Forum: Kultur
"Lulu" in Salzburg: Geilheit ist die reinste Projektion
Salzburger Festspiele/ Monika Rittershaus

Die griechische Filmregisseurin Athina Rachel Tsangari inszeniert bei den Salzburger Festspielen Wedekinds "Lulu" als kluges, wunderschönes, sinnliches Konzepttheater mit drei Hauptdarstellerinnen - und wird dafür völlig zu Unrecht ausgebuht.

me-privat 18.08.2017, 15:42
1.

"...gibt es zu Unrecht viele Buhs..."
Zu Unrecht sicher nicht, Herr Höbel, sondern absolut zurecht.
Schließlich wird Theater für das Publikum inszeniert und nicht für "Kritiker"!
Bei 3Sat heißt es übrigens "Buh-Orkan"..., jedenfalls von den verbliebenen Zuschauern, die sich das Ganze bis zum Schluß angetan haben.

"...Dafür hat die Regisseurin den Salzburgern einen klugen, schönen, hochmusikalischen Rausch aus Bildern und Worten geschenkt..."
Anderen Kritiken zufolge hätten die Meisten gern auf dieses teure "Geschenk" verzichtet und stattdessen lieber Theater für das Publikum gesehen...

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niska 18.08.2017, 17:05
2.

Ich denke nicht, dass es zu unrecht viele Buhs gab. Das Salzburger Publikum hat ein sehr feines Gespür dafür, wann es eine außergewöhnliche Inszenierung zu sehen bekommt und wann es schlicht verarscht wird.
Nach dem was man so liest hat Tsangari die arme Lulu inhaltlich völlig ausgebeint und in einem Gagabällebad ertränkt. Achtung Spoiler: Selbst der Ripper wurde weggespart und die dreiuneinige Lulu musste sich gar selbst erschiessen. Man kann schon, wenn man es kann, bei einem Stück Freiheiten in der Inszenierung umsetzen. Aber nicht soweit, dass nur noch der Titel bleibt. Das ist Irreführung.
Man sollte aus der Lulu kein beliebiges Lalatheater machen.

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khs1959 18.08.2017, 17:08
3. Armselige Kunst

Gestatten Sie mir eine Frage. Haben Sie die Inszenierung gesehen? Ihr apodiktisches Urteil ("absolut zurecht") legt das zwar nahe, aber so ganz bin ich mir da nicht sicher. Nun, ich persönlich war nicht dabei und enthalte mich daher eines Urteils über die Leistung von Regisseurin und Schauspieler. Allerdings sind "Buhs" am Ende kein Indiz für den künstlerischen Wert einer Inszenierung oder eines Bühnenstücks. Die gab es beispielsweise auch zuhauf bei der Premiere des "Jahrhundertrings" in Bayreuth oder bei der Uraufführung von Strawinskys "Sacre" am 29. Mai 1913 in Paris. Wie armselig wäre Kunst, wenn sie immer und ausschließlich auf den jeweiligen Geschmack des Publikums abzielt.

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regula2 18.08.2017, 17:39
4. Opernkenner

Welcher Opernkenner käme auf die Idee, ausgerechnet das Salzburger Publikum zum Mass der künstlerische Bewertung einer Inszenierung zu machen?

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niska 18.08.2017, 20:13
5.

Zitat von regula2
Welcher Opernkenner käme auf die Idee, ausgerechnet das Salzburger Publikum zum Mass der künstlerische Bewertung einer Inszenierung zu machen?
Welcher Opernkenner käme auf die Idee, die Salzburger Lulu sei eine Oper?

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vincent-april 18.08.2017, 21:02
6. Der Sender einer Botschaft ist verantwortlich

dafür, dass seine Botschaft vom Zuhörer verstanden wird. So habe ich es als Grundregel der Kommunikation kennengelernt. Bei Regisseuren habe ich aber häufig erlebt, dass das, was Sie sich ausgedacht haben, beim Publikum nicht richtig ankommt. Sind deshalb alle Zuschauer dumm, oder liegt es vielleicht doch am Regisseur? Und was soll dieser Allsatz bedeuten: "Geilheit, zumindest die männliche, ist stets die reine Projektion." Ist das ein Versuch, einmal Sexismus gegenüber Männern zu versuchen?

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