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Meinungsfreiheit: Dann nennt uns doch Lügenpresse!
DPA

Deutschlands Medienlandschaft ist einzigartig. Wer hier "Lügenpresse" ruft, hat nicht verstanden, was Meinungsfreiheit bedeutet. Journalisten sollten sich davon nicht aus der Ruhe bringen lassen.

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Allesdemokraten 06.10.2018, 12:15
1. Überheblich.

Das die Presse- und Meinungsfreiheit verteidigt werden muss, steht außer Frage. Aber das sich die Presse als Märtyrer hinstellt, ist doch mehr als peinlich. Zumal gerade die deutsche Presse in der Vergangenheit eher als Hofberichterstatter aufgetreten ist. Dazu kommt der neueste Coup. Die Regierung lädt ausgewählte Pressevertreter zu Hintergrundgespräche ein. Die Mehrheit der Presse bleibt davon außen vor. Und wie ist die Reaktion dieser Mehrheit? Schweigen im Walde. Ich könnten noch mehr aufführen. Darum habe ich hier nur die in meinen Augen wichtigsten Probleme aufgelistet.

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Scoremaker99 06.10.2018, 12:18
2. Nach unten kann man sich immer orientieren...

Hallo Herr Journalist, coole Argumentation: Weil es in anderen Ländern besonders schäbig zugeht, können wir mit unserem Standard hochzufrieden sein. So versinkt man im Mittelmaß...

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DougStamper 06.10.2018, 12:20
3. Die meisten haben einfach nicht verstanden,

das Meinungsfreiheit nicht heißt, dass man ihre Meinung nicht kritisieren darf. Wenn jemand sagt die Flüchtlinge sind an allem schuld, kann er das gerne sagen, muss aber damit rechnen das er Kontra bekommt. Da die lügenpresse rufer aber mit Kritik nicht zurecht kommen fühlen sie sich so, als wenn ihre Meinung nicht zugelassen würde.

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gatoalforno 06.10.2018, 12:22
4. Lückenpresse...

wäre auch konkreter. Man muss kein AfD- Pegida-Anhänger sein, um die die Entwicklung der deutschen Presse kritisch zu sehen. Als kritischer und denkender Mensch, der über den Tellerrand schaut, versteht, wie sich die Medienlandschaft auf ein paar wenige Medienmogule aufgeteilt haben, man versteht die Abhängigkeiten zwischen Politik, Wirtschaft, Finanz und Presse. Zu oft wird Meinung, Komentar und Berichterstattung vermengt und das sehr tendenziös. Die Leserzahlen spiegeln das gut wieder und dass Autoren, die in Lohn und Brot dieses Systems stehen, nicht reflektieren- wie dieser Kommentar ist nur all zu menschlich wie symptomatisch.

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mojo2xs 06.10.2018, 12:23
5. Systempresse

Dann ist es eben keime Lügenpresse sondern eine Systempresse. Auf jeden Fall keine für die Menschen im Land. Was ist zum Beispiel mit der These das die deutsche Regierung (und andere westliche Regierungen) afrikanische Diktatoren und Unrechtsregime mit finanziellen Mitteln unterstützten und damit die Flüchtursachen befördern. Lese ich nicht so oft in der Zeitung. Dafür lese ich aber in der Zeitung das der Zuzug von Fachkräften für unser Land gut sei weil es für die Wirtschaft gut ist. Für mich persönlich ist das aber gar nicht gut. Andere die eh schon sehr reich sind profitieren davon. In den Ländern aus denen die Zugezogenen Fachkräfte kommen wird gleichzeitig die Armut der dagebliebenen zementiert und aus Deutschland eine Insel des Wohlstands aufrechterhalten. Das ganze wird von unsere deutschen Presse als "gut" für die Flüchtlinge verkauft. Das wir sie aufnehmen...
Zu den Ursachen und Gründe für die Ungleichverteilung der Mittel und der Menschenrechte hat die Presse nichts zu sagen aber auf denen rumhacken die sagen zu viel Zuzug tut uns nicht gut. Ich würde sagen irgendwie verlogen oder zumindest auf einem Auge blind oder aber gekauft

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The Realist 06.10.2018, 12:23
6. Ist der Unterschied wirklich so groß?

Die türkische Presse will von der Wirtschftskrise nichts mitkriegen. Die deutsche Presse schreibt die Auswirkungen des Flüchtlingszuzuges schön. Beide haben die gleiche Botschaft: Wir haben es im Griff.

Die türkischen Medien gehören staatsnahen Unternehmern, die deutschen Medien gehören oftmals dem Staat oder oftmals Verlagen, die Eigentum der Regierungsparteien sind oder abhängig sind von Aufträgen des Staates.

Reden wir uns die deutsche Pressefreithit nicht etwas schön? Augen aufmachen und mitdenken, liebe Journalisten!.

