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#MeToo-Debatte: Hexen, überall Hexen?
DPA

Viele sprechen heute von einer "Hexenjagd", um Männer vor Anschuldigen wegen sexueller Übergriffe zu schützen. Das ist klassische Täter-Opfer-Umkehr - und auf die schlimmste Art geschichtsvergessen.

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Actionscript 23.01.2018, 13:14
1. Der Begriff "Hexenjagd" als Übertreibung oder falsche Anschuldigung

Der Begriff "Hexenjagd" wird gerne oft benutzt, wenn man von Übertreibung spricht. Das heisst, dass etwas gesucht oder propagiert wird, was es eigentlich nicht gibt oder was nicht geschehen ist. Insofern wird der Begriff vielfach richtig jedoch wie Frau Stokowski bei einigen Beispielen zeigt auch falsch angewandt. Denn Hexen wurde ja auch etwas angedichtet, was sie nicht waren oder nicht getan haben. Wenn also auf Männer Hexenjagd gemacht wird, was sexuelle Belästigung von Frauen angeht, dann ist damit gemeint, dass jede Gestik jetzt interpretiert wird und der sexuelle Missbrauch gesucht wird, um Männer an den Pranger zu stellen. So interpretiert auch Trump, dass die Medien versuchen, alles, was er sagt und tut, gegen ihn zu verwenden auch, wenn es sich herausstellt, dass da nichts war.

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Nobody X 23.01.2018, 13:17
2. Es hat überhaupt keinen Sinn,

mit diesen immer wiederkehrenden Kolumnen seine Zeit zu vertrödeln.

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aysnvaust 23.01.2018, 13:21
3. "Täterschutzreflexe", soso...

...Mal abgesehen davon, dass Frau Storkowski richtig damit liegt, dass der Begriff "Hexenjagd" inflationär und irreführend benutzt wird. Aber jeden Beschuldigten umgehend zum Täter zu erklären, das ist schon ein starkes Stück.

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Emal 23.01.2018, 13:24
4. Sehr geehrte Fr. Stokowski,

sie vergessen leider wieso der Terminus Hexenjagd hier verwendet wird. Es bezieht sich hier nämlich nicht auf die Frauen, die Opfer der Hexenverfolgung wurden, sondern auf die Rechtspraxis, die dies erst ermöglichte. Es reichte die bloße Beschuldigung, die als Beweis diente, um eine Person zu denuzieren. Ein anderer Ausweg als gestehen war oftmals in der Praxis nicht vorgesehen. Die Hochphase der Hexenverbrennung im protestantischen Raum ging oftmals nichteinmal mit der vorhergehenden Rechtspraxis einher, griff aber leider ihre Logik auf: Jeder Zweifel am Hexentum war ein Verbrechen in sich. Trat im ausgehenden Mittelalter noch die Kirche als Ankläger auf (die wiederum den Ankläger ablöste und ihn/sie vor der damaligen Strafverfolgung im Falle einer unrechtmäßigen Strafverfolgung schützte), verschwand dies später. Hexenprozess steht daher auch für einen Schauprozess, bei dem es nicht um die Wahrheit geht, sondern ein angenommer Tatbestand als wahr vorrausgesetzt wird.
Diese Problematik findet sich ebenso in der #MeToo-Debatte:
Eine Beweisführung ist unnötig und Anschuldigung und Vorwurf reichen als Beweis. Das "Opfer" hat recht, der Täter muss seine Usnchuld beweisen. Das ist eine fast schon mittelalterliche Rechtspraxis. Nur diesmal sind die "Hexen" Männer und nicht Frauen. Wenn sie das Leid der Frauen in den Vordergrund, die damals Opfer wurden, vergessen sie nicht, dass es eine Verfahrensweise verwendete, die in der MeToo-Debatte nun am anderen Geschlecht verwendet wird.
Der große Unetrschied ist: Hexen gab es nie, sexuelle Übergriffe gibt es.

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Freier.Buerger 23.01.2018, 13:27
5. Recht

Täter und Opfer stellen in unserem Rechtsstaat die Gerichte fest. Solange das nicht geschehen ist, kann man auch nicht von einer Täter-Opfer-Umkehr sprechen und es besteht die Gefahr, dass manche Menschen Schaden erleiden, auch ohne Folter und Verbrennung, nur weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren.
Wenn es jetzt Menschen gibt, die auf diese Gefahr hinweisen, vor Vorverurteilungen warnen und darum den öffentlichen Pranger kritisieren, so gebührt ihnen ein gewisser Respekt ob ihrer Zivilchouragee.

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neptun680 23.01.2018, 13:28
6. Hexenjagd

Für mich beschreibt der Begriff Hexenjagd in erster Linie eine Form der Verfolgung die sich auf Annahmen, übler Nachrede und Vermutungen stützt. Diese werden wiederum beim Verfolger aus einer hysterischen Angst gespeist, die meist auf ganz andere Ereignisse, Situationen und Erlebnisse in einer früheren Zeit zurück gehen. Diese Art der voreingenommenen Denunziation ist willkürlich und bösartig und passt durchaus auf die Hexenverfolgungen im späten Mittelalter. Der einzige Grund warum wir heute in der westlichen Welt nicht mehr so schnell foltern und Hinrichten sind unsere Gesetze. Sie schreiben ja selber, dass es an andere Stelle noch genügend Länder gibt die sich damit nicht beschränken.

