Forum: Kultur
Michael-Jackson-Ausstellung in Bonn: Bilder in Trümmern
David LaChapelle

Michael Jackson hat zu vielen Kunstwerken angeregt - sollte man die jetzt, nach den neuen Missbrauchsvorwürfen, zeigen? Die Ausstellung "On the Wall" ist umstritten, in Bonn eröffnet sie jetzt trotzdem. Doch was zu sehen ist, fühlt sich falsch an.

Seite 1 von 4
hileute 22.03.2019, 13:07
1. Dass Michael jackson

möglicherweise ein Faible für kleine Jungs hatte ist doch schon seit Ewigkeiten bekannt. Ich verstehe nicht warum so getan wird ob das erst jetzt mit den neuesten Anschuldigungen aufgetaucht sei.

Beitrag melden
Rechtsrum 22.03.2019, 13:15
2. Ist Jackson anders, als andere Prominente?

Wegen Vorwürfen von sexuellen Verfehlungen an Schauspieler und andere Prominente, die ebenfalls unbewiesen sind (deshalb natürlich nicht zwangsläufig unzutreffend), wurde sie aus Fernsehserien geworfen, Filme nicht mehr gezeigt, Jobs gekündigt, Musik nicht mehr gespielt. Was ist bei Jackson anders? Natürlich muss man ihn, wenn man sich um die Sache bemüht, nicht um die messianische Bewegung, Herrn Jackson aus den Medien tilgen.

Beitrag melden
Little_Nemo 22.03.2019, 13:32
3.

Ich finde, wir sollten endlich mal lernen mit Ambivalenzen umzugehen. Michael Jackson war ohne jeden Zweifel ein musikalisches Jahrhunderttalent - ganz unabhängig von dem was er sonst noch war. Er war ein herausragender Künstler. Ich persönlich bedaure allerdings, dass er, wie so viele, sein Talent an kommerzielle Trallala-Musik vergeudet hat. Das ist das eine. Auf der anderen Seite war er aber eben auch unzweifelbar eine menschliche Ruine. Und das in vielfacher Hinsicht. Wir würden uns ganz sicher keinen Gefallen damit tun, wenn wir künftig seine Musik verdammen und boykottieren würden. Ebenso wie wir uns übrigens nur selbst damit schaden würden, wenn wir das mit den Filmen Hitchcocks, Kevin Spaceys und anderen täten. Ein Geschmäckle hat es allerdings Jackson in Musik-Videos zu sehen, in denen er sich zum Messias stilisiert. Auch das muss aber kein grundsätzliches Problem sein, wenn man erwachsen damit umgeht und es nur als Werk begreift. Natürlich eignet Jackson sich, wenn sich die Verdachtsmomente gegen ihn bestätigen sollten, überhaupt nicht für Personenkult. Was übrigens auch wegen seiner fortschreitenden Selbstverstümmelungsmanie kaum angebracht ist.

Musik, Filme und Kunst allgemein sind emotionale Trigger, die verleiten Künstler zu Übermenschen und Göttern zu verklären. Tatsächlich sind sie aber Menschen aus Fleisch und Blut, mit allen menschlichen Schwächen, und eben auch oftmals ziemlich krank. Daher sollte man sich immer ein gesundes Maß an Distanz zu ihnen als Person bewahren.

Beitrag melden
aequidens_pulcher 22.03.2019, 13:54
4. What‘s new?

Ich versteh das Theater nicht. Dass der Mann pädophil war, war mehr als offensichtlich. Er hatte seinerzeit halt gute Anwälte. Zudem war er meiner Meinung nach komplett gestört. Eine der Bildunterschriften zur Fotostrecke ist geradezu lachhaft: Stolzer Afroamerikaner. Wohl eher das Gegenteil. Schließlich hat er alles dafür getan, nicht mehr als solcher wahrgenommen zu werden! Es wollte wohl niemand genauer hinschauen. Schließlich hat er immer noch genug Kohle gemacht, da wäre ein „Imageschaden“ nicht unbedingt wünschenswert gewesen.

Beitrag melden
.patou 22.03.2019, 13:57
5.

Was mich immer wundert, ist, wie sich die Wahrnehmung Jacksons nach seinem Tod gewandelt hat. In den Jahren zuvor und schon in den 90ern galt er ja eigentlich bereits als absoluter Freak mit seinen entstellenden kosmetischen Operationen, seinem erratischen Verhalten (Baby über Balkonbrüstung halten), seiner Neigung sich selbst zum Erlöser zu stilisieren und seiner mutmaßlichen Vorliebe für kleine Jungs, deren Zeugen mit viel Geld zum Verstummen gebracht wurden. Eigentlich war damals von dem Mythos der frühen Jahre nicht mehr viel übrig. Auch musikalisch kam kaum noch was Bemerkenswertes. Ich erinnere mich vor allem an Sirup-artiges wie "Heal the World" oder "You are not alone". Es ist angesichts der befremdlichen postumen Überhöhung seiner Person nicht wirklich überraschend, dass das Pendel irgendwann zurückschlagen würde.

Beitrag melden
MDen 22.03.2019, 14:06
6. So viel Grau(en)zone statt Black or White

Jetzt schwingt das Media-Pendel gerade wieder in Richtung „doch eher schuldig“, wenn es um den aktuell verwerflichsten Vorwurf „sexueller Handlungen mit Kindern“ geht. Und die Exponate beweisen wohl, dass den Künstlern der Ausstellung keine visionären oder durchschauenden Qualitäten zugeschrieben werden können, die in der Lage gewesen wären, diese Realität zumindest miteinzubeziehen, wenn nicht sogar vorwegzunehmen. Zudem verwirrt die Diskussion über die Trennbarkeit von (Kunst)Werk und Künstler. Man vergleiche das z.B. mal mit Leni Riefestahl.

Beitrag melden
at.engel 22.03.2019, 14:06
7.

Dass Menschen, die irgendeinen Bereich wie Kunst oder Politik geprägt haben, menschlich gesehen nicht immer einbahnfrei sind, ist eigentlich nichts neues. Und dass man sie nicht einfach verschwinden lassen kann, dürfte inzwischen auch den meisten klar sein.
Nur müsste man schon mal damit beginnen, das Werk Jacksons von dem zu unterscheiden, was andere gemacht haben, um irgendwie von seiner Popularität zu profitieren. Der "Heiligenkitsch", der um Michael Jackson produziert wurde, ist meist eh nur peinlich - ganz unbahängig von der Person.

Beitrag melden
dragondeal 22.03.2019, 14:11
8. @#2

Ein grundlegender Unterschied ist, dass Michael Jackson im Gegensatz zu den meisten anderen Beschuldigten tot ist. Ein weiterer Unterschied ist, dass er sich in der Sache einem Gerichtsverfahren stellen musste

Beitrag melden
tuvalu2004 22.03.2019, 14:13
9. King of Pop der Kinder mißbraucht

Wie genau soll das gehen, Jackson zu ehren als Poplegende ohne gleichzeitig darauf hinzuweisen, dass er Kinder sexuell mißbraucht hat. Bei jeder anderen Person geht das ja auch nicht. Natürlich sind Menschen/Künstler ambivalent. Sie produzieren hier Großartiges und da Scheiße. Unsere Gesellschaft hat mittlerweile deutliche Grenzen gezogen was die Scheiße betrifft. Jackson hat die nach heutigem Verständnis weit überschritten. Das auszublenden erfordert ordendlich Verdrängung. Die will ich in der Öffentlichkeit eigentlich nicht mehr sehen.

Beitrag melden
Seite 1 von 4
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!