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#MeToo-Debatte: Sextagebücher wann anders
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Vielleicht liegt die #MeToo-Bewegung ja vollkommen falsch. Vielleicht sollten Frauen einfach selbstbewusster auftreten, sich nicht als Opfer männlicher Lust begreifen, "potente Frauen" sein. Aber so einfach ist es nicht.

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senfwasser 08.05.2018, 18:41
10. Die "#Mee Too" Debatte...

war gar nicht so verkehrt..
Sie hat schließlich zur Diskussion angeregt..

Zumindest war es bei meiner Frau und mir so..
Und einige Beispiele und Perspektiven hatte ich so noch nie wahrgenommen, das hat mir hier und da die Augen geöffnet.
Ich habe mich in der beziehung immer für sehr aufgeklärt gehalten.
Es spielt für mich wirklich keine Rolle, ob mein Chef eine Chefin ist, das war bei mir die letzten 20 Jahre so.
Es wäre mir auch egal, ob er/sie schwarz, schwul ehindert etc. ist.
Mir sind Kompetenz und Integrität wichtig..

Aber dann ist die Debatte, wie es bei Debatten inzwischen so ist, nur noch in Extrempositionen abgedriftet.
Da wird pauschalisiert, abgewertet und beleidigt, nicht selten sexuell beleidigt.
Das aber durchaus emanzipiert, denn ich kann beim Beleidigen keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern feststellen..

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r2d2x2 08.05.2018, 19:28
11. Oh mein Gott....

... es gibt sie noch, die echte Frau. Ich begann schon damit an meinen Geschlechtsgenossinnen zu verzweifeln. Jammernd, wundenleckend, voller Selbstmitleid, mit ihrem eigen Schicksal hadernd.
Und dann kam Frau Flaßpöhler. Danke, lieber Gott (mir völlig egal ob du Mann, Frau, Neutrum oder Zwitter bist). Mein Glaube an die selbstbewusste emanzipierte Frau ist wieder hergestellt. Ich bin also nicht allein auf dieser Welt.
Svenja Flaßpöhler war mir bislang völlig unbekannt und ich weiß auch nicht wie sie über andere Themen denkt. Aber in diesem speziellen Diskurs hat sie meine völlige Zustimmung. Und ich kann unterstreichend dazu nur sagen.: "Weiber! Hört auf zu jaulen, hinterfragt Euch mal selbst und übernehmt Verantwortung für Euer eigenes Leben. Ihr hab 800 000 `Eier`, um's mal salopp auszudrücken. Damit wird sich doch was anfangen lassen."
(Für Leute die's missverstehen wollen. Das ist in diesem Zusammenhang als Wortspiel gemeint, nicht als Aufforderung zur Fortpflanzung.)
Emanzipation heißt: SICH SELBST aus der Abhängigkeit von jmd. zu befreien, und nicht sich daraus befreien zu lassen.

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haresu 08.05.2018, 19:41
12. Viele Worte

Nach meiner völlig unfeministischen Sicht sind Frauen einfach weiterhin der größte Feind der Frauen. Wer Opfern sagt sie müssten nur stark sein ist dumm. Wer meint sich nach Erteilung derartiges Rates die Solidarität mit Schwächeren schenken zu können ist erbärmlich.

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dr.joe.66 08.05.2018, 19:52
13. Verstehe ich nicht...

Ich kann nicht so ganz nachvollziehen, warum sich so viele über Frau Stokowskis Meinung aufregen.
Ich - als Mann - finde die MeToo-Debatte absolut notwendig und schon längst überfällig. Warum? Ganz einfach: weil es einen gesellschaftlich geprägten und körperlich realen Unterschied zwischen Männern und Frauen gibt, der unseren Umgang mit sexueller Nötigung und Gewalt grundlegend beeinflusst.
1. Verbale Ebene: Verletzende Sprüche, etc. gibt es von Männern und von Frauen. Die Prägung führt jedoch dazu, dass Männer sich eher dagegen wehren und Frauen hingegen eher schlucken und schweigen.
2. Ungewollte Berührungen, etc.: Wenn ein Mann oder eine Frau sexuell motiviert berührt werden (ob nun beim Tanzen, in der U-Bahn oder im Büro), können sich beide entscheiden ob sie das jetzt heiß, witzig, oder widerlich finden. Bei letzterem können beide deutlich sagen, dass sie das nicht wollen. Und dann kommt der Unterschied: ich als Mann kann das bei Bedarf körperlich durchsetzen. Die Frau kann das im Normalfall nicht. Ich zumindest kenne keine Frau, die mich gegen meinen Willen beiseite schieben könnte.
3. Sexuelle körperliche Gewalt: auch hier kann ich mich als Mann körperlich wehren. Meine Frau hingegen hätte wohl keine Chance.

