Forum: Kultur
"maischberger. die woche" So muss man das machen
Peter Rigaud/ WDR

AfD-Gründer und Professor Bernd Lucke würde gerne wieder an der Uni lehren, aber Störer hindern ihn. Bei "Maischberger" gelang es ihm nicht, sich als Opfer zu stilisieren. Dafür entwickelte sich eine echte Debatte.

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irritation 24.10.2019, 03:52
1. Nationale Volkswirtschaft

Vorweg: ich mag Lucke nicht und halte seine Position (insbesondere zum Euro) für falsch.
Mir fällt auf, dass man bei einem Literaturnobelpreisträger Werk und politische Anschauung sehr gut trennen kann. Ein Hochschuldozent bekommt dieses Privileg nicht.
Generell sieht man hier nach meiner Meinung die subjektive Gerechtigkeit und deren Wahrnehmung. Wo, sich selbst links einordnende Studenten eine Lehrveranstaltung verhindern spricht man im Ton der Ehrfurcht von notwendigem zivilem Ungehorsam und feiert die mitdenkende, vielleicht doch nicht verlorene Smartphonegeneration. Ich frage mich, ob der Ton so glorifizierend wäre würde ein konservativer Studentenverbund eine Veranstaltung von (beispielsweise) Sarah Wagenknecht verhindern. Frau Wagenknecht hat zu Flüchtlingen mindestens genauso bedenkliche Aussagen von sich gegeben.
Man sollte Nazi sagen, wenn es ein Nazi ist. Ob Bernd Lucke einer ist? Ich weiß es nicht. Einfach jeden, der weiter rechts als man selbst steht, als Nazi zu bezeichnen, verwässert und schleift den Begriff. Das ist meiner Meinung nach vergleichbar mit der AfD Ansicht, die „Merkel-CDU“ wäre links-grün-versifft. Alles links der AfD ist nicht notwendigerweise kommunistisch.
Fazit: Feiert man die Engstirnigkeit, wenn sie einem passt, weil sie die eigene Meinung zulässt, ist man auf AfD-Niveau.

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spon_4_me 24.10.2019, 05:49
2. Ich verstehe nicht

dass Journalisten das hohe Gut der Meinungsfreiheit so fröhlich wegschenken können. Schon ein paar Jahre bevor das 3. Reich an die Macht kam, wurden linke und progressive Professoren durch rechts-nationale Studenten an der Durchführung ihrer Vorlesungen gehindert - mit zum Teil fast wortgleicher Begründung: Wer so und so rede, ja der dürfe sich über den gerechten Zorn der patriotischen Seele nicht wundern. Wisst Ihr das nicht oder ist es Euch egal, weil Ihr Euch immun glaubt gegen eine solche Entwicklung? Herr Lucke könnte gut und gerne vor leeren Bänken Vorlesungen halten, wenn die Studenten ihn boykottieren wollen. So wird sich zum Opfer stilisieren, wo er eigentlich nur eine tragi-komische Figur ist.

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stefan.p1 24.10.2019, 06:07
3. Lucke,wie man ihn kennt!

Suverän,und ein glänzender Rhetoriker. Dagegen wirkte der "streitbare" Restle eher wie ein pubertärer Schreihals der Lucke immer wieder unterbrach.Zum Glück saß dann noch N.Blohme in der Runde der Lucke in sofern Recht gab das er anmerkte das man hier in Deutschland schon ein dickes Fell braucht um seine Meinung, abseits des Mainstream, zu äußern.
Und Lucke als Rechtspopulist zu bezeichnen ist schon gewagt und zeigt einmal mehr das Problem ,das wir in Deutschland mit dem Großteil der Presse haben und schlussendlich ein Bestätigung von Luckes These ist.

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baronin 24.10.2019, 06:22
4. Das kann es nicht sein.

