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Medienkritik in der Literatur: Reporterpack
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Kritik an Journalisten ist in Mode, auch in den neuen Büchern von Umberto Eco und Jonathan Franzen. Klaus Brinkbäumer über die Romane "Nullnummer" und "Unschuld". Ein Beitrag aus der ersten Ausgabe des LITERATUR SPIEGEL.

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Phil2302 26.09.2015, 11:28
1.

Ach bitte. Wenn man Spiegel liest, bekommt man den Eindruck, dass nur Ärzte, Ingenieure und Co sowie Studenten (natürlich angehende Professoren) nach Deutschland kommen. Das Problem der gefälschten Pässe wird zwar einmalig erwähnt, jedoch total untertrieben. Kein kritischer Beitrag, wieso ausländische Medien Deutschland feiern (aber ihre eigene Regierung nicht dazu aufrufen, ebenfalls so viele Flüchtlinge aufzunehmen), kein Wundern, wieso ausländische Medien eine VÖLLIG andere Perspektive in dieser Situation einnehmen. Wenn ich jeden Tag nur Spiegel lesen würde, dann bekäme ich den Eindruck, dass wir eigentlich froh sein müssten über den Krieg in Syrien, so gut täte dem Land die aktuelle Krise. Und das kann es irgendwo nicht sein.

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cherrypicker 26.09.2015, 11:35
2. Getroffene Hunde bellen

So so, Ecos Buch ist schwach und unoriginell. Ich habe es noch nicht gelesen, aber ich habe fast alle seine anderen Bücher gelesen. Ecos Bücher mögen weitschweifig sein, verschlungen, bisweilen schwer verdaulich. Schon mein Italienisch-Dozent an der Uni vor 20 Jahren sagte: "Eco? Da kann ich auch gleich einen Backstein lesen!"

Nur eines wird man Ecos Büchern schwer vorwerfen können: Das sie nicht durchdacht seien. Dass der Artikleschreiber das Buch hier daher in Bausch und Bogen aburteilt, spricht dafür, dass Ecos Medienschelte ihn nicht kalt lässt. Getroffene Hunde bellen eben. Ein Grund mehr, das Buch zu bestellen. Schönes Wochenende!

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dirk_row 26.09.2015, 11:40
3. Die Deutungshoheit der Journalisten

Roland Tichy spricht zum Thema "Unwort Lügenpresse"
https://www.youtube.com/watch?v=SA2Mhv_LX2E

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arrache-coeur 26.09.2015, 11:43
4.

"Kritik an Journalisten ist in Mode" - Daran werden sich Journalisten schlicht gewöhnen müssen. "ihre Wahrheiten" sind eben nicht unbedingt immer wahr, und wenn Ungereimtheiten in der Berichterstattung oder zwischen Berichterstattung und Realität auftauchen, muss dem verantwortlichen Journalisten (der oft nicht wirklich Verantwortung übernimmt) auf die Finger geklopft werden.

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merrywivesofwindsor 26.09.2015, 11:44
5. Beispiel Presse

Habe früher sehr gerne Spiegel gelesen, besonders in SA war der Spiegel immer eine super Informationsquelle, wenn man an unzensierte Kopien gekommen ist. Momentan kommt mir der Spiegel aber vor wie damals die zensierten Kopien in SA. Für Informationen über Geschehnisse in Deutschland muss man schon auf ausländische Medien vertrauen. Man hat schon manchmal das Gefühl, das Kritik, besonders die am Islam, sehr scharf zensiert wird.

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ewt 26.09.2015, 11:44
6. Originell...

...wäre es auch gewesen, wenn sich der Rezensent dieser Zeilen literarische Kriterien an das Buch Orwells angelegt hätte - so wird allzu durchsichtig der Maßstab einer politisch korrekten Sichtweise angelegt; einfach nervig!
Umgekehrt wird ein Schuh draus: dass Ecos Thema derart dünnhäutig kommentiert wird, spricht Bände und lässt vermuten, dass hier ein Getroffener ´bellt´.

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Dio_genes 26.09.2015, 12:03
7. einseitig, tendenziös, belehrend

Auch einseitige Berichterstattungen, versuchte emotionale Manipulation (Kinder), und offensichtliche geistige Erziehungsversuche der Bevölkerung sind unter dem Begriff Lügenpresse zusammengefasst.

Es wird z. B. nicht mehr sachlich berichtet, sondern da muss gleich das Einzelschicksal so dargestellt werden, damit alle glauben, dass hier nur gebildete harmlos-religöse brutal Verfolgte kommen. Der Einzelfall mag keine Lüge sein, aber wenn ich Einzelschicksale rauspicke ist es ein tendenziös-manipulativer Bericht und somit im Verhältnis zu den tatsächlichen Verhältnissen unsachlich. Wenn der Bericht gefüttert wird mit Emotionen und versuchter Beeinflussung hat das mit neutralem Journalismus nichts zu tun. Alles was einseitig und verfälscht rausgepickt wird, ist de facto eine Lüge - im Zusammenhang mit der kompletten Nachrichtenlage.

Ist z. B. gestern nichts auf der Welt wichtigeres passiert als dass ein Kind ein Bild gemalt hat (auf Wunsch der Eltern oder der Kommt-alle-zu-uns-Jubler nach dem Motto mal mal wie schlimm das in Syrien ist und wie toll in Deutschland?). Ein Bild, man fasst es nicht wird bei Spon und in den Heute-Nachrichten breitgetreten als wäre es eine Nachricht. Das ist im Grunde der Gipfel und Höhepunkt im Nachweis, dass einseitig und emotional-manipulativ (und zwar seit Monaten massiv, täglich und permanent) gearbeitet wird.

Auch das untermauert den Ruf der Lügenpresse. Wie gesagt, das Bild mag keine Lüge sein, die drumgestrickte Geschichte jedoch fragwürdig und das rauspicken im Verhältniss zu den Geschehenissen in der Welt einseitig und manipulativ - deshalb: Trotzdem Lügenpresse!

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itolduso 26.09.2015, 12:04
8. Hybris aus Hamburg

„Keine Angst vor der Wahrheit“ hat der SPIEGEL doch laut neuer Eigenwerbung (die bekanntlich auch stinkt). An der Definition des Wahrheitsbegriffes sind schon ganz andere Größen der Weltgeschichte gescheitert, da braucht es keine leitenden Angestellten der untergehenden Holzindustrie.

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allesamt 26.09.2015, 12:04
9. Vorgefertigte Freund-Feindbilder

Fühlt sich da jemand auf den Schlips getreten? Jedenfalls alle Vorwürfe bestreiten und die beleidigte Leberwurst spielen sind keine Argumente. Allein die Fakten (sowohl bezogen auf Italien/Berlusconi als auch auf Deutschland) sprechen für sich: In welchen Punkten war der Journalismus in den letzten Jahren investigativ? Ja, es gibt Ausnahmen (Wallraff und einige Wenige). Aber in Sachen Politik haben die Journalisten einheitlich im Chor geschrieben, was die Dirigenten anordneten. Alles Passende wird zu Geschichten aufbereitet, von Bildern unterstützt, alles Unpassende verschwiegen. Hierzu gibt es unzählige Beispiele aus den verschiedensten Bereichen der Außen- und Innenpolitik. Gerade der Vergleich zu den Informationen aus den ausländischen Medien macht deutlich, wie tendenziell (und wohl abhängig) unsere Leitmedien berichten - oder was ebenfalls genauso schlimm ist: sie verschweigen Fakten, Geschehnisse, die nicht in das vorgefertigte Freund-Feindbild passen.

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