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Meinungsfreiheit: Dann nennt uns doch Lügenpresse!
DPA

Deutschlands Medienlandschaft ist einzigartig. Wer hier "Lügenpresse" ruft, hat nicht verstanden, was Meinungsfreiheit bedeutet. Journalisten sollten sich davon nicht aus der Ruhe bringen lassen.

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fsteinha 06.10.2018, 13:13
60. Die Forderung nach Objektivität ...

... geht meist einher mit der Ignoranz der subjektiven Wahrnehmung. Die sogenannte Wahrheit muss immer ausgehandelt, diskutiert, interpretiert und bewiesen werden, weil wir nun Mal alle subjektive Wahrnehmungen haben. Deswegen kann man sich auch in einer offenen Gesellschaft, je nach Weltbild sich jeden beliebigen Unsinn reinziehen. Die Frage ist, auf welchen Fakten die jeweilige Sicht sich gründet. Und selbst diese Fakten können mehr oder weniger gewichtet werden.
Die Absolutisten unter uns verzweifeln an dem Umstand, das ihre Wahrheit zu kurz kommt und je nach Charakterschwäche daran, dass es andere Wahrheiten geben könnte. Schon Hitler hat mit der einsteinschen Relativitätstheorie nichts anfangen können, u.a. weil ihm ein Relativitätsbegriff völlig fremd war.

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cobaea 06.10.2018, 13:14
61.

Zitat von DistanzierterBeobachter
Natürlich hat Frau Attamann das Recht zu sagen und zu schreiben, was sie will. Aber ebenso natürlich haben auch PEGIDA-Aktivisten das Recht zu sagen und zu schreiben, was sie wollen. Das sind eben zwei Seiten derselben Meinungsfreiheit. Überhaupt ist der Übergang zwischen Aktivisten und Journalisten offenbar fließend geworden. Unter einem Journalisten verstehe ich jemanden, der versucht, so objektiv wie möglich zu informieren. Unter einem Aktivisten jemanden, der eine politische Agenda hat. Diese Trennung ist praktisch aufgehoben und daraus ergeben sich dann eben Reibereien.
Sie können selbstverständlich jeden Beruf nach eigenem Gusto definieren, aber "JournalistIn" ist jedeR, der/die „hauptberuflich an der Verbreitung und Veröffentlichung von Informationen, Meinungen und Unterhaltung durch Massenmedien“ betewiligt ist. Das ist die offizielle Definition. Und daraus folgt, dass das - so weit überhaupt möglich - objektiv oder eben auch sehr subjektiv erfolgen kann. Sonst hätten Sie ja dann die hier gerne beschworene Einheitspresse - als ob es keinen Unterschied zwischen "Bild", "Welt", "Süddeutscher", "taz", "compact" etc. gäbe.
Keine Zeitung, kein Massenmedium kann aber den LeserInnen oder KonsumentInnen das Denken abnehmen. KeinE JournalistIn kann es je allen recht machen - nicht einmal, wenn "nur" übers Wetter berichtet wird. Und selbstverständlich haben auch Pegida-AnhängerInnen das Recht zu sagen und zu schreiben, was sie wollen. Sie müssen aber - wie alle anderen auch - mit Gegenrede rechnen. Für die gelten - im Rahmen des Medienrechtes - die gleichen Rechte und Pflichten, wie für alle anderen.
Die Trennung zwischen Bericht und Kommentar ist zudem im Journalismus erst im 20. Jahrhundert eingeführt worden. Zuvor waren Medien meistens parteigebunden - und jeder "Zentrums"-Anhänger und jeder Sozialdemokrat wusste, welche Zeitung seine Weltsicht vertrat. Journalismuslegenden wie Egon Erwin Kisch hielten z.B. nicht allzuviel von völliger Neutralität z.B. bei Reportagen.

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Willi Wacker 06.10.2018, 13:14
62.

Zitat von urmedanwalt
Frau Ataman schreibt genau das, was ich mir auch schon oft gedacht habe. Über angebliche Zensur jammern, aber selber nur die eigenen verquasten Ideen veröffentlicht sehen wollen. Beim Wort Lügenpresse kommt mir die Galle hoch: nd und wir uns nicht jeden Quatsch gefallen lassen.
Angebliche Zensur?
Inzwischen mache ich mir vor dem Absenden Screeenshots. Von Zeit zu Zeit frage ich dann Kollegen, was denn an diesem oder jenem Beitrag falsch oder bösartig gewesen ist in deren Augen.

