Forum: Kultur
"Mein Kampf" als Comic: Lernen mit Hitler

Staunende Kulleraugen, schnittiger Seitenscheitel: So sieht Adolf Hitler in einem japanischen Manga aus, der den Originaltext von "Mein Kampf" als Vorlage nimmt. Die absurde Idee dahinter: Der Comic soll japanischen Kids deutsche Literatur nahe bringen.

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Huscheli 02.10.2009, 13:29
10. Nun...

Man darf nicht vergessen, dass in Japan der 2. Weltkrieg nicht dermassen aufgearbeitet wurde, wie in Deutschland. Im gegenteil, die Zeit wird teilweise auch sehr verherrlicht. Mal davon abgesehen, dass Japaner "deutsches Zeug" allgemein mögen, Nazis haben als die Oberbösen halt noch einen ganz speziellen Reiz. Es ist nicht selten, dass beliebte Mangacharaktere mal in einer Bonuszeichnung des Autors in Naziuniform rumrennen - das ist eben "cool".

Zuviel sollte man sich in den Comic also wohl am besten nicht hineindenken, denn es gibt schlichtweg zu allem Comics in Japan. Ich wage sogar zu bezweifeln, ob da wirklich ein sooo "aufklärerischer" Gedanke dahinter ist, zumal man "Mein Kampf" Bücher in japanischer Übersetzung relativ leicht kriegt. Am Ende ists wohl neben Wissensvermittlung auch einfach unterhaltsam, Hitler innem Manga zu sehen (auch wenn das eigentlich schon des öfteren mal passierte.)

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Mike0815 02.10.2009, 13:29
11. Intentionen

Zitat von sysop
Die absurde Idee dahinter: Der Comic soll japanischen Kids deutsche Literatur nahe bringen.
Die Japaner sind sehr diplomatisch, oder in diesem Falle SPON.
Das bleibt nach Lesen des Artikels jedenfalls offen.

Die "deutsche Literatur nahebringen" das ist gut?
Mit welchen Intentionen denn?
Hey schaut her, das sind ja tolle Nazis die Deutschen! So etwa?
Oder so:
Lest Euch das gut durch, damit ihr lernt wie man es nicht machen sollte?

Ist die Intention denn pro oder kontra deutsch, pro oder kontra Nazionalsozialistisch?
Wird der Holocost glorifiziert oder kritisiert?

Absurd ist jedenfalls, das ein Buch, kein besonders positiv kritisiertes übrigens, Kids in fernen Ländern unsere deutsche Literatur nahebringen soll.

Was denken die denn dann von uns, wenn sie das gelesen haben?
Wäre Goethes Faust da nicht besser gewesen, als Lehrmittel?
Diese Inhalte sind zweifelsfrei humanistisch und positiv.

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DefTom 02.10.2009, 13:34
12. Meine Erfahrung mit dem Thema

Wer schon einmal "Mein Kampf" in der Hand hatte und auch versucht hat, darin zu lesen, dem wird:
1. schnell schlecht geworden sein
2. schnell aufgegangen sein, wie profan das Ganze daherkommt
3. schnell ein Licht aufgegangen sein über den Geisteszustand des Herrn Hitler und
4. daher schnell das Lesen wieder vergangen sein.
Würde dieses Buch im Schulunterricht auch nur in Auszügen behandelt werden, wäre aber meiner Meinung nach schnell Schluß mit der auch in "besseren" Kreisen wieder aufkommenden dumpfen Deutschtümelei. Wer will schon in einer Schulklasse der letzte Depp sein, der an den Mist glaubt? Gruppenzwang kann auch positive Aspekte haben. Und die, die das Buch "cool" finden würden, nur um aufzufallen, würden nach einer gewissen Zeit den Spaß dran verlieren.
Selbst falls das zu schöne Träumereien sind, würde eine Behandlung des Themas mehr positive denn negative Effekte haben.
So bleibt es das "böse" Buch. Ähnlich mystisch und gesellschaftlich verdammt wie früher das Necronomicon. Das macht's für viele eben wieder attraktiv.
Und wer schon mal ein Blick ins Necronomicon geworfen hat, dem war wahrscheinlich nach 10 Zeilen klar, daß Abdul Al-Hazred, der's damals verfasste, vollkommen übergeschnappt gewesen sein muß. Gleiches Spiel hier. Wobei das Necronomicon keinerlei Bedeutung mehr für uns hat.

Ähnliches könnte mit Herrn Hitlers Ausflüssen auch geschehen, man muß aber erst mal offen drüber reden können.

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M@ESW 02.10.2009, 13:39
13. Ähm,

Zitat von DefTom
Ähnlich mystisch und gesellschaftlich verdammt wie früher das Necronomicon. Das macht's für viele eben wieder attraktiv. Und wer schon mal ein Blick ins Necronomicon geworfen hat, dem war wahrscheinlich nach 10 Zeilen klar, daß Abdul Al-Hazred, der's damals verfasste, vollkommen übergeschnappt gewesen sein muß.
Sie wissen aber schon das das Necronomicon rein fiktiv ist? Es gab weder einen Abdul Al-Hazred noch ein Necronomicon. Nachdem dieses Buch aber aus der Gesichte so gut hängen blieb hat man halt auch schnell eins geschrieben um damit Cash zu machen.