Und dieser schlichte Unterschied führt dazu, dass Frauen gelernt haben, auf den Boden zu schauen, die Straßenseite zu wechseln, oder gar nicht erst allein oder gar im Dunkeln unterwegs zu sein.
Und dann haben sie obendrauf noch gelernt, klein beizugeben, still zu halten und sich schlimmstenfalls noch selbst die Schuld zu geben.
Und ziemlich viele Männer haben leider gleichzeitig gelernt, dies auszunutzen. Und sie sind über Jahre bzw. Jahrhunderte damit durchgekommen.

Wir Männer, die wir uns einen gleichberechtigten Umgang mit Frauen wünschen, gerade wir Männer sollten uns über MeToo freuen. Denn der Umgang zwischen uns Männern und Frauen muss dringendst diskutiert und neu geregelt werden.
Ich hoffe, dass am Ende eine ganz einfache Regelung herauskommt, hier in der Version für uns Männer: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch einer Frau nicht zu. Da ich nichts gegen meinen Willen erleben möchte, darf ich auch nichts tun, was gegen den Willen einer Frau geht. Punkt. Ende der Diskussion.
Warum das so schwierig ist, verstehe ich nicht....

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andy70 08.05.2018, 20:05
14. Schnarch...

Die wohl anfänglich nachvollziehbare Debatte hat sich mittlerweile erschreckend bagatellisiert und ödet nur noch an. Der illustre Bogen beginnend bei strafrechtlich relevanten Tatbeständen über lächerliche Lappalien bis hin zu frei erfundenen Behauptungen lässt nur noch den Kopf schütteln und nervt auch immer mehr Frauen. Evt. sollte man ja als eher kritiklose Verfechterin der Kampagne auch den Damen offen begegnen, die sich eindeutig und selbstbewusst mahnend gegen den nicht enden wollenden verzapften pseudofeministischen Unfug positionieren. Ohne Stutenbissigkeit zuhören, verstehen, differenzieren, selbstkritisch sein und entsprechend abrüsten. Es gibt unbestritten eine Menge zu verbessern, aber im Gießkannenprinzip gegen plötzlich überall auftauchende übergriffig unkontrollierte und ihre Machtposition ausnutzende Männer zu wettern, ermüdet und führt ins Leere.

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vera gehlkiel 08.05.2018, 20:16
15.

