirklich nicht weiter.

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hellerim 01.04.2019, 21:47
55. Schon der Fall

Zitat von schwarzeliste
Wenn ich so einen Artikel lese, insbesondere die Einleitung, dann kommt es mir schon so vor, dass es sich dabei nicht um Journalismus handelt, sondern um Aktivismus. Dabei wird gar nicht klar, ob es sich hier um einen Bericht oder einen Kommentar handeln soll. Ich kann jedenfalls keine Einteilung erkennen. Da der Artikel über weite Teile die Entlohnung von Pflegepersonal behandelt - mir stellt sich da die Frage: ist die als zu gering empfundene Bezahlung tatsächlich dem *Kapitalismus* geschuldet oder vielmehr der Tatsache, dass höhere Löhne in diesem Bereich jeden Einzelnen empfindlich treffen können, z.B. durch höhere Krankenkassen-Beiträge oder durch höhere Kosten für die Pflege der eigenen Eltern? Wenn die Kosten für die Altenpflege durch die Decke gehen, dann kann das auch die Altenpflegerin in Schwierigkeiten bringen, wenn ihre eigenen Eltern zum Pflegefall werden
Soll also eine Minderheit dafür bluten, dass man wichtige Dinge nicht geregelt bekommt? Was kann die Altenpflegerin oder ihr männlicher Kollege dafür? Die haben in der Tat jetzt schon massive Schwierigkeiten, wenn ihre eigenen Eltern zum Pflegefall werden. Dafür können Sie sich sowas ja anscheinend leisten, genauso, wie Sie es ausgedrückt haben: Zu deren Lasten. Egoistischer geht's ja wohl kaum. Was diese Beobachtung mit Aktivismus zu tun haben soll, müssen Sie erst mal erklären.

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hellerim 01.04.2019, 22:08
56. Danke für die freundliche Abwertung von Mitmenschen

Zitat von Aberlour A ' Bunadh
Ich habe selten so einen Unfug gelesen. Der Automobilwerker am Montageband sitzt heut auf einem Bürodrehstuhl, hat einen Akkuschrauber in der Hand und wartet bei einer 35-Stunde-Woche und weniger darauf, dass sich das Montageband über ihm bewegt, um seinen ewig gleichen Handgriff zu machen. Dass er dafür sehr gut entlohnt wird, hat nur einen einzigen Grund: den traditionell hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrad in der Metallindustrie.
Arbeiten Sie selber mal ein paar Monate unter solchen Bedingungen. Vielleicht bekommen sie dann doch ein etwas besseres Verständnis für die Zusammenhänge zwischen Wertschätzung, Motivation und Leistung. Was sie geschildert haben, ist die Situation von Menschen, die etwas rein Mechanisches zu tun haben, Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Menschen, die sich auf eine solche Arbeit einlassen, weil sie für sich selbst sorgen wollen, ohne anderen auf der Tasche zu liegen, und für die es sonst kaum Chancen für sinnvollere Arbeit gibt. Dazu haben ihre Vorgänger in ihren damaligen Verhältnissen beigetragen, die die Mittel für die Automatisierung erwirtschaftet haben, die nun die Vielfalt an Arbeitsplätzen frisst. Ich glaube nicht, dass diese Leute damals eine Wahl hatten, genauso wenig wie die heute. Und auch um ihre Arbeitsplätze müssen sie bangen - wenn die Automatisierung hier erst einmal günstig genug geworden ist, dann ist es auch mit diesen Arbeitsplätzen vorbei. Man kann die Zeit sicher nicht zurückdrehen, aber die Frage sollte schon erlaubt sein, ob wir den Menschen nicht etwas sinnhaftere Arbeitsplätze bieten können, anstatt sie abzuwerten und zu verachten.
Vielleicht haben Sie auch nur einfach Glück, dass Sie die Auswirkungen der andauernden Rationalisierung noch nicht erreicht haben. Vielleicht schaffen Sie's ja noch vorher in den Ruhestand. Nur - wer den dann wohl finanzieren soll? Womöglich all die Leistungsträger, die sich vielleicht noch rechtzeitig absetzen können?

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