Forum: Kultur
#MeTwo: "Wo kommst du eigentlich richtig her?"
imago/ Science Photo Library

Viele Menschen mit dunklerer Hautfarbe beschweren sich, dass sie oft gefragt werden: "Wo kommst du eigentlich richtig her?" Ist das Rassismus? Und darf man das fragen?

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lab61 11.08.2018, 20:58
90.

Ich habe viel mit Menschen afrikanischer und asiatischer Herkunft zu tun.
Die meisten sprechen perfekt deutsch. Deshalb würde ich die nie fragen, woher sie kommen. ich frage meist eher schon feststellend: „Du bist (aber) in Deutschland geboren, nicht wahr?“. Meine nächste Frage ist dann, und zwar aus wirklichem Interesse: „Und wo liegen deine Wurzeln?“ Oder auch: „Und sind deine Eltern auch schon hier geboren?“
Mir merkt man aber auch mein echtes Interesse an deren kulturellen Wurzeln an.
Bei vielen asiatischen Bekannten habe ich deren Herkunft auch gleich richtig geraten. Nicht nur anhand der Namen. Man kann lernen, Vietnamesen, Koreaner, Chinesen, Thais und Indonesier voneinander zu unterscheiden. Zumindest mit recht hoher Trefferquote. Ebenso, wie ich z.B Ethiopier und Eritreär von Westafrikanern zu unterscheiden gelernt habe.

Ich habe nie des Gefühl gehabt, deshalb jemanden negativ zu berühren. Ganz im Gegenteil. Man hat mir schon eher mal gesagt, dass man noch keinen Deutschen kennengelernt habe, der so einen guten Blick und soviel ehrliches Interesse zeigt. Obwohl es ganz sicher noch viele andere Deutsche gibt, die das noch besser sehen, als ich.

Niemand fühlt sich beleidigt, wenn sein gegenüber ein echtes Interesse an dessen ethnischer und kultureller Herkunft zeigt, wenn zu erkennen ist, dass derjenige bemüht ist, den (vermeintlichen) Migranten besser kennen zu lernen und besser zu verstehen.

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Lotte11 11.08.2018, 21:05
91. Interesse

wird es sein, wenn man mich fragt, wo ich herkomme. Das empfinde ich auch so und man kann das auch wirklich überbewerten. Ich wurde in Thüringen geboren und lebe mittlerweile die Hälfte meines Lebens in Österreich. Meine Mitmenschen sehen also nicht, dass ich keine Österreicherin bin, sondern hören es nur. Das kann nämlich auch einfach nur Smalltalk sein, wenn das Wetter schon ausdiskutiert ist. Den Dialekt werde ich nie so hinbekommen, dass ich wie eine Einheimische klinge.
Apropos Sprache : vor geraumer Zeit habe ich im Zug eine Frau kennengelernt, die einen Deutschkurs machte und eine grammatikalische Frage hatte. Ich war mir bei der Antwort nicht mehr ganz sicher. Aber es war so auffällig, wie begeistert sie deutsch lernte und innerhalb von zwei Monaten auch schon sprach. Das war wirklich bewundernswert. Ja, ich hatte dem Bedürfnis sie für ihr Können zu loben, nachgegeben. Auch ich werde für meine Sprachebemühungen von meinen Gästen gelobt. NEIN, ich empfinde auch dies nicht als rassistisch. Nichtmiteinanderredenwollen ist rassistischen und schafft auf beiden Seiten Barrieren.

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r2d2x2 11.08.2018, 21:09
92. Immer wieder gern ...

... erzähle ich die Story, als ich eines Tages einen Patienten mit sehr dunkler Hautfarbe und krausem Haar, aufgrund seines "ungewöhnlichen Dialektes" fragte "aus welcher Ecke er denn käme". Er nannte mir ein Land in Afrika (hab vergessen welches). Völlig verdattert fragte ich "Und dort spricht man deutsch?" Nun war er irritiert. Plötzlich schien er meine Verwunderung zu begreifen, lachte und meinte : "Achsoo, nein ich komme aus Hessen" .