Natürlich kann sich eine eloquente, gutaussehende und reflektierte Frau wie Flasspöhler die meisten dumpfen Anmachen und Schlimmeres vom Hals halten, und den Teil ihrer Einlassung, der darauf abzielt, dass es zu wenig "gute" weibliche Rollenmodelle, was etwa das Begehren betrifft, gibt, kann man nur richtig finden. Allerdings übersieht sie komplett, dass Eloquenz, gutes Aussehen und Reflexionsbereitschaft selber alles Bestandteile eines bestimmten Rollenmodells sind, hier sozusagen eine Behauptung im Hinblick auf die öffentliche Frau Flasspöhler. Wohingegen Belästigung und aggressive Anmache etc. gezielt darauf abstellen, die Grenzen zur "privaten" Person, anders gesagt den Schutzraum "Rolle", für die betroffene Frau zu durchbrechen. Sieh dich mal an, du Mäuschen, will der Belästiger der Betroffenen vermitteln, du kannst dir noch so viel drauf einbilden, wie die anderen dich bewundern oder was du für dich schon erreicht zu haben glaubst, ich durchschaue dich, du bist nur ein Bündel angstgespannter Nerven, eine wandelnde Peinlichkeit auf zwei Beinen, und ich habe die Macht, das gewissermassen mit einem Fingerschnipsen bei dir anzurichten, wann immer ich möchte. Auf dieses "reine Hochgefühl", dass Grenzen eigentlich nichts bedeuten, ist die ichschwache Persönlichkeitsstruktur des belästigenden Mannes geeicht, meistens als Folge kontinuierlicher und massiver Suppression durch Zwänge im Berufsleben, eine rigide und lieblose Erziehung, etc. Dinge, die leider Massenphänomene sind, wie sich immer mehr erweist, und wozu #MeToo etc. derzeit historisch einen Beitrag leistet, der gar nicht zu unterschätzen ist. Auf das Persönliche abgestellt: um zu begreifen, was mit einem geschieht, wenn man z.B. belästigt wird, reicht es eben nicht, so schnell wie möglich seine Rollendisposition zu hinterfragen und zu optimieren, sondern man muss hinabsteigen bis zu der eigenen kleinen und schutzlosen Seele, zur Grundangst des Lebens selbst, nur dort gibt es etwaige Antworten. Und wenn, die richtigen, sprich wichtigen, respektive nachhaltigen. All den Frauen und Mädchen, welche es gerade wagen, Mut abzusprechen, sie sogar zu Opfern zu stilisieren, zeugt für mich von einem grandiosen Missverständnis. Dass ich selbst mir nur so erklären kann, dass Frau Flasspöhler es einfach noch nicht damit versucht hat, weil ihr dieser rein existenzialistische Aspekt der ganzen Sache entweder zuviel abverlangen würde, oder sie um ein bestimmtes öffentliches Image fürchten muss. Echte Stärke, davon bin ich aber überzeugt, kann nur darin begründet sein, dass man möglichst genau weiss, wer und wie man wirklich ist.

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hornochse 08.05.2018, 20:44
16. @vera gehlkiel

Ach du meine Güte! Ihr Beitrag lässt aber tief blicken! Die Welt könnte so einfach und liebevoll sein wäre da nicht die innere sich wandelnde und merklich runterziehende unbewusste Seelenwelt, die sich immer wieder dem Gemüt überstülpt und zu Frustration führt.

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vera gehlkiel 08.05.2018, 21:06
17. @hambas

Zitat von hambas
(übrigens auch Magister der Philosophie) den Essay geschrieben hätte, wären Sie zwar genauso wütend, Frau Stokowski, hätten es mit Ihrer Entgegnung aber viel einfacher: "Da schaut her: typischer Revisionismus. Alle Kerle sind gleich." - vermute ich mal. Nun habe ich mir das Vergnügen gemacht, den Essay-Vorabdruck zu lesen. Und siehe da, neben vielen zitierwürdigen Absätzen finde ich diesen exemplarisch: "Die Geschichte wäre keinen Deut vorangekommen, wenn Menschen sich zu allen Zeiten mit dem Argument gerechtfertigt hätten, dass sie, würden sie sich wehren, Einbußen zu befürchten hätten. So funktioniert kein Fortschritt. Und so funktioniert auch keine selbstbewusste Weiblichkeit. Sich im Nachhinein auch in Situationen, in denen klare Handlungsmöglichkeiten bestanden hätten, als reines Opfer der Umstände hinzustellen, ist nicht selbstbestimmt, sondern der Weg des geringsten Widerstands." Das, Frau Stokowski, ist der Grund, warum Männer zu "aggressiven" Verhaltensmustern neigen. Damit sie genau dieses Durchhaltevermögen durch die Jahre unnd Krisen bringt. Dass das im Laufe der Geschichte zu Fehlurteilen und Fehlverhalten geführt hat ist unbenommen. Es erfordert auch sehr viel Charakterstärke und Integrität. Aber genauso wie es Schweine gab, gibt es in der Geschichte ausreichend Positivbeispiele.
Ich denke, die Geschichte ist namentlich deshalb vorangekommen, weil Frauen immer viel gearbeitet haben, und dabei im Durchschnitt mit viel weniger ausgekommen sind als Männer, ihre übermässige Arbeitsleistung also fast nichts kostete. Nur so funktionierte der Übergang von den frühen Sklavenhaltergesellschaften zu Formen des Wirtschaftens, wie wir sie noch heute antreffen. Und die oft bestialische Rechtlosstellung und systematische Unterdrückung der Frauen entsprang/entspringt der gleichen Motivationslage, die vorher zur ebenso unmenschlichen Unterdrückung der Sklaven geführt hatte: männliche Angst vor Aufständen und Kontrollverlust, damit im Endeffekt vor Verlust der Boni und Gewinnmargen. Aber Geschichte verläuft und verlief immer schon, während dem sich die Könige die Bärte schön kämmen liessen und irgendwelche Kaiser endlos lange für sie verherrlichende Porträts posierten, wichtige Schriftsteller wuchtige Elaborate zur Verherrlichung des Patriarchats abfassten, von unten nach oben, statt von oben nach unten. Würden mehr kluge Männer heutzutage diese grundsätzliche Evidenz endlich anerkennen können (was ja so gut wie jeder Frau mit nur etwas entwickeltem Geschichtsbewusstsein ziemlich leicht ankommt), würde sowohl die gesellschaftlich lähmende Zukunftsangst vor dem Turbokapitalismus etc. sich besser beherrschen lassen, als auch diejenige vor den Feministinnen auf ihren neuen Wegen. Sollten sie bitte als Versuch einer Einladung werten, nicht als etwas anderes!

