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Meinungsfreiheit: Dann nennt uns doch Lügenpresse!
DPA

Deutschlands Medienlandschaft ist einzigartig. Wer hier "Lügenpresse" ruft, hat nicht verstanden, was Meinungsfreiheit bedeutet. Journalisten sollten sich davon nicht aus der Ruhe bringen lassen.

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enzio 06.10.2018, 12:41
20. Monstranz Pressefreiheit

Dieses Schwarz-Weiß-Gemälde taugt nicht dazu, die Wirklichkeit abzubilden. Die Pressefreiheit wurde beispielsweise missbraucht, um regelrechte Hetzjagden auf den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff zu veranstalten, der vor Gericht in allen Punkten freigesprochen wurde - nur, da hatten die Medien ihr Opfer schon erlegt. Es ist dieser ungesteuerte, aber effiziente Mainstreamjournalismus, ein Meinungskartell, das manchmal fassungslos macht, das auf Kritik beleidigt reagiert und sofort die Monstranz "Pressefreiheit" als vermeintliches Schutzschild vor sich herträgt.

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Phil2302 06.10.2018, 12:41
21. Ein Beispiel

Ich habe keine Zeit gerade, daher nur ein schnelles Beispiel: Zeit Online, 18.92017: "Wie die AfD mit falschen Zahlen Vorurteile schürt
Zwei Drittel aller Flüchtlinge hätten keine Schulausbildung, behauptet die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel. Das lässt sich wissenschaftlich nicht belegen." Vorher, 5.12.2015: ""Zwei Drittel können kaum lesen und schreiben"
Viele Flüchtlinge haben eine miserable Schulbildung, nur zehn Prozent sind Akademiker. Das hat der Bildungsökonom Ludger Wößmann herausgefunden. Ein Gespräch". Na, wie nennt man das?

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Fuxx81 06.10.2018, 12:42
22. Bei der Presse ist Luft nach oben

Die deutsche Presse ist nicht so schlecht wie manche denken, aber auch nicht so gut, wie sie sich selbst gerne darstellt.

Nein, zentral aus dem Kanzleramt wird sie nicht gesteuert, dennoch lässt sie sich oft genug zum Hofberichterstatter degradieren.
Plumpe Lügen gibt es selten, aus dem Zusammenhang gerissen wird dafür sehr oft. Zu viele Journalisten schreiben lieber für oder gegen etwas, als über etwas, trennen nicht sauber zwischen Meinung und Berichterstattung.

Dass es bei uns noch nicht so schlimm ist wie in Erdoganistan, ist ja nun auch kein Maßstab an dem man gemessen werden möchte, oder?

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charlybird 06.10.2018, 12:42
23. Ich würde Frau Atamans

Lobrede auf die so freie und beste Presselandschaft der Welt ja gerne teilen und eines ist auch richtig, sie ist in der Tat in wichtigen Medien noch akzeptabel unabhängig.
Aber man sollte die vermeintlich divergenten Inhalte der täglichen Printpresse in ihrer Einflussnahme auch nicht überschätzen.
Als kleine Hilfe kann sich Frau Ataman-und das ist dabei noch sehr unterhaltsam-einmal die Ausgabe der ZDF Sendung ''die Anstalt'' vom April dieses Jahres anschauen. Verblüffend, kann man da nur sagen.
Hier ist ein Link für alle Interessierten: https://www.youtube.com/watch?v=MOpNkgFTuBU.
Im übrigen sind die ÖR schon einmal deutlich kritischer gewesen und haben dieses auch zu Primetimezeiten gebracht.
Aber geschenkt, die Medienlandschaft hat sich durch das Netz auch deutlich verändert.
Und ja, wir haben keine Zustände wie in der Türkei und auch nicht wie in Amerika, es würde auch einen Aufschrei geben und eine Krawallblatt, wie die BILD hält sich auch nur am Markt mit einer klaren Klientel plus getrimmter Sensation und der Sportgerüchtküche.
Gott sei Dank.
Dennoch muss man immer wieder aufpassen, dass man nicht in die Konformität rutscht,
I-Tüpfelchen machen keine Unterschiede.
Und in einem hat Frau Ataman auch recht, die Vorwürfe, die Presse sei nicht objektiv, kam und kommt schon immer aus dem ultrakonservativen und rechten Spektrum, ganz einfach, weil die Herrschaften das was sie lesen möchten in der bürgerlichen Presse und im OR nicht finden.
Da macht man sich es dann einfach, nennt es ''linksversifft'' oder eben ''Lügenpresse''.

