Forum: Kultur
#MeTwo: Diese Geschichten werden unser Land verändern
DPA

Was sich unter dem Hashtag #MeTwo an Rassismuserfahrungen ansammelt, darf nicht ignoriert werden - auch wenn die "Bild" mit aller Wucht gegen Einfühlung und Menschlichkeit ankämpft.

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Igelnatz 29.07.2018, 17:55
10. Unterschied Rassismus und Diskriminierung

Ich frage mich, ob Rassismus der passende Begriff ist?! Ist es nicht eher Diskriminierung aufgrund der Herkunft und Religion? Ansonsten pflichte ich diesmal bei, nur bei der Causa Mesut Özil mit Erdogan sehe ich nicht so richtig eine Diskriminierung. Er wird so in der Öffentlichkeit kritisiert wie er sich darstellt und wie es auch bei jemanden mit einer anderen Herkunft passieren würde. Erdogan diskriminiert! Und Diskriminierung im Alltag ist abscheulich - ohne Aber!

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Lasersnake 29.07.2018, 17:56
11. Simmer noch im Sommerloch

Die rassistischen Ausfälle gegen Özil und andere verurteile ich. Aber auch wenn einige Unverbesserliche die Situation dazu nutzen, um ihrem Fremdenhass freien Lauf zu lassen, lasse ich mir meine Kritik an Özil's unreife Erdogan-Huldigung nicht verbieten. Im Gegensatz dazu hat Emre Can da seinen vorbildlichen Charakter gezeigt, damit könnte er auch Kapitän unserer Nationalmannschaft werden.

Seit langer Zeit spiele ich mit Türken, Deutsch-Türken oder türkischstämmigen Deutschen Fußball oder arbeite mit ihnen zusammen. Die sind auch nicht besser oder schlechter als andere Menschen. Aber wenn einer auf dem Platz eine Grütze zusammenspielt, dann wird man das ja noch sagen dürfen - egal ob er nun Özil, Kross oder Boateng heißt.

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decathlone 29.07.2018, 18:01
12. Ach, Herr Dietz...

Zunächst einmal: "Twitter erfüllt damit seine Funktion als alternatives Medium der Selbstverständigung und der demokratischen Praxis jenseits der etablierten Medien" --- Wirklich? Hat Herr Trump sich auch schon an diesem Tweet beteiligt? (Um nur eine prominenten Wahrheitsverkünder in den sozialen Medien zu nennen...) In den sozialen Medien gibt es keinen Anspruch auf Wahrheit und saubere nachprüfbare Fakten. Die Beispiele der Hetze in sozialen Medien sind Legion. In Indien reicht ein Gerücht in sozialen Medien, um einen Lynchmob zu organisieren. Was soll dabei herauskommen? Vermutlich mal wieder ein Schwarz-Weiss-Panorama: hier die guten und edlen Migranten und dort die rassistischen Bio-Deutschen (in Fachkreisen auch als 'Kartoffeln' bezeichnet). Es ist ja unstrittig, dass es Rassismus gibt, aber die Wirklichkeit ist doch deutlich komplexer. Ich bin kein Fan von Twitter und hab besseres zu tun, als in sozialen Medien meine Zeit zu verbraten. Kann daher nicht beurteilen, ob dort auch vom Rassismus der Migranten untereinander die Rede ist. Wir hatten kürzlich einige schockierende Beispiele hier auf unseren Strassen... Oder wird auch die Haltung der Türkisch-Stämmigen den Armeniern gegenüber thematisiert?? (Ich kann mich lebhaft an die Reaktionen nach der Bundestagsresolution erinnern... ) Aus Rassismusopfern können schon an der nächsten Strassenecke selbst Rassisten werden.

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hugotheKing 29.07.2018, 18:01
13. Danke

Danke für den Beitrag.
Lange vor #MeTwo-Debatte gab es etliche Bücher zum Thema von Migranten, in denen die alltägliche Diskriminierungen und Rassismus angesprochen wurden. Diese Bücher wurden in den Medien kaum wahrgenommen. Sehr medienwirksam waren aber Publikationen wie "Deutschland schafft sich ab" von Sarrazin oder "Deutschland im Blaulicht" von Kambouri, die einseitig die Migranten ins negative Licht rückten.
Nein, es gibt nicht nur Migranten, die sich daneben benehmen, sondern auch viele einheimische Deutsche, die sich daneben benehmen und Respekt vor anderen Mitbürgern missen lassen.

