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Mangelnde Menschlichkeit: Wir werden einsam sein
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Hauptsache, der nächste Handyfilm wird gut: Wenn es im echten Leben nicht rund läuft, inszeniert man sich im Netz eben neu. Und die Oma wird in ein Heim im Ausland abgeschoben.

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weltraumschrott 18.11.2017, 18:39
50. Meine volle Zustimmung!

Zitat von olli0816
Zugegeben, durch die neuen Medien ist die Kommunikation anders geworden, meinetwegen auch unpersönlicher, weil man sich nicht mehr gegenüber sitzt. Die Dorfkneipe ist nicht mehr Mittelpunkt der Erde, die wurde durch das Internet und in naher Zukunft höchstwahrscheinlich durch Virtual Reality oder was sonst noch kommen mag ersetzt. Als inzwischen älterer Mensch mit 51 Jahren tue ich mir bei neuen Sachen vielleicht hier und dort schwer und denke darüber nach, wie es früher gewesen ist. Familien waren bis 1950 noch größer, aber ich kann mich nicht erinnern, dass dies so häufig in den 70ern, wo ich aufgewachsen bin, der Fall gewesen wäre. Großartig mitfühlender waren die Leute auch nicht. Es gab viel mehr arme Menschen. Es gab auch ohne Computer viele einsame Ältere (meine Mutter hatte sich in den 80ern um zwei gekümmert). Der Unterschied war eher, dass man durchschnittlich nicht so alt geworden ist und viele Krankheiten, die heute vielleicht nicht heilbar sind, aber sich entsprechend herauszögern lassen,einen länger leben lassen. Die Arbeitswelt war sicher nicht besser, man mußte mehr Stunden arbeiten, viel mehr körperliche Arbeit, was viele Leute kaputt gemacht hat. Viele Alte mußten bis zum Schluß mithelfen, aber das war vor meiner Zeit. Gleichwohl kenne ich die Geschichten von damals alten Menschen, die zwischen 1890 - 1920 geboren wurden und das miterlebt haben. Kinderlandverschickung zu Arbeit gabs auch - heute unvorstellbar.
Ich bin ebenfalls in den 1970er Jahren aufgewachsen und da war es bereits ungewöhnlich, dass eine Familie aus Großeltern, Eltern und Kindern bestand. Meine Eltern waren beide berufstätig, aber Oma war zuhause, hat gekocht und Kinder betreut. Aus meinem Freundeskreis kannte ich das aber überwiegend nicht, nur Familien mit Landwirtschaft lebten noch so. Und der Lebensstandard, der heute erwartet wird, hatten damals wirklich nur die Wohlhabenden. Trotzdem empfanden sich die Menschen nicht als arm, hatten sie doch genug zu essen, ein Dach über dem Kopf und im Sommer konnte man es sich leisten, mit der Familie Campingurlaub zu machen - in der Umgebung, wohlgemerkt, nicht im Ausland. Einsame Alte gab es auch damals schon, aber sie wurden halt nicht so alt. Die Ansprüche waren damals generell niedriger, materiell sowieso, aber moralisch eben auch...

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der_weisse_wal 18.11.2017, 18:51
51.

Ich hoffe auf Roboter als Pflegepersonal. Sie werden mich nicht für das Altsein verurteilen, mich nicht vernachlässigen, mich nicht beschimpfen und mich nicht mishandeln.

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karlsiegfried 18.11.2017, 19:25
52. Alter Wein in neue Schläuche

Einsamkeit gibt es seit Menschengedenken. Grossfamlien funktionieren nur, wenn sich die Mehrzahl dem Oberhaupt unterwirft. Und die lieben Kinderlein so oft genug auch nicht die Riesenfreude, weil sie nur Erbe warten und ihre eigenen Probleme mit ihrer eigenen Familie haben. Die Alten waren schon immer ein Problem und nicht erst heute. Frage an Frau Berg: Wo ist denn die von Ihnen angestrebte heile soziale Welt zu finden? Machen wir uns doch nichts vor. Diese gibt es nur in Einzelfällen oder im Märchen.