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radioactiveman80 06.10.2018, 13:18
63. Es geht nicht ums „Lügen“

Frau Ataman, die allermeisten in diesem Land vertreten nicht ernsthaft die Meinung dass die Presse aktiv lügt. Eher ist eine Art Selektion zu beobachten, und die
Art und Weise man Kritikern begegnet. Beispiele anhand der Flüchtlinge/Migranten seit Herbst 2015: die Spiegel-Titelbilder Dunkles Deutschland/Helles Deutschland. Werfe Teddies oder Brandsätze, entscheide Dich, nichts dazwischen. Beispiel Silvester Köln: sofort wurden Vergewaltigungsgeschichten vom Oktoberfest verbreitet, singgemäss: der Deutsche Lederhosenmann ist ja genauso schlimm. Beispiel Chemnitz: alle, alle haben die Bilder vom rechtsfreien Raum und den ausser kontrolle geratenen Hetzjagden übernommen. Beispiel Kommentarfunktionen: liegt es wirklich an der Flut von Hate Speech, oder will man ein Forum voller konstruktiver Kritik nicht zeigen? Es geht wie gesagt nicht ums Lügen. Aber die hiesige Presse, die - wie Sie richtigerweise schreiben - grosse Freiheiten geniesst, hätte diese Freiheit durchaus für eine ausgeglichenere Berichterstattung nutzen können/müssen. Nun wurde dieses Feld teils den extremen Sprachrohren überlassen. Wollen wir das?

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straightforwardossie 06.10.2018, 13:19
64. Murdoch und seine Strategie

Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut der Demokrtaie. Es war Murdoch und sein Presse Imperium die unter dem Schutzmantel der Meinungsfreiheit Wahlen in UK und den BREXIT ermoeglicht haben, es ist seine FOX News die Trump hochhalten. Sie kaufen Rechte fuer SPORT Veranstaltungen um dann ihre politische Meinung unterzubringen. Die Hetze in Deutschland gegen die Oeffentlich Rechtlichen Anstalten sind doch ein Witz. Gott sei Dank gibt es sie noch. Auch der Spiegel muss sich fragen ob viele Themen wirklich wichtig sind fuer Deutschland oder die Welt oder ob man nur die Auflagen hochbringen will und damit 5% Probleme an 95% Menschen weitergibt.

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zid 06.10.2018, 13:19
65.

Einen Kommentar zu schreiben in dem man nur rumheult und die Schuld auf die "dummen" Leute schiebt, die gar nicht zu schätzen wissen wie frei wir eigentlich sind, ist wirklich jämmerlich. Liebe SPON-Journalisten (ich mach jetzt auch mal ein Rundumschlag und verallgemeinere wie Frau Ataman), wenn ihr nicht seit Jahren das Sprachrohr der Neoliberalisten und Kriegstreibern wärt, dann würde es auch keine Menschen geben die Lügenpresse rufen. Ihr habt eure Verantwortung als 4 Gewalt im Staat missbraucht und das so lange, dass sogar der letzte braune idiot das mittlerweile gemerkt hat. Jetzt steht ihr vor dem Scherbenhaufen den ihr selbst zerdeppert habt und eure Reaktion ist: Ja, woanders ist es viel schlimmer. Die Frage was Journalisten zu der aktuellen Situation beigetragen haben stellt sich der Autorin einfach mal gar nicht. So etwas trauriges , abgehobenes und Empathieloses hab ich lange nicht gelesen. Wenn man vertrauen aufbauen will, muss man die Dinge benennen die falsch laufen (Neoliberalismus, Ressourcen Kriege, Lobbyismus...nur Beispiele). Seit Jahren lese ich SPON mit grosser Vorsicht, gerade in Kriegsfragen hat mich euer Portal sehr enttäuscht. Der 60er-70er Jahre Pazifismus ist nur noch ein laues Lüftchen, dass durch die Redaktion eures Hauses weht. Haltet mal inne, hört genau zu, vielleicht spürt ihr ihn noch. Glaube zwar nicht, aber hoffen darf man....

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Furchensumpf 06.10.2018, 13:19
66.

