Forum: Kultur
"Maybrit Illner" zu Schulmassaker: Aufgalopp der Steckenpferd-Reiter

Mehr Geld für Schulen, "Zivilcourage im Internet", Verbot von Waffenaufbewahrung in Privathaushalten: Viel wurde gefordert bei Maybrit Illner - und genauso viel am Thema vorbeigeredet. Am Ende blieb die schlichte Erkenntnis: Schulmassaker wie das in Winnenden sind unbegreiflich.

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dosmundos 13.03.2009, 10:49
10. Alle aund alles überwachen!

Zitat von Dirk Ahlbrecht
In meinen Augen ist ein Attentäter wie jener von Winnenden klar einer Risikogruppe zuzuordnen. Will heißen: Geringes bis gar kein Selbstvetrauen, Zugang zu Waffen, sozial gehemmt - was weiß ich noch alles.
Oh, wow, das ist ja mal eine klar umrissene Zielgruppe! Und was jetzt? Alle sozial Gehemmte mit geringem Selbstvertrauen und eventuellem Zugang zu mindestens einem Küchenmesser (ich erinnere an den Typen, der vor dem Reichstag mehrere Leute niedergestochen hat) als potentielle Gefährder in einer Datei erfassen und tägliche Vorsprache auf dem Polizeirevier anordnen?

Im Übrigen - wenn jemand über ein Dutzend Schusswaffen legal besitzt, dann ändert auch ein zentrales Register nicts daran, dass er sie legal besitzt.

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rolfrioja 13.03.2009, 10:58
11. Ursache, nicht Symptome bekämpfen

Ich bin gegen generelles Privatbesitz von Waffen, aber unzureichendes Waffengesetz, wenige Kontrollen an den Schulen, unzureichende psychologische Betreuung usw. sind nicht die Ursache vom Jugendkriminalität und Amokläufen.
Wenn morgens um 6:00 schon brutale Zeichentrickfilme im Fernsehen zu sehen sind, Rambos, Terminators als Helden, durch geknallte Brutalo-Rap-Sänger, drogenabhängige und skandalumgebende Pop-Sänger(innen) als Idole von den Medien hochsterilisiert werden, überflüssige prominente Nichtskönner und Partygirls als Werbe-Ikonen groß rauskommen, muss man sich nicht wundern wenn Jugendliche keine vernünftigen Perspektiven für ihr Leben sehen. Der von den Eltern geförderte und anerzogene Konsum-Rausch nach Markenwaren und teuren Handys, schürt dann noch einen sozialen Unfrieden auf Schulhof und Spielplatz und produziert Neider. Mit 14 muss man schon den ersten Geschlechtsverkehr gehabt haben und am besten so hart wie er in Filmen gezeigt wird: Ohne Gefühle, nur aus reiner Lust und weil es“ In“ ist. Die, die das alles nicht brauchen werden zu Außenseitern und vermeintlichen Verlierern.
Da ist dann der PC oder die Playstation eine einfache Art sich aus der Realität zu verabschieden und in eine Virtuelle Welt einzutreten in der man Gewinner sein darf. Wenn nun jedoch solch ein Kind zwangsweise in die Realität treten muss ist der Frust noch grösser.
Wir verbieten Kindern u.A. den Genuss von z.B. Tabak und Alkohol, weil diese Gifte ihre körperliche Entwicklung schaden. Das gleiche gilt doch auch für die Psyche und den Charakter eines Menschen. Wir müssen unsere Kinder schützen. Warum verbietet man nicht z.B. Gewalt verherrlichte Filme und Computerspiele genau so wie Kinderpornographie. Kein vernünftiger gefestigter Mensch hat Spaß an solchen Horrorfilmen und Brutalo-Spielen auf dem PC. Es sind doch nur Kinder und Jugendliche die für solch ein Seelen-Gift sich interessieren.
Warum werden nicht in den Schulen Handys und Gameboys verboten und einheitliche Schul-Kleidung vorgeschrieben? Das würde Neid und Angabe vorbeugen und somit zum sozialen Frieden unter den Kindern beitragen und sie bei der Entwicklung eines gefestigten Charakters ein wenig helfen.

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Dirk Ahlbrecht 13.03.2009, 11:00
12. ...

Zitat von Peter Kunze
Tach, Die in der Nachbereitung von Amokläufen stets aufpoppende Kultur des Besserwissens ist da voll zum Zuge gekommen. Die einzig vernünftige Aussage zu Amok fand ich nicht bei Illenr, sondern beim zürcherischen . Kurg gefasst wird da erläutert, was eh alle wissen: Die Ursachen für Amokläufe sind so vielfälltig dass eine Prävention nicht möglich ist. Peter
Ich halte solches, Herr Kunze, nämlich das eine Prävention nicht möglich sei, für ausgemachten Unsinn. Wir schaffen es auf den Mond zu fliegen, aber eine Risikoklassifizierung und -analyse bei potentiellen Amokläufern soll nicht möglich sein?