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yor 18.11.2017, 19:28
53. Oh, wie ist es kalt geworden...

...Und so traurig öd und leer.
Raue Winde weh'n von Norden
Und die Sonne scheint nicht mehr.

Menschen, die keine sehr gefestigten Persönlichkeiten sind, ist anzuraten, die Berg'sche Kolumne spätestens nach der herbstlichen Zeitumstellung zu meiden und erst wieder am nächsten Ostersamstag aufzusuchen.

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pensa 18.11.2017, 19:45
54. Nicht nur in Deutschland

Die Welt ist rauer geworden und die Einsamkeit der alten Menschen ist auch im Ausland , wo ich seit vielen Jahren lebe immer staerker zu spüren, wobei in der Tat mich hat der schnelle Wandel in Deutschland in der Hinsicht recht geschockt.
Die Gesellschaft wird rasant älter und hat es nicht verstanden ,dass sie das Problem der Senioren und deren Angehörigen in Zukunft weder finanziell noch menschlich in der jetzigen Form im Griff bekommen kann.
Es muessen einfach Ersatzstrukturen fuer die Familie wieder her , damit weniger Ressourcen benoetigt werden und damit die die Generationen in Frieden miteinander leben koennen.
Nur die Gegenseitige Hilfe und das Miteinander liebevoll umzugehen wird uns vor einer Katastrophe retten.
Wir haben nur diese Wahl und keine Andre.

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bold_ 18.11.2017, 20:02
55. Diese Zeit ist die schrecklichste aller Zeiten

Glaube ich nicht!

Frau Berg will ja schließlich noch viele weitere triste Kolumnen verfassen nach dem Motto "Besser wird's nimmer, schlimmer wird's immer."

Beim Schreiben verschreibt sich Frau Berg der Tristesse, ist der Artikel veröffentlicht, delektiert sie sich an den tumben Kommentaren. Es handelt sich also um eine gewollte, flexible Bewußtseinsspaltung!

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maxgil 18.11.2017, 20:04
56. Die

Analyse ist durchaus gut, wir moralisch Intakten wundern uns, was so möglich ist heutzutage. Das Problem ist wohl, das viele den Kantschen Imperativ entweder nicht kapiert oder aber, was wahrscheinlicher ist, noch niemals etwas davon gehört haben. Da rächt sich die liberale 68er Mentalität: wir haben uns alle lieb und verstehen auch die widerwärtigsten Dinge. Klappt leider nicht. Es gibt offensichtlich gewisse gesellschaftliche Gruppen, die knallharte Regeln brauchen, und die gibt es nicht mehr:
Der Serienstraftäter wird nach Erkennungsdienstlichen Massnahmen frei gelassen, der unter 14 Jährige nach Straftaten zu seinen Eltern zurück geschickt, die den möglicherweise zum Klauen angestiftet haben. polizisten werden mit Gehwegplatten oder gar Molotowcoktails beworfen, den Tätern passiert nix. Diese Gesellschaft hat komplett ihren inneren Kompass verloren, Toleranz um jeden Preis (s. grüne im Umgang mit Radikalislamisten, einfach nur noch krank) und wenn dies die Abschaffung der eigenen Identität bedeutet. Nein, wir sind nichts Gemeinschaftliches nur weil wir zufällig in D mit deutschen Eltern geboren wurden. Aber einmal hier geboren und dazu gehörig sollten wir zusehen, dass das, was unsere Vorfahren hier unter grössten Anstrengungen erschaffen haben, auch erhalten können. Im Augenblick, auch aber nicht nur durch Merkels katastrophale Grenzöffnung, sieht es nicht danach aus. Neue Köpfe braucht das Land und eine klare Zero Tolerance Politik. Dann könnten wir noch die Kurve kriegen, allein mir feht der Glaube.