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kotoba 02.10.2009, 14:07
14. Kanpai auf die Japanberichterstattung

Exemplarisch für die Japan-"Berichterstattung" von SPON. Immer in die gleiche Kerbe hauen: Mangas, Roboter, Computerspiele - einseitig und exotisierend, so dass man mal wieder richtig schön den Kopf schütteln kann über diese Japaner. In diesem Fall, wahrscheinlich um den oben genannten Zweck zu erfüllen, auch noch schlecht recherchiert. Der reißerische Titel ist schlicht falsch übersetzt. "Dokuha", mit den Schriftzeichen für Lesen + Zerstören, heißt nichts anderes als ein dickes oder schwieriges Buch aus-, durch-, oder zuendelesen.

Anders als in Deutschland, wo das Japanbild vieler Leute leider genau die vom Spiegel berichteten Punkte umfasst, dazu vielleicht noch "Samurai" und "Fuji", lernen die japanischen Kinder schon in der Schule westliche Literatur und sind eines der lesefreudigsten Völker der Welt, brauchen also wohl kaum einen Hitlercomic, um deutsche Literatur kennenzulernen. Wenn der Autor ein wenig weiter recherchiert hätte, hätte er festgestellt, dass in der Serie neben dem Kapital und mein Kampf auch noch Dante oder Proust oder eben auch japanische Klassiker wie Soseki zu finden sind - eben auf die ein oder andere Art berühmte, aber schwierig zu lesende/kaum gelesene Werke, wie der Serientitel "Als Manga (endlich) durchlesen" auch andeutet. Dass die Serie für "Kids" ist, ist mir sowieso nicht ersichtlich. Wie ein anderer Forist schon bemerkt hat, empfinden die Japaner (anders als der Autor?) Comics nicht als minderwertige oder kindische Kunstform.

Mit der Beurteilung, ob man so etwas veröffentlichen sollte halte ich mich zurück. Ich halte die deutsche Zensur, insbesondere heute, für eher kontraproduktiv und denke, dass es die Aufgabe der Schule ist, den Menschen ausreichend Informationen und kritischen Geist mitzugeben, dass sie durch die Lektüre von Schund oder Propaganda keinen Schaden nehmen (oder wie man das auch immer nennen mag, wenn man Mein Kampf für bare Münze oder als religiösen Text versteht).

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Websingularität 02.10.2009, 14:07
15. Im Prinzip gut

Eigentlich finde ich einen unvoreingenommenen Umgang mit dem Thema ganz gut. Nur so kann wirklich Aufklärung stattfinden.
In westlichen Ländern wird der Stoff gerne mit Allegorien und Metaphern umschrieben. Wir machen lieber eine Fabel oder ein Kochbuch daraus. Ich selbst habe eine asiatisches Kochbuch mit dem Titel 'Mein Mampf'. Mein Lieblingsgericht: Nazi Goreng

Jetzt ganz im Ernst. Das versteht doch kein Mensch. Kann man die Dinge nicht beim Namen nennen und so veröffentlichen wie sie auch geschrieben wurden.
Nur Kennzeichnen sollte man diese entsprechend. Also keine Altersfreigabe ab zwölf oder so.

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menschenrechte 02.10.2009, 14:11
16. Hitlers Bildnisse verbrennen!

Um die Nazibarbarei ein- für allemal auszumerzen,
ist es erforderlich, alle Fotos, die Hitler oder Nazis in
Siegerpose zeigen, zu vernichten.
Außerdem sollten generell alle Hitlerfotos vernichtet
oder nur noch mit Augenbalken gezeigt werden.
Andernfalls brauchen wir uns über Neonazis und Unmenschlichkeiten in unserer Gesellschaft nicht zu wundern.

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opag78 02.10.2009, 14:22
17. Mystifizierung des Unbekannten

Unabhaengig davon ob, wann und von wem das Necronomicon geschrieben wurde, wollte der Autor jenes Beitrages auf etwas Wesentlicheres hinweisen :

Das Unbekannte wird immer zur Legende und die Legende ist immer besser, als das Original.

Er hat zu Recht darauf hingewiesen, dass ein unbekanntes und angeblich verbotenes Buch eine Attraktivitaet entwickelt.
Viele wollen es dann mal lesen, weil es angeblich verboten ist, aber sie koennen ja nicht, weil sie es nicht bekommen koennen.

Das das Buch furchtbar langatmig ist, (ich hatte waehrend meiner Zeit in Indien ausgiebig Gelegenheit das Buch in English zu lesen) das stoert dann nicht mehr, denn ploetzlich ist das Buch eine Legende geworden.

