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Linkenschelte : Rückwärts und viel vergessen
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Soll die SPD "unsere Heimat" gegen Migranten verteidigen? Und ist die Postmoderne schuld am Aufkommen "alternativer Fakten"? Eine Antwort auf die beiden letzten SPON-Kolumnen von Jakob Augstein und Christian Stöcker.

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undercover.agent 05.04.2017, 10:30
120. Ob Heimat mit links ...

... oder rechts zu tun hat, sei zunächst einmal dahingestellt. Uns Deutschen wurde nach dem Krieg neben dem Nationalismus leider auch der Patriotismus zu unserem Land und deutschen Bewusstsein genommen, so dass uns selbst die Amerikaner in jüngster Zeit auffordeten, uns zu einem "gesunden" Patriotismus zu bekennen. Ein Übriges machte Kanzlerin Merkel, indem sie immer weniger das Wort Deutschland in den Mund nahm. Man erinnere sich nur an ihre Rede vor den Vereinten Nationen, als sie sich mehr als Weltpräsidentin verstand denn als deutsche Regierungschefin. Wenn wir Deutsche schon derartige Schwierigkeiten haben, uns zu unserem Land als Heimat zu bekennen, warum sollten sich dann Migranten, die ihre eigene Heimat im Herzen tragen, zu uns und unseren Werten bekennen. So wird Integration, geschweige denn Assimilation nie funktionieren. Ich denke, dass hier ein Paradigmenwechsel vonnöten ist, was nun nichts, aber auch gar nichts mit links oder rechts zu tun hat, sondern schlicht mit einem klaren Bekenntnis zu unserem Land.

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darkace82 05.04.2017, 10:36
121. Klassicher Fehler...

Wie (fast) immer wird nur das extreme betrachtet bzw alle zwischentöne gekonnt ignoriert. Konservativ, also bewahrend, zu sein heisst nur im Extrem dass man rückwärts gewandt ist. Wenn man sich nämlich nur auf das früher bezieht und neue Entwicklungen, Fakten und Stimmungen ignoriert. Wer zB die Ehe zwischen 2 Menschen als gute und wichtige Einrichtung hält, mag konservativ sein, aber nicht rückwärtsgewandt. Wer aber die Ehe nur für Mann und Frau fordert und nur die Ehe als richtige Lebens-/Beziehungsform sehen, eben schon.
Wer glaubt, alle Menschen sind toll, gleich und es wird alles gut wenn man nur ganz lieb bitte sagt, mag links sein, ist aber reichlich naiv. Wer aber dafür eintritt, dass jeder gleiche Chancen bekommt, dafür dass "dem Markt" Grenzen gesetzt werden oder für Arbeitnehmerrechte, der ist sicher "links" aber eben nicht naiv oder ein Spinner.
Die Migration oder die Asylbewerber sind kein Problem. Sie können aber zu Problemen führen. Die muss man ernst nehmen, aber eben nicht auf alle verallgemeinern. Genauso wie nicht alle Männer Macho-Schweine oder alle Frauen dümmliche Shopping Queens sind. obwohl es beides unbestritten gibt...

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Maria-Galeria 05.04.2017, 10:49
122. Juhu

