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Literatur - Was lohnt es noch, zu lesen?

Bücher sind populär, über Bücher wird gestritten, manchmal werden Bücher noch verboten, sogar im Fernsehen erzielen Literatursendungen ("Lesen!") nach wie vor ansehnliche Quoten. Gute Zeiten für belletristische Literatur? Oder haben es literarische Texte heute schwerer denn je, inmitten der PR-Gewitter ihr Publikum zu finden? Gibt es noch die Lust auf den unbekannten Text oder ist gängige Literatur fast nur noch leicht verdauliche Häppchenware für Party-Smalltalk?

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klappertopf 20.06.2011, 22:54
23150.

Zitat von Herr.J
Hab über C. Meyer "als wir träumten" bei Amazon gelesen, erinnert ein wenig an " last exit Brooklyn" und bestellt danke, werde auch nochmal die Buddenbrooks zur Hand nehmen. Habs als junges Mädchen gelesen und war schon verzaubert ( sorry, für den Nick, einfach übernommen ) warum junge Autoren an TM messen ??
"Die Buddenbrooks", dieses Buch lohnt sich wirklich gelesen zu werden. Vor allem die Geschwister Buddenbrook, Toni, Thomas und Christian, sind interessante Persönlichkeiten, welche einer tieferen Betrachtung würdig sind. Gerda Buddenbrook und
Christian Buddenbrook sind sich nicht unsympathisch, weil sie sich ähnlich sind. Hanno, ein Schicksal für sich.

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Ty Coon 21.06.2011, 07:02
23151.

Zitat von Juliane Fuchs
Wem sollte/ könnte so ein Augenzwinkern denn gegolten haben? Wer ist hier der Adressat? Wer wird angezwinkert? Wem wird hier herzerfrischend ein Finito gemeldet?
Ehrlich gesagt, ich verstehe die Frage nicht ganz? Wem wird hier was gemeldet, und wie? Natürlich dem Leser?

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klappertopf 21.06.2011, 08:11
23152. Leutnant Gustl von A. Schnitzler

Zitat von oasis
Aha. - Ist ja hochinteressant, was Sie sich da Nettes zusammengereimt haben, selbst wenn Sie Ihre Geschlechtsgenossen damit in ein, ich sag mal, reichlich einfältiges Licht rücken. Soll ich nun Mitleid empfinden? Klingt für mich aber eher nach "Beutetier Frau". Deswegen erlaube ich mir, nicht einmal Mitgefühl zu empfinden. Tragen Sie Ihr ach so schweres Los einfach mit Humor. :) Verzeihung, aber das ist mir dann doch etwas zu wildromantisch und banal, diese Ansicht. Danke für das Gespräch.
Um eine Vorstellung von dem zu bekommen, was ich mit dem "Opfer ihrer Eitelkeit" meinte, sollte man den Leutnant Gustl von A. Schnitzler lesen. Hier trägt sich ein junger Offizier mit dem Gedanken, in den Freitod zu gehen, weil seine Ehre beleidigt wurde. Der, mit dem er sich duellieren möchte, ist nämlich nicht "satisfaktionsfähig".

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Ty Coon 21.06.2011, 09:37
23153.

Mhm, ähm, wer "satisfaktionsfähig" im normalen Verkehr benutzt, hat für mich eine fremdwortsüchtige Meise. "I can't get no satisfaction" verstehe ich schon eher ...

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klappertopf 21.06.2011, 10:11
23154.

Zitat von Ty Coon
Nuja, er -- Uwe Tellkamp -- hat es ja selbst, öfter als einem lieb sein kann, verlautbaren lassen, daß Thomas sein erklärtes Vorbild ist. Er bezeichnete die "Buddenbrooks" als sein allerliebstes Gefängnis, meine Güte, was für ein Geschwafel ...
Sie scheinen zu urteilen, ohne die Gedanken eines Thomas Buddenbrook zu kennen. Auf Seite 657 des Romanes "Buddenbrook" steht nämlich zu lesen:
"War nicht jeder Mensch ein Mißgriff und Fehltritt? Geriet er nicht in eine peinvolle Haft, sowie er geboren ward? Gefängnis! Gefängnis! Schranken und Bande überall! Durch die Gitterfenster seiner Individualität starrt der Mensch hoffnungslos ..."
Bevor Sie den Tellkamp schelten, sollten Sie zumindest den Roman "Buddenbrooks" kennen.

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Ty Coon 21.06.2011, 11:04
23155.

