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Linkenschelte : Rückwärts und viel vergessen
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Soll die SPD "unsere Heimat" gegen Migranten verteidigen? Und ist die Postmoderne schuld am Aufkommen "alternativer Fakten"? Eine Antwort auf die beiden letzten SPON-Kolumnen von Jakob Augstein und Christian Stöcker.

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Kommentator123456 05.04.2017, 13:10
150. Gleiches Recht für alle ?

Frau Stokowski, Sie erwähnen gleiches Recht für alle. Wie habe ich mir das denn genau vorzustellen, wenn alle - oder zu viele wenigstens - am gleichen bevorzugten Ort verweilen wollen. Z.B. in Deutschland - oder in München, oder in Prenzlauer Berg. Und vielleicht auch noch alle das gleiche Recht haben sollen auf Hartz IV, oder einen gutbezahlten Job ... ?
Ich denke, solche Forderungen sind höchstens zwei Millimeter weit gedacht. Auch wenn es gerecht klingt - es ist einfach nur eine Utopie, die man auch als solche erkennen muss, um nicht heilloses Chaos zu verursachen. Ist das, was Sie für links halten? Gerechtigkeit ist NICHT das Wichtigste auf der Welt.
Dann doch lieber nicht so links!

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alohas 05.04.2017, 13:20
151. @vera gehlkiel

Der Versuch, polnische mit muslimischen Migranten gleichzusetzen, scheitert auch im Artikel. Die slawischen und germanischen Volksstämme in Mittelosteuropa vermischten sich jahrhundertelang, sodass sich zwar letztendlich Nationen herausbildeten, aber keine klar abgegrenzten Kulturkreise. Die Polen, die im 19. Jh. ins Ruhrgebiet kamen, migrierten zudem meist lediglich von der einen Ecke des Landes in die andere, da zu dieser Zeit weite Teile des heutigen Polens zu Preußen/Deutschland gehörten. Polen der zweiten und dritten Generation verloren ihre Identität als Polen und wurden Deutsche, Przezynski wurde halt zu Prschesinski und Katholiken gibt es unter Germanodeutschen auch. Die Hoffnung, selbiges könne sich mit muslimischen Migranten wiederholen, wird zwar von Migrationsbefürwortern wacker aufrecht erhalten, bei realistischer Betrachtung sollte man jedoch endlich einsehen, dass das niemals so kommen wird, weil die kulturellen Unterschiede hier deutlich größere Dimensionen haben. Noch dazu, dass Migration heutzutage dank schnellerer Kommunikations- und Reisewege unter ganz anderen Vorzeichen steht. Vor hundertfünfzig Jahren sah ein Auswanderer seine alte Heimat in der Regel nie wieder, heute besucht er Omi daheim jeden Sommer, dazwischen skypt er mit ihr. Will heißen, die Bedingungen für Integration sind eher schlechter geworden.

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Bondurant 05.04.2017, 13:31
152. Bedaure

Zitat von Pride & Joy
Da diese Entwicklung sich auch bei uns langsam über Jahrhunderte vollzog, können wir nicht erwarten, dass es hier "Ad hoc" erfolgen soll.(1) Ich drücke mich auch vor nichts, sondern habe ein anderen Menschenbild als Sie es haben. Ich empfinde unser Verständnis sich über andere erheben zu können als übergriffig.(2) Wir haben doch aus der Kolonialzeit Schlüsse gezogen, oder nicht? Wer hat den die Probleme der entwurzelten Menschen, die jetzt in Reservaten, resp. Ghettos leben, grundsätzlich verursacht und durch welches Handeln?(3)
aber Ihre Antwort ist unbefriedigend.

(1) Soll das bedeuten, die hiesigen Gesellschaften sollen jetzt mindestens Jahrzehnte warten, bis die Moderne sozusagen "von selbst" in die Einwanderercommunities einzieht? Und bis dahin etwa die Frauenunterdrückung und die Erziehung mit und zur Gewalt stillschweigend akzeptieren?

(2) Ich finde es in der Tat völlig in Ordnung, sich über soziale Verhaltensweisen zu "erheben", die auf Ungleichbehandlung und Unterdrückung der Individualität fußen. Wenn Ihr "Menschenbild" dadurch nicht weiter gestört wird, ist es in der Tat ein anderes. (Ich hoffe, Sie gehören nicht zu denen, die eine deutsche Hausfrau für das Opfer übler patriarchalischer Machenschaften halten und gleichzeitig aber das Lied von der freiwillig kopftuchtragenden Muslima singen.)

