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Martin Scorseses "The Irishman": Alter, weiser Mann
Netlfix

Zwei Hollywood-Veteranen kommen zu Netflix: Regisseur Scorsese und Robert De Niro haben "The Irishman" gedreht, wohl das letzte ihrer großen Mafia-Epen - und ihr teuerster, längster und traurigster Film.

dinnyc 14.11.2019, 16:20
1.

Das ist vermutlich die negativste Kritik, die ich zu dem Film gelesen habe. Bei Rotten Tomatoes hat der Film ansonsten eine Kritikerbewertung von 96% Fresh. Ich freue mich darauf, den Film am Freitag in einem Broadway-Kino in New York zu sehen - für die ganzen Superhelden-Filme würde ich nicht ins Kino gehen, da verstehe ich Scorsese voll und ganz

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hdudeck 14.11.2019, 16:46
2. New Yorks Stadtteil Little Italy

besteht nur noch aus ein paar Strassen rund um Mulberry Street, der Rest ist inzwischen von China Town aufgesaugt worden. Heute findet man Little Italy nur noch in der Mullberry Street und in der Grand Street. Die halten sich dort auch nur noch wegen der Touristen, die das Italianische Flair suchen. Und selbst deren Tage scheinen gezaehlt zu sein.

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Stereo_MCs 14.11.2019, 16:47
3. Manches?

Zitat Artikel:
Manches spricht dafür, dass Sheerans Schilderungen (Hoffa Killing) großteils nicht der Wahrheit entsprechen, dass er sich selbst zu einem Killer stilisierte, um seine Memoiren verkaufen zu können.

Das ist aber eine ziemlich steile These des Autors. Sheeran hat sich nicht zu einem Killer stilisiert, sondern war ein 100%iger Killer von Bufalino bzw. für die Teamster, sprich Hoffa.

Nicht umsonst, war Sheeran immer der Topp Verdächtige für das FBI. Da hätte es gereicht einfach seinen Wiki Eintrag zu lesen,
unterfüttert mit ein wenig Bewegtbild:

https://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Sheeran
https://www.youtube.com/watch?v=wFRXQh1QU10

Jedem der weiß, dass GoodFellas und Casino mehr haargenaue Dokumentationen über die Fälle waren als Spielfilme,
sollte eigentlich klar sein, dass wenn Scorsese sich da aus dem Fenster lehnt, dass da auch was dran ist.

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vera gehlkiel 14.11.2019, 17:09
4.

Leider muss man konstatieren, dass sich Scorsese mit überflüssigen Als-ob Movies Marke "Departed" (mein Gott, ist der grosse Jack Nicholson in dem Ding grauenvoll schlecht!) und "Gangs of New York" (welch unverzeihliche Verschwendung der großen Schauspielkunst Daniel Day-Lewis'!) selbst in die Kategorie "digitaler Freizeitpark" katapultiert hat. Was ich als enttäuschte Geliebte, aus dem Kino wankend wie Sharon Stone nach dem goldenen Schuss in "Casino", zu dokumentieren hätte. Gegen Zac Snyder auf dessen Terrain sieht auch unser "Marty", der Gott des Weltkinos als eigenständige Kunstform von "Taxi Driver" und "Raging Bull" bis zum unerhört perfiden "Cape Fear", ein bisschen aus wie der überforderte, vergeblich böse wirken wollende Opa aus "About Schmidt". Trotzdem: als ich unlängst wg." Haben alle schon geguckt" den fatalen Selfhater -Porno "Joker" durchlitt, und der abgestandene Popcorn- Geruch mir fast die Tränen in die Augen trieb, sehnte ich mich die ganze Zeit nur danach, dass es vielleicht doch ein Episodenfilm ist, und gleich Scorseses Abschnitt kommt. Letzte Rechtfertigung des großen Meistererzaehlers zur immer wieder wie ein Weltgesetz heillos auskristallisierenden und dann in sich zusammenbrechenden toxischen Männlichkeit war dann allerdings 2016 "Silence" - ein Meisterwerk! Solitär, atemberaubend gegen jeder Erwartungsstrich gebürstet, eine Neuerfindung des moralischen Kinos, mit dem Scorsese einfach mal seinen grossen Antipoden Spielberg unterhakte, die Kupplung kommen ließ und über die Klippe rausschoss, wie einstmals die beiden sich selbst detoxikiert habenden Frauen in "Thelma & Louise"...

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Peter Boots 15.11.2019, 23:31
5.

