Forum: Kultur
"Maybrit Illner" über den Terror in Sri Lanka: "Sind uns Muslime scheißegal?"
ZDF/ Christian Schoppe

Wäre die Welt friedlicher ohne Religionen? Das fragte Maybrit Illner wegen der Anschläge in Sri Lanka und Neuseeland. Die Talk-Runde befand, dass identitäre Auswüchse das Problem seien.

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anja-boettcher1 26.04.2019, 10:47
80. Sancta simplicitas

Sie scheinen recht wenig von der Alphabetisierung der Menschen, grundlegenden europäischen Rechtsprinzipien wie die des Codex Theodosianus und Justinianus, der Entstehung des europäischen Universitätenwesens und dem europäischen Krankenversorgungs- und Fürsorgeprinzips zu halten, denn all dies ist auf diesem Kontinent die Leistung des Christentums.

Erst das christlich gewandelte Rom legte die Entscheidung über Leben und Tod aller Menschen, resp. Kindern, nicht mehr in die Hände familiärer Patrons, sondern konstatierte ein Lebensrecht für jeden. Dies erfolgte, ohne dass das Christentum für sich selbst Rechtsautorität beanspruchte. Von jeher waren Kirchen- und weltliches Recht im Christentum zweierlei. Die berühmten Hexenprozesse der Frühneuzeit geschahen eben nicht durch kirchliche, sondern weltliche Gerichte. Sie waren Ausdruck des kirchlichen Autoritätsverlust in Ländern der Reformation, während im Mittelalter schon der Verdacht, jemand sei eine Hexe, als finsterster Aberglaube galt - und in keinem romanischen Land je ernstgenommen wurde.

Die Universitäten entstanden aus Klosterschulen des Mittelalters. Die lateinische Schrift und die Fähigkeit, sie zu nutzen, hielten durch germanische Barbarei und Völkerwanderung die Klöster aufrecht. Das Benediktinerkloster Monte Cassino bewahrte durch die dunkel nachrömischen Jahrhunderte alles antike Wissen, das im Westen verblieb. Den Rest bewahrten geistig geschulte muslimische Araber für uns und lehrten es ab der Frühneuzeit in Europa. (Googeln sie Averroes und Avincenna). Und die große deutsche Kultur entstand im Pfarrhaus. Außer Goethe kein Klassiker, der nicht Pfarrerssohn gewesen wäre. Unsere klassische Musik entspringt geistiger Musik.

Das, was den Islamismus starkmachte, der als Wahabismus ein Schattendasein im arabsichen Raum führte, war zynische US-amerik. Machtpolitik im Verbund mit Saudi-Verbündeten gegen die Sowjetunion. Sein weiteres Erstarken verdankt sich der Tatsache, dass eine ihre Weltleitwährung durch Kontrolle des Energiehandels sichernde Weltmacht zynisch machtpolitisch, mit der muslimischen Welt im Nahen Osten seit 1992 in ungezügelt grausam Schach spielt. Todesopfer: 5-6 Millionen sowie Verringerung der Lebenserwartung in vorwiegend muslimischen, aber polit. säkularen Ländern wie Syrien oder Lybien um zwei Jahrzehnte.

Wenn irgendetwas für den Rest der Welt endlos tödlich ist, so ist dies westlicher Suprematismus: vom britischen Empire, über wilhelminischeen und nazistischen Größenwahn, der atheistisch zwei Weltkriege vom Zaun brach und seit 1949 US-amerikanischer Größenwahn. Die von 243 Jahren ihrer Geschichte 227 Jahre Krieg führende USA haben aus rein hegemonialen Gründen seit 1949 um ein Vielfaches mehr Menschen auf dem Gewissen als jede andere menschliche Instanz. Es gibt somit keine genuin religiöses Blutbad in der Geschichte, sondern Kriege werden um Macht und Reichtum geführt. Religion wird, wie jedes andere Kriegsetikett, ergo auch "Demokratie" und "Menschenrechte", wie dies die NATO verlogen tut, zur Mobilisierung missbraucht, doch Gewalt hat IMMER ihre Ursache in Machtansprüchen.

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großwolke 26.04.2019, 10:48
81. Der Elefant im Raum