(3) Ja, sagen Sie mal: welche "Probleme" meinen Sie und wer hat die verursacht? Am Beispiel arabischen Communities in Berlin vielleicht.

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Margaretefan 05.04.2017, 13:43
153. @Bondurant Beitrag 143

Was soll mit Menschen sein, die hier tatsächlich leben, es aber nicht dürfen?

Meines Wissens nach gibt es dafür Gesetze, die regeln, wie damit umzugehen ist. Sind diese Ihrer Meinung nach nicht ausreichend?

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Bondurant 05.04.2017, 13:49
154. Ich bin verblüfft

Zitat von Margaretefan
Was soll mit Menschen sein, die hier tatsächlich leben, es aber nicht dürfen? Meines Wissens nach gibt es dafür Gesetze, die regeln, wie damit umzugehen ist. Sind diese Ihrer Meinung nach nicht ausreichend?
Sagten Sie nicht:
Was unser Land am Wenigsten braucht, sind hier lebende Menschen, die unterschiedliche Rechte wegen ihrer Herkunft haben.

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Margaretefan 05.04.2017, 14:09
155. Aufenthaltsstatus von hier lebenden Menschen

Zitat von Bondurant
Sagten Sie nicht: Was unser Land am Wenigsten braucht, sind hier lebende Menschen, die unterschiedliche Rechte wegen ihrer Herkunft haben.
Ja, das sagte ich nicht nur, sondern das ist meine Überzeugung. Sehen Sie einen Widerspruch, oder was genau verblüfft Sie?

Menschen, die aus welchen Gründen auch immer kein Recht darauf haben hier zu leben, werden meines Wissen nach - sofern das durchsetzbar ist - "abgeschoben". Falls das nicht durchsetzbar ist, was nun mal wider vieler Nationalromantiker nicht selten vorkommt, oder sich aus welchen Gründen auch immer verzögert, müssen diesen hier vorübergehend lebenden Menschen gleiche Rechte zugestanden werden.
Oder sehen Sie das anders?

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darkace82 05.04.2017, 14:10
156. @bonduras

Genau wie es dir freiwillig und selbstbestimmt kopftuchtragende Muslima gibt, gibt es dir Deutsche Hausfrau die "Opfer des Patriarchats" ist. Und genauso gibt es Frauen (egal welcher Nationalität) die freiwillig und gerne Hausfrau sind. Und Männer die Hausmann sind. Und Menschen die von anderen gezwungen werden sich auf bestimmte Weise zu kleiden. Menschen die ihre Kinder schlagen. Das entscheidende ist das Individualprinzip und der Rechtsstaat. Manches darf ich, zb entscheiden keinen Job anzunehmen und bei den Kindern zu bleiben. Anderes darf ich nicht, zB diese Kinder schlagen. Und nichts davon ist Herkunfts- oder Religionsabhängig.
Gesellschaft und deren soziale Normen sind dauernder Veränderung unterworfen. Und die sind mal schneller und mal langsamer.

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Pride & Joy 05.04.2017, 14:11
157. ....aber Ihre Antwort ist unbefriedigend.

Ihre ebenso...
Auf Pro Asyl und anderen Portalen gibt es Broschüren, wo diese Themen unter: Fakten gegen Vorurteile, behandelt werden. https://www.proasyl.de/thema/fakten-zahlen-argumente/fakten-gegen-vorurteile/

Zu den Angeboten, die wir machen, hatte ich mich schon geäußert. Weiterführende Referenzen finden Sie hier: http://ahmad-mansour.com/de/

Ich gebe offen zu, dass mich solche Diskussionen nicht nur langweilen, weil sie sich im Grunde nur um den eigenen Bauchnabel drehen und ich sie deshalb als nicht zielführend ablehne, sondern dass ich traurig bin, dass es immer noch Menschen gibt, die Gründe dafür suchen, anderen Menschen nicht die gleichen Möglichkeiten und Rechte einzuräumen.

Ich möchte die Diskussion über Flüchtlinge und Geflüchtete, die hier bereits leben, deshalb an dieser Stelle beenden.
Ihnen möchte ich aber andienen sich doch einmal mit den Betroffenen selbst zu unterhalten, weil ich hoffe, dass dies neue Perspektiven eröffnen könnte.
Grüße!

