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"Maischberger"-Talk zu Sprache: Peter Hahne verliert ein Wort
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Das ewige "Man wird ja wohl noch sagen dürfen!": In Sandra Maischbergers Sendung wurde dieses Mal hoffentlich klar, dass genau darüber nun echt nicht mehr diskutiert werden muss.

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ingo.adlung 03.05.2018, 08:19
20. Eine kleine Anekdote

Während Frau Krämer sich an der Sprache, Behörden und Firmen abmüht und gerne hätte, dass wir alle zu Professorinnen werden eine kleine Anekdote: während es in Deutschland bereits ein Unding war, Frauen mit Fräulein anzusprechen zog ich für ein paar Jahre nach Südamerika und musste mit Erstaunen feststellen, dass die Señorita dies nicht nur duldete, sondern geradezu einforderte, verband sie damit doch die Illusion, dass sie jugendlich genug aussehe um auch in fortgeschrittenem Alter noch als unverheiratet durchzugehen. Die Beleidigung in Deutschland war also anderorts eine Schmeichelei. Nun mag sich auch in Südamerika seitdem das Frauenbild gewandelt haben (?), aber es zeigt doch, dass unsere deutsche vermeintliche Lebens- und Sprachwirklichkeit keinen Absolutheitsanspruch hat und es richtig und falsch so nicht gibt. Mir fällt da das nette Wort des Zeitgeists ein. Vielleicht entspannt dies die eine oder andere Diskussion, auch wenn ich es bezweifle.

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manitoba 03.05.2018, 08:28
21. Andere Sendung?

Natürlich hat die Autorin keine andere Sendung gesehen, aber man liest deutlich heraus, welcher politischen Richtung sie zugeneigt ist.
Ich fand Frau Bücker hochnäsig und arrogant, Frau Krämer zum Fremdschämen.

Klar ist doch hoffentlich, dass sämtliche "gendergerechten" Schriftsprachverschwurbelungen - angefangen beim Binnen-I über Sternchen bis zu den merkwürdigen -x-Endungen - nicht den geltenden Regeln entsprechen und würden Schüler sie in einem Diktat verwenden, dies ihnen als Fehler angerechnet werden müsste.
Vielleicht sollte man sich erst einmal einigen, was man eigentlich will?
Denn klar ist ein weiteres: Sprache muß sprech-, schreib- und lesbar bleiben, auch für die, die nicht im 27. Semester Sozialpädagogik studieren oder Chefredakteurin eines bisher weitgehend unbekannten und unbeachteten Online-Magazins sind.
Die "gendergerechte" Sprache ist in der vorliegenden Form nicht nur pseudo-elitär, sondern vor allem diskriminierend und ausgrenzend gegenüber jenen, die für solche Dinge gar keine Zeit haben.

Ein Zigeunerschnitzel ist eben ein Zigeunerschnitzel. Millionen Menschen kennen diesen Begriff und verbinden mit ihm ein sehr klares Bild des Produktes. Wie ein Stuhl ein Stuhl und ein Tisch ein Tisch ist.
Hat man überhaupt empirische Daten zu der Frage, ob sich hier lebende Sinti von dem Begriff "Zigeunerschnitzel" tatsächlich diskrimiert fühlen? Oder sind das einfach nur die Spinnereien einer zu Unrecht von sich selbst überzeugten Pseudo-Elite?

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touri 03.05.2018, 08:29
22.

Zitat von noalk
Ich halte das für überflüssige Umstandskrämerei. Am Montag war in der SZ ein Artikel zum Thema gebührenfinanzierter ÖR-Rundfunk und die Zukunft der ÖR-Sender zu lesen, in dem die Autorin zwar von "Zuschauern und Zuschauerinnen" und "Bürgerinnen und Bürgern" schrieb, es bei den Sendern aber nur "Mitarbeiter" und keine "Mitarbeiterinnen" gab und die Gremien sprachlich auch nur männlich besetzt waren. Kuzum: Ein wüstes Mischmasch von geschlechtergerechtem und geschlechterignorierendem Sprachgebrauch. Ich gebe außerdem zu bedenken: Die Worte "Fachkraft" und "Person" sind Beispiele für Worte weiblichen Geschlechts, die (auch) auf Männer angewendet werden. Wenn schon geschlechtergerechte Sprache, dann sollte man daher künftig von "der Fachkrafter" oder "der Personer" sprechen. Und: Wie sieht's im Ausland aus? Englische Sparache: alles männliche Form. Französisch: Genauso. Nur die deutschen Frauen scheinen damit ein Problem zu haben. Minderwertigkeitskomplex?
Ganz ehrlich, mir wäre es egal ob männliche oder weibliche Form, von mir aus auch alle paar Jahre mal tauschen, man soll sich nur mal entscheiden.

