Forum: Kultur
#MeToo-Debatte: Sextagebücher wann anders
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Vielleicht liegt die #MeToo-Bewegung ja vollkommen falsch. Vielleicht sollten Frauen einfach selbstbewusster auftreten, sich nicht als Opfer männlicher Lust begreifen, "potente Frauen" sein. Aber so einfach ist es nicht.

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micha_schmieder 09.05.2018, 06:54
40. ich dachte. wir wären mit MeToo soweit durch ...

... schließlich herrschte doch allgemeiner Konsens über das Geschehene und die daraus zu ziehenden Schlüsse. Letztlich sollte nun wirklich JEDER Mann begriffen haben, weder seine (ggf. vorhandene) Macht noch Körperkraft o.ä. zur Durchsetzung seiner Kopulationsfantasien einzusetzen. Überraschenderweise scheinen die Dümmsten dabei auf der Leiter oben zu sitzen und nicht unten. Allerdings gebe ich zu, dass auch ich einen Konflikt sehe: viele Frauen mögen dominantes männliches Auftreten, wollen aktiv erobert werden. Aber eben nur vom jeweils Auserwählten. Ob man nun gerade derjenige ist, bleibt aber oft geheim. Dass manche Männer nun mangels passender Antenne blindlings "ihr Glück versuchen" und dabei Situationen schaffen, die bei ihr durchaus auf das Level "sexuelle Belästigung" gewertet werden, kann ich auch aus eigenem Erleben nachvollziehen. Was für mich als Mann aus MeToo übrig bleibt: Verunsicherung. Lieber garnicht's mehr starten als hinterher der A**** zu sein?

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Spiegulant 09.05.2018, 07:37
41. Svenja Flaßpöhler hat doch recht

Svenja Flaßpöhler hat doch in allem recht, was sie in ihrem Essay "Die potente Frau" https://www.welt.de/icon/iconista/article175847071/Vorab-Auszug-aus-Die-potente-Frau-Fuer-eine-neue-Weiblichkeit.html schreibt. Sie, Frau Flaßpöhler beschreibt nämlich sehr differenziert die Situation, und zeigt auch auf, wie man damit konstruktiv umgeht.

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ithaqua 09.05.2018, 08:18
42. Mal wieder unreflektiert und unausgeglichen....

Jemand kritisiert #metoo und Pseudofeministinnen kriegen Schnappatmung. Dabei ist genau das passiert, was immer passiert wenn Bewegungen wie #metoo passiert wenn sie zu präsent werden. Die Trottel finden Interesse daran und entwerten die Bewegung mit lächerlichen angeblichen Skandalgeschichten. ?Hilfe, ich wurde 2,34675 sek. zu lange angesehen. "Hilfe, ein unattraktiver Mann spricht mich an." "Hilfe, ich wurde und der Bahn aggressiv gemanspreadet"

Und all diese "Skandale" ziehen die eigentlich gute Idee ins Lächerliche.
Bewegungen müssen sich auch gegen diese Banalitäten imunisieren um nicht ihre Ernsthaftigkeit aufs Spiel zu setzen.

Aber nein, #metoo ist immer super, egal was passiert, und jeder misogyne Arsch, der das anders sieht wird erstmal weggebissen.

Zitat:"Der Horizont einiger Menschen entspricht einem Kreis mit dem Radius 0. Und den nennen sie dann ihren Standpunkt."

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studibaas 09.05.2018, 08:24
43. Ich habe mir den Essay durchgelesen.

Der Essay war sehr gut, differenziert und mitnichten Frauenfeindlich. Anders als die Erwiderunge darauf. Inhaltsleer, mit viel Kritik die so dem kritisierten Text nicht entnommen werden konnte. Kurz: Wahrscheinlich geschrieben von einer Emanze, die es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt wenn sie einen Gegner zerfleischen will. ;)

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JustFunKiro 09.05.2018, 08:55
44. Der beste Beweis für die Kolumne ergibt sich MAL WIEDER aus ...