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lautlos 05.04.2017, 14:14
158. Philosophie

Sehr geehrte Frau Stokowski,

seit tausenden von Jahren beschäftigt sich die Philosophie mit der Frage, wie man einen Beweis führen kann. Haben Sie tatsächlich Philosophie studiert? Diesen Lehrstuhl werden meine Kinder meiden. Denn der Schluß, jemand hat etwas schon vor 2000 Jahren gesagt, deshalb muss es wahr sein, der ist wirklich derart unlogisch, dass einem um die Qualität der Lehre Angst und Bange wird. Im ganzen Text ist kein einziger gerader Satz. Oder wie Camille Paglia über die Generation Snowflake sagt: "They are lazy, they form a really simplistic ideology and half baked thinking". Ich bin kein Fan von Augstein, aber er entwickelt Gedanken, indem er argumentiert. Ich teile seine Schlüsse so gut wie nie. Bei Ihnen gibt es aber nur den Schluss, ganz ohne Argument.

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vera gehlkiel 05.04.2017, 15:01
159. @alohas

Zitat von alohas
Der Versuch, polnische mit muslimischen Migranten gleichzusetzen, scheitert auch im Artikel. Die slawischen und germanischen Volksstämme in Mittelosteuropa vermischten sich jahrhundertelang, sodass sich zwar letztendlich Nationen herausbildeten, aber keine klar abgegrenzten Kulturkreise. Die Polen, die im 19. Jh. ins Ruhrgebiet kamen, migrierten zudem meist lediglich von der einen Ecke des Landes in die andere, da zu dieser Zeit weite Teile des heutigen Polens zu Preußen/Deutschland gehörten. Polen der zweiten und dritten Generation verloren ihre Identität als Polen und wurden Deutsche, Przezynski wurde halt zu Prschesinski und Katholiken gibt es unter Germanodeutschen auch. Die Hoffnung, selbiges könne sich mit muslimischen Migranten wiederholen, wird zwar von Migrationsbefürwortern wacker aufrecht erhalten, bei realistischer Betrachtung sollte man jedoch endlich einsehen, dass das niemals so kommen wird, weil die kulturellen Unterschiede hier deutlich größere Dimensionen haben. Noch dazu, dass Migration heutzutage dank schnellerer Kommunikations- und Reisewege unter ganz anderen Vorzeichen steht. Vor hundertfünfzig Jahren sah ein Auswanderer seine alte Heimat in der Regel nie wieder, heute besucht er Omi daheim jeden Sommer, dazwischen skypt er mit ihr. Will heißen, die Bedingungen für Integration sind eher schlechter geworden.
Wenn sie schon mit Kulturkreisen ankommen, dann vergleichen sie bitte nicht Polen und Muslime, allenfalls Katholiken und Muslime. Und wenn die polnischstämmigen Ruhrgebietskatholiken lange etwas ausgezeichnet hat, war es ihre Rigidität, ihr Unangepasstsein. Nicht umsonst hat man den Tatort Kommissar Schimanski genannt, und nicht Burgsmüller. Die katholischen Polen waren sozusagen, was die Iren für New York sind, mit allen Vor- und Nachteilen. Bis heute weisen gleich zwei Erstliga-Borussias auf das stolze Gefühl von Eigenständigkeit mit geradezu religiös-nationalistisch geprägtem Lebensgefühl, das hier früher vorherrschte, hin. Katholizismus geht aber auch ganz anders, auf die linksrheinisch gelassene, von den Franzosen geprägte Kultur. Hier in der Gegend wurden die Leute mittlerweile so sorglos im Umgang damit, dass sie reihenweise aus der Kirche austreten, und bei Befragung zumeist äussern, dass ihnen der Buddhismus an sich näher steht. Wenn sie sich in ihrer eigenen, angestammten Kultur umsehen, muss ihnen zudem folgendes schon auffallen: das Mittelalter hat die Inquisition nur mit Hilfe der Offenheit überstanden, die es damals in anderen Ländern gab, vor allem in muslimischen. Der Einfluss der arabischen Welt auf unsere, auf der Aufklärung basierenden Kultur ist ohnedies unendlich gross. Das hat weniger mit Religion zu tun, sondern damit, dass Europa essentiell vom Mittelmeer abstammt, weder in den polnischen Wäldern noch germanischen Sümpfen erfunden wurde. Es ist Italien, Griechenland und Spanien, von wo wir geistig herstammen, also der mediterane Kulturkreis. Der stets in ganz natürlichem Austausch zu Nordafrika und dem, was man heute Naher und Mittlerer Osten nennt, stand.

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