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Literatur aus der Psychiatrie: Man holt sich beim Lesen blaue Flecken
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Eva Gruber kommt in die Psychiatrie, soll eine Kindergartengruppe erschossen haben. Kann das sein? "Vater Unser", das Romandebüt der Österreicherin Angela Lehner, spielt mit unserer Sicht der Dinge.

House_of_Sobryansky 06.04.2019, 10:24
1. Zeitgenössisch

Ich finde es so ermüdend, stets von diesen Diskrepanzgeschichten lesen zu müssen: zwischen dem, worüber ein fader Konsens besteht, was Wirklichkeit hier sei und der individuellen Distanz dazu, die wir Freiheit nennen. Stets erkennen wir, dass die Freiheit eine Sehnsuchtskonstruktion innerhalb eines Repressionskorsetts ist. Das ist so unglaublich alt und als Gegenstand der Kunst doch hinlänglich ausgeweidet. Thematische Mode-Accessoires wie Missbrauch sprechen für eine Konserve, für die es sicherlich auch Freunde gibt. Und natürlich muss das Wort "Ficken" unbedingt auftauchen. Ja, dann ist es Literatur, wie sie sich einpendelt zwischen Berlin und Wien. Als zeitgenössische Lesezeitvergeudung.

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klmo 06.04.2019, 12:15
2.

Zitat von House_of_Sobryansky
Ich finde es so ermüdend, stets von diesen Diskrepanzgeschichten lesen zu müssen: zwischen dem, worüber ein fader Konsens besteht, was Wirklichkeit hier sei und der individuellen Distanz dazu, die wir Freiheit nennen. Stets erkennen wir, dass die Freiheit eine Sehnsuchtskonstruktion innerhalb eines Repressionskorsetts ist. Das ist so unglaublich alt und als Gegenstand der Kunst doch hinlänglich ausgeweidet. Thematische Mode-Accessoires wie Missbrauch sprechen für eine Konserve, für die es sicherlich auch Freunde gibt. Und natürlich muss das Wort "Ficken" unbedingt auftauchen. Ja, dann ist es Literatur, wie sie sich einpendelt zwischen Berlin und Wien. Als zeitgenössische Lesezeitvergeudung.
"Ermüdend" ist die treffende Diagnose.
Allein wenn man Regeln, Normen infrage stellt, die über Tugenden bis zur Gesetzgebung (Judikative) reichen und unser Miteinander regeln und bestimmen, wo soll darüber hinaus noch ein zusätzlicher literarischer Erkenntnisgewinn sein?
Unbegrenzte Freiheit, sprich Narrenfreiheit, gibt es nicht. Wer das nicht im gelebten Alltag wahrhaben will und dagegen ständig rebelliert, landet früher oder später in der Psychiatrie oder vor einem öffentlichen Gericht.
Diese banal inszenierten Sujets in Romanform bringen absolut nichts, da sie schon von der Grundlage her völlig abwegig sind und nicht dem wirklichen Leben entsprechen.

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House_of_Sobryansky 06.04.2019, 16:50
3. Je suis désolé

Ich bin untröstlich. Aber ich stimme überhaupt nicht mit Ihnen überein. Stets müssen wir alles, restlos alles, in Frage stellen. Das sind wir unserer höchst antastbaren Würde schuldig. Die Würde gilt selbst für das Irrste und Unglaublichste, was wir dann heilig nennen. Die Armut Ihrer letzten Passage ist atemberaubend. Niemand möchte sie teilen. Auch nicht aus Liebe.

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