Forum: Kultur
"Maybrit Illner" zu Schulmassaker: Aufgalopp der Steckenpferd-Reiter

Mehr Geld für Schulen, "Zivilcourage im Internet", Verbot von Waffenaufbewahrung in Privathaushalten: Viel wurde gefordert bei Maybrit Illner - und genauso viel am Thema vorbeigeredet. Am Ende blieb die schlichte Erkenntnis: Schulmassaker wie das in Winnenden sind unbegreiflich.

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tristar73 13.03.2009, 11:34
30. Immer weiter so....

Was soll denn bitteschön auch sinnvolles aus den Köpfen der Talkshow-Protagonisten rauskommen, wenn zwischen der Sendung und dem Massaker nicht einmal 24 Stunden vergangen sind??
Ich habe die Sendung nicht gesehen, aber ich kann mir schon gut vorstellen wieviel heisse Luft da verbreitet wurde.
Und da ich mir das so gut vorstellen kann, habe ich es wohl auch diesmal wieder nicht gesehen. ;-)

Weitere Vorgehensweise: Am besten möglichst kurzfristig sinnlose Gesetze einführen und alle Schulen, Schützenvereine und Tischtennisclubs mit Profilern ausstatten. Präventionsunterricht machen, obwohl der Lehrplan ohnehin schon bis zum Bersten gefüllt ist, aber Hauptsache das Gefühl ist da etwas getan zu haben.

Desweiteren möglichst nicht zu tiefgründig über mögliche Ursachen jugendlicher Gewalt nachdenken, denn es könnte ja sein das plötzlich ein klarer Verstand und Ruhe einkehrt, man dann aber nicht mehr interessant genug für die hektische Talkrunde ist.

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dieterschg 13.03.2009, 11:45
31. Ganz einfach..

Zitat von Dirk Ahlbrecht
Ich, dosmundos, gehe davon aus, daß beispielsweise potenziell gefährliche Islamisten in D seitens der Behörden klar klassifiziert und kategorisiert sowie entsprechend überwacht werden. Und es leuchtet mir nicht ein, weshalb dies im Falle von potenziellen Amokläufern nicht auch möglich sein soll. Und im Übrigen sind solch zentrale Register essentieller Bestandteil solcher Überwachungsmaßnahmen.
Ganz einfach, weil meist dazu keine eindeutigen Infos vorab existieren.

Gerade die in den letzten Jahres Amokläufer wurden, stammen aus bürgerlichen Schichten und verhalten sich bis zu diesem Zeitpunkt meist nicht besonders ungewöhnlich.

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zuguterletzt 13.03.2009, 11:45
32. Alle Jahre wieder...