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tomki1 11.08.2018, 21:14
93. Umgekehrt

wird man als Weißer im Ausland (Afrika,Indien) auch gefragt, wo man herkommt. Ich habe das nie als Rassismus wahrgenommen. Vielleicht sollten wir nicht so empfindlich sein.

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Roter_Radler 11.08.2018, 21:14
94. Gratulation

Zitat von fredderfarmer
Da würde der Autor bestimmt nie drauf kommen, aber wenn ich einen Menschen interessant finde, möchte ich natürlich wissen wo er herkommt, auch ursprünglich. Und zwar unabhängig von irgendeiner Farbe oder sonstiges.
Sie haben es geschafft, den ersten Beitrag zu platzieren.

Es wäre vielleicht trotzdem nicht ganz verkehrt, vor dem Lospoltern den Artikel zu lesen. Nur so als kleine Anregung...

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TheK79 11.08.2018, 21:22
95.

Ein in Deutschland geborener kommt eben "ursprünglich" aus Deutschland. Wenn ihr ihr wissen wollt, wo die Vorfahren her stammen, dann fragt eben auch nach dem Vorfahren. Das ist nämlich der entscheidende Punkt: Wer hier geboren und aufgewachsen ist, ist weder "Einwanderer" noch "Gast" – sondern ein Einheimischer, auch wenn seine Vorfahren das vielleicht nicht sind.
Ähnliches gilt für die Sprach-Bemerkung: Bei jemandem, der gerade erst ins Land gekommen ist, mag das anerkennend sein. Bei jemandem, der hier aufgewachsen ist, erklärt es diesen aber nur zu einem Fremden.

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ohjeee 11.08.2018, 21:25
96.

Zitat von schauerstoff
das Problem ist, dass die Normies sich nie erklären mussten oder für ihre Herkunft beleidigt oder physisch angegangen wurden.. sie wissen nicht, was Rassismus am eigenen Leib bedeutet, wollen aber klar entscheiden, ab wann sich ein Mensch diskriminiert fühlen darf.
Warum sollte man sich nicht zu Themen eine Meinung bilden, von denen man nicht direkt betroffen ist oder Profi in dem Feld ist? Sie haben wahrscheinlich auch eine Meinung zu Politik, ohne Politik studiert zu haben. Ob Sie es glauben oder nicht, auch der Durchschnittsdeutsche wird rassistisch angegangen. Und nicht nur, weil man als Schwabe unerwünscht in Berlin wohnen will. Nein, auch in bestimmten Vierteln oder Schulen ist man als Deutscher mittlerweile die Minderheit. Da ist Kartoffel noch das harmloseste was es zu hören gibt. Heute übrigens im Radio ein nettes Interview eines Laichinger Bürgers und dessen Meinung zu Stuttgartern gehört, die dort auf den Immobilienmarkt drängen. Stünde da eine Nationalität anstatt "Stuttgarter", mein lieber Schwan. Rassistischer ging es gar nicht mehr.

Übrigens frage ich als Süddeutscher im laufe eines guten Gesprächs auch bspw. Norddeutsche, wo sie denn genau her kommen. Oder auch nur Badener. Vor allem, wenn ich den Dialekt nicht genau zuordnen kann (Bremen, Hamburg, Kiel,...) und ich Interesse an der Person habe. Hat sich noch keiner rassistisch beleidigt gefühlt.
Natürlich startet man so auch kein Gespräch.

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mistersteve 11.08.2018, 21:27
97. Der Ton (und die Situation) macht's ...

