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Mainstream-Menschen: Wo, verdammt noch mal, sind die Verrückten?
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Menschen, die jünger sind als 40? Die sehen doch alle gleich aus, denkt der Mensch über 40: Sie sind sauber, gesund, gutriechend, enthaart, leistungsfähig und unauffällig. Wie öde, wie ekelhaft. Wo sind all die Freaks geblieben? Wo sind die Gruftis, Skins und Punks?

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parlatan 16.06.2013, 15:53
370. ich habe da eine Theorie

1. Die schiere Anzahl an vernetzten Menschen die sich irgendwie kennen und gegenseitig überwachen können über das Netz od. sonstwie hat zugenommen.

Wir befinden uns in einem globalen Dorf. Was sie machen und tun weiss sofort jeder.

Da ist es nicht einfach reaktionär zu sein.

2. Für das "Reaktionär sein" braucht man einen Grund,
dieser ist in diesen Tagen nicht mehr so vorhanden wie in früheren Zeiten. Also gibt es auch weniger Reaktionäre.
Wogegen sollte man sich denn auch auflehnen?

Gut die Internetüberwachung, Kriege, Finanzoligarchie...
Gegen diese Feinde ist aber auch das Etablissement, die Medien, die Öffentlichkeit. Man hat nur keine Antworten, keine Lösungen.

3. Die Lösungen hat man auch nicht wenn man wie ein Punk reaktionär rumläuft. Man kann sich der Occupy Bewegung anschließen, verstehen tut das aber niemand, man kann das auch niemanden so recht erklären wie es weiter gehen soll, wie die alternativen aussehen.

Es gibt keinen Weg hier raus.

Das Problem ist bei allem unsere geistige Beschränktheit mit der wir der Komplexität der Welt nicht nachkommen.

Reaktionär sein bedeutet einfach, den weg mal anders gehen. Aber ohne zu wissen ob es besser ist.

Die Antwort der vielen Mainstream-Menschen ist hier allerdings klar wie Sie festgestellt haben.

"Ich habe keine Ahnung also bin ich"

Außerdem braucht man für krasse Gedanken keinen krassen Outfit. Denn, sich den ganzen Tag mit dem Outfit zu beschäftigen ist irgendwo auch schon scheisse ordinär oder?

Der Hauptgrund warum die meisten sich eigentlich unwohl fühlen ist die Enge. Es viel zu viele Menschen die sich auch noch gegenseitig überwachen.

Weniger ist hier mehr!!!
Weniger Menschen können auch weniger Scheisse bauen und reden.

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chinsa 16.06.2013, 16:08
371. Wer auf dem Zaun sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen....

In meinem Alter sind die Fünfzigjährigen das was die heutigen Zwanzigjährigen für die Dreißigjährigen sind - eine nachfolgende Generation mit merkwürdigen Verhaltensweisen. Darüber könnte man sich aufregen, man kann das aber auch lassen und es als völlig normal befinden. Um mich herum sind fast nur noch Leute, die jünger sind und ich finde es wunderbar, daß die nicht als Verhaltensklone ihrer Eltern agieren.

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Liebäugelnde_Habseligkeit 16.06.2013, 16:09
372. Empfehlung an Frau Berg

Zitat von sysop
Menschen, die jünger sind als 40? Die sehen doch alle gleich aus, denkt der Mensch über 40: Sie sind sauber, gesund, gutriechend, enthaart, leistungsfähig und unauffällig. Wie öde, wie ekelhaft. Wo sind all die Freaks geblieben? Wo sind die Gruftis, Skins und Punks?
Frau Berg, ich habe das Gefühl, dass alles, was sie suchen, in Leipzig zu finden ist ;)

Ich weiß ja nicht wo sie gerade wohnen, aber hört sich nach Frankfurt oder Hannover an.

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angry lurker 16.06.2013, 17:04
373. It's the soul, stupid...