Sie haben mir aus dem Herzen gesprochen, allerdings würde ich noch einen Schritt weiter gehen. Der Begriff Heimat im volkstümlichen Clandenken empfinde ich wie eine Betonmauer im Kopf, hinter der die Menschenrechte für andere aufgehoben werden, siehe Vergangenheit. Die Erde ist unsere Heimat und die Menschenrechte gelten für jeden. Also ich bin für Gerechtigkeit, das heißt gerechte Verteilung der Recousen, Vertriebenen und Menschen die durch Klimakatastrophen ihr Land verlieren und dadurch einen neuen Platz zum Leben brauchen, einen neuen Platz zugestehen, betrifft aber alle Länder. Irgendwie ist es in den Köpfen noch nicht angekommen dass die Erde rund ist, wir sehr viele sind, alle von einem Urvater abstammen, sozusagen eine sehr große Menschenfamilie sind, unabhängig vom Aussehen und die Erde unsere absolut einzige Heimat ist, alles andere ist von gestern. Vielleicht wird’s noch was. Wenn der Ruf nach Gerechtigkeit politisch links bedeutet, was solls, die Zukunft soll gerechter werden. Also ganz klar, die SPD soll, das Land in dem ich Wurzeln geschlagen habe nicht gegen Migranten verteidigen sondern sich dafür einsetzen dass alle Länder die Menschenrechte nicht vergessen und mit gutem Beispiel vorrangehen, Gerechtigkeit für alle und die Landsleute dabei nicht vernachlässigen. Das kleine Mau (kleine Bürger) mag mit der großen Politik nicht besonders viel anzufangen, aber gerade das kleine Mau hat das Herz auf dem rechten Fleck und kann noch mitempfinden wenn es anderen schlecht geht, aber es muss gerecht zu gehen. Fakt ist, Deutschland geht es so gut (medial verbreitet), nur der kleine Mann (mindestens 40% der Bevölkerung) merkt nichts davon.

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dingodog 05.04.2017, 10:50
123. Deja vu

Zitat von Barath
Nach Stöckers Kommentar habe ich mich gefragt, wie ich als analytischer Philosoph und radikaler Linker denn in diese komische Denke passe. Nur weil die postmodernen Philosophen Linke waren (wie FAST ALLE großen abendländischen Philosophen der letzten 100 Jahre) ist das doch nicht die Grundlage linken Denkens... und führt umgekehrt linkes Denken auch nicht zwangsläufig zur Postmoderne. Wenn .....
Diese Art zu schreiben und sich über andere (die man nicht kennt und einschätzen kann) zu stellen, erinnert mich an längst vergangene Tage an der Uni... altlinke Geisteswissenschaftler, die einem leicht linksgrünen Naturwissenschaftler die Welt erklären wollen und alles aber auch alles besser wissen, dummerweise aber nicht das geringste Gespür für Humor oder Ironie haben.

Im Gegensatz zu damals trifft mich das heute aber nicht mehr sonderlich, mir tut diese Klasse von Denkern nur etwas leid. Gehasst von der Rechten (OK, eher ein Ehrenzeichen), aber vor allem verschmäht von praktisch orientierten Ökologen und Sozialreformern, und immer weiter entfernt von der realen Entwicklung des Wissens und den sich daraus ergebenden (auch philosophischen) Konsequenzen.
Hoffe, Ihr Computer-Monitor ist noch heil, oder war zumindest kein Röhren-Monitor...

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doppeltodernichts 05.04.2017, 10:59
124. parallelen doch erkennbar

Der Kolumne von Jan Fleischhauer vom 3.4.2017 kann man entnehmen, dass es in Freiburg, wie auch München Kommissionen gibt, welche Straßennamen ihrer Städte auf "historische Belastungen" prüfen. Man kann hier getrost unterstellen, dass es sich dabei um sog. linke handelt. Und die Parallele zur rechten ist, dass sie Probleme sehen oder konstruieren, die der gewöhnlich Bürger gar nicht wahrnimmt. ("ausländerkriminalität", von der der Großteil der Bevölkerung nicht betroffen ist, sie wegen der rechten aber so wahrnehmen). Und ich fürchte, dass es sich dabei um eine ernstzunehmende Bewegung handelt, wenn sie für die Kommune tätig werden.

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jh2015 05.04.2017, 11:01
125. Fragen des Glaubens oder der

Zweifelsohne bestehende Probleme in der deutschen Gesellschaft durch mangelnde Integration sollte man vielleicht einmal mehr unter den Gesichtspunkten des Lebensstandards und weniger der "Kultur" bzw. Des Glaubens betrachten. Wer einmal im Mittleren Osten die Siedlungen der vermoegenden Muslime gesehen hat , erkennt unschwer, dass diese nicht anders aussehen als die Vorstadtsiedlungen der deutschen Haeuslebauer - auch als deutscher Nachbar faellt man dort kaum auf. Erwartungen an das Verhalten der Kinder , der Familie sind erstaunlich aehnlich. Die "Problemviertel" mit "Multikulti" als Berlin Kreuzberg oder Duisburg - Marxlow gibt es auch - allerdings leben dort die Niedriglohnkraefte vom indischen Kontinent. Fazit: Lebensstandards angleichen ist u.U. Das beste Integrationsinstrument .