Das der Vorfall von vorgestern eine Tragödie extremen Außmasses ist, ist unbestritten. Leider werden jetzt wieder öffentlichkeitswirksame Diskussionen losgetreten, die allzu häufig nach genau denselben Mustern ablaufen und schlicht Ausdruck von Ohnmacht sind und die Unfähigkeit darstellen, zu erkennen, dass solche Taten nicht vorhersehbar sind. Die Forderung nach "Registern für potentielle Amokläufer" ist schlicht lächerlich. Wer ist dann ein potenzieller Amokläufer? All diejenigen, die sich in psychologischer bzw. therapeutischer Behandlung befinden? Diejenigen, die sich nicht in Behandlung begeben, sondern versuchen, mittels Unmengen von frei erhältlichen Medikamenten das tägliche Frustniveau auf ein erträgliches Mass zu reduzieren?
Ganz abgesehen von der Tatsache, dass solche Forderungen einen massiven Eingriff in die Grundrechte jedes einzelnen bedeuten würden, kann es, wenn überhaupt nur um Aufklärung bei Jugendlichen gehen, nicht um Repressions- und Überwachungsmaßnahmen. Eine Verschärfung der Waffengesetze wird wieder laut, wahlkampfwirksam instrumentalisiert. Es bedarf keiner neuen Gesetze, sondern der konsequenten Umsetzung und wirksamen Kontrolle der bestehenden. Dies schließt auch und vor allem die oben genannte Unterstützung, insbesondere finanzieller und personeller Ar, von aktiver Aufklärungsarbeit und Gewaltpräventionsmaßnahmen bei Jugendlichen ein. Leider ist es Fakt, dass gerade die Träger solcher Maßnahmen sich mit massiven Kürzungen von öffentlichen Mitteln konfrontiert sehen und allzu oft ihre Arbeit aus genau diesem Grunde einstellen müssen. Gerade Jugendlichen ist es nur schwer verständlich zu machen, weshalb Ihnen Unterstützung versagt wird mit dem Hinweis auf die Finanzknappheit städticher und kommunaler Haushalte, andererseits jedoch Milliarden bereit gestellt werden, für Dinge, die Sie nicht ansatzweise verstehen, da ihnen Bildung und soziale Bindungen fehlen, im übrigen Kernbereiche der staatlichen Daseinsvorsorge. Zum geforderten Verbot so genannter "Killerspiele": Die Forderung nach einem Verbot dieser Spiele ist ebenso sinnlos wie hahnebüchen. Die Generation, um die es sich handelt, schert sich nicht darum, ob ein digitales Medium frei im Geschäft zugägnglich ist oder nicht. Es wird einfach heruntergeladen. Die Eltern sind hier in der Pflicht, ihre Kinder aufzuklären, mit Ihnen zu reden, zu diskutieren. Nur durch sozialen Halt läßt sich soziale Vereinsamung verhindern.

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Youthwizard 13.03.2009, 11:46
33. Waffen

Ich möchte zum Thema Waffen etwas in aller Naivität beitragen, war selbst beim Bund und habe dort gelernt, mit Sturmgewehr, Maschinengewehr, Maschinenpistole, Pistole u.a zu schießen.

Ich denke, dass niemals und unter keinen Umständen eine Zivilperson, egal ob Jäger, Förster oder Schützenkönig eine auch nur halbautomatische Waffe wie die Beretta in die Hand bekommen darf (klar, von automatischen ganz zu schweigen).

Es sind Tötungsinstrumente, die auf Präzision und Perfektion ausgelegt sind und mit denen kein Zivilist irgendetwas anfangen darf.

Vielleicht sollte ein Jäger oder Förster einen (EINEN!) Trommelrevolver (6 Schuss) mit sich tragen können, wg. Gnadenschuss oder weil er sich vor einem Löwen oder Bären in den dt. Wäldern schützen muss.

Warum nur erlauben wir Zivilpersonen den Besitz einer Beretta, wofür, ich verstehe es einfach nicht.

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Tautologe 13.03.2009, 11:50
34. Hinkender Vergleich

[QUOTE=dieterschg;3478888]
Wie soll z.B. ein Schützenverein das sichern, durch Polizei, Sicherheitskräfte oder eigenes Personal? Ich erinnere mich an ein Bundeswehrmunitionslager, welches trotz Bewachung durch Soldaten überfallen wurde, um an Waffen und Minitiion zu kommen, da gab es, wenn ich es recht erinnere, sogar Tote.
QUOTE]

Sie spielen auf die Soldatenmorde 1969 in Lebach an, als ein Munditionsdepot der Bundeswehr im Saarland überfallen wurde; doch ihr Vergleich hinkt. Die Täter waren damals selbst mit Pistolen bewaffnet, die im Wachhaus befindlichen fünf Soldaten (von denen vier bei dem Überfall getötet, der fünfte schwer verletzt wurde) schliefen in Verletzung der Dienstvorschriften zum größten Teil in einem Nebenraum.
Ein Täter, der ein School-Shooting plant, würde zudem kaum ein bewachtes Objekt ohne eigene Schusswaffe angreifen, da anderenfalls die Erfolgsaussichten minimal sind. Befindet er sich jedoch bereits im Besitz einer Schusswaffe, muss er sich eine solche schlichtweg auch nicht mehr besorgen.

