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"Mein Kampf" als Comic: Lernen mit Hitler

Staunende Kulleraugen, schnittiger Seitenscheitel: So sieht Adolf Hitler in einem japanischen Manga aus, der den Originaltext von "Mein Kampf" als Vorlage nimmt. Die absurde Idee dahinter: Der Comic soll japanischen Kids deutsche Literatur nahe bringen.

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aadam 02.10.2009, 11:37
1. Selber Schuld

Sowas passiert halt, wenn die Rechteinhaber den Originaltext gewaltsam geheim zu halten versuchen. "Mein Kampf" ist eine der folgenreichsten Publikationen des 20.Jahrhunderts und gehört als kommentierte Fassung in den Schulunterricht. Wir leben - noch - in einer Art Demokratie und hier gehören Machwerke diskutiert und nicht versteckt. Sonst "entdecken" es andere und machen daraus putzige Comics.

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frubi 02.10.2009, 11:48
2. .

Zitat von aadam
Sowas passiert halt, wenn die Rechteinhaber den Originaltext gewaltsam geheim zu halten versuchen. "Mein Kampf" ist eine der folgenreichsten Publikationen des 20.Jahrhunderts und gehört als kommentierte Fassung in den Schulunterricht. Wir leben - noch - in einer Art Demokratie und hier gehören Machwerke diskutiert und nicht versteckt. Sonst "entdecken" es andere und machen daraus putzige Comics.
Zu ihrer Forderung, dass mein Kampf in den Unterricht gehört. Ich hatte in der 12ten Klasse den LK Geschichte belegt. Wir wurfen förmlich zugemüllt mit Material aus dem zweiten Weltkrieg. Die Bilder von Leichenbergen und Konzentrationslager reichen mir für mein restliches Leben. Neben dem ganzen Material kann man in der kurzen Zeit nicht mit einer ganzen Klasse "mein Kampf" durchnehmen. "mein Kampf" nur anzuschneiden würde auch nicht viel bringen.

Also müsste man schon wichtige Lerninhalte für "mein Kamp" streichen. Ich kann mich aber nicht an ein Themengebiert errinern welches man hätte streichen können.

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nurEinGast 02.10.2009, 12:05
3. Nr.3

Zitat von frubi
Zu ihrer Forderung, dass mein Kampf in den Unterricht gehört. Ich hatte in der 12ten Klasse den LK Geschichte belegt. Wir wurfen förmlich zugemüllt mit Material aus dem zweiten Weltkrieg. Die Bilder von Leichenbergen und Konzentrationslager reichen mir für mein restliches Leben. Neben dem ganzen Material kann man in der kurzen Zeit nicht mit einer ganzen Klasse "mein Kampf" durchnehmen. "mein Kampf" nur anzuschneiden würde auch nicht viel bringen. Also müsste man schon wichtige Lerninhalte für "mein Kamp" streichen. Ich kann mich aber nicht an ein Themengebiert errinern welches man hätte streichen können.
muss ja nicht unbedingt Geschichte sein. Da "mein Kampf" durchaus auch (verquere) weltanschauliche Sichtweisen enthält wäre es meiner Meinung nach im Ethik- oder Religionsunterricht eh besser aufgehoben.

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someone_one 02.10.2009, 12:06
4. Rechtslage

Zitat von aadam
Sowas passiert halt, wenn die Rechteinhaber den Originaltext gewaltsam geheim zu halten versuchen. "Mein Kampf" ist eine der folgenreichsten Publikationen des 20.Jahrhunderts und gehört als kommentierte Fassung in den Schulunterricht. Wir leben - noch - in einer Art Demokratie und hier gehören Machwerke diskutiert und nicht versteckt. Sonst "entdecken" es andere und machen daraus putzige Comics.
Rechtslage
http://www.damaschke.de/notizen/inde...on-mein-kampf/

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larsmach 02.10.2009, 12:20
5. Japan nach dem 2. Weltkrieg...

Wohlmöglich steht manch argloser Umgang mit europäischen Diktatoren des Nationalsozialismus in einem Zusammenhang zur Eigenheit Japans, seinen "Kriegs-"Kaiser nach der Kapitulation im Amt zu lassen - man stelle sich Nachkriegsdeutschland unser ähnlichen Voraussetzungen vor...