... den Kommentaren.
Aus der Tatsache, dass Frau Stokowski wieder vorgeworfen wird, sämtliche Männer zu Vergewaltigern zu erklären. Ja, eine Frau kann selbstbewusst sagen, ob sie Sex haben möchte oder nicht, aber das hilft nicht, wenn ein Mann (der im Durchschnitt gesehen über mehr Körperkraft verfügt) sie einfach mit Gewalt zu Boden zerrt. Und ja, es werden nicht alle Frauen täglich vergewaltigt, das wissen aber mit Sicherheit auch Teile des "Hashtag-Feminismus", nämlich diejenigen, die selbst noch nicht zu direkten Opfern wurden. Ja, es gibt bestimmt welche, die das nicht wissen, aber Dummköpfe gibt es in jeder Bewegung. Und sie schaden dieser Bewegung auch immer, weil die Gegenseite diese nämlich bevorzugt wahrnimmt.
Ich kann mich nicht erinnern, jemals von einer Vergewaltigung Frau Stokowskis selbst gehört zu haben. Genausowenig hörte ich von einer von Emma Watson, welche die #time'sUp Bewegung unterstützt. Und letztere wurde mal als schönste Britin gehandelt, also kann das doch auch für sie nur damit erklärbar sein, dass nicht jeder Mann ein Vergewaltiger ist, oder? (Naja, oder ich habe einfach nichts von den Übergriffen gehört)
Es gibt auch Mörder auf dieser Welt, ich habe noch nie gehört, jemand versuche zu behaupten, jeder Mann/Mensch/whatever sei ein Mörder. Wir versuchen ja auch, diejenigen ins Gefängnis zu stecken, die tatsächlich gemordet haben, nicht alle, oder? Es gibt bestimmt überempfindliche Frauen, die diese Hashtag-Feminismus-Bewegungen falsch verstehen, aber die einzige, die mir spontan einfällt, ist Frau Flaßpöhler. Ihre Reaktion läuft nämlich nach genau dem gleichen Schema ab: alle "Feinde" sind exakt gleich dumm, asozial und unvernünftig.
Nebenbei, ich mochte ihr voriges Foto mehr, Frau Stokowski. Ist wahrscheinlich nur mein "ich bin immer abgeneigt, wenn Menschen um mich herum ihr Aussehen verändern", was bei Ihnen nur sehr entfernt anwendbar ist, aber spontan finde ich, sah das vorige Foto nachdenklicher aus. Jetzt sieht es eher aus wie eine Frau, die sich extra auftakelte und zwingt, freundlich zu schauen, um akzeptiert zu werden. Damit fast schon wie eine, die ihre ehrgeizigen Ziele der Gleichstellung von Frau und Mann aufgegeben hat und der Realität ins Auge sieht, ala "Frauen müssen durch ihr Aussehen überzeugen." Aber immerhin kommt man so nicht mehr auf die Idee, sie hätten eine Bindehautentzündung

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happyrocker 09.05.2018, 09:01
45. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Übergriffen und Sexualleben

Das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Ich kann privat das tollste Sexleben überhaupt haben und im Job oder in der Straßenbahn trotzdem sexuell belästigt werden. Warum wird häufig so getan, als gehöre beides zusammen? Bei Metoo-Fällen geht es eben nicht um Sex, der vielleicht nicht so toll war, sondern um Machtmissbrauch. Und dass das Angestarrt-werden hier oftmals als lächerlich dargestellt wird, zeigt lediglich, dass ein Mann sich überhaupt nicht vorstellen kann, wie es ist, z. B. in der Bahn vom gegenübersitzenden, natürlich körperlich stärkeren Mann die ganze Fahrt über intensiv angestarrt und beim Aussteigen noch verfolgt zu werden. Das hat nämlich absolut nichts mit Flirten zu tun. Genau so wenig sind alle Frauen, die nicht vom Chef den Hintern getätschelt haben möchten, verklemmte Männerfeindinnen. Verklemmt und mit kaum vorhandenem Sozialverhalten ausgestattet sind wohl eher Männer, die sich nicht in der Lage sehen, Übergriffigkeit und Komplimente oder Flirtversuche auseinanderzuhalten. Komisch, alle Männer, mit denen ich privat oder beruflich zu tun habe, können das.

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D. Brock 09.05.2018, 09:13
46. Leider ...

... ist das Bild, dass MeToo abgibt genau dieses:
"Männliche Gewalt, behauptet der Hashtag-Feminismus, ist allgegenwärtig: im Büro, im Bett, im Leben einer jeden einzelnen Frau. (...) #MeToo zeichnet ein klares Bild des Mannes: Im Dienste seiner eigenen Lust bricht er den Willen der Frau, geht über ihr Wohl hinweg und beherrscht sie schon allein körperlich."
Da hat Frau Flaßpöhler wohl uneingeschränkt recht.
Wenn man Differenziertheit fordert, wie Frau Stokowski das tut, so müsste von ihr auch die #MeToo-Bewegung aufgerufen werden zu differenzieren, was sie nicht nur hier, sondern auch an anderer Stelle nicht tut.
Es ist also tatsächlich überflüssig eine differenzierte Kritik an etwas, was vollkommen undifferenziert daherkommt einzufordern. Wenn #MeToo ernstgenommen werden will, wären genau das die Hausaufgaben.
Ansonsten erscheinen mir die Ausführung von Frau Flaßpöhler weitaus nachvollziehbarer als die von Frau Stokowski. Bei letztere bleibt schlicht der Eindruck: Wir hau'n erst mal drauf und gucken hinterher.
Hinterher von #MeToo ein Scherbenhaufen übrigbleiben, genau WEGEN der Undifferenziertheit. #MeToo wird deshalb Schaden am gesamten - berechtigten - Feminismus anrichten.
Schade!