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just saying 06.10.2018, 12:26
7. Dann nennt uns doch Lügenpresse!

Ja , dank Kommentaren wie diesem machen das auch immer mehr Leser. Diesen Kommentar kann ich wieder einmal nutzen um nachzuweisen in welcher Blase Journalisten leben. " Über Deutschland verstreut finden sich unzählige, politisch unabhängige Zeitungen und Radiosender." Ich musste auflachen. Danke dafür.

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curiosus_ 06.10.2018, 12:26
8. Na ja, Frau Ataman...

Zitat von Ferda Ataman
Der Begriff Lügenpresse kommt eigentlich aus dem deutschen Antisemitismus des 19 Jahrhunderts. Nach der Märzrevolution 1848 hieß es, die Juden steckten hinter allem, wofür die deutsche Revolution stand: Liberalismus, Sozialismus, Demokratie. Sie würden die Gesellschaft mit Hilfe der Lügenpresse verändern. Wer heute "Lügenpresse!" ruft, schließt an einen antisemitischen Diskurs an.
...das sieht Wikipedia etwas anders:

Lügenpresse ist ein politisches Schlagwort, das polemisch und in herabsetzender Absicht auf mediale Erzeugnisse gerichtet ist und sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts im deutschen Sprachraum nachweisen lässt. Zunächst wurde es gelegentlich von konservativen Katholiken gegen die im Zuge der bürgerlichen Revolutionen entstandene liberale Presse gewandt. Im Kontext des Ersten Weltkrieges fand „Lügenpresse“ sehr viel häufiger Verwendung; hier bezeichnete es aus Sicht Deutschlands und Österreich-Ungarns die Presse der Feindstaaten. Sowohl vor als auch im Nationalsozialismus nutzten NS-Agitatoren das Schlagwort im Rahmen ihrer antisemitischen Verschwörungstheorie zur Herabsetzung von Gegnern als Kommunisten und Juden …

Darüber hinaus fand „Lügenpresse“ auch in Organisationen der Arbeiterbewegung zur Abwertung von als bürgerlich oder kapitalistisch wahrgenommenen Teilen der Presse sowie in der Exilpresse als Bezeichnung für die gleichgeschalteten NS-Medien Verwendung.
…
In den Anfängen der religiösen Bewegungen von Spätmittelalter und Früher Neuzeit wurde der Vorwurf der Lüge genutzt, um die katholische Kirche als unglaubwürdig darzustellen: Sie halte sich selbst nicht an die von ihr verkündeten Gebote. Die gedruckte protestantische Publizistik nahm diesen Vorwurf auf. …

Der Lügenvorwurf an die Druckwerke war im 17. Jahrhundert derart allgemein geworden, dass Kaspar von Stieler im Zeitungsbuch Zeitungs Lust und Nutz 1695 ein eigenes Kapitel darauf verwandte, die Journalisten dagegen in Schutz zu nehmen.


Das auf "kommt eigentlich aus dem deutschen Antisemitismus" zu verengen ist schon etwas tendenziell. Antisemitismus hat sicher auch bei manchen eine Rolle gespielt, war aber wohl nicht der Ursprung des Begriffs. Und dient wohl eher dazu den Gegner zu verunglimpfen, denn mit einem Antisemiten muss man sich nicht inhaltlich auseinandersetzen.

Da könnte mancher jetzt wieder auf die Idee kommen "Lügenpresse" zu rufen.

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oldman2016 06.10.2018, 12:30
9. So einfach ist das nicht!

Politisch Unabhängigkeit von Medien heißt noch lange nicht politische Objektivität. Meinungsvielfalt in den Medien heißt noch lange nicht, dass die Medien für jeden auch kostenfrei zugänglich sind. Ich kann mir bei widersprüchlichen Meinungen nur dann ein eigenes Urteil bilden, wenn ich die Medien kostenfrei nutzen kann. Der normale Arbeitnehmer oder Rentner kann sich vielleich gerade noch ein kostenpflichtiges Abonnement leisten, egal ob im digitalen oder im Papierformat. Weiterhin halte ich werbefinanzierte Medien weder für objektiv noch für neutral. Immerhin: Der staatliche Einfluss auf Medien ist oberflächlich betrachtet in Deutschland weit geringer als in zahlreichen anderen Staaten. In Deutschland werden aber oft nur noch Themen behandelt, die hohe Klickzahlen und damit hohe Werbeeinnahmen versprechen. Hetzjagden gegen Ausländer, Bashing Behördenchefs und Bundespräsidenten stehen dabei an vorderster Stelle. Die Umverteilung von unten nach oben wird gewollt und bewusst ausgeblendet. Die gewollte und absichtlich inszenierte gegenseitige Ausspielen von Bevölkerungsgruppen ist für mich unverkennbar.

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