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curiosus_ 06.10.2018, 12:42
24. Ob man das:

Zitat von Ole von Beust
Journalisten seien Teil einer Polit-Kaste, seien Leute, die eigentlich Politik analysieren sollten, selbst jedoch längst Teil des Systems geworden sind. Mit Lob, mit Anerkennung, mit Eitelkeit mit Teilhabe an gewissen Zirkeln und, und, und.
Quelle: Frankfurter Allgemeine

nun als "Lügenpresse" bezeichnen muss sei dahingestellt. Gemäß der Definition aus der Kolumne:

Zitat von Ferda Ataman
Der Begriff Lügenpresse kommt eigentlich aus dem deutschen Antisemitismus des 19 Jahrhunderts. ... Wer heute "Lügenpresse!" ruft, schließt an einen antisemitischen Diskurs an.
fällt es natürlich nicht darunter, denn es hat ja offensichtlich nichts mit Antisemitismus zu tun. Was allerdings nichts daran ändert, dass so mancher dieses Verhalten sicher auch in die Schublade "Lügenpresse" steckt.

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Dark Agenda 06.10.2018, 12:43
25. Lügenpresse ein Kampfbegriff

Eine Lüge würde implizieren, dass die Wahrheit bekannt wäre. Dies ist natürlich nur in Annäherungen möglich.
Man könnte von einer missionarischen Presse schreiben in der die wichtigsten Akteure ca. ein bis zwei Dutzend Organe in der Summe eine undifferenzierte Haltung in ihren Artikeln zum Ausdruck bringen bzw. den Leser mit suggestiven Formulierungen zu ihrer "Wahrheit" bekennen möchten.
Es ist schwierig zu erkennen ob ich nun den Spiegel lese (mitte-links), die Faz (konservativ?) oder die Zeit (heute links). NY Times und WaPo lesen sich genauso nur noch extremer und mit CNN ist es das gleiche.
Dabei kann nur eine neutrale Berichterstattung den Leser umfänglich informieren auch zu Straftaten über die man lieber schweigen möchte (Mia). Dazu gehört kritische Artikel nicht allesamt für das Forum zu sperren - habt ihr Angst vor den Lesern? Krieg und Terror sind zu fürchten, Worte im Internet sind es nicht.
Ronaldo ein Vergewaltiger? Könnte es nicht sein, dass er von einem Groupie erpresst wurde?
Abschiebung von Intensivstraftätern und Seehofer soll einen Fehler begangen haben? Eher muss man mehr Straftäter abschieben so dass die rechtschaffenen Einwanderer in Frieden hier leben können.
Putin ordnet Nervengiftanschäge in GB an? Leute wo sind eure handfesten Beweise, habt ihr Videos?
Ok Assad ist ein Monster aber was ist mit Prinz Salman, vielleicht mal unserem sauberen "Verbündeten" nachrecherchieren?
Warum gibt es keine Details mit Belegen zur MH17-Story mehr?
So geht es immer weiter einseitige Recherchen, ungeprüfte "Geheimdienstinfos" aus US-Kreisen etc.
Selbst der Artikel zum Suizid von Chris Cornell war schlecht recherchiert natürlich ist das keine "Lüge".

TLDR: Den Verlust an Glaubwürdigkeit hat die Mainstreampresse (und nicht die gesamte Presse wie hier im Artikel gemeint) selbst zu verantworten durch einseitige und suggestive Berichterstattung und Auswahl.

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obstroc 06.10.2018, 12:43
26. Ganz so einfach ist es nicht

