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#MeTwo: "Wo kommst du eigentlich richtig her?"
imago/ Science Photo Library

Viele Menschen mit dunklerer Hautfarbe beschweren sich, dass sie oft gefragt werden: "Wo kommst du eigentlich richtig her?" Ist das Rassismus? Und darf man das fragen?

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Dustinthewind 11.08.2018, 18:15
10. Die Leute wegen ihrer Hautfarbe nach ihrer Herkunft zu fragen ...

... halte ich per se keineswegs für rassistisch. Es gibt diese Unterschiede in der Pigmentierung und im äußeren Erscheinungsbild, die zu dieser Frage regelrecht verleiten, welche wiederum der naturgegebenen, menschlichen Neugierde entspringt, sein Gegenüber besser einordnen zu können, gerade dann, wenn dieses nicht "der Norm" entspricht.

Motivation könnte ein ernsthaftes Interesse an der anderen Person sein, welches durchaus positiv zu bewerten ist.

Rassismus beginnt aber DANN, wenn ich diese andere Person aufgrund ihrer anderen Herkunft oder Hautfarbe "diskriminiere", d. h. aber, nicht nur (wortwörtlich) "unterscheide", sondern (aktiv) einen "Unterschied mache/setze" im Umgang mit dieser Person, sie (mehr oder minder stark) benachteilige, oder ihr aufgrund ihrer Herkunft bestimmte Eigenschaften oder Verhaltensweisen zuschreibe, die ich mit der Herkunft verbinde, was oft unreflektiert, in jedem Fall unbewusst passiert, denn diese Zuschreibung bestimmt wiederum das Verhalten.

Dann beginnt der allseits bekannte dümmlich-oberflächliche Alltagsrassismus, die Stigmatisierung aufgrund der Herkunft.

Beispiel Trump: Afrikaner kommen nach den Worten des amtierenden Präsidenten aus "shithole countries", in diesem Fall wird die Herkunft also klischeehaft und verallgemeinernd mit mangelnder Zivilisationsleistung verbunden.

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friedrich_eckard 11.08.2018, 18:16
11.

Ich möchte auf einen Aspekt hinweisen, der mir in der Diskussion zu häufig untergeht, und den ich gerade hier lebende Menschen mit "dunklerer Haut-, Haar- und Augenfarbe" zu bedenken bitte.

Anders als GB, Frankreich, Spanien, Portugal... hat Deutschland keine nennenswerte Kolonialgeschichte, was Bismarck zu danken ist, und die war auch schon Anfang des vorigen Jhrdts. zuende, was dem verlorenen I. Weltkrieg zu danken ist. Wenn man in London, Paris, Madrid, Lissabon... einen Menschen mit "dunklerer Haut-, Haar- und Augenfarbe" antrifft, dann spricht eine tatsächliche Vermutung dafür, dass er im Lande geboren und dass die Landessprache seine Muttersprache ist. Deutsche mit "dunklerer Haut-, Haar- und Augenfarbe" sind demgegenüber immer noch vergleichsweise selten und eben keine Selbstverständlichkeit, und ich selber - älteren Baujahrs - ertappe mich auch gelegentlich dabei, mit solchen Menschen zunächst einmal Englisch zu sprechen. "In ein paar Generationen wird das hoffentlich anders sein." - das ist wirklich zu erwarten, es wird wahrscheinlich nicht einmal so lange dauern, und das wird auch gut so sein.

Plaidoyer auf mildernde Umstände: es gibt Verhaltensweisen, die ihre Ursache in "mangelnder Erfahrung im zwischenmenschlichen Umgang" haben können und die nicht zwingend auf "Rassismus" zurückzuführen sein müssen.

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Martin205 11.08.2018, 18:18
12. Naja

Man kann es mit (eingebildetem) Rassismus auch übertreiben: Jemanden nach der Herkunft zu fragen, weil sich bestimmte Merkmale zu den lokalen unterscheiden ist doch normal. Selbst wenn den Merkmalen bestimmte Eigenschaften zugeschrieben werden ist es noch lange kein Rassismus. Sonst sind doch ALLE Menschen Rassisten.

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Papazaca 11.08.2018, 18:20
13. Gut gemeint! Klar, der Rassismus lauert an der Ecke.

Erstmal, wenn es Fragen gibt, kann man die in der Regel auch stellen. Das ist übrigens in vielen Ländern, siehe USA, Kanada und Australien der Fall. Da werden diese Fragen auch oft gestellt. Rassismus in der Regel: Fehlanzeige. Und jedes Kompliment wegen guter Sprachkenntnisse in kein Herabsetzen.

Was der Verfasser aber nicht sieht: Diese Rassismus-Debatte wegen alles und jedem geht vielen auf den
Zeiger. Und die Bedeutung des Begriffes wird durch inflationäre Verwendung entwertet. Denn es gibt oft wirklichen Rassismus, ohne Wenn und Aber. Nur irgend wann ist der Begriff dann "abgelutscht", durch Thematisierungen wie in diesem Artikel.

Als kleine Anmerkung: Fragen Sie mal nach, wieviel Dörfer mit den Nachbardorf, wieviel Städte mit dem Nachbarort, wieviel Hausbewohner mit anderen Mieter Probleme haben. Nicht nur in Deutschland, weltweit!
Alles Rassismus? Nein, wir gehen eben oft nicht besonders freundlich mit unseren Nachbarn um. Jetzt aber überall Rassismus zu wittern wird langsam komisch!

