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Literatur-Jahresrückblick: Wann wird's mal wieder richtig Deutschland?

Literarische Schneewehen, selbstironische Egozentriker, Satzzeichenpolizisten*- und dann kam Thilo Sarrazin: Sein verlorenes Paradies ist die frühe Bundesrepublik, doch vergisst er, wofür die SPD damals stand. Ein Blick auf typische, wichtige und erfolgreiche Bücher des Jahres 2010.*

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ohmscher 29.12.2010, 15:45
1. Toll!

Zitat von sysop
Literarische Schneewehen, selbstironische Egozentriker, Satzzeichenpolizisten*- und dann kam Thilo Sarrazin: Sein verlorenes Paradies ist die frühe Bundesrepublik, doch vergisst er, wofür die SPD damals stand. Ein Blick auf typische, wichtige und erfolgreiche Bücher des Jahres 2010. Diskutieren Sie über diesen Artikel
Ja, dann diskutiere ich mal: Der Autor schreibt so, wie die Literatur ist, über die er urteilt.

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Ein netter Netter 29.12.2010, 16:24
2. Meine Ergänzung

In dieser Liste fehlt ganz klar das schöne Buch "Ich werde ein Berliner". Denn 2010 war das Jahr, in dem mit dem Hipster abgerechnet wurde, und das Buch war sozusagen für unsere allzu Deutschen Hipster "zuständig". Eine Art Anti-Axolotl-Roadkill, da es nicht eine mystifizierend-glorifizierende Perspektive auf die derzeitig vorherrschende Jugendkultur bietet, sondern total unbeeindruckt deren zahlreichen Widersprüche und Verlogenheiten entblösst.

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grafkoks2002 29.12.2010, 17:02
3. Argh!

Ein "mittelanspruchsvolles Lesepublikum"? Was soll so ein Schwachsinn. Ein "mittelanspruchsvolles Lesepublikum". Lieber Autor: Ich habe Jerry-Cotton-Romane von einer literarischen Qualität gelesen, die jedem so genannten Bildungsbürger die Grütze aus dem Sattel schießt. Und ich las so genannte Literatur fürs anspruchsvolle Lesepublikum, die sich doch nur in weltvergessener Nabelschau verlor. Abgesehen davon: Die Bandwurmsätze eines Nobelpreisträgers wie Grass sind krass, aber auch ein ziemliches Geschwurbel.

So aber denkt der deutsche Literaturfreund: Nennt sich etwas Unterhaltung, ist es höchstens für mittelanspruchsvolle Lesepublikum geeignet. Da halte ich es lieber mit den Angelsachsen. Für die gibt es gute Literatur und schlechte Literatur.

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Brand-Redner 29.12.2010, 17:24
4. Urteile

Zitat von ohmscher
Ja, dann diskutiere ich mal: Der Autor schreibt so, wie die Literatur ist, über die er urteilt.
Da ist wohl etwas dran, wenn man sich bspw. folgendes Urteil anschaut:
Zitat von
Abgesehen davon, dass die Dichter und Denker, auf die man hierzulande gelegentlich sehr stolz ist, ganz anderer Auffassung wären: So was kann man immer sagen. Es klingt wie die missglückte Ausrede eines Agrammatikers, der selbst dann keine Interpunktionszeichen benutzen könnte, wenn er es wollte. Aber natürlich wollen diese großen Dichter bloß nicht...

Dennoch finde ich, dass S. Hammelehle in manchen Punkten Recht hat. Das gilt z.B. dort, wo er die Zunft schreibender "Elder-Statesmen" als (überwiegend) egozentrisch charakterisiert, was ich in dem einen oder anderen Fall noch für einen Euphemismus halte. Aber auch seine Klage, es gäbe keine Großschriftsteller in der Altersgruppe U 80 mehr, ist berechtigt. Und seine Einschätzung des Blockbusters Sarrazin sowieso.


schreibende elder statesmen als Egozentriker
Ausbleiben von großschriftstellern in den Generationen U 80
Wertung des Sarrazin-Erfolgs

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Brand-Redner 29.12.2010, 17:41
5. Grass u.a.