Zitat von Stereo_MCs
Zitat Artikel: "Manches spricht dafür, dass Sheerans Schilderungen (Hoffa Killing) großteils nicht der Wahrheit entsprechen, dass er sich selbst zu einem Killer stilisierte, um seine Memoiren verkaufen zu können." Das ist aber eine ziemlich steile These des Autors. Sheeran hat sich nicht zu einem Killer stilisiert, sondern war ein 100%iger Killer von Bufalino bzw. für die Teamster, sprich Hoffa. Nicht umsonst, war Sheeran immer der Topp Verdächtige für das FBI. Da hätte es gereicht einfach seinen Wiki Eintrag zu lesen, unterfüttert mit ein wenig Bewegtbild...
Sheeran ist voll und ganz nicht glaubwürdig, wie es schon seit Jahren hier in den US gesagt wird, und in der englischsprachigen Wikipedia auch so steht.

Das Video auf YouTube wurde vom Autoren des Buches auf dem der Film beruht, Charles Brandt, gemacht weil sein Verlag es sonst nicht veröffentlichen wollte. Das ganze Video wurde nie veröffentlicht, und der FBI Agent Andrew Sluss, der damals schon 15 Jahre lang die Hoffa Untersuchung leitete, sah das ganze Video 2008. Sein Kommentar: “Seeing is believing, except in this case, then seeing becomes disbelieving... The video I saw of Sheeran was a laughable, sad, desperate attempt to create a record.” (Jack Goldsmith am 26. September dieses Jahres im renommierten 'New York Review of Books' https://www.nybooks.com/daily/2019/09/26/jimmy-hoffa-and-the-irishman-a-true-crime-story )

Der in Philadelphia geborene Journalist und Autor Bill Tonelli, der lange auch dort lebte, schrieb in 'Slate' über 'The Lies of the Irishman' https://slate.com/culture/2019/08/the-irishman-scorsese-netflix-movie-true-story-lies.html. Mehr über Philadelphia und den Mob dort von Tonelli im 'Philadelphia Magazine' https://www.phillymag.com/author/bill-tonelli.

Und "GoodFellas und Casino mehr haargenaue Dokumentationen über die Fälle waren als Spielfilme"? Die Filme beruhen zwar auf Büchern, aber in den Filmen wurde, wie es ja auch immer im Abspann heisst, "...Dialoge und Handlungen erfunden ... Personen erfunden oder mit anderen kombiniert..." oder wie auch immer das in DE übersetzt wird.

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vera gehlkiel 15.11.2019, 19:18
6. @Peter Boots

Ich finde, allzu viel sollte man bei adaptieren Drehbüchern gar nicht auf die "realitaetsnahe" Umsetzungen geben. Ein psychopathisches Ehedrama, das alle Abgründe der menschlichen Natur von zu stark angepassten Heterosexuellen komplett auslotet, wie "The Shining", kann durchaus einer relativ umständlichen Spukhotelvorlage von Stephen King entstammen, etc. "Raging Bull" hat Jake La Motta zum unsterblichen Boxer wie Muhammad Ali gemacht, wenn man seine zugrundeliegende Autobiographie gar nicht gelesen hat, gilt das trotzdem. Ich hab Nabokovs "Lolita" nie gelesen, kenn aber sogar mehrere grandiose Verfilmungen des Stoffes. Dieses 'Rechten' um Wahrheiten über Charaktere, deren innere Wahrheit überhaupt keine Tragfähigkeit außerhalb des Kinos benötigt, scheint mir zumeist eine miese Kompensation für schlecht ausgeführtes Design an den auf der Leinwand erscheinenden Kunstfiguren zu sein. Ein "Obi Wan Kenobi", an sich nur als Schwertschwinger in einem reinen Abenteuerstreifen konzipiert, kriegt so unversehens den Haufen pickliger Verwandtschaft, die einem jede Lust an der obszönen Unvermitteltheit der Originalfigur verdirbt. Genauso halt "Joker" und sein alter Ego "Travis Bickle". Erzeugt "Taxi Driver" durch den streng wissenschaftlichen Reduktionismus, mit dem Meister Scorsese die Informationen radikal verknappt, diesen furchtbaren Sog nach vorn, der einem noch beim dreiundvierzigsten Anschauen nur den Atem stocken lässt, dehnt sich bei "Joker" schon nach zwanzig Minuten die Zeit wie bei einem aufgezwungenen Besuch in der Psychiatrie bei einem Arbeitskollegen, den man sowieso noch nie leiden konnte.

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lediglich 15.11.2019, 21:35
7.