Zitat von spon-xxx
..wie konnte das mißverstanden werden - ich habe doch im vorhergehenden Satz zu erkennen gegeben, dass das "Stylegewichse" langweilig, sinnentleert und öde ist. "Man findet jetzt" etc. war eine ironisch-distanzierte Zustandsbeschreibung.
Zum besseren Verständnis:

"Stylegewichse" bezog sich mitnichten auf die klassischen Subkulturen, die im Artikel nostalgisch gegen die Gegenwart in Stellung gebracht worden sind, sondern auf deine Vorschläge, mit für die persönliche Situation folgenlosen Hybridisierungen und neunmalklugen "ironischen Brechungen" dieser Ideen heutzutage etwas Orginelleres und Ungepassteres zu schaffen. Schau mal raus auf die Straßen der europäischen Großstädte: Genau DAS - diese Idee bildet spätestens seit den frühen 2000ern den Mainstream (und auch rein äußerlich ein nahezu einheitliches Bild) der zeitgenössischen, wirtschaftlich (etwas) gehobeneren Jugendkultur. Die alten Gegenbewegungen bestimmen im Gegensatz zu dem, was du meinst, den Mainstream heute überhaupt nicht (höchstens irgendwelche blassen Derivate, die für Chartfernsehen aufgepäppelt werden - als ob ein klassischer Punk Probleme damit hätte, zwischen Offspring/Green Day und den Dead Kennedies zu unterscheiden...), diese Leute ziehen zwar teilweise immer noch ihr Ding durch und bekommen immer noch "Nachwuchs", aber sie spielen in der öffentlichen Wahrnehmung überhaupt keine Rolle. Dass die heutige Jugendkultur/Netzkultur renitenter gegen marktwirtschaftliche Zwänge und gesellschaftliche Normen wäre als die Punks, Goths, Skins etc. der 80er Jahre, ist eine typisch hipstermäßig hinter wohlkingenden, aus geisteswissenschaftlichen Seminaren plagiierten Phrasen verborgene Verdrehung der Tatsachen. Um dieses Gerede als Augenwischerei zu entlarven, könnte man einfach eine statistische Erhebung unternehmen, wie sehr diese Leute im Vergleich zu den alten "Freaks" dazu bereit sind, sich im Äußeren und Inneren den Vorstellungen irgendwelcher Personaler anzupassen, wie sehr sie ihre Leidenschaften und intimen Bedürfnisse für bestimmte "Chancen" aufgeben würden, wie gut sie in der Praxis mit Lebensentwürfen aus anderen materiellen Verhältnissen und Bildungsniveaus umgehen können etc.

Was der Popkultur tatsächlich verloren gegangen ist, ist ein Moment der persönlichen SELBSTÜBERWINDUNG für deinen Spleen und für deine Träume (egal wie orginell das Ganze letztendlich ist), die Bereitschaft, gegen die Künstlichkeit, die dir von den ökonomischen Zwängen aufoktroyiert wird, deine eigene Künstlichkeit zu setzen, dich selbst in deiner Sterblichkeit zu erkennen und dich daraufhin folgerichtig zu vergeuden - für dich selbst, für deine Vorstellung von Leben, für deine Flamme usw. Sich einfach nur mit Samples aus den großen Pop-Bewegungen die eigene sosundso - Internetpräsenz aufzuhübschen, um ein bißchen rebellischer, kritischer oder was auch immer rüberzukommen, entspringt immer noch einer Logik des Zwangs, der Angst und der Isolation, die dann in der Folge zu einer öffentlichen Logik der Wichtigtuerei, des beständigen Dünkels wird.

Und nein, das ist nie und nimmer nonkonformer, als vieles, was es bereits schon gegeben hat.

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vognmand 16.06.2013, 17:05
374. Ja, die jungen Leute von heute...