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butter_milch 23.01.2018, 13:31
7. Fragen wir doch den Duden

https://www.duden.de/rechtschreibung/Hexenjagd
Hexenjagd, die
1. grausame Verfolgung von als Hexen verdächtigten Personen
2. (abwertend) unbarmherzige, meist unrechtmäßige Verfolgung und Verurteilung von Menschen

Ich denke mit Definition 2 lässt sich in diesem Kontext doch arbeiten, oder etwa nicht? Und ich bezweifle, dass man hier den grausamen Mord an vermeintlichen Hexen mit dem Rufmord an vermeintlichen Sexualstraftätern gleichstellen möchte, so sehr die Worte sich auch ähneln mögen.

Für viele Personen hatten die Ereignisse der letzten Monate schon harte Konsequenzen, ohne dass ihre Schuld bewiesen worden wäre. Das und eine Verfolgung ganz am Gesetz vorbei sind nun einmal unrechtmäßig.
Und so sehr man eine verurteilte Person hassen mag: Bis sie verurteilt wurde muss man ihre Würde achten und seine eigenen Gefühle im Zaum halten. Netter Nebeneffekt: Wer am Ende nicht verurteilt wurde, steht nicht vor den Trümmern seiner eigenen Existenz, denn von solchen Anschuldigen kann man sich kaum reinwaschen.

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xcver 23.01.2018, 13:33
8. Naja es gab auch Hexer

und auch die wurden gefoltert und verbrannt. Quasi immer dann wenn man nichts anderes Konkretes hatte um jemanden Dingfest zu machen.
Aber es geht ja gar nicht um den Begriff an sich, sondern darum das Menschen aufgrund von ungeprüfter und zum Teil unprüfbarer Anschuldigungen Vorverurteilt werden. Es geht aber auch nicht darum wie Sie schreiben "potentielle Sexualstrafstäter" zu verteidigen. Jeder Mensch ist "potentieller Sexualstraftäter".

Kürzlich habe ich eine Dokumentation über einen amerikanischen Schauspieler-Agenten gesehen der sich auf männliche gutaussehende Schauspieler konzentriert hat. Mit vielen von Ihnen hatte er auch seine Position ausnutzend Sex. Das wurde lapidar damit abgetan, dass es ja beiden genutzt habe und dann wäre es OK. in der gleichen Dokumentation wurde ein ähnlicher Vorgang mit weibliche Darstellern erwähnt welcher aber im Kontrast verteufelt wurde.

In keinem Umfeld ist die Vorverurteilung so groß wie wenn es um Sexualtaten geht. Niemanden würde es Interessieren wenn Dieter Wedel vorgeworfen worden wäre vor 20 Jahren mehrere Banken ausgeraubt zu haben. Das würde wahrscheinlich noch als Cool verklärt werden.
Das Problem ist ja das es anscheinend für die Opfer nicht möglich ist, mutmaßlich aus Angst auch vor der eigenen Zukunft, sich zeitnah zu melden. Nach so langer Zeit bleibt davon eine unprüfbare Anschuldigung mit fatalen Folgen für den Beschuldigten.
Ich bin voll dafür das ein Täter mit der vollen Härte der Justiz bestraft wird, aber ich würde mich auch freuen wenn man nicht Aufgrund einer Anschuldigung sofort entlassen wird.

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gladwyne 23.01.2018, 13:36
9. Man muss nicht von trotteligem nachplappern

Und fehlenden anfuehrungszeichen reden. Natuerlich waren die ergebnisse der ”hexenverfolgungen” schreckliche folterungen und grausamer tod. Damit vergleicht aber niemand die gegenwärtige diskussion. Dieser vergleich ist vielmehr auf die art der verdachtserhebung bezogen, wobei sich seltene fälle, bei denen man tatsächlich vermutete menschen hätten irgendwelche charakteristiken, hin zu verleumnungsanzeigen in massenhaften zahlen (geäusserter verdacht =schuldig), und die unmöglichkeit unschuld zu beweisen, da solche als spexielles zeichen der schuld erkannt wurden, ebenso natuerlich ”hexenpruefungen”. Darum gehts und das weiss die authorin natuerlich auch. Und doch hinkt dieser vergleich nicht. Ich glaube kein me-too mann wurde jemals vor gericht verurteilt. Die reihe ging von weinstein ( petson mit spezieller charakteristik) zu einigen, die was zugegeben haben ( was noch lange nicht bedeutet dass es passiert ist, siehe ”hexengeständnisse”) und zu anklagen aufgrund von leuten die keinen guten sex haben. Anstellung und assoziation verboten! Margarete, Du weisst das doch, warum das nicht erstmal mit jemandem durchsprechen, der was davon vetsteht. Man kann doch nicht jede woche ueber etwas eine kompetente kommentarerfahrung haben.

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