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Martin Walker auf Platz 3 der SPIEGEL-Bestsellerliste: Wein, Weib und antisemitische
Klaus Einwanger/ Diogenes

Reiche Juden, gefährliche Muslime - und lebenslustige Franzosen: Martin Walkers "Provokateure" steckt voller Klischees. In der SPIEGEL-Bestsellerliste steht der Roman auf Platz 3. Wir beantworten die entscheidende Frage: Und das soll ich lesen?

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FranzW 21.05.2015, 15:31
1. Ja!!

"..."Provokateure" ist ein sehr konventionelles, stilistisch unterambitioniertes Buch mit allem, was einen Kolportageroman auszeichnet: zu viele Adjektive, schlichte Dialoge, abgegriffene Sprachbilder, unbeholfen eingearbeitetes Halbwissen und eine geradezu dämlich eindimensionale Weltsicht..."

Ich lese momentan gerade den vierten Band der Reihe ("Delikatessen"), auf den das alles auch schon zutrifft:
Der Deutsche hat SS Vater und RAF Bruder mit ETA Ehefrau, die PETA Anhänger sind blöd und oberflächlich und verstehen nicht, daß alle foie gras Herrsteller im Périgord ausnahmslos praktisch Bio-Vorzeigebetriebe mit höchsten ethischen Standards sind...usw...usw
Absolut furchtbar klischeehaft unrealistisch!
Und "Bruno" ist eine Mischung aus Dalai Lama, James Bond und Paul Bocuse...uaaahh.

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Mein-Komm 21.05.2015, 15:44
2. Anleitung

Wichtigster Tipp für die Spiegel-Bestsellerliste - und der ist so alt, wie er banal und wie er gültig ist -: Von der Platzierung nicht (!) auf die literarische Qualität schließen.

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StFreitag 21.05.2015, 17:48
3. Danke

für den Hinweis. Das Buch kaufe ich mir. Ohne Ihre Empfehlung wäre es mir vermutlich entgangen.

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go-west 21.05.2015, 22:54
4. Versteh' ich nicht...

Warum ist Geld zu besitzen etwas Negatives, beziehungsweise bedient ein negatives Klischee? Für mich ist es zunächst Zeichen von Erfolg und ruft eher Bewunderung hervor. Es scheint sich mal wieder um einen Neidreflex unsere Gutmenschenfraktion zu handeln.

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maxmaxweber 22.05.2015, 09:05
5. Scheint nicht pc zu sein

Was macht interessante Literatur aus? Die Übereinstimmung mit den politisch gewünschten Stereotypen? Oder die Provokation?
Ich weiß nicht, ob das Buch mir vom Stil gefallen wird. Aber danke für die Empfehlung, dass im Buch nicht die Stereotypen vom fremdenfeindlichen Eingeborenen und vom guten bereichernden Zuwanderer eindimensional gepflegt werden. Von diesen Büchern gibt es schon sehr viele.

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KeineIdee100 22.05.2015, 11:31
6. Von der Bestsellerliste auf den Index

Ach ja, übernimmt jetzt DER SPIEGEL den Kirchlichen Index und spricht Verbote aus, was ich lesen darf und was nicht? Und in 10 Jahren sind wir in der Diktatur der Politisch Korrekten dann so weit, dass wir die Bücher von Walser verbrennen?
Lieber SPIEGEL, ich verbitte mir diese Bevormundung. Und da ich zur Renitenz neige habe ich mir gleich Martin Walsers Buch fürs Pfingswochenende runtergeladen. Selbst wenn's langweilig sein sollte, hab ich immer noch die Genugtuung und Spannung "etwas ungeheuer Verbotenes" zu tun.
Es ist das eine, eine Empfehlung oder nicht-Empfehlung auszusprechen, aber als moralischer Imperativ - nö... So nicht!
Außerdem, so bzgl. Stereotypen,... Der liebe Autor dieses Artikels überprüfe mal die SPIEGEL-Artikel der letzten 24 Monate, darauf wie oft die Namen Rothschild, Abramovich, Zuckerwerg, Berggrün etc. in Kombination mit dem Adjektiv "jüdisch" genannt werden. Von seinen eigenen Kollegen wird nie vergessen, zu erwähnen, wann ein Milliardär oder Millionär "jüdisch" ist und zwar völlig unabhängig davon, ob der genannten seinen Glauben wirklich praktiziert oder nur Abstammungs-Jude (oder wie immer man das nennt) ist. Ich habe mich schon immer gefragt, was das zur Sache tut. Auch SchauspielerInnen wie Natalie Portman oder Dustin Hofmann werden auch hier immer wieder "jüdische SchauspielerIn" genannt. Bei Diane Kruger oder Till Schweiger wüsste ich nicht, ob sie christlich, buddhistisch, agnostisch, atheistisch sind. Und mich interessiert sowas sogar noch von Berufs wegen.
Mir scheint eher, dass die Grass-Lobhudelei und die Walser-Niedermacherei Stereotypen in der SPIEGEL-Redaktion sind.
Also lieber SPIEGEL erst einmal im eigenen Laden aufräumen, ehe man anderen vorschreiben will, was man lesen "soll" und was nicht. Ich als Leserin und als denkender Mensch fälle meine Entscheidungen selbst und brauche keinen Möchtegern-Dikator aus einer Zeitungs-Redaktion.
Wer sich über diese unsägliche Bevormundung genauso aufregt wie ich, der wird dafür sorgen, dass Walser nächste Woche auf Platz 1 steht.

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bonngoldbaer 22.05.2015, 15:03
7.

Zitat von KeineIdee100
Wer sich über diese unsägliche Bevormundung genauso aufregt wie ich, der wird dafür sorgen, dass Walser nächste Woche auf Platz 1 steht.
Wer Walser und Walker nicht voneinander unterscheiden kann, sollte hier nicht mitdiskutieren, sondern sich lieber anderswo blamieren.
Im übrigen erwarte ich von einem Rezensenten Auskunft darüber, ob ein Buch lesenswert ist oder nicht. Das hat mit Indizierung oder Bevormundung nichts, aber auch gar nichts zu tun. Schließlich kann ich auch noch entweder die Meinung anderer Rezensenten lesen oder mir eine eigene Meinung über das Buch bilden.

@Hammelehle
"Dass die Masse der Leser ein Zeichen für die Qualität eines Buchs sein könnte, wäre mir neu."
Wer so denkt, sollte konsequent sein und keine Bestseller sondern nur noch gute Bücher besprechen. Selbst davon gibt es schließlich mehr, als er in seiner begrenzten Lebenszeit lesen kann.

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Maler 22.05.2015, 19:23
8. Klischee

Klischees stimmen leider allzuoft. Insofern ist das sich darüber Aufregen wenig hilfreich. Klischees sterben nur dann, wenn sie von der Wirklichkeit überholt werden.

Ansonsten kann ich einem Vorredner nur beipflichten: ein Platz auf der Bestsellerliste macht noch lange kein gutes Buch.

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red_sox_rule 23.05.2015, 21:26
9.

Ich bin mit diesem Buch fast fertig und es gefällt mir sehr gut. Es ist gewohnt liebevoll geschrieben mit einer guten Mischung aus Spannung, Lebensfreude gutem Essen und Charm. An der Bruno Reihe mag ich sehr, dass sich im Laufe der Geschichte die Gemeinde zu einen Ensemble wird.
Ich habe hier den Eindruck, dass die Kritiker vergessen, dass die meisten lesen um Unterhalten zu werden und nicht um "Anspruchsvolle" Literatur zu verdauen.

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