Was glauben Sie was alles ginge, wenn sich solches in und um den Deutschen Bundestag herum ereignen würde?

Wer in Fällen wie dem in Winnenden sagt, daß man leider nichts tun könne, der will entweder nichts tun - oder er kann es nicht. Und in beiden Fällen gibt es die Möglichkeit solches im Zuge von Wahlen zu korrigieren.

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a.weishaupt 13.03.2009, 11:03
13. Sie irren sich

Zitat von der nachdenkende
Es ist einfach widerlich und empörend, wie in Deutschland die einflussreiche Waffenlobby die politischen Entscheidungsträger beeinflusst und verhindert
So? Wissen Sie überhaupt, wann und warum diese Lobby enstanden ist?
Die Gründung des "Forums Waffenrecht" war eine Reaktion auf das drohende Totalverbot des Schützensports in den 90ern und die zutiefst undemokratischen Bestrebungen vor allem eines gewissen SPD-Politikers damals.
Da wurde sogar bekanntgegeben, dass Waffen bestimmungsgemäß dazu gedacht seien, vom Staat gegen die Bevölkerung eingesetzt zu werden (!). Dieses damals berüchtigte Zitat zeigte immerhin den wahren Hintergrund unserer Waffengesetze auf.

Zitat von
Aber wenn ist darum geht, die demokratischen Rechte für alle Bürger (die nicht zu den oberen "Zehntausend" gehören) einzuschränken, sind diese politischen Entscheidungsträger schnell dabei, die Gesetze entsprechend zu verändern.
Richtig; z.B. mittels strenger Waffengesetze, die durch Diktatur, Besatzung und Aktionismus der RAF-Zeit entstanden sind. Wie überaus demokratisch!

Unser Waffenrecht hat gerade für die "oberen Zehntausend" wie auch für Berufswaffenträger Ausnahmen und lasche Regelungen noch und nöcher. Mies bezahlte Wachleute laufen mit Revolvern herum, Polizisten dürfen ihre Dienstwaffen auch privat mit sich herumtragen, der reiche Unternehmer oder auch schon mal der Abteilungsleiter im Ordnungsamt haben de facto freiere Bahn als in den meisten US-Bundesstaaten und sogar der Schweiz.

In Großbritannien ist genau das passiert, was Sie hier fordern. Das Resultat hat die Nutzlosigkeit überstrenger Gesetze eindrucksvoll unterstrichen.

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tristar73 13.03.2009, 11:07
14. Verbote bringen gar nichts!

Verbote, schärfere Kontrollen... Wo soll das alles hinführen?
Man darf doch nicht von einem schrecklichen Einzelfall ausgehend gleich wieder schärfere Gesetze für alle fordern, ohne sich einmal differenzierter mit der Materie auseinandergesetzt zu haben. Das ärgert mich vor allen Dingen an "unseren" Politikern.

Ich mag es auch nicht wenn Leute einen ganzen Schrank voll Waffen haben um sich für den Dritten Weltkrieg zu rüsten, und in den Gamesmagazinen überwiegend selbstkritiklos "coole" Killergames abgefeiert werden.
Aber das zu verbieten dürfte wohl kaum verhindern, das es weitere Amokläufe geben wird, denn die Fantasie des Menschen ist grenzenlos. Im Gegensatz zu den Gesetzen und Verordnungen, von denen es ja ohnehin schon viel zu viel gibt.

Ausserdem ist es doch sehr pervers das Amokläufer offensichtlich immer wieder zu posthumen Medienhelden werden, wenn tagelang reisserisch über sie berichtet wird. Die Botschaft an kommende Amokläufer die schon in den Startlöchern stehen, könnte somit lauten... "Wenn ich auch sonst nichts zu sagen habe, so könnte ich mit dieser irren Tat doch wenigstens einmal ganz groß rauskommen. Mein nicht gesehenes Potential rauslassen. Oder einmal so richtig die Sau raulassen, und mich an dieser ignoranten Welt rächen".

Was ich mittlerweile sehr befürworte ist stattdessen Kinder und Jugendliche von vornherein respektvoll zu behandeln, und sie vor allen Dingen nicht als Humankapital für Wirtschaftswachstum und sichere Renten zu betrachten.