...sehen nicht so Sch*** aus wie weiland wir
und beherrschen im Gegensatz zu uns damals den Umgang mit Seife und Deo.
Das ist doch ein Fortschritt in der Menschheitsgeschichte, oder, Frau Berg?
Sie wollen doch nicht ernsthaft von jungen Menschen verlangen, auf Ostermärsche
zu gehen, die der süßliche Odor der Verweseung umgibt, wie die Schlesiertreffen der Achtziger.
Oder auf matschigen Baustellen inmitten von greisen Zauseln in Jack-Wolfskin-Jacken
„Freunde schöner Kopfbahnhöfe“ oder ähnlichen infantilen Schwachsinn zu singen.
Nein, die meisten junge Leute sehnen sich nach einem Leben in einer kunstgewerblichen
Landkommune im Wendland so sehr, wie nach einem rostigen Nagel im Knie.
Das gleiche gilt für das lebenslange Beamtenverhältnis als Lohn der revolutionären
Mühen.
Sie wollen ein anderes Leben als die ewiggestrigen U40er, und das was Ihr hier alle bemäkelt und kritsiert wie Eure Altvorderen damals, ist ihre Rebellion - gegen Euch. Dabei will ich ihnen als 1970er, der natürlich damals auch aussah wie Kurt Cobain und genauso müffelte, auf diesem Wege viel Glück wünschen!

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Locusta 16.06.2013, 17:08
375. Die "politisch korrekte" Welt in mausgrau.

Zitat von sysop
Das, was der Mensch über 40 nicht mehr erträgt, ist die Uniformität der Menschen, die jünger sind als er. Er ist nicht neidisch auf die strahlenden Gebisse, die gestählten Körper, die uniforme Kleidung. Er findet es nur unendlich langweilig, wie sich alle zu einer großen, gesunden, komplett steuerbaren Einheit haben formen lassen.
In den USA konnte man Anfang bis Mitte der 1980er beobachten, wie individueller Kleidungsstil durch mausgrauen oder schwarzen "Businessanzug" (auch für Damen!) verdrängt wurde. Inzwischen haben wir diese Uniformität auch.

Die "uniforme, komplett steuerbare Einheit" war sicher gewollt.

Das wird in Unternehmen deutlich: Die Mitarbeiter sind auf engste Definitionsschleifen ("Hamsterräder") begrenzt. Individuelles Denken und Handeln– der "Blick über den Tellerrand" - ist derzeit unerwünscht. Verlangt wird der hirnlose Befehlsgehorsam - nicht gegenüber den Befehlen einer Person, sondern gegenüber sog. "Geschäftsprozessen".

Hirnloser Befehlsgehorsam gegenüber einer Person ist historisch belastet ("Führerbefehl").

Hirnloser Befehlsgehorsam gegenüber Geschäftsprozessen wird nicht hinterfragt. Geschäftsprozesse hält man für "objektiv richtig".

Von einer "komplett steuerbaren Einheit", die im Hamsterrad rennt, versprechen Scharlatane den Unternehmen die höchste Produktivität und Rendite.

Dem blindwütigen Streben nach Gewinnmaximierung wird alles untergeordnet. Uniformität, totale Kontrolle und Steuerung hält man für das probate Mittel zum Ziel.

Wenn man z.B. in der Mittagszeit durch ein Viertel schlendert, das durch Banken, Versicherungen und Beratungsgesellschaften geprägt ist, sieht man Damen und Herren aller Altersklassen in mausgrauen oder schwarzen Anzügen – vollständig uniformiert.

Man bekommt fast den Eindruck, man wäre auf einer großen Beerdigung.

Beerdigt wurden Individualität, Emotionalität, Kreativität, menschliche Großzügigkeit, Kollegialität, intellektuelle Fähigkeiten wie z.B. komplexes Denkvermögen …

Ersetzt wurden diese eigentlichen menschlichen Eigenschaften durch ein Kunstprodukt – die "Political Correctness".

Diese ist ein Konstrukt von Geschäftsprozessen zur uniformen Steuerung des zwischenmenschlichen Umgangs.

Dem kann sich keine Altersklasse, die noch im Erwerbsleben ist, entziehen.

Junge Leute empfinden dies möglicherweise als weniger gravierend, weil sie von Beginn ihrer beruflichen Tätigkeit nichts anderes kennengelernt haben.