Die Legende entwickelt dann ein Eigenleben.
Intelligente Menschen fuehlen sich ploetzlich genoetigt ihre Zeit mit diesem Mist zu verschwenden, weil die Legende immer noch herumgeistert.
Nicht so intelligente Menschen fangen ploetzlich an sich mit der Legende (nicht mit dem Buch, denn an das kommen sie ja nicht heran) zu beschaeftigen. In deren Augen wird die Legende zur Realitaet und Leute aus ihrem Umkreis, welche das Buch angeblich oder wirklich gelesen haben , werden voellig unnoetigerweise aufgewertet.

Frueher oder spaeter sollte man endlich eine politische Entscheidung treffen, wie mit dem Machwerk umgegangen werden soll. Die bisherige Nicht-entscheidung, die dann konsequent zur Legendenbildung fuehrte, laesst einen fast vermuten, dass bestimmte Leute sogar ein Interesse an dieser Entwicklung haben/hatten.

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DefTom 02.10.2009, 14:32
18. Genau

Zitat von opag78
Unabhaengig davon ob, wann und von wem das Necronomicon geschrieben wurde, wollte der Autor jenes Beitrages auf etwas Wesentlicheres hinweisen : Das Unbekannte wird immer zur Legende und die Legende ist immer besser, als das Original. Er hat zu Recht darauf hingewiesen, dass ein unbekanntes und angeblich verbotenes Buch eine Attraktivitaet entwickelt. Viele wollen es dann mal lesen, weil es angeblich verboten ist, aber sie koennen ja nicht, weil sie es nicht bekommen koennen. Das das Buch furchtbar langatmig ist, (ich hatte waehrend meiner Zeit in Indien ausgiebig Gelegenheit das Buch in English zu lesen) das stoert dann nicht mehr, denn ploetzlich ist das Buch eine Legende geworden. Die Legende entwickelt dann ein Eigenleben. Intelligente Menschen fuehlen sich ploetzlich genoetigt ihre Zeit mit diesem Mist zu verschwenden, weil die Legende immer noch herumgeistert. Nicht so intelligente Menschen fangen ploetzlich an sich mit der Legende (nicht mit dem Buch, denn an das kommen sie ja nicht heran) zu beschaeftigen. In deren Augen wird die Legende zur Realitaet und Leute aus ihrem Umkreis, welche das Buch angeblich oder wirklich gelesen haben , werden voellig unnoetigerweise aufgewertet. Frueher oder spaeter sollte man endlich eine politische Entscheidung treffen, wie mit dem Machwerk umgegangen werden soll. Die bisherige Nicht-entscheidung, die dann konsequent zur Legendenbildung fuehrte, laesst einen fast vermuten, dass bestimmte Leute sogar ein Interesse an dieser Entwicklung haben/hatten.
Ja, genau. So könnte eines Tages wieder eine Stimmung wie z.B. "Der Mann hatte ja gar nicht sooo unrecht, irgendjemand muß ja für mein Versagen schuld sein" entstehen, und dann will ich nicht mehr hier leben. Aufklärung ist die Devise. Übrigens: diese Stimmung herrscht zumindest in großen Teilen der Arbeiterschaft schon jetzt wieder bei uns. Noch nicht radikal, aber eben so empfunden.

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genesys 02.10.2009, 14:53
19. unverständlicher Umgang

Für mich ist der Umgang mit seinem Krampf unverständlich. Im Internet habe ich das Buch vor geraumer Zeit gefunden und geladen.

Das erste Kapitel war lesbar, gab mir aber die Erkenntnis, dass der Bursche als Schriftsteller mit grosser Wahrscheinlichkeit verhungert wäre. Ab dem zweiten Kapitel war das krude Ding praktisch nicht mehr lesbar, weil vollkommen wirr geschrieben. Aber für mich barg es eine damals sehr überraschende Erkenntnis:

Nach Behandlung des Themas im Schuluntericht war ich der Meinung, dass die Nazis eine Clique von Verbrechern waren die, getrieben von gemeinschaftlichem Hang zur Grausamkeit, sich gegenseitig in der Ausübung ihrer Verbrechen überbot. Also eine Art Gemeinschaftswerk des Grauens. Niemals hätte ich es für möglich gehalten, dass ein einziges krankes Hirn diesen Nazi-Mist ausbrüten kann.

Um so überraschter war ich, dass all die Nazi-Verbrechen schon in verschiedenen Textpassagen in seinem Krampf angekündigt wurden. Es war also wirklich ein einziger Irrer, dem die Massen blind gefolgt sind.

Aus meiner Erfahrung heraus halte ich es daher für falsch, dass dieses Buch im Schulunterricht nicht behandelt wird.

Was bleibt ist die Frage, die mir bisher noch kein Lehrer beantworten konnte: Wie konnten die Deutschen so derart blöd sein, diesen perversen Irren gewähren zu lassen? Hat denn damals keiner sein Buch gelesen?

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