Eine brillante Kritik zu einer bemerkenswerten Sendung. Maischberger zeigte gestern, dass sich mit den ansonsten weitgehend ausgelutschten und oft bis ins Detail vorhersagberen Talkshow-Format noch etwas Gutes machen lässt. Ausgerechnet Spahn lobend zu attestieren, man wisse wenigstens, so Beisenherz, wer der Gesundheitsminister sei, ist allerdings grober Unfug. Weil er ein halbes Dutzend sinnlose bis irrwitzige aber medienwirksame Aktionen gebracht hat, bis hin zu Reisen in Drittweltländer um auf Billiglohnbasis PflegerInnen zu akquirieren, um das miese Gehalt und die lausigen Arbeitsbedingungen ourzusourcen statt in Deutschland etwas daran zu ändern: Das ist purer Wahnwitz. Dazu gehört auch die mit viel Getöse losgetretene, im Effekt statistisch vernachlässigtere Impfdebatte, oder ein teurer Forschungsauftrag, der nachweisen soll, wie unglücklich Frauen denn nun seien, die abgetrieben haben – weil es in einer längst vorhandene Studie offensichtlich zu wenige sind. In die gleiche Riege gehört Millionenverzocker Scheuer mit seiner zum Flop verdammten Ausländermaut, ein mittlerweile entsetzlich verwirrt scheinender und verwirrender Horst Seehofer oder eine Annegret Kramp-Kartenbauer, die in alter Tradition wieder mal deutsche Geistersoldaten ohne UN-Mandat in Geisterfahrzeugen mit Geistergewehren in Krisengebiete schickt, um "Verantwortung zu übernehmen". Bekanntheit ist für Politiker zu dem zentralen Kriterium geworden: Deshalb kommen doch in Mehrheit nur noch donnernde Windfürze aus Berlin.

Das kann es nicht sein!

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raoul2 24.10.2019, 06:32
5. Ja, so KANN man es machen -

aber man MUSS es nicht tun. Auch mit einer derart "leise" geführten Debatte werden die nicht nur mit ihrem faschistischen "Flügel", sondern auch einem allzu häufig auch menschenverachtend zu nennenden Grund-Denken mitsamt der dazugehörenden verächtlichen Sprache ausgestatteten AnhängerInnen der sogenannten "Alternative" sich in ihrer rechtsrechten Blase bestätigt fühlen.

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dasfred 24.10.2019, 06:43
6. Eigentlich eine schöne Zusammenfassung

Bis auf den letzten Satz. Was Lucke als Rechtspopulismus vorgeworfen wird, ist eine Entwicklung, die erst massiv wurde, als die Partei ihn ausgebootet hat. Bei Gründung der AfD haben alle Sender und Talkshows sich überschlagen, ihn in die Sendung zu bekommen. Was man ihm vorwerfen kann, ist seine Einstellung zum Euro. Das viele Rechtextreme und Neonazis die Lücke genutzt haben, die Partei zu unterwandern und zu übernehmen ist nicht Schuld von Lucke. Dagegen hat er sich öffentlich positioniert. Jetzt Lucke als Rechtspopulisten anzugreifen, lenkt doch nur davon ab, dass selbst nach seinem Austritt aus der Partei die wirklichen Rechtsextremen weiterhin ihre Bühne bekamen. Niemand hätte früher NPD Politiker zu Anne Will oder Plasberg eingeladen. Warum läd man jetzt NPD Vertreter unter anderem Namen? Bevor man nun hier Lucke für alle Übel dieser Welt zur Verantwortung zieht, sollten sich Medienschaffende erstmal an die eigene Nase fassen. Sie haben damals der Lucke AfD die Türen geöffnet aber diese Türen nicht wieder geschlossen, als sich hinter seinem Rücken der Mob in die Studios geschlichen hat. Mich erinnert der Umgang der Medien mit der AfD an eine außer Kontrolle geratene Teeny Facebook Party, zu der plötzlich hunderte ungebetene Gäste ins Haus platzen.

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b1964 24.10.2019, 07:22
7. Lucke vs. Restle