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Baptist 13.03.2009, 11:53
35. Klugsch.....

Jetzt kommen sie wieder aus ihren Löchern, die Politiker, "Experten" und sonstige Klugsch... mit ihren Analysen und Lösungen, mit ihren Ratschlägen und holen die Standardaussagen zu Fällen der Vergangenheit aus den Schubläden.

- Verschärfung des Waffengesetzes
(klingt immer wieder gut für die Öffentlichkeit)

- Lehrer müssen ihre Schüler mehr beobachten
(dann hat man wenigstens einen Dummen auf den man die Schuld abschieben kann)

- Der psychologische Dienst an den Schulen muss ausgebaut werden.
(scheitert dann doch meist an den Kosten)

- Verbot von Killerspielen
(ist ohnehin nicht machbar).

Und dann warten wir auf den nächsten Vorfall und dann können die Experten im Fernsehen wieder kluge Ratschläge geben.

Und die Konsequenzen? Keine oder wenige. Das Leben ist nun mal gefährlich.

Es ist zwar bedauerlich, dass so viele junge Menschen getötet wurden, wenn in Afghanistan aber 15 Kinder von den Amis getötet werden, dann ist das ein bedauerlicher Kollateralschaden und man geht wieder zur Tagesordnung über.

Verrückte Welt!

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Dirk Ahlbrecht 13.03.2009, 11:58
36. ...

Zitat von Peter Kunze
Schön. Sie haben eine Risikoklassifizierung und -analyse erstellt. Und jetzt? Den Klassendeppen gibt es seit es Schulen gibt. ...Ich sehe nicht, was das in der Praxis (diese/dieser Schule/Betrieb/Person ist hochgradig gefährdet...oder wie muss man sich das vorstellen) bringen soll.
Ich höre allenthalben, Herr Kunze, daß sich ein Amoklauf nicht plötzlich ereignet, sondern dieser zumeist eine lange Vorgeschichte hat - teilweise über Jahre. So zumindest die Experten, die man so in Funk- und Fernsehen sieht und hört.

Und wenn dies stimmt, dann kann es eine Frage der Informationsbeschaffung sein, daß man solche "Biografien" erkennt - und entsprechend eingreifen kann. In hierzu gehören Ausbildung und Aufklärung und vieles mehr.

Nochmal: Es gibt keine Garantie. Aber ein "da kann man halt nichts machen" ist mir persönlich zu wenig.

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Donnie the Dutch 13.03.2009, 12:01
37. Symptom und Ursache

...zum Glück ist die Diskussion zum Thema Killerspiele in diesem Zusammenhang ja schon abgeflacht, zumindest haben viele erkannt, das es da noch mehr geben muss als nur ein Ballerspiel um Amokläufer zu werden.
Das gleiche trifft auch auf den Besitz von Waffen zu- mag ja sein das eine Verschärfung des Waffenrechts, den Zugang zu selbigen erschweren würde. Unter Umständen wären solche Szenarien wie Winnenden in diesem Ausmaße dann gar nicht existent, aber
generell sind Schusswaffen und Killerspiele doch mehr "Symptome und Ventile"- gäbe es einen Zugang zu diesen Dingen nicht, würde sich der Amoklauf anders ausdrücken. Die Entwicklung der Person und ihre Entscheidung andere Menschen und sich selbst zu töten würde vermutlich so oder so auch gefällt werden, nur mit anderen "Erscheinungsformen".

Die Frage muss um einiges früher und vielschichtiger gestellt werden und genau da liegt das Problem: Weder gibt es die monokausale Ursache noch Verantwortlichkeit für solche Dinge.
Das bedeutet eine komplexe, kooperative Herangehensweise von vielen Seiten, und dafür scheint das Thema anscheinend zu komplex. Gesellschaft schafft sich hier ihre eigenen "Monster", der Zeitraum um sich von ihnen zu lösen wird mit Sicherheit genauso lang sein, wie der, den es brauchte um sie zu erschaffen.
Viel zu langwierig. Dann lieber keine Killerspiele mehr.