Fehlende Rebellion kann man den Jugendlichen kaum anlasten.

Meine Generation wurde noch überwiegend in der Familie erzogen. Die Jugendlichen der 1950er - 1970er konnten sich individuell mit ihren Eltern auseinandersetzen.

Bei kollektiver, institutionalisierter Ganztagsbetreuung ist das kaum mehr möglich.

Bevor ein Kind noch in der Lage ist, die Welt aus individueller Perspektive zu erkunden, wird es einem gesteuerten Kollektiv - einem System - untergeordnet.

In einer uniformen, total gesteuerten Masse findet man Niemanden, der das System außer Kraft setzen könnte ohne von ihm sofort wirtschaftlich und persönlich "Schach Matt" gesetzt zu werden.

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Bondurant 16.06.2013, 17:24
376. Früher war alles besser

Zitat von sysop
Das, was der Mensch über 40 nicht mehr erträgt, ist die Uniformität der Menschen, die jünger sind als er.
Gern erinnert man sich da an die Zeiten 68 und danach, als die jungen Männer ganz individuell alle die Haare lang trugen und Parkas sowie Jeans sowie - wenn denn Sehhilfen nötig - ganz verschiedene Nickelbrillen. Hei, das waren noch Individualisten!

Zitat von
Wo, verdammt noch mal, sind die Verrückten? Die ... Gruftis ... die Punks, ...
Nun, nicht jeder vermisst die ständige Konfrontation mit scheinbar Erwachsenen, die angezogen sind, als seien sie zum nächsten Kindergeburtstag eingeladen.

Dagegen allerdings
Zitat von
Bermuda-Hosen und Polohemden.
sollte wirklich einmal vorgegangen werden, wie auch überhaupt gegen das zunehmende Bedürfnis, sich möglichst weit auszuziehen, obwohl man sich im öffentlichen Raum befindet. Auch in diesem Zusammenhang lässt die Rücksichtnahme auf den Mitmenschen stark nach. Eine Handreichung: früher hieß es - sehr richtig -: ein Mann sollte nach der Konfirmation im öffentlichen Verkehr keine kurzen Hosen mehr tragen. Das hatte etwas für sich.

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kaffeepause9h30 16.06.2013, 17:36
377. Also der Mainstream...

... der mir tagtäglich begegnet, ist i.d.R. tätowiert, ist ein ferngesteuerter Smartphone Junkie, der ohne dieses persönliche Navigationsgerät in der Lage ist eine U-Bahn zu finden, und der/die auch sonst ziemlich deppert ausschaut, wenn die letzte SMS oder Twitter 10 Minuten unbeantwortet bleibt. Sie vergessen alles um sich herum, wenn sie an ihrem Blackberry rummachen, egal wo sie gehen und stehen. Zuletzt hätte ich beinahe mit dem Fahrrad so ein blondes Barbie-Doofchen mit Navi und Knopf im Ohr über den Haufen gefahren. Die hätte ihren eigenen Crash vermutlich noch nicht einmal gehört....

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Bondurant 16.06.2013, 17:46
378. Sie sind

Zitat von kaffeepause9h30
Zuletzt hätte ich beinahe mit dem Fahrrad so ein blondes Barbie-Doofchen mit Navi und Knopf im Ohr über den Haufen gefahren.
aber hoffentlich nicht auf dem Gehweg gefahren. Das ist auch so eine höchst individuelle - andere sagen: antisoziale - Verhaltensweise, die stark zunimmt.

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sconsult 16.06.2013, 17:49
379. Und nicht zu vergessen, die Dicken Weiber mit...

der frechen Kurzhaarfrisur mit den bunten Strähnen und der lustigen roten Brille!
Gerne auch genommen die 08/15 Blondine im Mini, kennst Du Eine kennst Du Alle.
Die Verkäuferin mit den Pornonägeln und dem Tattoo an der DM Kasse,der Student mit der Beanie...würg...man kann's nicht mehr sehen!

Wo sind die Unangepassten geblieben?

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