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Linkenschelte : Rückwärts und viel vergessen
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Soll die SPD "unsere Heimat" gegen Migranten verteidigen? Und ist die Postmoderne schuld am Aufkommen "alternativer Fakten"? Eine Antwort auf die beiden letzten SPON-Kolumnen von Jakob Augstein und Christian Stöcker.

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pykomat 04.04.2017, 16:22
10. Unglaublich

wie Ignorant und lieblos man den Begriff "Heimat" entwerten kann. Ich denke mal, dass die Autorin niemals etwas wie eine schöne, unbeschwerte Kindheit in einer intakten sozialen und stofflichen Umwelt erleben durfte. Daraus ergibt sich oftmals ein völliges Unverständnis, dass es Menschen gibt, denen Heimat und Identität etwas bedeutet und die trotzdem weiter davon entfernt sind gegen Ausländer zu hetzen und Asylheime anzuzünden als die Kaputniks aus seelen- und gesichtslosen - oftmals als Hip deklarierten Grossstadtghettos. Wenn es nur Ignoranz oder ein nicht verstehen wäre, könnte man da ja lachend darüber hinweggehen. Wenn daraus aber ein Sendungsbewusstsein ala "kitschiges Heimatklischee = bäh, dysfunktionaler Kiez = Supi" entsteht, dem gefälligst alle Guten zuzustimmen haben, dann sehe ich das eher kritisch. Die Menschen, die dem Begriff "Heimat" etwas abgewinnen können, sind nicht alle engstirnig und verkennen auch nicht, dass es jenseits dieser 50er Jahre Kitschheimat (die die Autorin anscheinend als immer noch gültig erachtet) auch durchaus Sinn macht, kontrovers mit diesem Begriff umzugehen. Sie lassen sich aber auch nicht einreden, dass Heimat eine bloße Residenz irgendwo ist. Sie sind auch nicht gegen alles Fremde oder die Fremden im Allgemeinen. Sie haben nur ein Unbehagen, wenn Fremdes quasi instantan gleichberechtigt neben altbewährten gestellt wird und keine Zeit hat, quasi hineinzuwachsen.
Schade, Schade. So gewinnt die "linke" keine Freunde auf dem platten Land. Aber wozu auch, wenn man Hip durch den Kiez flanieren kann, sich seiner moralischen Überlegenheit gewiss...

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x_Vendetta_x 04.04.2017, 16:25
11. Hm...

Bis jetzt erschliesst sich mir noch nicht warum sich plötzlich so viele Artikel hier mit "links", "den Linken" und "linken Ansichten" beschäftigen. Soll damit ein überholter Begriff, eine ehemals politische Ansicht vor dem Aussterben gerettet werden? Die Welt hat sich weitergedreht und wir stehen vor Problemen die wir gemeinsam lösen sollten. Sonst sind Worthülsen wie links, rechts, neoliberal etc., die mit beliebigen Inhalten gefüllt werden können, eh nutzlos.

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niroclean 04.04.2017, 16:25
12. ....na klar...

soll die SPD "unsere Heimat" gegen Migranten verteidigen. Na klar, wenn man so etwas sagt ist man ja schon ein Rechter. Aber eigentlich ist das völliger Quatsch, es geht in erster Linie darum das Menschen mit ähnlichen Kulturen, Verhaltensweisen und möglichst identischen Sprachen viel einfacher zusammenleben und dann auch vereinbarte Regeln akzeptieren. Es wird seinen Grund haben warum sich bestimmte Volksgruppen in Länder zusammengefunden haben und seit Jahrhunderten zusammen leben und so Staaten gegründet haben.

Wer heute in Großstädten bspw. morgens um 9.30 Uhr mit der Straßenbahn oder Bus in die City fährt fühlt sich ja recht einsam als Deutscher, man sieht alle möglichen Menschen aus aller Herren Länder und ein internationales Sprachgewirr, aber in der Regel sind es die Deutschen die völlig unterrepräsentiert sind.

Menschen die in noblen Vororten wohnen und dann mit dem PS-starken SUV zur gut bezahlten Arbeitsstelle fahren nehmen so etwas natürlich nicht wahr. Es ist der sogenannte "kleine Mann" der in seinem Umfeld die starke Zuwanderung wahr nimmt, da er da wohnt wo Wohnungen bezahlbar sind und weil er in den Discountern einkauft wo es die preiswerten Lebensmittel gibt.
Das vor Jahren noch von obersten Stellen gebetsmühlenartig verteidigte Multi-Kulti-Gehabe hat zwar mit Italienern, Griechen und Portugiesen passabel funktioniert, ist aber unhaltbar wenn Menschen aus Kulturkreisen kommen die völlig anders sozialisiert sind und den Mitteleuropäer generell als minderwertigen Ungläubigen gepredigt bekommen haben und schon aus diesem Grund vor keinem Respekt haben, ganz zu schweigen gegenüber Frauen die in manchen Ländern eher als Dienstsklaven betrachtet werden, als wie bei uns als gleichberechtigte Partner. Na klar, es gibt natürlich auch andere Beispiele wo die Integration geklappt hat, aber wer ehrlich ist muss doch zugeben das es viel zu wenige sind. Wenn man jetzt nicht endlich bremst wird das irgendwann mal fatale folgen haben.