Zitat von klappertopf
Sie scheinen zu urteilen, ohne die Gedanken eines Thomas Buddenbrook zu kennen. Auf Seite 657 des Romanes "Buddenbrook" steht nämlich zu lesen: "War nicht jeder Mensch ein Mißgriff und Fehltritt? Geriet er nicht in eine peinvolle Haft, sowie er geboren ward? Gefängnis! Gefängnis! Schranken und Bande überall! Durch die Gitterfenster seiner Individualität starrt der Mensch hoffnungslos ..." Bevor Sie den Tellkamp schelten, sollten Sie zumindest den Roman "Buddenbrooks" kennen.
Ich kenne die "Buddenbrooks" ziemlich gut, schieße hier also nicht ins Blaue. Tellkamp sieht sich als Nachfolger Manns? Meinetwegen. Jeder hat das Recht, sich maximal zu blamieren, das gehört zur Demokatie. Noch eine Lieblingsszene: Der Mob randaliert vor dem Haus der Buddenbrooks, da sagt einer: "Wir wollen eine Republik!" Sagt Thomas Mann: "Ihr habt doch schon eine!" Antwortet der Mann: "Dann wolln wir eben noch eenen!"

Köstlich.

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easystreets 21.06.2011, 11:14
23156.

Zitat von oasis
Je nun, dann hast Du Dir doch sicher auch schon Gedanken dazu gemacht, worunter Frauen denn so leiden könnten oder litten, nicht wahr?
Deine Frage trifft ins Schwarze des Problems. (Wenn es eines ist oder sein soll.)

Du kennst doch meine ich-philosophierte Antwort auf all das Gedöns: "Wind und Wetter wehren und sich ernähren!" So sieht unsere Aufgabe nun einmal aus für uns Menschen, die wir auf diesen Planeten geworfen wurden wie Kätzchen, mit geschlossenen Augen nichts sehend, nichts hörend außer Klänge wahrnehmend und dann doch nur nach der mütterlichen Brust suchend für die erste Milch. Sicher, und gerade deshalb, entsteht das DRAMA. Ein Circus Maximus oder Circus Minimus, je nach Maßeinheit, die der Dimension zugrunde liegt. Schaue ich Gänsen oder Pavianen zu, Ameisen oder Termiten, sehe ich nichts anderes, als ich es nicht bei den sogenannten Menschen beobachte. Sag Wolf, Steppenwolf, Denver-Clan oder Buddenbrooks - where ist the difference?

"Ja" heißt es dann "aber der Mensch sucht nach Höherem!" Um bei allem dann was zu entdecken, dass im sogenannten Höheren das Tiefste und Niedrigste das Erste war, das fürs Fundament fürs Höhere herhält? Wir sind alle auch ganz einfache Frontsoldaten, und zu denen werden wir auch wieder über Nacht bei nur einem falschen Schritt, von dir selbst oder von einem nahe dir, und sind wir es nicht, Frontsoldaten und Grabesredner und Resteverwerter, Sähende und Erntende, fehlt etwas.

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klappertopf 21.06.2011, 11:49
23157. Johanns Handlung

Zitat von Juliane Fuchs
Wem sollte/ könnte so ein Augenzwinkern denn gegolten haben? Wer ist hier der Adressat? Wer wird angezwinkert? Wem wird hier herzerfrischend ein Finito gemeldet?
Die beschriebene Stelle hat folgenden Wortlaut:
"Er las auch, ganz zuletzt, in Papas winziger, geschwind über das Papier eilender Schrift, unter denen seiner Eltern, seinen eigenen Namen- Justus, Johann, Kaspar, geb. d. 15. April 1861- was ihm einigen Spaß machte, richtete sich dann ein wenig auf, nahm mit nachlässigen Bewegungen Lineal und Feder zur Hand,legte das Lineal unter seinen Namen, ließ seine Augen noch einmal über das ganze genealogische Gewimmel hingleiten: und hierauf mit stiller Miene und gedankenloser Sorgfalt, mechanisch und verträumt, zog er mit der Goldfeder einen schönen, sauberen Doppelstrich quer über das ganze Blatt hinüber,... Dann legte er einen Augenblick prüfend den Kopf auf die Seite und wandte sich ab...
Und der kleine Johann, zurückweichend, stammelte, indem er mit der Hand nach seiner Wange fuhr:
"Ich glaubte...ich glaubte... es käme nichts mehr..."

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Juliane Fuchs 21.06.2011, 12:13
23158.

Zitat von klappertopf
Die beschriebene Stelle hat folgenden Wortlaut:
Danke für die Mühe.
Weiter oben, das war ja Tys Deutung der Stelle.

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Ty Coon 21.06.2011, 13:49
23159.

Wenn ich aus meiner Erinnerung zitiere, bin ich natürlich nicht wortlautgetreu. Aber der Sinn sollte so hinhauen. So lag ich auch mit "Sie gehören hier nicht hin!" falsch, wie ich mich selbst auf YouTube überzeugen konnte: Reich-Ranicki hat gesagt: "Sie gehören hier hier nicht her!" Sorry für den Erinnerungsfehler, ich bin nicht Batman! :I

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