Es geht nicht um "Religion" oder "das Religiöse". Es geht konkret und nur um den Islam. Mal zur Auffrischung der Geschichtskenntnisse: die Kreuzzüge waren die Antwort des christlichen Abendlandes darauf, dass der expandierende Islam es christlichen Pilgern zunehmend unmöglich machte, ohne Gefahr für Leib und Leben ihre heiligen Stätten aufzusuchen. Und es ist auch nur der Islam, der diesen konfliktträchtigen Absolutheitsanspruch als Ziel formuliert. Man mache mal den Vergleich mit den anderen großen Weltreligionen: Juden bilden eine Art grenzübergreifendes Super-Volk, der primäre Fokus liegt im Bewahren der eigenen Tradition (nicht mal so sehr der Religion), egal, wo man lebt und was die anderen drumherum tun. Christen versuchen zu missionieren mit der "frohen Botschaft" von Paradies und Erlösung, und haben viel Mitgefühl für die armen Seelen, die die Botschaft nicht hören oder Verstehen können. Buddhismus, soweit ich ihn verstehe, ist schon mehr Philosophie als Religion, er kommt ohne einen Gott im abrahamitischen Sinne aus (!). Das Problem, soweit es mich betrifft, besteht darin, dass aus falsch verstandener Toleranz in solchen öffentlichen Talkrunden das Offensichtliche ignoriert wird, dass man vermeidet, zur Klärung der Situation mal mit dem Finger auf das Problem zu zeigen, weil das ja Leute beleidigen könnte. Dann lasst sie halt beleidigt sein! Aber vielleicht kommen so die Gläubigen an der Basis, die Menschen, die wir jeden Tag bei der Arbeit, beim Sport, beim Einkaufen um uns herum haben, mal auf die Idee, dass ihr Moslem-Sein einen Widerspruch darstellt zu ihrem Leben in einem weltoffenen, aufgeklärten Land. Dass es einen Konflikt gibt, wenn man sich selbst als friedlichen Menschen sieht, sich aber auch mit einer Religion assoziiert, die offen fordert, Ungläubige mit Feuer und Schwert zu bekehren. Man muss die Dinge erstmal beim Namen nennen, bevor man hoffen kann, sie zum Besseren zu verändern.

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ihawk 26.04.2019, 10:48
82. Was war denn das?

Bei mir machte sich Entsetzen breit - ich habe bisher keine so schlechte "Maybrit Illner" gesehen. Ich denke, wenn man keine kompetenten Gäste zusammen bringt, sollte man das Thema wechseln.

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derjoey 26.04.2019, 10:48
83.

Zitat von el_profi
Gabs eigentlich auch einen Atheisten in der Runde? Natürlich wär die Welt friedlicher ohne Religionen.
Ja, Philipp Möller, steht auch im Artikel.

Ob die Welt friedlicher ohne Religionen wäre, halte ich für fraglich. Immer wenn Angst zu Hass wird, werden Andere entmenschlicht und damit gerechtfertigt, diese guten Gewissens abzuschlachten. Ob der Zorn dafür "heilig" oder "rechtschaffen" war, ist im Endeffekt nur ein billiges Etikett. Die Auslegung einer Religion macht die Begründung zur Entmenschlichung leichter, weil man sich in bekannten heiligen Schriften einfach irgendeine Stelle herauspicken kann, die gerade passt, aber Nazis und Stalinisten bspw. sind auch ohne religiöses Brimborium höchst erfolgreich im Menschenvernichten gewesen.

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themistokles 26.04.2019, 10:48
84.

Zitat von kumi-ori
Wieso muss ich mich damit auseinandersetzen? Es ist ein beliebiges Hobby, ich habe nichts dagegen, aber ich interessiere mich nicht dafür. [...] Übrigens, nur damit niemand beleidigt ist: auch Christen sind mir scheißegal.
Nun, Sie können sich auch 24h/ 7d/ 365d zu Hause einschließen und sich selbst genug sein. Wenn Sie aber ab und an (?) mal vor die Tür gehen, werden Sie Menschen begegnen. Manche gehören einer Religion an, manche nicht. Aber allen gemein ist, dass ihre Religiösität oder ihr Atheismus irgendwie in die Gesellschaft, in der auch Sie leben, mit einfließen. Deshalb: ja, Sie müssen sich damit auseinander setzen. Denn in irgendeiner Form auch immer wirkt es sich auch auf ihr Leben aus.

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mapcollect 26.04.2019, 10:50
85. Bibel vs Koran

Häufig hört man, dass beide Bücher gleichermaßen zu Gewalt aufrufen. Es ist müßig darüber zu diskutieren, sofern man nicht beide Bücher in voller Gänze gelesen hat. Aber jeder hat eine Meinung dazu. Erstaunlicherweise habe ich auf Nachfragen noch nie jemanden getroffen, der wirklich beide gelesen hat, obwohl es doch angeblich die meistgelesen Bücher der Welt sind. Ich kann es nur jedem empfehlen, denn die Unterschiede bezüglich Gewalt und Toleranz sind doch sehr deutlich, insb. wenn man nur das Neue Testament mit dem Koran vergleicht. Der Koran ist übrigens im Gegensatz zur Bibel, in der es von Allegorien nur so wimmelt, sehr leicht zu lesen, da der Prophet ziemlich klar und deutlich sagt, wie man zu sein hat und wie nicht.
Ähnlich aufschlussreich ist übrigens der Besuch einer christlichen Messe und einem Besuch eines Gottesdienstes in einer Moschee. Ich will das hier gar nicht werten, aber ich empfehle dringend jedem sich eine eigene Meinung zu machen, anstatt immer nur ungeprüft alles nachzuplappern.