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mikhop75 18.11.2017, 20:08
57. Was die Kirchen nicht schaffen, schaffen Sie!

Liebe Frau Berg,
Ihre Beiträge finde ich immer toll, sie sind einfach so schön ausformuliert. Im Prinzip zitieren Sie ständig den Subtext von Jesus - und wow - was Sie sagen ist somit nix neues, aber kein Wunder, wenn sich immer weniger für die Inhalte der Bibel und des Christentums interessieren. Wenn Sie sich nun öffentlich als Christin outen - was sie ja vielleicht schon sind - dann schließt sich der Kreis. Auf die Konsequenzen wäre ich gespannt! Trauen Sie sich!

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3-plus-1 18.11.2017, 20:09
58. Was heisst Abschieben?

Schwer demenzkranke Menschen zu pflegen ist ein 24-Stunden-Job. Wer das als Kind versucht, muss seinen Beruf aufgeben (also genau das, was man kann), um dann für vielleicht 20 Jahre nur noch von der Sozialhilfe zu leben (also in purer Armut) und rund um die Uhr zu Pflegen (ein Job, den man eben NICHT gut leisten kann) und dabei keine Dankbarkeit sondern zumeist Wutausbrüche der Pflegepersonen zu ernten. Ein direkter Weg in Burnout, der mit dem Tod der gepflegten Eltern nicht selten in den Suizid führt.

Daher ist in Pflege Geben eben auch einfach eine rationale Entscheidung was man leisten kann und wo die Grenzen liegen. Bei der Arbeit sagt man ja auch nicht "Chef, ich muss nicht schlafen, gib mir Aufgaben für rund um die Uhr ... und, ach ja, Gehalt brauche ich auch keins mehr. Behalten Sie es zum Besten der Firma".

Wer glaubt, dass das früher anders war, lebt in einer Phantasie. Klar, wurden die Alten auf dem Altenteil des Hofes versorgt. Wenn aber Erntezeit war, sind alle rausgefahren und haben geholfen und gearbeitet. Da konnte man nicht sagen, och, Ernte lass ich mal sein, wir müssen ja zweimal Oma und zweimal Opa pflegen. Denn wer das gemacht hätte auf dem Hof, wäre schlicht im nächsten Winter verhungert.

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holger.heinreich 18.11.2017, 20:15
59. Ja, ja, ...

Wenn ich da an meine Großmutter denke, diese widerlich neugierige Frau, die jeden Tag am Fenster hängt um die Nachbarn in ihren Häusern zu bespitzeln und ihre Angehörigen zu überwachen, diese Frau, die selbst über die eigene Tochter und den Schwiegersohn bei den Nachbarn schimpft, diese Frau, die meint, weil der Enkel einen schlimmeren Bruch hatte als sie, sich bei ihrer Tochter, die Krebs überlebt hat und eine Totaloperation hinter sich hat, hat als krank und gebrechlich aufzuspielen und die Leiden ihrer Tochter klein reden zu dürfen, die kein Bitte und Danke kennt, Leute auf das Übelste beschimpft und freundlich tut, wenn die Opfer ihrer verbalen Entgleisungen da sind, und die meint, daß jeder ihre Begierde über andere hinter ihren zu hetzen teilen muß, verdient die Tankstelle. Diese Frau zu pflegen würde ich niemanden zumuten wollen und meine Mutter kann das nicht machen und wird das nicht machen. Und ich werde mir diese Frau auch nicht antun und ich fühle dabei nichts anderes als Stolz und keine Scham. Ich empfinde nur Scham, daß so Unmensch mit mir verwandt ist. Sie können aber gerne meine Großmutter haben und pflegen, sobald sie der Pflege bedarf. Ich plane sie gerne als Pflegekraft ein. Sie dürfen zuvor aber auch gerne erste Erfahrungen sammeln, wie es ist mit solchen Menschen unter einem Dach zu leben. Ich bin gespannt, ob sie dann noch jemanden pflegen wollen im Namen barbarischer christlicher Ideologie.

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