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TLB 04.04.2017, 16:30
13.

Die Sache mit der Heimat und den Wurzeln ist schon richtig, es ist wichtig, dass man Wurzeln schlägt. Aber hat man die einmal geschlagen, dann sollte die Bewertung, ob ich die Idylle mit röhrendem Hirsch (als Metapher natürlich) als meine Heimat bewahren will, doch bitte schön meine Entscheidung sein. Und diese Entscheidung hat auch nichts mit rückwärtsgewandt oder mit der AfD zu tun. Wenn es bspw. um die Erhaltung der Flora und Fauna und um die Erhaltung der Lebensräume derselben geht, wird viel Anstrengung unternommen, damit Frosch und Maus ihr Heim wiederfinden wie eh und jeh. Wenn es um den Denkmalschutz in Innenstädten geht, wird viel Geld in die Hand genommen und keine Mühe gescheut, um Fachwerkhäuser, Kirchen, Schlösser etc zu erhalten und zu restaurieren, damit sie wieder in altem Glanz erstrahlen. Wenn ich aber meine Heimat erhalten will in einem Zustand, in dem sie mir gefallen hat, dann ist das rückwärtsgewandt? Dieser Logik folge ich nicht.

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Sonderlich 04.04.2017, 16:31
14. Relativitätstheorie

Geht man nur weit genug nach Links und Rechts, begegnet man sich auf Augenhöhe.

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muellerthomas 04.04.2017, 16:34
15.

Zitat von niroclean
Wer heute in Großstädten bspw. morgens um 9.30 Uhr mit der Straßenbahn oder Bus in die City fährt fühlt sich ja recht einsam als Deutscher, man sieht alle möglichen Menschen aus aller Herren Länder und ein internationales Sprachgewirr, aber in der Regel sind es die Deutschen die völlig unterrepräsentiert sind.haben.
Also da wo ich den ÖPNV nutze nicht.
Solche Aussagen kommen meist von Leuten, die den ÖPNV praktisch nie nutzen.

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richardvau 04.04.2017, 16:35
16. Vielen Dank...

Frau Stokowski, ich mag Sie sehr für Ihre profunde und gleichzeitig entspannte Art, zu argumentieren. Für mich sind Sie eine der leider seltenen Lichtblicke im gegenwärtigen Journalismus. Ich empfinde Ihre Kolumnen als pünktlich und treffsicher. Und spannend auch, was aus Ihnen in den Kommentaren zuweilen gemacht wird. Denken sollte als Fach gelehrt werden in den Schulen und Universitäten. Viel Glück Ihnen!

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Darwins Affe 04.04.2017, 16:36
17. Historisches

1) Links bezeichnete mal die Platzierung von Abgeordneten im französischen Parlament 1789. Als Gegensatz dazu rechts die papsttreuen Ultramontanen.
2) 1896 spalteten sich in Prag die nationalen Sozialisten (NSSC) als Vorläufer der NSDAP von der tschechischen Sozialdemokratie.
3) 1903 spalteten sich in Petersburg die Menschewiken von den Bolschewiken; erstere wurden daraufhin verfolgt und 1923 verboten.
4) 1946 bezeichnete SPD-Chef Kurt Schumacher die Kommunisten als "rotlackierte Faschisten" und verweigerte jede Zusammenarbeit mit der SED.
5) Als links bezeichnet sich heute halt nicht nur die ur-demokratische SPD, sondern auch die SED-Nachfolgepartei.

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FocusTurnier 04.04.2017, 16:40
18. In der DDR.....

....in der ich meinen Grundschuljahren die Schule besuchte, gab es noch das Fach "HEIMATkunde".

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rechthaber76 04.04.2017, 16:41
19. Es geht immer noch linker !

Sollten die beschriebenen Zitate wirklich von Herrn Augstein sein? Ich kann es kaum glauben. Das Praxisexperiment der durch die Autorin geschilderten Multi-Kulti Träume ist seit Jahren das deutsche Schulsystem, wo sogar Herr Augstein Probleme zugibt (jüngst die antisemitischen Vorfälle in Friedenau). Die Autorin lässt leider nur die Möglichkeit der beharrlichen Ignoranz. Davon halte ich als Vater schulpflichtiger Kinder nichts. Das linke Weltbild habe ich in der DDR kennengelernt, es bricht halt erst zusammen, wenn wirklich gar nichts mehr zu retten ist, und dann sind natürlich trotzdem die Anderen Schuld. Für alle, die es noch nicht kapiert haben: Der Nationalstaat mit festen Grenzen ist die beste Absicherung für soziale und Innere Sicherheit! Da muss man kein Nationalist sein!

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