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robinato 11.08.2018, 18:21
14. Eigentlich eine seltsame Frage zu fragen, ob man etwas fragen "darf".

Gab es nicht mal den Spruch, es gäbe keine dummen Fragen, nur dumme Antworten?
Ich verstehe, dass man mit der Zeit bei manchen Fragen genervt sein kann. Ich gebe aber zu bedenken, dass jeder Mensch mit allerlei nerviger Kommunikation und dummen Sprüchen konfrontiert wird. Dafür gibt es aber meist kein Label, es ist einfach Teil der täglichen Absurdität unbedachter und ungeschickter Kommunikation. Ich neige daher dazu, den Begriff "Rassismus" hier oft zu schnell angewandt zu sehen. Kommunikation neigt nun mal grundsätzlich dazu, zu misslingen, wie Niklas Luhmann gezeigt hat. Wenn in der Kommunikation über Kommunikation der Begriff Rassismus inflationär wird, werden die Missverständnisse selten weniger, vielleicht sogar eher mehr...

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felix-culpa 11.08.2018, 18:21
15. Abwarten...

...ist immer eine Tugend:

Gibt es denn wirklich keine anderen Themen um das Interesse an einer Person zu bekunden? Falls mein Gegenüber irgendwann den Wunsch verspüren sollte, mit über seine/ihre Herkunft zu sprechen, bin ich selbstverständlich auch daran interessiert.

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spon-41d-frm9 11.08.2018, 18:27
16. als Fränkin in Bayern

ok, dann erlebe ich als Hoferin ( Hof in Oberfranken) auch Rassismus, denn was ich mir hier in München seit 2002 schon anhören durfte, wegen meines fränkischen Dialekts, ist auch wirklich nicht schön. Oder darf man sich nur als NichtDeutscher über Rassismus beklagen und beschweren?

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Zapallar 11.08.2018, 18:35
17.

Zitat von fredderfarmer
Da würde der Autor bestimmt nie drauf kommen, aber wenn ich einen Menschen interessant finde, möchte ich natürlich wissen wo er herkommt, auch ursprünglich. Und zwar unabhängig von irgendeiner Farbe oder sonstiges.
Dito! Ich reise viel und wenn ich eine dunkelhäutige Person treffe, dann reden wir über die Stadt in der wir aktuell sind, und wenn ich AUS INTERESSE frage, wo sie herkommt, dann aus dem Grund daß wir das Gespräch dann auf das wunderbare Land ihrer Vorfahren drehen können. Ich werde in Südamerika auch gefragt, wo ich "herkomme", auch wenn ich dort leben, nur käme mir die in den Sinn, zwangsbetroffen gleich RASSISMUS zu unterstellen.

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123Valentino 11.08.2018, 18:35
18. Darf ....

ihre Nase mal anfassen? Mein Sohn wurde ungefragt über den Kopf gestrichen .
Wie oft ich die Frage „ wo kommst du denn her“ beantworten musste?
Ich kann es nicht sagen .
Warum haben sie so glatte Haare, warum eine gerade Nase . Hätte Ich jedesmal rassismus vermutet, ich hätte ein anderes Leben führen müssen.
Wenn jemand anders aussieht , ist das erstens interessant, zweitens kann es auch sehr reizvolle sein und drittens ist auch höflich die Fragen zu stellen, warum?

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GoranBaranac 11.08.2018, 18:39
19. Und so wundern sich Linke...

...warum sich Ihre Anliegen nur noch marginalisiert in der Lebenswirklichkeit der Wähler wiederfinden. Warum sollte -> Goran Baranac Rassismus unterstellen wenn jemand nach seiner Herkunft fragt? Wenn ich in den USA einem Hans Schmitz über den Weg laufen frage ich auch als erstes ob er Ami oder Migrant aus Deutschland ist - was da drüben genauso wie im Rest der Welt absolut kein Problem darstellt sondern den Opener schlechthin für Gespräche ist, vom Smalltalk bis zum Date. Nur hier sitzen Leute die die Welt neu gestalten wollen da und interpretieren Rassismus wenn der "falsche" Fragesteller in der "falschen" Tonlage zum "falschen" Zeitpunkt danach fragt. Warum mault eigentlich kein Niederländer über Rassismus wenn er bei seinem zerkauten Deutsch danach gefragt wird ob er aus Holland ist? Wenn dieses Land erst seit 60 Jahren Massenmigration betreibt ist es doch mehr als normal jemanden der optisch anders ist nach der Herkunft zu fragen. Wer meint die Frage nach der Herkunft implementiere "im Prinzip nein, aber" trotzdem irgendwie doch Rassismus der solle am besten nie wieder mangelnden gesellschaftlichen Zusammenhalt oder die Verrohung der gesellschaftlichen Debatte beweisen, denn wenn ich mein Gegenüber nicht mal mehr fragen darf wo er denn her ist kann ich mich gleich auf die üblichen Höflichkeitsfloskeln beschränken und den Rest des Tages zu Hause bleiben, um ja keinen auf den Fuß zu treten.

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