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toastmann 13.03.2009, 12:04
38. Versagt...

hat bei diesem Amoklauf nicht das Waffengesetz, das Videospielverbot oder die Art diese betroffene Schule zu führen. Es hat einfach nur die Gesellschaft versagt, diesem 17 Jährigen beizubringen das Leben wertzuschätzen. Ich kenne mich mit psychologischer Behandlungen nicht aus, aber anscheinend ist das, was dort dem Menschen, und damit speziell dem Amoktäter, vermittelt wird, entweder nicht ansprechend für ihn gewesen, oder schlicht und einfach alt. Ein junger Mann schreit nach seelischer Hilfe(Weiss auch leider nicht, ob er von alleine hinging oder die Eltern ihn "zwangen", Fakt ist er war dort, und zwar mehrmals...), geht mehrmals zu einem Psychologen und dieser findet keine Lösung für seine Probleme. Dass Amokläufer keinem speziellen Raster zuzuordnen sind, glaube ich mehr als die Medien. Die Killerspiele, seine Begeisterung für Waffen, die sogar erwähnten pornografischen Inhalte auf seinem PC, seelische Instabilität/Depressionnen und andere Eigenschaften die gerne in den Mittelpunkt gerückt werden, stellen für mich keinen Beweis dar, dass der Amokläufer zu dem wurde was er am Ende war. Dieses Muster passt auf 1000e Jugendliche in ganz Deutschland. Nein, das einzige was ich sehe ist, dass die Jugendlichen einfach nichts mehr mit sich anzufangen wissen und dann auf solche Ideen kommen. Ihnen fehlt vllt. einfach nur eine Verbindung zu einer Gesellschaft in der sie sich wohl fühlen. Ich selbst bin 21, mein einziges Spiel auf meinem PC ist Counterstrike, mit der Softair hantierte ich auch als 17 Jähriger rum und fand es sicherlich berauschend.. Hätte ich die möglichkeit gehabt, wäre ich zu 100% mit zum Schießstand gegangen und hätte dort genauso geschossen wie der Täter. Problem ist einfach nur die Definition von Leben, die heute von Geld und sonstigem überblendet wird. Wäre dieser junge Mann selbst zum Jacobsweg oder sonstwohin für 3 Monate geschickt worden mit irgendwem der ihm einfach nur was schönes erzählen konnte, statt für 10 Tage nach Mallorca o.ä. ... Die Chancen wären um ein vielfaches niedriger... Das Leben öffnet sich einem 17 Jährigen, er wird mit vielem konfrontiert, viele verfallen in geistige Instabilität. Die Art wie man heute in der Gesellschaft damit umgeht ist das einzig falsche, was uns der Amoklauf zeigt... Und bei Gott, lasst die Eltern in Ruhe.. Für sie ist es ein viel tieferer Schock was da passiert ist. Die Art die Pistole aufzubewahren ist in fast allen Haushalten doch üblich und es sind nicht die einzigen gewesen, die die Pistole zur Sicherheit im Schlafzimmer aufbewahrt haben... Das hätte ALLEN passieren können, nicht nur der Familie die einen Sohn verlor und jetzt im Mittelpunkt von 80 Mio. steht...

Mein Beileid an alle die damit zusammenhängen...

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dayo 13.03.2009, 12:04
39. angepasst

Zitat von dieterschg
Ganz einfach, weil meist dazu keine eindeutigen Infos vorab existieren. Gerade die in den letzten Jahres Amokläufer wurden, stammen aus bürgerlichen Schichten und verhalten sich bis zu diesem Zeitpunkt meist nicht besonders ungewöhnlich.
stimmt- die braven, angepassten sind es, vor denen mir gruselt. ich halte es nicht für normal, wenn ein teenager so aussieht, wie die mama es möchte, sich verhält, wie es dem papa gefällt, kein veränderer, kein weltverbesserer ist.

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