Zitat von grafkoks2002
Abgesehen davon: Die Bandwurmsätze eines Nobelpreisträgers wie Grass sind krass, aber auch ein ziemliches Geschwurbel.
Das ist unbestritten, soweit es seine Romane anbelangt. Geht es um andere Formen, kann Grass durchaus nobelpreiswürdig schreiben, ohne die Massen zu langweilen. Zwei Beispiele, die ich kenne: "Im Krebsgang" und "Beim Häuten der Zwiebel". - Übrigens: Man kann den krassen Grass durchaus mögen, ohne sich der Jerry-Cotton-Romane schämen zu müssen!

Zitat von grafkoks2002
So aber denkt der deutsche Literaturfreund: Nennt sich etwas Unterhaltung, ist es höchstens für mittelanspruchsvolle Lesepublikum geeignet. Da halte ich es lieber mit den Angelsachsen. Für die gibt es gute Literatur und schlechte Literatur.
Letzteres gilt auch hierzulande, nur wird dieses Wirkungsgesetz aller Literatur - aus diesen oder jenen Gründen - gern vernebelt oder verschwiegen.

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artusdanielhoerfeld 29.12.2010, 18:07
6. Unvollständig

Sie haben mein Buch vergessen:

Die Steinzeitfrau - Damals und Heute
Ein Buch ausschließlich für Männer!

Erschienen Juni 2010

Wie konnte das passieren...?

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team_gleichklang_de 29.12.2010, 18:13
7. Bedenlicher Sarazzin-Boom

Das Schlimme am Sarazzin Boom ist, dass hier niemand auftritt, der unbequeme Wahrheiten ausspricht, sondern - vermutlich gut auf PR kalkuliert - Unwahrheiten scheinbarmutig ausgesprochen werden. Zum Vorteil von Herrn Sarrazin, aber auf Kosten anderer. So war es auch schon bei seinem Harz-IV-Speiseplan, wo Herr Serrazin ernsthaft eine Tasse Tee als ZwischenMAHLZEIT deklarierte. Dass das nicht sättigt, war ihm egal, ihm ging es schon damals nur um PR. Gelohnt hat es sich für ihn. Aber der Artikel hat Recht, noch mehr als über den Egomanen und skrupellosen Instrumentalisierer Sarrazin sagt der Erfolg dieses Buches etwas darüber aus, wie weit wir herunter gekommen sind. Wo Lügen als unbequeme Wahrheiten verklausuliert werden, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn morgen die Wohnungen und Geschäfte von Immigranten brennen.

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tehu@tehu.de 29.12.2010, 20:13
8. geniale Eigenwerbung!!!!

Zitat von artusdanielhoerfeld
Sie haben mein Buch vergessen: Die Steinzeitfrau - Damals und Heute Ein Buch ausschließlich für Männer! Erschienen Juni 2010 Wie konnte das passieren...?

die Idee, in einem literarischen Rückblick auf sich selbst hinzuweisen, finde ich genial!

hat bei mir dazu geführt, dass ich erstmal auf Amazon geguckt habe, ob´s das Buch wirklich gibt (gibt es) und es bestellen wollte; allerdings gibt´s das (zumindest zur Zeit) nur in Hochglanz für 30 Euronen, was mir dann doch ein bisschen viel ist, um nur aus einem Impuls heraus mal ein Buch zu bestellen... (die Kritiken auf Amazon sind übrigens durchweg gut!)

(ich hab auch kein Prob, 30€ für ein Buch auszugeben, wenn davon wenigstens die Hälfte beim Autor ankäme, aber für die originelle Idee des Autors gleich noch den Verlag, Amazon und wen auch immer ebenfalls zu belohnen, scheint mir übertrieben)

Jedenfalls weiter so und ganz herzlichen Gruß + fröhlichen Rutsch in´s neue Jahr

ti

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gilowyn 29.12.2010, 21:09
9. nichts verpasst?

Na, dann scheine ich im letzten Jahr im deutschsprachigen Raum ja nicht so viel verpasst zu haben. :) Mein englisches Buch des Jahres war aber Shades of Grey, der neueste Roman von Jasper Fforde.

Und übrigens... der "andere Autor", der da nach der Bibel gelebt hat, heißt AJ Jacobs. "Die Bibel und Ich" ist ein überragendes Buch, das einem nicht nur einen amüsanten Einblick in die Bibel und vor allem das Judentum gibt, sondern auch zum selbstkritischem Umgang mit den eigenen christlichen Werten anregt. Unbedingt lesen - AJ Jacobs ist super.

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