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Lykanthrop_ 08.05.2018, 21:22
18.

Die Gleichstellung der Geschlechter kommt weder Frauen noch Männern zugeflogen.
Solange Frauen in richtigen Männern das dominante Geschlecht sehen wollen, sexuell und auch sonst im Leben, werden sich die Rollen der Geschlechter nicht verändern. Da siegt immer noch das Neandertaler Hirn, bei den Männchen wie bei den Weibchen. Vielleicht ist das Wort "Potent" etwas unglücklich gewählt und die Bezeichnung aktive Frau wäre besser gewesen. Jede Frau kann etwas für ihre eigene Gleichstellung tun. Es muss nicht beim Einfordern der Verhaltensveränderung andere bleiben. Jede Frau die ein Männerberuf wählt, jede Frau die dem Vater die Kinderbetreuung überlässt, jede Frau die eine Karriere in der Unternehmensführung anstrebt und jede Frau die erobert und nicht erobert werden will tut etwas für die eigene Gleichstellung der Geschlechter. Für Männer gilt dies ähnlich, jeder Mann der die Kinderbetreuung übernimmt, Frauenberufe wählt, sozial engagiert etc. tut etwas für seine Gleichstellung.
M.E. wollen sehr viele Frauen und Männer überhaupt keine Gleichstellung der Geschlechter und sind sehr zufrieden in ihrer Rolle. Feministinnen sprechen immer nur für ein Teil der Frauen. Ich denke die Gleichstellung der Geschlechter ist erstrebenswert. Niemand sollte sich zu sehr durch sein Geschlecht definieren (lassen), das engt den Geist mehr ein als es sein müsste. Diese Freiheit hat ein Preis bei vielen Menschen anzuecken, ich zahle ihn selber.
Je gleichgestellter die Geschlechter sind, desto freier ist jeder Mensch so zu sein wie er ist und wird nicht gedrängt so zu sein, wie andere es von ihm erwarten.

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tanriverdi 08.05.2018, 21:29
19. Ein neues Bild von Fr. Stokowski

Nicht mehr dumpf griesgrämig sondern hübsch, adrett, liebenswürdig, einfach weiblich. Alle Achtung. Gegen die bösen Männer zu schreiben ist ja nun ihr Beruf, das muß sie ja weitermachen um Geld zu verdienen, aber es scheint fast so, als hätte ein persönliches Umdenken stattgefunden. Einfach nur Frau zu sein und die Geschlechter und ihre Unterschiede als selbstverständlich zu betrachten und sich in die vorbestimmte Rolle zu fügen ist vielleicht doch besser als eine frustierte Emanze zu sein, die ewig unzufrieden gegen die natürliche Ordnung ankämpft.

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