Zitat von gatoalforno
wäre auch konkreter. Man muss kein AfD- Pegida-Anhänger sein, um die die Entwicklung der deutschen Presse kritisch zu sehen. Als kritischer und denkender Mensch, der über den Tellerrand schaut, versteht, wie sich die Medienlandschaft auf ein paar wenige Medienmogule aufgeteilt haben, man versteht die Abhängigkeiten zwischen Politik, Wirtschaft, Finanz und Presse. Zu oft wird Meinung, Komentar und Berichterstattung vermengt und das sehr tendenziös. Die Leserzahlen spiegeln das gut wieder und dass Autoren, die in Lohn und Brot dieses Systems stehen, nicht reflektieren- wie dieser Kommentar ist nur all zu menschlich wie symptomatisch.
Wenn Sie sich wirklich informieren wollten, wüssten Sie, wie Sie sich allumfassend und aus mehreren seriösen Blickwinkeln über ein Thema informieren könnten. Nur das erfordert eben einige Anstrengung, denn dazu bedarf es nicht nur einer Quelle, sondern mehrerer verschiedene (das habe ich selbst vor 35 Jahren in der Schule gelernt).

Die Lügenpresse-Rufer verstehen aber nach wie vor nicht, dass man komplexe Sachverhalte eben nicht so einfach erklären kann - und das es dabei auch verschiedene Sichtweisen gibt, welche nicht selten nicht ganz falsch sind. Diese Eigenverantwortung kennen diese Leute aber nicht.

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Michael 1234567 06.10.2018, 13:19
67. Eine Waffe........

Dieser Artikel ist der beste Beweis das am Vorwurf was drann sein muss. Persönlich kann ich bestätigen, dass die Presse wie eine Waffe fungiert, ausgerichtet auf den potentiellen Feind bzw. Feindbild. Wem gehört diese Waffe und wer bedient diese Waffe!? Fakt ist, es findet eine nicht neutrale Berichterstattung statt die Medien sind zum Werkzeug der Mächtigen verkommen und dies seit langer Zeit. Doch die Menschen haben dies durchschaut, ich rate jedem Menschen macht euch euer eiens Bild spriicht mit Mitmenschen, Bürgern, Nachbarn ind vor allem geht mit offenen Augen durch die Welt. An alle Journalisten könnt ihr euch noch im Spiegel ansehen!?

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chlorid 06.10.2018, 13:19
68.

Zitat von Allesdemokraten
Das die Presse- und Meinungsfreiheit verteidigt werden muss, steht außer Frage. Aber das sich die Presse als Märtyrer hinstellt, ist doch mehr als peinlich. Zumal gerade die deutsche Presse in der Vergangenheit eher als Hofberichterstatter aufgetreten ist. Dazu kommt der neueste Coup. Die Regierung lädt ausgewählte Pressevertreter zu Hintergrundgespräche ein. Die Mehrheit der Presse bleibt davon außen vor. Und wie ist die Reaktion dieser Mehrheit? Schweigen im Walde. Ich könnten noch mehr aufführen. Darum habe ich hier nur die in meinen Augen wichtigsten Probleme aufgelistet.
Ich kann keine "Hofberichterstattung" erkennen. Für mich sind solche Aussagen politische Propaganda.

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hdwinkel 06.10.2018, 13:21
69. Systempresse

Zitat von mojo2xs
Dann ist es eben keime Lügenpresse sondern eine Systempresse. Auf jeden Fall keine für die Menschen im Land.
Der Begriff 'Systempresse' suggeriert zu sehr eine übergeordnete Instanz, der sich alle unterzuordnen haben. Daran glaube ich persönlich eher nicht und das würde den meisten Journalisten wahrscheinlich auch unrecht tun. Die zu beobachtende Uniformität der Meinungen, als auch die uniforme Themensetzung können auch andere Ursachen haben. Ich würde es Herdentrieb nennen.

Ein generelles Problem des heutigen Journalismus sind Änderungen in den Rahmenbedingungen. Noch vor Jahren gab es z.B. eine interne Medienkritik, also die Kritik der Medien untereinander. Es gab Presseklubs. Diese Form der Auseinandersetzung ist schwieriger geworden. Wie soll man z.B. den sozialen Medien gegenübertreten, die als Schwarm agieren? Waren die Medien jahrelang die einzige Quelle an Informationen, nehmen sie heute, im eigenen Selbstverständnis, eher die Rolle von Leuchttürmen im Informationsozean ein. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Rolle so stimmt, oder wenigstens stimmen sollte.

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