Was kann man(n)/frau tun um seine Kinder respektvoll zu behandeln? Ich denke in erster Linie sich selber zu respektieren. Selbstverantwortung übernehmen und nicht alles auf den Staat abzuwälzen. Vor allen Dingen aber aufhören falschen Göttern hinterherzulaufen, die schnellen Reichtum, Macht und grenzenlosen Egoismus versprechen.

Ansonsten bedauer ich, das in diesem Massenforum eine wirklich sinnvolle Diskussion nur selten Zustande kommt, weil oft in recht kurzer Zeit einfach zu viele Meinungen einprasseln.

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moricsala 13.03.2009, 11:10
15. ?

Zitat von rolfrioja
schürt dann noch einen sozialen Unfrieden auf Schulhof und Spielplatz und produziert Neider. ... und sie bei der Entwicklung eines gefestigten Charakters ein wenig helfen.
Weshalb wohl so oft Schule als Tatort? Weil dies der Ort der grössten erfahrenen Kränkung ist. Hier herrscht Krieg um die Verteilung knapper Güter - Aufmerksamkeit, Zuwendung, individuelle Wertschätzung. Verteilt werden Lebens-Chancen, und zwar an die, die den allmächtigen Lehrkräften am sympathischsten sind - also die kleinen Anpasser. Alle anderen werden ausgegrenzt als Klassenclowns, Versager und bestenfalls Künstler.

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timboe 13.03.2009, 11:11
16. Und all die schändliche Literatur

sollte auch von den Jugendlichen fern gehalten werden. Hunde auf dem Deich geopfert und blau-gelb gekleidete Selbstmörder geben auch kein gutes Vorbild ab.
Büchners Erbsendiät, welch einmalige Vorlage mitsammt guter Entschuldigung.

Wir sollten es gar für so gefährlich einstufen, dass jeder der solch Schund las, sich später zu rechtens schlechtens fühlen muss.

Welch Affront gegen all die Jugendlichen, die selbstverständlich die Medien ihrer Zeit konsumieren und sich nichts zu schulden kommen lassen.

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Bernd Kuck 13.03.2009, 11:13
17. +

Zitat von rick.sander
die Eltern. Sie sind allein für die Erziehung der Kinder verantwortlich. Wie sagte Fröbel: Erziehung ist Vorbild und Liebe. Die Schule ist eine Bildungsstätte, kein Erziehungscamp. Die Eltern müßen mit Liebe das Vertrauen ihres Kindes gewinnen damit es sich öffnet.
Gute Idee ! Nur wann ? Ich kenne Familien, wo sich Erziehungsbrechtigten mit 2-3 Jobs durchschlagen müssen, beginnend mit Zeitungszustellung um 4:00 Uhr. Die Leute sind geplettet. Unsere Ministerin hatte für Ihre 7 Kinder ausreichen Kindermädchen im hochherrschaftlichen Haus. Da kann ich auch die Schnauze aufreißen. Unser ganzes System muss in Frage gestellt werden.

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Dirk Ahlbrecht 13.03.2009, 11:14
18. ...

Zitat von dosmundos
Oh, wow, das ist ja mal eine klar umrissene Zielgruppe! Und was jetzt? Alle sozial Gehemmte mit geringem Selbstvertrauen und eventuellem Zugang zu mindestens einem Küchenmesser (ich erinnere an den.....
Ich, dosmundos, gehe davon aus, daß beispielsweise potenziell gefährliche Islamisten in D seitens der Behörden klar klassifiziert und kategorisiert sowie entsprechend überwacht werden.

Und es leuchtet mir nicht ein, weshalb dies im Falle von potenziellen Amokläufern nicht auch möglich sein soll. Und im Übrigen sind solch zentrale Register essentieller Bestandteil solcher Überwachungsmaßnahmen.

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timboe 13.03.2009, 11:20
19. .

Zitat von Dirk Ahlbrecht
Ich, dosmundos, gehe davon aus, daß beispielsweise potenziell gefährliche Islamisten in D seitens der Behörden klar klassifiziert und kategorisiert sowie entsprechend überwacht werden. Und es leuchtet mir nicht ein, weshalb dies im Falle von potenziellen Amokläufern nicht auch möglich sein soll. Und im Übrigen sind solch zentrale Register essentieller Bestandteil solcher Überwachungsmaßnahmen.
Dann hätte man auch direkt eine populäre Jugendsubkultur geschaffen, die mediale Aufmerksamkeit besitzt und dem pubertären Kräftemessen und Grenzen ausloten richtig schön entgegen kommt.

"Skinhead, langweilig, das nicken ja alle alten Säcke im Dorf schon durch, ich bin ab heute ein Amuk!"

Bestimmt nicht wünschenswert.

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