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user100 26.04.2019, 10:51
86. Der Ton macht die Musik

Und der Ton ist mal wieder unsachlich.
Um ein solch emotional, irrational aufgeladenes Thema zu kommentieren hilft es wenig ständig in Ironie zu verfallen. Vor allem wenn diese dann ungleich verteilt ist.
Gerade damit nutzt man der Idee der Täter. Dies spaltet und stiftet Andersdenkende zu Unmut an.
Alle Taten sind zunächst einmal für sich zu beurteilen und nicht wie es oft geschieht, dass man einer Tat ein gewisses Verständnis beimisst da sie ja "nur" eine Antwort auf eine zuvor "von den anderen" begangene Tat sei.
So ist es völliger Unsinn den islamistischen Terror und die zunehmend konservative Ausrichtung des Islam mit einer angeblich zunehmenden Islamophobie zu begründen (was immer das sein soll).
Auch ist es wenig hilfreich den meisten Muslimen einen Hang zu oder eine Toleranz von Islamisten zu unterstellen.
Einzig hilfreich ist der Wille zur Verständigung und eine Friedfertigkeit welche zu einer solchen führen kann. Dabei muss es für alle Seiten klar sein, dass Verbrechen auf Grund von Religion "absolut" tabu sein müssen, und diejenigen welche sie begehen in der jeweiligen Gesellschaft geächtet und etwa geachtet sein sollten.

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ichliebeeuchdochalle 26.04.2019, 10:51
87.

Zitat von lazyfox
... Da scheint die Analyse bei den National-Identitären fast einfacher, die haben einfach Angst oder eine eingeschränkte Denkfähigkeit. So nehme ich es jedenfalls war.
1. Die "die Gruppe besteht vor allem aus Hilfsschülern" Theorie. Hält einem Praxistest aber nicht stand. Wenn man den durchschnittlichen IQ zwischen 90 und 110 ansetzt, sind das eben kaum die unten bei 90 oder darunter. Das sind Leute, die in der Schule nicht dümmer als der Durchschnitt waren. Das sind Leute, die nicht in einfachen Berufen arbeiten.

Das könnte ich noch weiter erläutern, wäre dann aber Buchlänge. Die Gemeinsamkeit ist nicht die mangelnde Denkleistung, die Gemeinsamkeit ist: die gleiche charakterliche Eigenschaft. Gilt übrigens für den Bereich "religiöser Glaube" genauso. Entgegen der Annahme in vielen Diskussionen, auch hier in Foren, sind ja religiös Glaubende nicht deshalb glaubend, weil sie intelligenzmäßig hinten stehen. Auch bei Menschen mit IQ von 130 und darüber, gibt es ja viele Glaubende.

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archi47 26.04.2019, 10:52
88. Fazit

Die Menschen sind frei von Geburt an und gleich an Rechten.

Religion verlangt Glauben und ignoriert Wissen. Viele Gräuel an Wissenden wurden im Namen von Religionen gemacht.

Deshalb muß Religion sich unterzuordnen und muß Privatsache bleiben.

Unser Staat, also wir alle, haben laizistisch zu rechten und richten und uns auch so zu organisieren.

Dazu gehört auch, dass bei z. B. bei Eheschließungen keine Vorgaben hinsichtlich Religion, Hautfarbe, etc. von Dritten zulässig sein dürften, sonst wäre dieser Rechtsakt unwirksam von Anfang an.

Religion wäre somit nur noch Folklore und unschädlich ...

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prisma-4d 26.04.2019, 10:56
89. ...Mazyek hat recht...

...man hätte "Christchurch" medial analysieren müssen. UND die gleichen Fragen für die x-beliebigen islamistisch motivierten Terroranschläge gegenüberstellen müssen. Fragen wie: wer finanziert den Terror, wer sind die Hintermänner, welche Vordergründige Argumentation nutzen die Terroristen, welche wirklichen Motive stecken dahinter, wer profitiert davon, warum wird welche Zielgruppe terrorisiert, welche historischen Bezüge gibt es, welche legimitation beanspruchen die Terroristen für sich usw. Solch eine ehrliche Analyse fehlt sowohl bei Christchurch als auch bei Sri Lanka. Und warum? Weil es weh tun würde, bei jedem Anschlag die immer gleichen Analysen geliefert zu bekommen, weil es weh tun würde zu erkennen auf welcher Seite man mit seinem Glaubensbekenntis steht.
Sowohl das verlesen des Christchurch-Statement als auch die Äusserungen von Al-Kaida (IS oder wer auch immer) würde uns Klarheit bezüglich der Gedankenwelt von Terroristen bringen. Nur wenn man versteht was WIRKLICH hinter den Anschlägen steckt, kann man die Ursache bekämpfen.

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