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Stefan Albrecht 02.10.2009, 12:26
6. Stimme zu

Zitat von aadam
Sowas passiert halt, wenn die Rechteinhaber den Originaltext gewaltsam geheim zu halten versuchen. "Mein Kampf" ist eine der folgenreichsten Publikationen des 20.Jahrhunderts und gehört als kommentierte Fassung in den Schulunterricht. Wir leben - noch - in einer Art Demokratie und hier gehören Machwerke diskutiert und nicht versteckt. Sonst "entdecken" es andere und machen daraus putzige Comics.
Stimme Ihnen zu, wir haben ein total verklemmtes Verhältnis zu diesem "Schriftwerk" und ich denke, dass dieses in einer extremen Angst begründet ist, noch einmal auf so einen Dümpel hereinzufallen.
Zugleich sehe ich auch einen gewissen falschen Stolz bei uns, der es verhindert, sich mit Hitler sachlich auseinanderzusetzen. Denn eine sachliche Auseinandersetzung bringt mit sich, dass man merkt, dass er nicht nur ein grosser Narr war und wir Deutschen die noch größeren Narren, sondern dass er auch von der damaligen Gesellschaft geformt wurde. Eine Gesellschaft, in der das Recht des stärkeren galt und in der die Schwächeren mit Füssen getreten und verlacht wurden. Eine sachliche Auseinandersetzung würde uns also einen Spiegel vorhalten.
Einen Spiegel, den wir bis heute nicht ertragen.
Während die Engländer, die unter dem Wahn Hitlers sicher arg gelitten haben, heute eine Parodie nach der anderen abziehen.
Erst wenn wir mit den Engländern über Hitler lachen können und ihn nicht mehr insgeheim als unbezwingbares Monster betrachten sondern als das was er eigentlich war, haben wir die Zeit des dritten Reiches überwunden. Vorher nicht. Und die Geheimhalterei ist in nichts als in Angst vor uns sebst begründet: Dass wir vielleicht nochmal so große Narren sein könnten und wieder auf einen Narren hereinfallen.

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A-Schindler 02.10.2009, 12:30
7. Mein Krampf

Bin mal gespannt wenn die 70 Jahre vorbei sind und das Buch nicht mehr unter Urheberrecht steht.
In Deutschland wird viel über das Buch geredet, aber kaum einer hat es gelesen. Wie wäre es mit einer Verfilmung? oder wie in Japan als Comic?
Statt Hakenkreuze könnte man Kreise nehmen, obwohl mir nie einer Erklären konnte warum die Hakenkreuze Verboten sind, während sie dennoch massig in Filmen Auftauchen.

Ich selber kenne nur Ausschnitte vom Buch und mir wurde dabei schon schlecht...

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Zagreus 02.10.2009, 12:57
8. Geschichte - eine Märchenstunde?

Hitler zu dämonisieren heisst, sich der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und vor allem auch mit seiner Entstehung zu entziehen.

Ein Dämon, ein Widerling, ein unsympathischer Hitler hätte niemals diesen Zulauf und Unterstützung gefunden, die er nun einmal fand. Und *Unbeschwerde Männerfreundschaft* war nunmal damals ein wichtiges Bild - das an vielen Orten gepflegt wurde.

Sofern man Geschichte als Quelle zur Deutung von gegenwärtigen und zukünftigen Ereignissen verstehen mag und nicht nur als eine Märchenstunde, tun die Japaner hier mehr für die Aufarbeitung und Auseinandersetzung als das vielgelobte 'Maus'-Buch, welches durch seine Aufteilung in Deutsche als Katzen und Juden als Mäuse ein natürliches Verhalten aller Parteien suggeriert, welches im Grunde der NS-Ideologie Vorschub leistet.
Mäuse gehören nunmal zur natürlichen Beute von Katzen; katzen fressen von Natur aus Mäuse.
Diese Metapher auf zwischenmenschliche Verhältnisse zu übertragen wie hier auf das Verhältnis von 'Ariern' versus 'Juden' suggeriert, daß die 'Arier', die metaphorischen Katzen, nur ihrer Natur nach gehandelt hätten an den metaphorischen Mäusen, den Juden.
Aber nichtjüdische Deutsche töten nicht von Natur aus ihre jüdischen Nachbarn. Dies geschieht erst, wenn entsprechende kulturelle Konstellationen ein entsprechendes Konstrukt geschaffen haben, innerhalb derer eben die 'Arier' einer angeblichen Natur gemäß Nicht-Arier unterdrücken bis ermorden und auszurotten versuchen müßten.