Indem man ein Extrem zum Vergleich nimmt, lenkt man von den Problemen ab. Lügenpresse ist natürlich ein politischer Kampfbegriff und damit Ablenkung und Irreführung, aber darum geht es nicht. Es geht um die Mitgliedschaft führender Journalisten und Politiker in zB. der Atlantikbrücke. Es geht um Thinktanks wie der Bertelsmannstiftung, um die Monopolisierung des Medienmarktes, einseitge Berichterstattungen, die aktuellen Gesetzesinitiativen auf der EU-Ebene zur Einschränkung der Meinungsfreiheit, und vieles mehr. Wir mögen noch keine türkischen Verhältnisse haben, aber die Tendenz ist bei uns seit Jahren dieselbe. Hinzu kommt die übliche Schwarzweissmalerei, nach der man entweder dem linken oder rechten Lager angehören muß, wenn man zu einem Thema eine Meinung hat. Die Leitmedien treiben eine Spaltung voran indem sie Leute dem guten und bösen Lager zuordnen, die aber keinem davon zugehörig sind. Es gibt hier sehr wohl Hausaufgaben zu erledigen. Wenn wir eine Meinungsfreiheit erhalten wollen, müssen wir hart daran arbeiten und können uns auf den Aussagen in dieser Kolumne gewiss nicht ausruhen.

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horado12 06.10.2018, 12:43
27. Nun ja, Frau Ataman, ...

... offensichtlich schauen Sie nicht überall so genau hin. Weglassen von unerwünschten Sachverhalten oder eben nur die halbe Wahrheit aussprechen und die unangenehmere ander Hälfte zu verschweigen, das ist es, was das Mißtrauen gegen die MSM (dazu gehören eben auch die ÖR) enorm wachsen lässt. Es muss ja nicht gleich Lügenpresse heißen, bewusste Lücken oder einseitige Berichterstattung ist aber allemal zu konstatieren, das wurde sogar in einer Studie der Otto-Brenner-Stiftung (zur Flüchtlingsproblematik) den gesamten MSM attestiert. Meine Beobachtung sagt mir, dass das nicht nur ein Ausreißer war.
Glücklicherweise kann man mit Hilfe des Internets meistens die Lücken füllen und die jeweils andere Hälfte der Wahrheit ausfindig machen.
Übrigens, wenn man zum Beispiel bei Wikipedia John Swinton (ehemaliger Chefredakteur bei der New York Times) eingibt und sich seine Aussagen (bereits 1883) zur Pressefreiheit anschaut, dann kommt man zumindest ins Grübeln, inwieweit sich daran wohl etwas bis heute geändert hat. Mir fällt in diesem Zusammenhang der Rauswurf von Gabor Steingart (Handelsblatt) ein. Es lohnt sich auch, einmal Paul Sethe hinsichtlich Pressefreiheit bei Wikipedia nachzuschlagen.

Große Chancen, freigeschaltet zu werden, räume ich diesem Kommentar nicht ein.

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urmedanwalt 06.10.2018, 12:46
28. Auf den Punkt gebracht

Frau Ataman schreibt genau das, was ich mir auch schon oft gedacht habe.
Über angebliche Zensur jammern, aber selber nur die eigenen verquasten Ideen veröffentlicht sehen wollen. Beim Wort Lügenpresse kommt mir die Galle hoch: der Ausdruck ist ebenso volksverhetzerisch wie der von der jüdischen Weltverschwörung, weil er keine andere Wahl lässt als Verbieten oder Vernichten. Ein klassischer Fall, dass ein Lügner selber dem Gegner vorwirft zu lügen, um zu verwirren und von seinen eigenen Lügen abzulenken. Dabei wird diesen Wirrköpfen schon viel zu viel Raum gegeben, Ihre die die Gesellschaft vergiftenden Ideen zu verbreiten. Zeigen wir Demokraten diesen Spinnern, dass sie nur eine Minderheit sind und wir uns nicht jeden Quatsch gefallen lassen.

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mucman 06.10.2018, 12:46
29. Brauner Sumpf und Pressefreiheit?

Treffender Beitrag. Jene Rechts-Außenseiter, die wieder eine Gleichschaltung möchten, schreien am lautesten gegen alle anders tickenden und berichtenden Medien und reden von etwas wie Pressefreiheit. Aber sind Ihre Zeilen überhaupt der Mühe wert? Die meisten derer, die's betrift, werden Ihre Kolumne ohnehin nicht lesen. Und der Rest wird sie nicht verstehen. Weil sie's überhaupt nicht verstehen wollen, dass irgendetwas wahr sein kann, das nicht ihrem verschwurbelten Weltbild entspricht. Oder nicht verstehen können. Schließlich lockt der braune Sumpf primär die intellektuell etwas Minderbemittelten. Einfache Lösungen für einfache Geister. Wer braucht schon eine komplexe Erklärung für eine mannigfaltige Medienlandschaft, eine Aufklärung darüber, was Pressefreiheit tatsächlich bedeutet?

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