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Mainstream-Medien: Was denken Sie?
imago/ Frank Sorge

Lügenpresse, Entfremdung, Elfenbeinturm: Die Zweifel an der journalistischen Arbeit sind immer noch hoch. Wir möchten Ihre Meinung erfahren. Schreiben Sie uns und stimmen Sie ab.

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jeby 25.02.2018, 15:02
100.

Es wird zu viel Meinungsjournalismus betrieben. Fast jeder Artikel hört sich heutzutage an wie ein Kommentar oder eine Kolumne. Immer macht der Autor seine persönliche Meinung mehr als deutlich. Nie werden einfach nur die Fakten berichtet. Immer werden sie bewertet, wird dem Leser gesagt, wie er sie interpretieren soll. Es wird dem Leser nicht selbst überlassen, sich eine Meinung aufgrund der präsentierten Fakten zu bilden. Es wird immer belehrt, immer probiert den Leser dahingegen zu lenken, dass er das Gleiche denkt wie der Autor. Und da die meisten Journalisten im Großen und Ganzen den gleichen Werdegang haben und im gleichen Umfeld leben und die gleichen politischen Ansichten teilen, ist das Resultat ein sehr einseitiger Meinungsjournalismus.

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DieHappy 25.02.2018, 15:02
101.

Zitat von JaIchBinEs
... Bei jeder Nachrichtenübertragung (ich habe das studiert) gibt es Sender und Empfänger. Letztere ist für die Bewertung, also auch Einordnung der Nachricht selbst verantwortlich.
Und genau diesen Umstand hat der Forist eben selber ausführlich so dargelegt.

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xc6lx45 25.02.2018, 15:04
102. Mein Vertrauen in deutsche Journalisten...

... ist eigentlich ungebrochen. Was nervt, sind "Kolumnisten" - Provokation als Dauerzustand?
Für Künstler wäre das vielleicht OK, unter dem Mantel der Narrenfreiheit. Im Namen des Spiegels, der einst deutsche Politikgeschichte schrieb, ein trauriges Eingeständnis.

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teacher20 25.02.2018, 15:06
103.

Ich habe den Artikel in der gedruckten Ausgabe des SPIEGEL(s) gelesen und so halb erinnerte mich der Inhalt an Angela Merkels Reaktion auf die Kritik an ihrer Flüchtlingspolitik. Nicht ganz, sondern "halb", weil man neben der echt klingenden Ratlosigkeit (was kann denn daran falsch sein, Deutschlands humanitäre Verpflichtung gegenüber Geflüchteten anzuerkennen, die EU als grundsätzlich großartige Errungenschaft zu preisen, Macron als neue "Lichtgestalt" Europas auf den Schild zu heben etc? Antwort: alles – im Prinzip auch - richtig, aber die Crux daran ist, dass hier der Konsens und nicht der Zweifel, wie es sein sollte, als Basis journalistischer Arbeit gesehen wird, also permanent gegen den Grundsatz guter journalistischer Arbeit verstoßen wird, wie sie Hans-Joachim Friedrichs kurz vor seinem Tod in einem Interview – mit dem SPIEGEL! - formulierte: "Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten.") angesichts des „Liebesentzugs“ durch die "Intelligenz" (die Liebe des "Packs", der "Stammtische" und der nicht nur geistig "Abgehängten" hätte man sich ohnehin verbeten, da man dann gemäß des eigenen Selbstverständnisses ja ganz sicher etwas falsch gemacht haben musste) auch so etwas wie ein "In-sich-Gehen" zwischen den Zeilen spürte, vielleicht doch moralisch den Bogen etwas überspannt zu haben und zu sehr „meinungsbildend“ aufgetreten zu sein. An Angela Merkel erinnert der Artikel aber insofern, als er letztlich das Credo vertritt, in bestem Wissen und Gewissen in vermeintlich „alternativlosen“ Entscheidungs- und Bekenntnissituationen alles richtig gemacht zu haben, wenn diese Intention beim intellektuellen Konsumenten (sprich: dem als geistig satisfaktionsfähig angesehen Leser) auch nicht immer angekommen sein mag. Auch ein Zugehen auf die Klientel, über die man in den „überakademisierten“ Redaktionen leicht die Nase zu rümpfen geneigt ist, ist spürbar, wenn auch daraus auch schwerlich die Konsequenz gezogen werden dürfte, durch geerdete, "unakademische" Persönlichkeiten eine Situation vor Ort anders zu recherchieren als nur mit dem Blick eines (Sozial-)Biologen in eine leicht gruselige Laborversuchsanordnung.

Am Rande:
Im Artikel „Heldenbilder“ über die olympischen Winterspiele in der neuesten Ausgabe (S. 92) fiel mir – sensibilisiert durch die jüngste Berichterstattung über Sprachbilder – ein Satz auf, den ich hier zitieren muss:

„Egal, wo die adretten Cheerleader aus der Volksrepublik auftauchten, sie zogen die Aufmerksamkeit auf sich. Schaulustige umlagerten die jungen wie Zoobesucher den AFFENHÜGEL.“

Auch wenn dieser Satz erkennbar eher das Verhalten sensationlüsterner "Gaffer" kritisiert, hätte man der ideologischen Gegenseite eine solche Sprachverwendung nicht durchgehen lassen.

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zephyroz 25.02.2018, 15:07
104. Bevormundung

Ich zähle mich auch zum Bildungsbürgertum und rechne mich der Mitte zu. Es geht auch mir tierisch auf den Geist, daß es heute fast durchgängig in allen Medien Usus ist, die Menschen belehren zu wollen. Bestimmte Themen sind quasi schon vorbesetzt und wehe, wehe wenn einer auch nur einen Millimeter vom Gutmenschentum abweicht. Das führt auch bei mir dazu, daß die Glaubwürdigkeit aller Medien in eine ausgewogene Berichterstattung gleich Null ist, was besagte Themen angeht. Ich muß diese hier nicht erwähnen. Insofern kann ich gut verstehen, wenn breite Kreise der Bevölkerung keine Zeitung mehr lesen, den Nachrichten nicht vertrauen und eher bei Facebook geteilte Inhalte „von Freunden“ für wahr halten. Alle Journalisten sollten mal wieder runterkommen und den Menschen zuhören und nicht immer predigen!

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