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McManaman 29.07.2018, 18:06
14. Auf den Punkt

Die Özil-Debatte ist ein Fanal, ein Initiationsmoment, der endlich jenen, die unter dem von Georg Diez trefflich beschriebenen strukturellen Rassismus leiden, den Mut gibt und das Forum bietet, ihre persönlichen Erfahrungen einer breiten Öffentlichkeit kundzutun, die bislang - mehrheitlich selbst nicht betroffen -, unter Verweis auf antirassistische Projekte, Aktionen und Sprachregelungen zu behaupten können glaubte, Rassismus sei kein dringendes, drängendes, aktuell hochgradig relevantes gesellschaftliches Problem mehr. Ist es selbstredend doch! Aber die Tatsache, dass diese Debatte stattfindet - und vor allem wie sie seitens der Betroffenen geführt wird -, stellt unter Beweis, um wie viel integrierter sehr, sehr viele Menschen unterschiedlichster Provenienz in die demokratische Kultur dieses Landes sind als der versammelte Unter- und Überbau von AfD, Pegida und sonstigen selbsternannten Exklusiv-Apologeten des Deztschtums (bzw. der Deutschtümelei).

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deraushh 29.07.2018, 18:09
15. sehe ich nicht so.

Ersteinmal tragen die Medien eine große Mitverantwortung in der offenen diskussion Rassismus. Twitter ist nicht die richtige Plattform um zu diskutieren. Wenn jetzt auch Deutsche einen # bei Twitter eröffnen, wie sie im Alltag beleidigt und auch ausgegrenzt werden, dann nimmt die Spaltung erst richtig an fahrt auf. Wenn dann noch Dicke, Dünne, Blonde, Tätowierte oder nicht Tätowierte anfangen, dann gute Nacht. Wollen wir das? Diskriminierung findet leider immer und überall in der Welt statt schon immer - leider!!!! Es ist dum und bescheuert. Es ist auch nicht so, dass es nur in Deutschland stattfindet (siehe zb Türkei und die Kurden). Nun verlangt es auch viel ab und es ist für mich scheinheilig, dass gerade Menschen sich zu Wort melden, wo in deren Staaten Diskriminierung (und Verfolgung) wirklich seit Jahrzehnten flächendeckend stattfindet und sich davon weder distanzieren noch in Deutschland (wo es möglich wäre) zu demonstrieren. Stattdessen werden diese Staatslenker auch noch unterstützt und verteidigt. Ich gaube jedem einzelnen die auf Twitter ihre schlimmen Erlebnisse beschrieben haben! Aber fast jeder in diesem Land hat schonmal Diskriminierung wiederfahren nicht nur von Deutschen. Auch die Diskriminierung unter den Ausländer selbst fehlt mir an der Diskussion. Auch die Diskriminierung von Ausländern gegenüber Asylsuchenden sollte auch in die Diskussion eingebracht werden. Ehrliche und diffenzierte Diskussionen ja, aber nicht nur einseitig gegen oder für eine Gruppe. Bei Rassismus sehe ich es ähnlich. Leider, wird sich danach nichts ändern, denn jede Seite wird nur ihren Standpunkt sehen wollen. Oder hat sich (als Beispiel) ein Türke sich schlecht gefühlt, wenn er einen Deutschen wegen einer Bagatelle Nazi betitelt hat? Oder wenn die Nachbarskinder nicht zum Geburtstag eingeladen werden, weil sie Deutsche sind. Oder wenn er einen Kurden als Terroristen bezeichnet hat? Zweifel dürften angebracht sein. Daher kann ich persönlich die #metwo Twitter Geschichte nur begrenzt ernst nehmen. In einigen Fällen, wenn sie sich so zutragen haben, hätte ich Anzeige gestellt. Es sollten viel mehr Soziologen die sich mit der Materie, wegen ihren Forschungen gut auskennen, zu Wort kommen. Ihnen sollte ein Forum in den Medien gegeben werden und nicht Journalisten!

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dasfred 29.07.2018, 18:37
16. Man muss auch gönnen können

Und zwar Migranten, dass sie Erlebnisse, die sie nachhaltig bedrücken, an einer Stelle veröffentlichen können, die sie mit Leidensgenossen teilen. Viele haben Erfahrungen verdrängt, ohne sie zu verarbeiten. Was Frauen bei Metoo geholfen, sich Luft zu machen, können jetzt Migranten bei Metwo ohne gleich das ganz große Fass aufzumachen. Wir Nichtbetroffene haben die Möglichkeit, nicht die Pflicht, uns anhand der Beispiele Gedanken über unser Verhalten zu machen. Da niemand gezwungen ist, sich mit den Geschichten auseinanderzusetzen, wundere ich mich über den vehementen Wiederstand.