Zitat von chimonanthus
Es ist indiskret (wenn Sie wissen was das ist) die besonders dämliche Frage zu stellen "wo kommen Sie her?" Fragen Sie auch eine, sagen wir Kassiererin im Supermarkt, blond, blauen Augen, die Sie besonders interessant finden: "Wo, bitte kommen sie her?" Vorsicht, sie könnte Ihre Frage falsch verstehen, es gibt nämlich Stadtviertel mit Sozialwohnungen, die nicht hoch angesehen sind. (s. heitige Diskussion im Forum...° Es ist ungehörig, indiskret, dumm einen fremden Menschen nach seiner Herkunft zu fragen. Frage der Erziehung, Benehmens.
Unsinn. Man kann sehr wohl auch in solchen Situationen sehr höflich mit echtem Interesse ohne weitere Hintergedanken fragen. Neulich an der Supermarktkasse Kassiererin mit sehr erkennbar bayrischem Dialekt (für hier sehr ungewöhnlich, da nicht das "typische-Bayrisch, wie man's von den Münchner "Ureinwohnern" kennt). Ringsum keine Schlange, Gelegenheit für einen kurzen Smalltalk, neugierdehalber nachgefragt: Es war Niederbayern irgendwo kurz vor Passau. Wir haben uns beim Abfertigen der Waren noch kurz über die Gegend unterhalten, und das war's. Und ihr war es erkennbar eine nicht ganz unrechte Abwechslung, dass sie mal die stereotypen Floskeln beim "Kundenkontakt" weglassen konnte. Also wo ist das Problem?
Auch der Ton macht's ....
Mag sein, dass solche Fragen bei "Andersfarbigen" irgendwann aufgrund der Normalität weniger werden, aber Gelegenheiten für Nachfragen wird es bei so etwas IMMER geben. In meiner Familie schlagen noch heute immer mal wieder die seit dem 18. Jahrhundert vererbten Gene der sehr, sehr südländischen Ahnfrau durch (auch bei mir und meinem Sohn), was schon öfters in den unterschiedlichsten Situationen Gesprächsthema war. Und als ich auf einem neu ausgestellten Personalausweis mal einen ganz besonders übertrieben dunklen Teint hatte, frotzelten meine französichen Freunde angesichts des Passfotos, dass ich nun eigentlich den Namen "Sidi ben ....." verdient hätte. Denn nach den Maßstäben der "francais de souche" wäre ich mit diesem Bild ohne weiteres als Maghrebiner durchgegangen. Soll man da jetzt überall Rassismus wittern?? Leute, entkrampft euch!! Oder seid ihr wirklich so zutiefst unsicher in eurem eigenen Dasein?

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keery 11.08.2018, 21:28
98. Frage ich nicht, auch nicht aus Interesse

In der Regel ist es so, dass beim Kennenlernprozess auch darüber gesprochen wird, woher man kommt, wo hat man vorher gearbeitet/gewohnt etc. Später vielleicht auch, wo die Wurzeln sind. Bisher haben alle das von allein irgendwann indirekt ins Gespräch eingebracht, wenn über die Großmutter, den Urlaub oder das Leibgericht gesprochen wird.

Ich frage nicht danach. Es ergibt sich, oder eben nicht, aber meistens ist es so: wenn es von Interesse/Bedeutung ist, ergibt es sich, und wenn nicht, dann nicht.

Mitunter sind die Umstände auch schmerzhaft oder traumatisch und gerade Fremden oder neuen Bekannten will man das vielleicht eher nicht erzählen, schon gar nicht im ersten Gespräch oder nebenbei im Zug.

Die Leute, die es interessant finden und vielleicht eine spannende Geschichte erwarten, sind egoistisch, sie wollen ihre Neugier befriedigt haben, ungeachtet der Gefühle des Gegenübers.

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Paddel2 11.08.2018, 21:30
99. Falsch

Wenn ich nach der Herkunft frage, unterstelle ich nicht automatisch, dass die Person nicht deutsch ist. Bei einem dunkelhäutigen Menschen ist es aber offensichtlich, dass zumindest die Eltern oder Großeltern woanders herkommen. Genau darum dreht sich die Frage. Im Südwesten ist es auch üblich, die Herkunft an der Dialektfärbung einzuschätzen und niemand fühlt sich auf den Schlips getreten. Bei #metwo dreht es sich konkret um die "zwei Herzen in der Brust" und genau diese Menschen dürfen sich nicht beklagen. Wer zu seinen Wurzeln steht, sollte mit der Frage kein Problem haben.

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