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sponcon 05.04.2017, 11:07
126. Fazit: Das können wir uns leisten!

Zitat von Pride & Joy
Die Zahlen belegen: Im Jahr 2015 waren rund 890.000 Asylsuchende nach Deutschland gekommen, 2016 nach derzeitigem Stand nur noch 280.000 Menschen. "Die hohen Einreisezahlen waren auf das Jahr 2015 beschränkt", heißt es im Monatsbericht des Ministeriums. Trotz der ......
Wir leisten uns ein dem Artikel 20 GG widersprechenden Sozialstaat. Der Schwache soll vom Stärkeren gestützt werden. Nicht mal das klappt in unserer Gesellschaft. Viele können sich aus den gesetzlichen Kassen verabschieden oder weniger zahlen, weil sie mehr verdienen (Beitragsbemessungsgrenze). Wir leisten nicht einmal innerhalb unseres Staates die für Viele notwendige Hilfe. Für Andere können wir es uns leisten?

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m.m.s. 05.04.2017, 11:10
127. Soziale Brennpunkte

Die sozialisierten Feministinnen verlassen die sozialen Brennpunkte, weil sie sich da nicht mehr sicher fühlen. Nicht die Geister sondern die Realität die sie riefen werden sie nicht mehr los. Das trifft auch auf die Heimat zu, denn die ist real. Zwar gibt es die geistige Heimat, aber zur Verwirklichung benötigt man die reale, dingliche Heimat. Wenn nun aufgrund einer geistigen Verengung wie eine Ideologie auch der Effekt, die reale Heimat zerstört wird, dann kommt es zu den Umzugsbewegungen heraus aus den sozialen Brennpunkten. Das ist zu beobachten, und dazu gibt es rechtfertigende Artikel online, z.B. aus Schweden. - Auch zu Gender: ist das real oder hypothetisch/ imaginär. Letzteres trifft zu, einfach das Gender-Paradox des NK ansehen. Das sind Studuen und überprüfbare Forschung. - Zu Lügen fällt leicht ein, dass diese bevorzugt von Linken verwendet wird, um politische Ziele durch Manipulation durchzusetzen, und wenn jetzt die normalen Menschen als "Hobbits" bezeichnet werden, die zu demokratischen Entscheidungen zu dumm sind, dann sind die Linken eben der "Sauron" die eine ideologische Diktatur errichten wollen. Dass das real ist, sieht man an den linken Antifa-Schlägertrupps. - Empiricus zu bemühen ist das Apercu, da ja gerade die empirische Beobachtung kombiniert mit dem Herstellen von Zusammenhängen zu einem absolut sicheren Urteil führt.

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mostly_harmless 05.04.2017, 11:18
128.

Zitat von wolleh
In der Realität ist Machtausübung meist totalitär. Das ist das einzige Problem. Deswegen waren alle bisherigen Versuche, die richtigen Marx'schen Erkenntnisse umzusetzen, totaltäre Diktaturen. Das heißt aber nicht, dass dies zwangsläufig so sein muss. [...]
Doch, das heisst es. Solange "unterwegs" eine Diktatur des Proletariats vorgsehen ist (die übrigens NICHT bei Marx zu finden ist), wird das immer so enden. Das ist systemimmanent. Jemand, der alle Macht hat (wie in Diktaturen üblich), beschliesst zwangsläufig früher oder später, dass es eine echt blöde Idee ist, die Macht wieder abzugeben.
Um das auszuschliessen, muss man erstmal alles auf den Müll werfen, das diese Phase vorsieht. Und dann muss eine komplett neuer Weg entwickelt werden. In der Diktatur nicht vorkommt. Und wenn man dann das Volk an der Macht beteiligt, könnte es sein, dass es sich plötzlich entschliesst, die ganze Idee vom Weg zum Sozialismus für Mist zu halten.