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wildebeast 29.07.2018, 18:49
17. Ich muss mir leider selbst an die Nase fassen

Die Wahlkampfunterstützung für einen türkischen Politiker bei türkischstämmigen Deutschen oder in Deutschland lebenden Türken durch ein Treffen mit medienwirksamen Bilder sehe ich SEHR kritisch und lehne ich ab. Unpolitisch, wie Herr Özil meint, ist ein solches Bild ganz sicher nicht, egal wie die Absicht des Herrn Özil war!

Ich sehe mich als weltoffen und liberal. Trotzdem erwische ich mich bei selbstkritischem Hinterfragen meiner Haltung öfters, dass ich mich unterschwellig diskriminierend verhalte.

Deshalb Danke für diese MeToo Diskussion!

Ich werde versuchen, mich zu bessern, denn diskrimininierendes Verhalten ist das letzte. Ich bin im Ausland auch schon mal selbst diskriminiert worden.

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Daniel_Sonntag 29.07.2018, 19:17
18. # Debatten einseitig

Ich bin als langjähriger Spiegel Leser zutiefst enttäuscht über die Art und Weise wie das Thema aufbereitet wird. Natürlich sind die Erfahrungen der #MeTwo Debatte wichtig und auch sehr traurig, aber # Kampagnen geben eben kein wirkliches Abbild der Gesellschaft wieder. Gerade bei sensiblen Themen wie Sexismus und Rassismus äußern sich vor allem Betroffene und Wütende. Ein großer Teil der Leute, die andere Erfahrungen oder weniger aufgeregte Positionen haben, äußern sich nicht, weil sie Angst haben sofort Anfeindungen ausgesetzt zu sein. Die moderaten Stimmen fehlen in der Debatte, dabei sind sie gerade wichtig für ein differenziertes Bild. Schade, dass ein renommiertes Magazin wie der Spiegel sich von der kritisierten Bild Zeitung in Sachen ausgewogener Berichterstattung abhängen lässt. (Unglaublich das ich sowas mal schreiben würde, hätte ich nie gedacht) Dort kommen nämlich überraschenderweise beide Seiten zu Wort. Das vermisse ich bei euch. Rassismus ist leider keine Einbahnstraße, er existiert auf beiden Seiten und ist unabhängig von Hautfarbe, Religion oder Nationalität zu verurteilen. Ich würde mir wünschen, dass man das Thema in seiner ganzen Vielschichtigkeit analysiert und beschreibt. Stimmen wie die von Manaf A. Hassan fehlen hier leider und es bleibt bei einseitigen Vorwürfen. Am Ende wird es dazu führen, dass die Leute das Thema nicht mehr ernst nehmen und eben keine Verbesserungen im Zusammenleben der vielen verschiedenen Kulturen in Deutschland erreicht wird.

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maxipark01 29.07.2018, 19:24
19.

Zitat von stefan.martens.75
Warum? Weil es ein undifferenziertes und völlig einseitiges Sammelsurium darstellt, dass keinerlei Debatte oder Einsicht ermöglicht. Es ist lediglich der armselige Versuch einen vergangenen (ziemlich sinnlosen) Hype zu wiederholen. Was hat #Metoo bitte verändert? Außer natürlich die elendige Überfrachtung von Zeitungsseiten über einige Wochen?
Nun Herr Martens,
das Ziel dieser Kampagne ist es weder eine grundlegende Veränderung unserer Gesellschaft direkt auszulösen noch einen Hype nachzuahmen. Viel mehr soll, wie auch beim Vorgänger "Meetoo" dieses Problem erst aufgezeigt werden. Der Rassismus existiert in allen Schichten unserer Gesellschaft, in allen Institutionen. Wussten Sie das? Sind Sie ein Mensch mit Migrationshintergrund wie Ich? Oder halten Sie diese Kampagne deshalb für unsinnig, weil sie selbst nie mit dem Rassismus in Kontakt gekommen sind, den die Millionen Menschen aufgrund ihres Aussehens an vielen Orten begegnen? Was dieses "einseitige Sammelsurium" also erreichen will ist ein allgemeines Verständnis der Bevölkerung. Genau auf dieses Verständnis kann doch erst eine differenzierte Debatte entstehen.

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