Forum: Kultur
Mahnmal-Installation vom ZPS: Wieder zum Objekt gemacht
Christophe Gateau/ DPA

Das Zentrum für politische Schönheit hat ein "Mahnmal" aufgebaut - angeblich mit der Asche von Holocaust-Ermordeten. Die Künstler wollen vor Faschismus warnen. Tatsächlich entlarvt die Aktion, wie wenig es ihnen um dessen Opfer geht.

Seite 1 von 8
surfbosi 03.12.2019, 18:42
1. das ist eben

Aktionskunst. Da muß ja auch Aufmerksamkeit geschaffen werden. Ich finde es prima.
Ich habe den Eindruck, das schlimmste, was man in Deutrschland machen kann, ist gegen Regeln zu verstoßen.
Das ist ganz böse.

Beitrag melden
burlei 03.12.2019, 18:54
2. Liebe Frau Brüggemann

Stimmt, Sie haben recht. Es geht einfach nicht an, die Bürger heute immer noch auf die Verbrechen der Nazis hinzuweisen. Grade heute, wo die Brüder im Geiste dieser Mörder wieder dabei sind, "die Macht zu ergreifen", dazu mit freundlicher Unterstützung stramm konservativer Kräfte. Nein, da müssen wir uns doch ganz vorsichtig zurück halten, ganz im Sinne der damaligen und der kommenden Opfer. Es ist sinnvoll, sich über einen Texte zu echauffieren, der die Behauptung aufstellt, in der Säule wären tatsächlich die Überreste ermordeter Opfer der Nazis. Stimmt das? Das weiß außer dem Künstlerkollektiv wohl noch niemand. Genau so gut kann es eine Schüppe Restmüll einer aufgelassenen Abdeckerei sein, ein paar Kilo märkischen Sandes mit Holzstückchen oder sonst was. Nein, hier geht es einfach nur darum, abzulenken, die Diskussion vom Hauptthema (der Annäherung der CDU an die AfD-Clique zum Nachteil der Demokratie) auf ein Nebenthema zu verschieben (die "Totenruhe", die nur auf Grund einer Behauptung des Kollektivs gestört wurde). Bloß nicht diese Annäherung einer noch demokratischen Partei an die Nachfolgeorganisation der Massenmörder kritisieren. So etwas tut man nicht, denn schließlich geht es um Höheres. Um den Machterhalt einer geschichtsvergessenen "christlich-konservativen" Partei.

Beitrag melden
AxelSchudak 03.12.2019, 19:01
3.

Zitat von surfbosi
Aktionskunst. Da muß ja auch Aufmerksamkeit geschaffen werden. Ich finde es prima. Ich habe den Eindruck, das schlimmste, was man in Deutrschland machen kann, ist gegen Regeln zu verstoßen. Das ist ganz böse.
Ich fand es daneben. Regeln sind dazu da, das Zusammenleben erträglich zu machen. Wenn ich gegen die Regel verstosse, das sie ein Anrecht auf körperliche Unversehrtheit haben, oder die Regel des Datenschutzes verletze, in dem ich Bilder Ihrer Kinder samt Adresse veröffentliche, dann ist das auch "ganz böse".

Einige scheinen der Meinung zu sein, wenn es nur der "guten Sache (TM)" gilt, dann sind Regeln egal. Die Frage ist nur, wer bestimmt, was eine gute Sache ist. Das sieht die CDU oder AfD anders als das ZfpS oder Extinction Rebellion. Aus seiner oder ihrer ganz persönlichen und eingeschränkten Sicht auf die Welt fühlt sich jeder im Recht. Dennoch - oder genau deswegen - ist deswegen nicht jeder Regelverstoss zulässig.

Auch die Kunstfreiheit hat ihre Grenzen an den Rechten anderer - wobei hier wohl eher politische Aktion zu sehen ist und Kunst nur als Deckmantel verwendet wird.
Die Warnung ist gut, die Form der Warnung zumindest fragwürdig. Ich hoffe, dass das ZfpS nicht wirklich die Totenruhe von NS-Opfern gestört hat - auch wenn ich glaube, dass die meisten dem Ziel der Aktion und wohl auch der Verwendung ihrer irdischen Überreste zugestimmt hätten.

Beitrag melden
Vargk 03.12.2019, 19:07
4. Prima Souvenir

Das ZPS verkauft also mutmaßliche Asche von Holocausopfern? Ich mein, gut; also wenn ich Nazi wäre, würde das für mich ja eine Art Trophäe sein. Diese Aktion ist einfach wiederwärtig und überhaupt nicht zielführend. Ganz abgesehen davon, dass das mit "Schönheit" nichts zu tun hat.

Beitrag melden
Saure Gurke 03.12.2019, 19:10
5. Eine Warnung vor Faschismus ist von Nöten

Was Angehörige fühlen angesichts der behaupteten Verwendung von Asche der Ermordeten ist das eine, das andere ist doch, dass sich Juden wieder bedroht fühlen müssen in Deutschland. Die Shoah-Opfer wurden im 3. Reich entmenschlicht. Gedenken wir der Toten, schützen wir die Lebenden.

Beitrag melden
chrisge 03.12.2019, 19:12
6.

Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass das Zentrum für politische Schönheit Spenden sammelt mit in Plastik gegossenen NEGATIV getesteten Bodenproben. Das heißt, es werden nicht menschliche Überreste als Souvenir angeboten. Das ist ein wichtiger Unterschied. Und ganz ehrlich: Die Asche wurde z.B. in einem Damm verbaut, um dieses Verbrechen zu vertuschen. Sie jetzt als Teil eines Mahnmals gegen das Vergessen einzusetzen, gibt Würde und nimmt sie nicht.

Beitrag melden
klapo 03.12.2019, 19:16
7. Empfinde ich genauso

Da kann man nur den Kopf schütteln, selten pietätlose Aktion... Unter dem Motto "schau mal wie gruselig" wird hier ganz sicher kaum einer zur tieferen Auseinandersetzung mit dem Thema verleitet. Menschenverachtenden Zitaten der neuen Rassisten passende, aufwühlende Bilder oder Videomaterial aus der düsteren Epoche entgegengesetzt, das wäre mal eine Idee, aber dafür fehlt es wohl an Courage.

Beitrag melden
esune 03.12.2019, 19:18
8. Thema verfehlt

Völlig am Thema vorbei..die Wegbereiter der Rechten sind u.a. die, die an allem Widerstand noch was auszusetzen haben..

Beitrag melden
Wmeinberg 03.12.2019, 19:21
9. Sie empören sich also, dass die Ermordeten des Holocaust durch diese..

...intelligente Aktion des ZPS instrumentalisiert werden? Nicht instrumentalisiert, sondern in Erinnerung gerufen wird nach 80 Jahren erneut das Schicksal der Millionen unbekannter Opfer. In Erinnerung gerufen, dass dieses Land noch immer mit der Schande bedeckt ist und wir alle uns in aller Zukunft damit auseinandersetzen müssen. Egal, wo man gräbt, der Staub der Opfer ist allgegenwärtig.
Es ist eine Mahnung an alle, die meinen , die erinnerungspolitische Wende einleiten zu müssen. Eine Mahnung, die aktueller denn je ist!

Beitrag melden
Seite 1 von 8
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!