Zitat von dinnyc
Das ist vermutlich die negativste Kritik, die ich zu dem Film gelesen habe. Bei Rotten Tomatoes hat der Film ansonsten eine Kritikerbewertung von 96% Fresh. Ich freue mich darauf, den Film am Freitag in einem Broadway-Kino in New York zu sehen - für die ganzen Superhelden-Filme würde ich nicht ins Kino gehen, da verstehe ich Scorsese voll und ganz
Na dann viel Glück. Hier scheinen alle zu vergessen, dass Netflix seine Ware für Tablets herstellt. Die kommen nur im Limited Release für ein paar Tage in eine Handvoll Kinos, damit sie die Mindestbedingungen für die Oscar- und Golden Globes erfüllen.

Eine Schande, dass sich ein Scorsese für so etwas hergibt. Egal was dabei herauskommt. NETFLIX erklärtes Ziel ist die Zerstörung aller Kinos zur eigenen Gewinnmaximierung. Das ist kapitalistisch betrachtet legitim, dass ein Scorsese sich daran beteiligt ist mehr als unangenehm.

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Loewengrube 24.11.2019, 18:44
8. Die gute alte Angst vor Netflix

Zitat von lediglich
Na dann viel Glück. Hier scheinen alle zu vergessen, dass Netflix seine Ware für Tablets herstellt. Die kommen nur im Limited Release für ein paar Tage in eine Handvoll Kinos, damit sie die Mindestbedingungen für die Oscar- und Golden Globes erfüllen. Eine Schande, dass sich ein Scorsese für so etwas hergibt. Egal was dabei herauskommt. NETFLIX erklärtes Ziel ist die Zerstörung aller Kinos zur eigenen Gewinnmaximierung. Das ist kapitalistisch betrachtet legitim, dass ein Scorsese sich daran beteiligt ist mehr als unangenehm.
Dass Scorsese sich "für sowas hergibt", ist ein logischer Schritt. Netflix haben wir es zu verdanken, dass dieser Film überhaupt existiert. Das romantische Kino mit seinen 20 Sitzen, wie Sie es aus den 70ern kennen, existiert nicht mehr. Bereits jetzt sind beinahe alle kleineren Kinos verschwunden und durch riesige, hässliche "Cinestars", "Cineplexes" und wie sie alle heißen ersetzt worden. Da werden auf mehreren 1000m² mehrere 100 Zuschauer vor eine mehrere 100m² Leinwand gesetzt und 2 Stunden lang mit überteuertem Popcorn ruhiggestellt. Wobei "ruhig" im Kino so eine Sache ist, denn das Benehmen im Kinosaal ist gemeinsam mit der nostalgischen Erinnerung verschwunden. Streamingdienste sind nur die nächste Stufe dieser fragwürdigen Entwicklung. Betrachtet man diese Massenabfertigung im Kino, so ist es mir eigentlich sogar sehr willkommen, mir die 13€ für den Film und 20€ für die Verpflegung zu sparen und einfach gleich in besserer Gesellschaft zuhause zu bleiben. Auch die Filmpolitik vom Unternehmen Netflix als Produzent sind mir sehr sympathisch. Anders als klassische Filmgesellschaften wie Warners Bros. und Konsorten wird den Regisseuren bei der Umsetzung ihrer Werke sehr viel Freiheit gelassen. Auch unbekannteren Talenten gibt Netflix Geld und eine Chance. Die Ergebnisse hauseigener Produktionen waren bisher zwar mäßig bis selten beeindruckend, was allerdings auch daran liegt, dass Netflix von Filmgrößen bisher immer stigmatisiert und gemieden wurde. Daher ist es durchaus zu begrüßen, dass ein echtes Talent wie Scorsese mal über seinen Schatten gesprungen ist und vielleicht auch andere dazu motiviert. Betrachtet man das aktuelle Hollywood mit seiner für die breiten Massen zugeschnittenen Standart-Unterhaltung und der enggefassten Kontrolle vieler Produktionen durch die Unternehmen, ist Netflix eindeutig die angenehmere Wahl.

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bobdeniro 25.11.2019, 11:55
9. Hat Herr Beier (der Rezensent) den Film überhaupt gesehen ?

Zweifel sind zumindest berechtigt, ob er ihn g a n z geesehen hat; immerhin hat der Film eine Gesamtlänge von 209 Minuten... So schreibt Herr Beier am Ende, daß der Protagonist eine Krankenschwester bittet, die Tü seines Zimmers doch einnen Spalt offen zu lassen. Diese Darstellung habe ich auch shon auf anderen Portalen und in Tageszeitungen gelesen. Da wurde voneinander abgeschrieben. Als jemand, der den Film - bis zum Ende - gesehen hat, muß ich das korrigieren. Robert de Niro ist mit einem Priester im Zimmer. Diesen bittet er, beim Verlassen des Zimmers, die Tür nicht ganz zu schließen.
Leider disqualifizieren solche Fehler oft die Glaubwürdigkeit des Schreibers und seines Werkes.

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