Das Problem 'Hitler' besteht aber nicht in einer Rassentheorie, in der es verschiedene Menschenrassen gäbe, die sich in einem Kampf ums Überleben befänden, und auch nicht darin, daß irgendwelche Außerirdische oder Dämonen anständige Menschen verführt hätten, sondern darin, wie normale, symphatische Menschen, die im Grunde nur das Beste für ihre Familien und ihre Gesellschaft wollen, losgehen, und Massenmord als Heilmittel auf dem Weg zu einer besseren Gesellschaft halten können.
Angefangen beim KZ-Kommandanten, der heis und innig seine Kinder liebt, über den Psychater, der bereit die im anvertrauten Behinderten totzuspritzen oder zur Vergasung abholen zu lassen, bis zu den Nachbarn, denen Böses schwande, wenn ihre jüdischen Nachbarn nun zur Umsiedlung sich am Morgen am Bahnhof einzufinden hätten bis hin zu den Kirchenvertretern, aber nichts tun wollen.

Damit kann man sich nicht auseinandersetzen, wenn man sowieso überzeugt ist, dass es ja eh nur Dämonen waren - dann ist der Fall geklärt: es waren Dämonen oder einfach nur schlechte Menschen (was immer das sein soll).
Nein, eine echte Auseinandersetzung kann nur auf der Basis der Erkenntnis stattfinden, dass die Nazis inc. Hitlers sympathische Idealisten waren, die mit Hilfe ihrer Bewegung eine bessere Welt erschaffen wollten. Hier kann mman schauen, was genau alles schief lief; was warum sich entwicklete bis eben zu den Gaskammern von Auschwitz.
Dazu leistet ein Manga, das versucht die Selbstwahrnehmung der Hauptfigur, des *Führers*, darzustellen, welches dann in Relation zu den Ergebnissen, zu den Genoziden, gesetzt wird, mehr als jedes gutgemeinde Märchen von Dämonen in Menschengestalt.

Von daher halte ich auch die Argumentation des Autors hier für Kontraproduktiv.

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QWERT 02.10.2009, 13:09
9. Attraktivität

Zitat von Stefan Albrecht
Erst wenn wir mit den Engländern über Hitler lachen können und ihn nicht mehr insgeheim als unbezwingbares Monster betrachten sondern als das was er eigentlich war, haben wir die Zeit des dritten Reiches überwunden. Vorher nicht. Und die Geheimhalterei ist in nichts als in Angst vor uns sebst begründet: Dass wir vielleicht nochmal so große Narren sein könnten und wieder auf einen Narren hereinfallen.
Das sehe ich auch so. So ist zum Beispiel die Frage, die im Artikel angesprochen wird, ob man Hitler attraktiv finden oder zeichnen soll, irrelevant. Das geht völlig am Kern der Sache vorbei - als ob man die Gefahr vor einem neuen Dritten Reich abwenden kann, indem man verbietet, Hitler attraktiv zu finden.

Nachdem es hier außerdem um einen Comic in Japan geht, hätte man im Artikel erwähnen sollen, dass härtere Comics - in welchem Sinn auch immer - in Japan weit verbreitet sind und zum Beispiel auch ohne, dass es irgendjemanden stört, vor aller Leute Augen in der Bahn gelesen werden. Auch Hakenkreuze sehen für Japaner nicht so erschreckend aus wie für uns, da sie zum Beispiel an den Tempeln überall rumhängen (wenn auch linksrum gedreht; und natürlich haben diese eine ganz andere Bedeutung).

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