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foxtrottangohamburg 09.05.2018, 09:32
47. Me not

Mir bleibt die ganze Debatte um sexuelle Gewalt und Gleichberechtigung (zwei meiner Meinung nach völlig verschiedene Punkte) die ganze Zeit von allen zu oberflächlich geführt und zu sehr in einen Topf geworfen. Sexuelle Gewalt in welcher Form auch immer ist inakzeptabel und gehört ggf. juristisch verfolgt und bestraft. Die Emanzipationsdebatte ist mir zu konstruiert und wird meiner Ansicht nach oft leider mit der gleichen Aggressivität geführt, die sie an sich vermeiden sollte oder möchte. Einige Vorkommentatoren schrieben, dass es Individualentwicklung, Erziehung und soziale Normen ursächlich für Denken und Verhalten der Menschen sind. Den Ansatz finde ich gut, denn er beleuchtet, was wir alle anders und besser machen können und nicht, wer Schuld hat. Denn bei einer Schulddebatte kommt Mann zwangsläufig an einen Punkt, wo für mich die Frage aufkommt, wer Männer u.U. so frustriert hat, dass sie sich unbewusst an Frauen stellvertretend für ihre Mütter rächen wollen? Zumindest aus psychoanalytischer Sicht. Sich also zu beschweren, als Lustobjekt missbraucht zu sehen und Männer dann unter dem Deckmantel der Emanzipation aber genau so zu behandeln (Frau Stokowskis Formulierung, Rücken durchdrücken und sagen, wenn man rollig ist), ist eben eher ein Zeichen dafür, dass Frauen sich vielleicht eher für die besseren Männer halten. Und es zeigt auch, dass Frau ihr Empfinden für Weiblichkeit völlig abhanden gekommen ist. Auch da könnte die Emanzipationsdebatte ansetzen. Aber solange Weiblichkeit per se als von Männern auferlegte Last, denn als natürliches Vermögen angesehen wird, bleibt's auf Mee-Too-Niveau.

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Leser161 09.05.2018, 09:42
48. MeToo nicht zielführend

MeToo hat sich selbst ein Bein gestellt indem es sexuelle Übergriffe mit normalem sexuellem Verhalten* in einen Topf geworfen hat. Was manche sog. Alphatiere gemacht haben war einfach falsch und böse, aber dann mit MeToo so zu tun, als wären alle Männer Übergrifflinge vom Kaliber Weinsteins, hat der Sache geschadet.

*Ein ungeschicktes Ansprechen ist kein sexueller Übergriff, genauso wie der todsicher darauf folgende Korb keine seelische Grausamkeit ist, wir sind alle Menschen.

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mother_sky 09.05.2018, 09:49
49. Moralischer Totalitarismus

Die Philosophin Svenja Flaßpöhler wendet sich u.a. dagegen, dass (manche) Frauen sich selbst immerzu als unschuldiges, wehrloses Opfer, als "reines Opfer der Umstände" sehen ("sexualisierte Gewalt") und sich dadurch selbst "infantilisieren", dass diese Frauen nun dank #MeToo genussvoll Rache nehmen dürfen für die (scheinbar) erlittene Pein und ungeachtet der in einem Rechtsstaat geltenden Unschuldsvermutung den (ach so) triebgesteuerten "potenten" Mann an den Pranger stellen, verurteilen, gesellschaftlich ächten und existenziell vernichten dürfen - befeuert von einem ungezügelten Boulevardjournalismus. Hierzu Flaßpöhler: "Halte still und beklage dich hinterher - ist dieses hilflose Nachtreten wirklich das Verständnis von Selbstermächtigung und Emanzipation, das wir unseren Töchtern mit auf den Weg geben wollen? Tatsächlich festigt #metoo ein zutiefst patriarchal geprägtes, von Passivität und Negativität gezeichnetes Frauenbild, anstatt es aufzubrechen." Flaßpöhler bedient sich in diesem Zusammenhang u.a. des von Thea Dorn geprägten Begriffes "moralischer Totalitarismus". Fazit: Svenja Flaßpöhlers Streitschrift ist viel zu gehaltvoll, um nicht im Feuilleton eines Blattes besprochen bzw. kritisch betrachtet zu werden. Mit der journalistischen Ausdrucksform "Kolumne" wird man ihr wohl nicht gerecht.

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