Ich habe die Sendung gesehen und habe (als häuufiger Grünenwähler mit linksliberaler Gesinnung) einen völlig änderen Eindruck der Diskussion empfunden. Restle überzog Lucke mit emotionaler, teilweise ereifernder Sprache, die Lucke genau in der Weise überspitzend angriff, wie Lucke es anprangert. Restle lieferte den Beleg für das Phänomen, um welches es ging, nämlich um den Meinungsabsolutismus in den jeweils (gefühlten oder suggerierten) Mainstreamkreisen. Lucke konnterte sachlich und beherrscht.
Man mag Lucke vorhalten, er habe seine AfD durchaus auch sehr rechtsgerichteten Personen geöffnet, um Wählerstimmrn und Macht zu generieren. Aber was unterscheidet ihn da von einer CSU, die rechts von sich keinen Raum lassen will? Man mag Lucke vorwerfen, er habe naiv gehandelt und sich zu spät distanziert. Aber dann sollte man das auch tun, statt in polemisch überzogener Weise in zu diffamieren. Restle exerzierte in der realen Welt genau den Mechanismus, den er selbst aus der virtuellen Welt kennt und (auch gegen seine Person) anprangert. Die Debatte näherte dich später nur sehr vage dem, um was es geht: "Was darf man noch sagen?" Das hat erst mal gar nichts mit Art 5 GG zu tun, denn die Bedrohung der freien Rede erfolgt eben dadurch, das in der öffentlichen und zunehmend auch privaten Debatte man für abweichende Meinungen sehr vehement, sogar geradezu vernichtend und ausgrenzend angegangen wird. Gerade auch außerhalb des Internet. Das gilt für viele soziale Millieus gleichermaßen.

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Suppenelse 24.10.2019, 07:39
8.

Ausgerechnet mit dem abgelatschten Prädikat „Rechtspopulist“ zu betiteln, ist ebenso armselig wie der Überschrift-Text „...sich als Opfer zu stilisieren“, denn dass er das getan hat im Zusammenhang mit seinen blockierten Auftritten an der Hamburger Uni, ist nicht bekannt. Hier werden die Tatsachen grob verdreht. Unterdessen liest man zwar in der FAZ, aber explizit nicht bei SPON, dass an derselben Uni auch Lindner ausgeladen, sind Veranstaltung mit Sahra Wagenknecht aber problemlos akzeptiert wurde.

So viel tendenziöse Voreingenommenheit ist einfach zu offensichtlich, sorry.

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b1964 24.10.2019, 07:41
9. Noch eine Anmerkung zu Lucke

Liebe Mitforisten: Es geht nicht um die Frage, ob Lucke rechtsradikal ist oder gar "Nazi". Das ist er nicht. Aber Lucke muss sich schon der Kritik stellen, dass er eine Partei aus der Taufe gehoben hat, die schon unter seinen (Mit-) Vorsitz durchaus bewusst sich weit rechts stehenden Mitgliedern öffnete. Man zielte von der Parteispitze nicht auf Nazis oder NPD (jedenfalls nicht offziell), sondern "nur" auf Leute vom ganz rechten demokratischen Rand (wie dies die CSU auch immer gemacht hat). Er war naiv, wenn er glaubte, auf dem Wege nicht auch als "Beifang" echte Nazis mit ins Boot zu holen. Andererseits sollte man auch würdigen, dass Lucke sich von der heutigen AfD distanziert. Warum sollte man das ausblenden? Das Lucke für viele eine Reizfigur ist, kann ich verstehen und er ist es für mich gerade wegen seiner Gegnerschaft zu einer Europäischen Haushalts- und Schludengemeinschaft auch. Und ich kann als jemand, der sich aktiv um die Integraton von jugendlichen Flüchtlingen engagiert hier mal erklären, dass man, sobald man auch nur irgend ein negatives Einzelerlebnis mit einem Flüchtling berichtet, in der realen Welt fast immer von Personen aus dem links-grünen Spektrum den Vorwurf des Rassisten ins Gesicht geschmettert bekommt. Ich halte das aus und denkem mir nur, wie DUMM derjenige ist. Aber viele andere halten das nicht aus und kommen dann nachvollziehbar zur der Bewertung, dass man nicht mehr alles öffentlich sagen darf. Wenn ich (was mir schon unfreiwillig passiert ist) unter AfD-Sympathisaten am Biertisch sitze und dort über die Integrationsarbeit für jugendliche Flüchtlinge rede, dann erlebe ich merwürdigerweise die persönliche Anfeidung nicht. Aber: gleichzeitig wird in übelster Weise über Flüchtlinge schwadroniert, dass man Lust und Kraft verliert, da überhaupt noch argumentativ dazwischenzugrätschen. Beides ist schlimm, aber irgendwie auch merkwürdig. Es ist meine ganz persönliche Erfahrung. Ich bin nicht in den sozialen Medien und habe keine Erfahrung, ob man mich im vermeintlich geschützten Raum doch mit Morddrohungen überziehen würde. Vielleicht...

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