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Kit Kerber 05.04.2017, 11:21
129. vera gehlkiel Nr. 101

Hallo Vera, ich lese Ihre langen Beiträge immer gerne, obwohl ich zugeben muß, nie ganz sicher zu sein, was Sie eigentlich meinen. Auch hier geht es mir wieder so. Trotzdem möchte ich Ihnen sagen, was mir an Ihrem "linken" Beitrag auffällt. Sie bedienen sich einer verquasten Sprache, die gar nicht erst versucht, Sachverhalte zu klären, sondern scheinbar darauf aus, Sachverhalte zu verdunkeln. Als Leserin habe ich bei solchen Texten immer das Gefühl, ich muß im Trüben fischen, um irgendwo vielleicht doch noch eine Perle zu finden.

Bei dem Stöcker-Aufsatz ging es mir auch so. Ich bekam einen Link vorgesetzt (nach dem Motto: hier, lies selber...) und sollte mich mit Derrida usw. beschäftigen. Habe ich auch gemacht, und am Ende erfahre ich dann wieder von Stöcker, daß der Berg nur kreiste, um eine Maus zu gebären. Stöcker kann es nicht beurteilen, klar ist ihm aber irgendwie geworden, daß die Linke feste Maßstäbe braucht. (Näheres dazu habe ich in meinem entsprechenden Beitrag Nr. 237 gesagt.)

Bei solchen Debatten bin ich froh, daß ich mich von der Linken verabschiedet habe. Die Linke hat sich zu Tode diskutiert, es ist alles schon zehn mal gesagt worden und die Suppe ist immer trüber geworden. Mit Suppe meine ich hier die linke Theorie, nicht die braune Brühe, die nach Ihren Worten aus dem Leichnam der AfD tropft. Das ist auch so etwas, was mich der Linken entfremdet hat. Selber ist man total ratlos, gibt das sogar wortreich zu, aber eins weiß man ganz genau: Der Feind steht rechts. Mit dem muß man nicht diskutieren, den muß man mit starken Worten diskreditieren. Solche Sandkastenspiele haben mit Aufklärung nichts zu tun, sie helfen weder der theoretischen noch der praktischen Vernunft auf die Beine.

Die Linke hat sich sehr wohl mit der Globalisierung beschäftigt. Das hieß damals nur anders. Es gab die Theorie der Entwicklung der Unterentwicklung. Im Suhrkamp-Verlag sind zentnerweise Texte dazu geschrieben worden. Es gab auch eine Solidaritätsbewegung, man veranstaltete alle Nase lang Lateinamerika-Abende, auf denen es eine braune Suppe gab (Chili con Carne) und wo man tanzte und für die Guerilla ("Waffen für El Salvador") spendete.

Meine ganz persönliche Ansicht: Die Linke hat kein Theoriedefizit. Es wird ihr nichts bringen, zum zehnten Mal Derrida kritisch zu lesen und irgendwelche Theorie-Aufsätze zu verlinken. Die Linke ist unter die Räder gekommen, weil sie nicht wahrhaben will, daß die großen politischen Konfliktlinien anders verlaufen als von Marxens "Kritik der politischen Ökonomie" vorausgesehen. Der Niedergang der Linken hat mit der weltweiten "Revanche du Dieu" begonnen. Die Linke müßte ihre Scheuklappen ablegen und der Tatsache ins Auge blicken, daß die Menschheit nicht auf einen Klassenkrieg zusteuert, sondern auf einen Religionskrieg, den es zu verhindern gilt. Aber wenn die Linke das täte, wenn sie ihre ideologischen Scheuklappen ablegen würde, dann wäre sie wahrscheinlich schon keine Linke mehr.

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