Was mir gegen den Strich geht ist einen Text zu lesen/schreiben wie:

"Alle Kollegen/innen mögen sich beim Betriebsarzt/der Betriebsärztin melden bevor sie die Fortbildung zum Brandschutzhelfer/der Brandschutzhelferin absolvieren."

Sorry, da hörts bei mir dann auch auf, wenn ich einen Text auf die doppelte Länge aufblasen muss ohne dadurch etwas zum Inhalt hinzuzufügen nur um möglichst "Gendergerecht" zu sein.

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norgejenta 03.05.2018, 08:31
23. die Diskussion über das Ganze ..

erinnert mich an den grossartigen Film "Schindlers Liste". Da sagte mal Ben Kingsley. " Müssen wir eine völlig neue Sprache erfinden? "....

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muellerthomas 03.05.2018, 08:32
24.

Zitat von ingo.adlung
Mir fällt da das nette Wort des Zeitgeists ein. Vielleicht entspannt dies die eine oder andere Diskussion, auch wenn ich es bezweifle.
Man könnte ja mal testen, wie entspannt umgeehrt die deutschen Männer wären, wenn überall nur noch "Sehr geehrte Frau/Liebe Kundin/Arbeitnehmerin/ etc." zu lesen wäre.

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jeze 03.05.2018, 08:32
25. Nachdenken!

Zitat von bullermännchen
Der Vergleich war sehr treffend, wenn wir ab sofort alles im Femininum schreiben und sprechen würden, wie würden wir Männer reagieren?
Den Männern wäre das völlig egal, genauso wie es umgekehrt dem Großteil aller Frauen auch egal ist, dass es ist, wie es ist.

Aber es wird ja eben nicht alles im Maskulinum geschrieben, sonderm im *generischen* Maskulinum. Dass nun einige Frauen und Männer nicht in der Lage sind diesen Unterschied zu erkennen, ist deren Problem.
Rein semantisch betrachtet sind beim generischen Maskulinum Frauen und Männer gemeint - Problem gelöst.

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hr.schnackermüller 03.05.2018, 08:37
26. Es ist noch nicht lange her

Da wurde z.B. im Sport der Begriff "Landsmännin" verwendet.

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lautlos 03.05.2018, 08:38
27. Journalismus

Für mich ist es kein Journalismus einfach die Position des Gender-Lehrstuhls zu übernehmen. Denn egal wie man zur gendergerechten Sprache steht, Widersprüche gehören zu jeder These. Und es wäre Aufgabe der Journalistin diese Widersprüche zu beleuchten. Statt dessen macht man Diskutanten zu lächerlichen Tölpeln. Jeder kennt aus eigener Erfahrung die Selbstgerechtigkeit der Jugend. Aber bitteschön in der Schülerzeitung, nicht beim SPIEGEL.

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Emma Woodhouse 03.05.2018, 08:38
28.

Zitat von straksine65
Es kommt nicht darauf an, was ich sage, sondern was ich tue. In einem Land wo zig- Tausende weder richtig lesen, noch schreiben können, ist es mir vollkommen egal, ob jemand ein Zigeunerschnitzel ......
Ich beurteile Menschen zunächst auch danach, was sie wie und wann sagen. Der jeweiligen Situation angemessenes sprachliches Ausdrucksvermögen zeugt von Fähigkeit zur Reflexion sowie Empathie.

'Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen. ...' (Talmud)

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jovanni 03.05.2018, 08:42
29. Toleranz und Meinungsvielfalt

Meine Güte, wie oft muss das noch gesagt werden, bis alle BelehrungsjorunalistInnen das akzeptieren: Ein großer Teil, wahrscheinlich die meisten deutschen Sinte bevorzugen das Wort Zigeuner, den Doppelbegriff Sinti und Roma lehnen die allermeisten ab! Der ganze Hype wurde von einer Handvoll Aktivisten ausgedacht und über die Köpfe der deutschen Minderheit hinweg propagiert. Dieser, durch bevormundende Sprachhygiene betriebene oberflächliche Antirassismus hat mehr geschadet als geholfen. Er schüchtert vielmehr einen Großteil der Bevölkerung ein und verhindert vielmehr den dringend notwendigen Dialog.
Man kann über Sprache streiten, es gibt aber viel weniger objektive Wahrheiten, als einige Besserwisser behaupten, deshalb ist auch hier Toleranz und Meinungsvielfalt angesagt. Übertriebene Sprachhygiene fördert Ausgrenzung und Hass.

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